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Show 662 Metz. aus merow. Zeit. Jahrb. für lothr. Gesch. IX, 97ff., X 120ff.) \ - Les grandes Pucelles, ehem. Augustinerinnenkloster i in der Nähe der St. Marcellenstrasse, in einer Urkunde von 1304 sdes pucelles en la vigne S. Marcel», nach Meu-risse 102G gegründet. Das Kloster wurde 1552 der Abtei St. Clemens überwiesen, und die Nonnen vereinigten sich mit den Damen von St. Pierre. 1565 verliess aber auch St. Clemens das Kloster und die Gebäude wurden aus fortifika- j torischen Gründen ganz niedergelegt. - K a t h e d r a le u n d D o m k a p i t e l . Kirche St. S t e p h a n I Kathedrale). Oratorium S. Stephani (6. Jhdt.); ecclesia S. Stefani (8. Jhdt.); monasterium urbis principale S. Stephano protho-mart. constr. (IL'. Jhdt.); Domus, monasterium (c. 1200); maior ecclesia (12. Jhdt.); St. Etienne (13. Jhdt.); Le grand Moutier (15. Ihdt.). Die erste Erwähnung eines Oratorium S. Stepha-ni bei Gregor von Tours. Nachdem der Bischofssitz in die Stadt verlegt war, wurde der Neubau eines grösseren Gotteshauses unter Bischof Petrus von Metz in den 70 er Jahren des 6. Jhdts. ausgeführt. Chrodegang hat diesen Bau ausgeschmückt, auch müssen durch die Einrichtung der Vita communis, welche durch seine Regula für die Domherrn eingeführt wurde, verschiedene Nebenbauten nothwendig geworden sein. Ein fundamentaler Umbau des merowin-gischen Gotteshauses wurde von Bischof Theoderich I. (964- 0841 in Angriff genommen und unter Theoderich IL im Jahre 1030 geweiht. Doch hat diese romanische Kirche, die drei-schiffig war, nicht lange ausgehalten. Schon Bischof Konrad von Scharfenberg (1212-1220) hat einen Neuhau unternommen, der diesmal auch die dicht neben St. Stephan liegende Kol-legiatkirche S. Maria rotunda umfasste. Domkapitel und das Kapitel der Nachbarkirche waren gemeinsam Bauherren, haben aber eine niedere Trennungsmauer quer durch das Langschiff gezogen; auch lag der Fussboden beider Kir-chentheile in verschiedener Höhe. Der Chor des Kapitels | St. Maria ist heute die Kapelle, welche die direkte Fortsetzung des zweiten Joches bildet (heute Notre Dame du Mont-Carmel). Jedenfalls haben aber beide Bauherren nach gleichem Plane arbeiten und die ihnen zufallenden Bautheile fast gleichzeitig hochführen lassen. Als Förderer des Baues werden die Bischöfe Jacob von Lothringen (1239-1260) und dessen Nachfolger Philipp von Florenges (1261-1264) genannt. Auch Bischof Reinald (1302-1316), Henry Dauphin (1316-1324), Louis de Poitiers (1325-1327), Ademar von Monthil (1327-13ol), Theoderich Baier von Boppard (1365- 1384) waren nachweislich für die Förderung des Kathedralenbaues thätig. Im Jahre 1348 wurde die Kirche Notre D a me la Ronde geweiht. 1381 dem Muttethurm ein Abschluss gegeben. Jedenfalls war bis zum Ende des Jhdts. das Langhaus fertig i Baumeister Pierre Perrat f 1400). Von der. nachfolgenden Bischöfen Conrad Baier von Boppard (1416-1400. und Georg von Baden (1459-1484) haben wir gleichfalls Indulgenzbriefe zum Besten der Kirchenfabrik. In ihrer Zeit ist die Bischofskapelle auf der Südseite, die eine Gründung des Bischofs Ademar war 'erwähnt 1337 und 1350) ausgebaut, und man wird annehmen dürfen, dass die vereinnahmten Summen auch zum Besten der der Kathedrale anliegenden Kirchen resp. Kapellen, die gleichfalls dem Domkapitel gehörten, verwendet wurden. (Als Nach- | folger Pierre Perrats wird noch ein Meister Andreas genannt, i A n der Kathedrale selbst begann eine energischere Bauthätigkeit erst wieder 1478, w o man den Helm des Mutte-thurms in Angriff nahm und 1486 mit der Niederlegung des romanischen Chors, der noch von der Zeit Theoderichs IL her bestand. Zunächst wurde der Ausbau des nördlichen Querschiffes in Angriff genommen, 1504 der erste Stein zum südlichen Transept gelegt und 1520-1525 der Chor beendet. In denselben Jahren liess der Domherr Martin j Pinguet auch einen neuen Lettner herstellen. 1546 fand endlich die Weihe der gesammten Neubauten statt. Der [ gothische Bau stellt sich als eine dreischiffige Basilika mit einfachem Querschiff und polygonalem von einem Kapellenkranz umgebenen Chor dar. Seine Gesammtlänge im Innern beträgt 122 m, die Breite des Langhauses 30 m, des Querschiffs 47 m. Die Höhe des Schiffes vom Kirchenfussboden bis unter den Gewölbeschlussstein des Mittelschiffes ist rund 41 m, bis zum Schlussstein des Seitenschiffes rund 13,5 m. Noch einmal ist die Bauthätigkeit an der Kathedrale aufgenommen worden, als durch den Herzog von Choiseul der Pariser Architekt Blondel nach Metz geschickt wurde und in den Jahren 1761-64 'unter der Bauleitung des Professors Gardeur le Brun) der Westseite ein mächtiges Portal in antikisirendem Stile vorlagerte. Endlich hat es sich in neuster Zeit die deutsche Regierung angelegen sein lassen, eine Restaurirung der Kathedrale vorzunehmen. In Folge dessen ist das durch einen Brand im Jahre 1877 zerstörte Schieferdach erneuert und an Stelle der früheren das Querschiff abschliessenden Walmdächer sind architektonisch gegliederte Sieilgiebel gesetzt. Auch das Liebfrauenportal ist neu hergestellt, und gegenwärtig ist m a n damit beschäftigt, das von Blondel der Westseite vorgelegte Portal durch einen stilgerechten Neubau zu ersetzen. Die Kathedrale ist nicht reich an Sculp tu ren. Von Werken des 13. Jhdts. ist kaum mehr übrig geblieben als einige Figuren im Tympanon des Portals Ste. Marie. Dagegen haben sich bemerkenswerthe Glasfenster erhalten. Hervorzuheben die grosse Rose im Westgiebel, ein W e r k H e r m a n n s von M ü n s t e r (angestellt c. 1381. gest. 1392); im nördlichen Querhausarm die Gemälde des Theobald von Lixheim 'Anfang des 16. Jhdts.); im südlichen Querhausarm und an den grossen oberen Fenstern des Chors ist besonders Valentin Busch thätig gewesen. Ein O r g e l s p i e l wird 1463 erwähnt, eine kleinere Orgel wurde 1537 aufgestellt. An der Ecke des südlichen Querhausarms und des Langhauses noch heute eine prächtige Renaissanceorgel von reizvollem Aufbau und mit schönen Schnitzereien. Von Glocken besonders zu erwähnen die sogenannte Mutte (Neugüsse 1442, 1443, 1459, 1573 etc.). Der D o m s c h a t z ist vor Zeiten ausserordentlich bedeutend gewesen. Ein Theil der Kostbarkeiten 1561- 1567 verkauft (so besonders ein grosses goldenes Kreuz). Als schmerzlichster Verlust ist zu beklagen, dass die kostbaren mit Miniaturen gezierten Handschriften, hauptsächlich zur Zeit Colberts (2 Stück i und 1802 (16 Stück), nach Paris gekommen sind. So findet sich noch heute in der National-bihliothek die Bibel Karls des Kahlen von Abt Vivianus von S. Martin in Tours, der Psalter Karls des Kahlen entstanden 842-869) und das Sakramentar des Bischofs Drogo. In der Kathedrale vorhanden ist noch die C h a p p e de C h a r l e m a g n e , ein Chormantel, der wie zahlreiche andere kirchliche Gebrauchsgegenstände in der Ueberlieferung als Schenkung Karls des Grossen bezeichnet wird. Thatsächlich ist es ein sai acenisches Gewebe des 12. Jhdts. Ein reizvoller T r a g a 1 t a r aus Achat mit ausgeschlagenem figurengeziertem Silberblech 12.Jhdt.). Zwei elfenbeinerne Bischofsstäbe des 11. und 13. Jhdts. Der R i n g des heiligen Arnulf, schon von Paulus Diaconus erwähnt. Ein im Jahre 1S82 von Barbedienne angefertigter Nachguss der jetzt im Museum Carnavalet zu Paris verwahrten, ursprünglich dem Dom angehörigen Reiterstatuette Karls des Grossen (Original von Goldschmid Francois in Metz aus dem Jahre 1507). - Aus der Kathedralgeistlichkeit bildete sich das Domkapitel. Ueber seine ursprüngliche Organisation ist uns nichts bekannt, durch die regula Chrodegangi wurden die zerstreut wohnenden Geistlichen zu gemeinsamem Leben nach mönchischer Art vereinigt. Die Einnahmen waren zunächst nicht von denjenigen des Bischofs getrennt, später (11. Jhdt. ?) aber bildete sich eine besondere mensa capitularis im Unterschiede von den dem Bischof zustehenden Einkünften. Bei der Bischofswahl übte das Kapitel einen bedeutenden Einfluss aus und bemächtigte sich, wie überall so auch hier, seit dem Anfange des 13. Jhdts. des ausschliesslichen Wahlrechts. Mit dem Beginn des 14. |