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Show 76 Bergheim. güicrten Klosters Moyenmoutier (vgl. St. Peter bei Bergheim), kurz vorher durch Bestechungen den unbeschränkten Besitz in der kaiserlichen Kanzlei erwirkt hatte. 1069 wird Bergheim per fideles regis (sc. Heinrici IA'.) dem Touler Stift entfremdet und von diesem etwa 1102 wiedergewonnen. Es g, langt später als Lehen an die Grafen von Dagsburg und nach deren Aussterben (1225) an den Herzog Alatthias von Lothringen, der es zunächst seinem Oheim Philipp von Gerbeviller, dann (1246) dessen Schwiegersöhne, dem Grafen Hugo von Luneville (später von Lützelstein) zu Lehen gab. 1287 war es im Besitze der Herren von Rappoltstein (als lothringisches Lehen?) ; durch Familientheilung kam es 1298 mit Rohrschweier und Rodern an Heinrich IV. von Rappoltstein, der 1301 das seinem Schwiegervater Burchard von Geroldseck verpfändete Reichsgut in Dorf und Bann von Beigheim (und Ohnenheim) erwarb. 1312 trug er das ihm, wie er angibt, titulo proprietatis gehörende, schon 1311 in eine Stadt umgewandelte Bergheim dem Römischen König Heinrich VII. auf und erhielt es als Lehen zurück. A m 25. Alärz 1313 verkauften die Kinder Heinrichs IV. von Rappoltstein die Stadt Bergheim (mit Rohrschweier und Rodern) einschliesslich des obenerwähnten Reichsgutes an den Herzog Leopold 1. von Oesterreich. 1314 wurde B. (nebst dem Schlosse Reichenberg) an Heinrich von Alülnheim, (1324 an Heinrich A\raffler von Eckerich?), 1345 an Eppe von Hattstatt verpfändet, l'm 1361 lösten vermuthlich die Bürger von Bergheim die Pfandschaft ein: die Herzöge von Oesterreich waren für kurze Zeit im Besitze. Aber schon 1366 erscheinen die Herren von Hattstatt wieder als Pfandinhaber der Stadt, die 1375 wiederum die zur Einlösung nöthigen Summen aufbrachte. 1398-1436 hatte Graf Hans von Lupfen Bergheim (als Pfand?) inne; 1448-143* war es an die Markgrafen von Baden, 148s-119.5 an die Herren von Rappoltstein verpfändet. A'on da an blieb es bis 1632 unter der Verwaltung der Erzherzoge, von denen es 1648 an die Krone Frankreich überging. Leber die Besitzer und Inhaber von 1639-1789 vgl. B e r g h e i m , Amt. Dinghöfe. 1 Der Niederhof oder der von Altenkastei Hof, s. Langen-Schlossle; 2. der Oberhof, s. St. Peter. - B e gütert waren in Bergheim vor 1264 die von AVolhusen, von Horburg, die Grafen von Reichenberg, 1264 die Johanniterkomthurei Colmar. Auch die Deutschordenskomthurei Kaysersberg hatte dort Besitz. G e m e i n d e . Betheiligt an der Gemeinmark (s. Gemeinmark); Antheil an der Waldmark s. St. Pilt. Bürgere zu Bergheim 1311 genannt; Gemeindeverwaltung und Gemeinde-siegel 1328; Herzog Rudolf IA'. von Oesterreich bestätigte die von alter Zeit hergebrachten Rechte, Freiheiten und guten Gewohnheiten (darunter auch, wie es scheint, das Asylrecht) Idol, gestattete die Erhebung des Ungelds 1361 (1376 aul Rodern und Rohrschweier ausgedehnt); Herzog Leopold 11. von Oesterreich gewährte, bis die zur Lösung der Pfandschaft gemachten Schulden getilgt sein würden, Befreiung vom Gewerf und von Kriegsleistungen, überliess für dieselbe Zeit das Judenschirmgeld, gab der Stadt eine selbständige Gerichtsbarkeit und das (früher den Bischöfen von Toul in Bergheim zustandige) Alünzrecht 1375; der Römische König A\renzel bestätigte die Befreiung von fremden Gerichten und das Asvlrecht 1379; Herzog Albrecht AT. von Oesterreich bewilligte die Erhebung eines bestimmten Wegegeldes zur Unterhaltung des Landgrabens und der über diesen führenden Chaussee 144o Pfarrkirche. Basilica honori perpetuac virginis Alariae dicata um 7"0. Rector, vicarius, primlssarius, 8 cappellani (einschliesslich des cappellanus saneti Petri extra muros) 1441. Die Pfarrei gehörte bis zum Konkordat von 1801 zum Landkapitel ultra ..olles Ottonis des Bisthums Basel. Der Kirchensatz, durch den Edlen Theudoald u m 700 dem Kloster Moyenmoutier zugewandt, gelangte angeblich u m 925 durch Verpfändung an das Baseler Stift, welches später die Herren von l'senberg damit belehnte. 1352 kam dies Lehen durch Anna von LLsenberg an ihren Gemahl, den Markgrafen Heinrich von Hochberg; 1415 erwarben es die Alarkgrafen von Baden (letzte bekannte Belehnung an den Alarkgrafen Christoph vom 11. Alärz 1481), die 1485 noch die Grafen von Thierstein belehnt haben sollen. Gegen Ende des 15. oder zu Anfang des 16 Jhdts. scheint Oesterreich den Kirchensatz an sich gezogen zu haben, der fortan mit der weltlichen Herrschaft verbunden blieb, also von 1679-1789 den Pfalzgrafen von Birkenfeld zustand. Geschichtliches. Bischof Udo von Toul f zu Bergheim 1069. Dorf Bergheim beim Angriffe auf Rappoltstein durch Hartmann von Baldeck niedergebrannt 1287; befestigt und zur Stadt gemacht 1311; vergeblich von Herzog Johannes 1. von Lothringen belagert 1374; Angriff Antons von Hattstatt 1433; erfolglose Belagerung durch den Grafen von Salm und seine Arerbündeten 1438; Bergheimer Bürger vertreiben die Gecken aus St. Pilt 1445 ; Kaiser Alaximilian I. bringt im Amtshofe zu Bergheim eine Nacht zu 1511; die Stadt öffnet den Bauern ihre Thore 1525 (Alai 12); 1609 und 1629 Pest zu Bergheim; 1632 von den Schweden besetzt; erfolglose Belagerung durch die kaiserlichen Truppen 1675*; lettres patentes du 17 fCvrier 1770 pour l'exploitation des mines de charbons de terre dans le comte de Ribeaupierre et la seigneurie de Bergheim; 1840 grosse Feuersbrunst. Archäologisches u. s. w. B. liegt am Hauptkeltenweg. Bronze- und römische Funde. Bei Bergheim wurde 1848 ein römischer Alosaikfussboden gefunden, der jetzt im Aluseum zu Colmar ist. Die Kirche, mit mittelalterlichen Resten, stammt aus dem 13.-14. Jhdt. LTmgebaut wurde das Alittelschiff im 18. Jhdt. L'm das Kirchenchor ist aussen auf der Mauer ein Trauer- | streifen mit Todtenköpf en aufgemalt. Interessant sind mehrere Steinbildwerke an Thüren, Reste eines (irabmales aus dem 14. Jhdt. mit mittelalterlichen Alalcreien. In der Stadt viele alte Gebäude aus der spätgothischen- und der Renaissance-Zeit und Reste der alten Befestigungswerke, bestehend in Thürmen, Ringmauern und einem Stadtlhore. In der Nähe von Bergheim befindet sich der sogen. Tempelhof (s. d.), ein Bau aus dem 16. Jhdt., in welchem namentlich der Saal mit seiner Architektur und seinen AVandmalereien bemerkenswerth ist. Z u B e r g h e i m geborene b e r ü h m t e Alänner. Der Humanist J o h a n n e s Fabricius Alontanus (Johannes Schmidt), geb. 1527, f 1566 zu Chur ; Schulmeister und Prediger in Zürich und Chur. Alartin Drölling, geb. 175i', f 1817 zu Paris; Zeichner und Alaler. Freiherr D o m i n i q u e Francois Louis R o g e t , baron de Belloguet, geb. 1796 im A O . Langenschlössle (s. d.i, t 1872 zu Nizza, franz. Offizier, seit 1834 Geschichtsforscher und Archäologe. Alichael Neubert, geb. 1805, f 1882 zu Pe-rouse bei Beifort; berühmter Alissionsprediger des Redemp-toristen- Ordens. G e m e i n d e w a l d (Oberförsterei Rappoltsweiler): 589,0 ha. 270-730 m über dem Aleere (Gebirgswald) und 174 m üb. d. AI. idas Ried i. Granit, A'ogesensandstein. 347 ha Hochwald: 0,7 Tannen, 0,2 Kiefern, 0,1 Eichen; 150,4 ha Eichen- Schälwald; 27,8 ha Kastanien-Niederwald; Ried: 63,8 ha I Alittelwald aus Eichen, Eschen, Erlen, L'lmen. Besitz. a) Gebirgswald. Nach dem Theilungsvertrage vom 7. Alai 1807 wurde der bisher ungetheilte AVald der Gemeinden Bergheim, Rodern und Rohrschweier diesen nach dem Alasse ihrer Betheiligung zur freien A'erfügung über-j lassen. Einen Theil des AA^aldes hatte B. auch gemeinsam mit Leberau, Orschweiler und St. Pilt, Theilung 1436 und I endgültig 1791, s. Leberau Gdewld. b) Riedwald: Ursprünglich Besitz der Oralen von Reichenberg (s. o.); 1375 schenkte Herzog Leopold IL von Oesterreich der Stadt Bergheim in Anerkennung namhafter von ihr geleisteter Geldopfer die Holz- und die Eekerniessung in dem Walde. Diese Rechte wurden 1565 durch Egelolph von Rappoltstein anerkannt |