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Show 2o4 Ensisheim. felden, Meienheim, Münchhausen, Munweiler, Niederenzen, Niederhergheim, Oberenzen, Oberhergheim, Pulversheim, Regisheim, Rüstenhart, Rumersheim. - Ein Jesuiten-Kollegium, welches in E. bestand, wurde 1765 durch eine Ordonnanz Ludwigs XVI. mit dem Koll. in Colmar vereinigt. 2 kleine Ziegeleien. Fabrik kleiner Eisentheile, Schmerber, Sautier, Roth & Cie., Wasser- und Dampfkraft; 179 Arbeiter. Kleine Seifensiederei (5 Arbeiter). Sägemühle mit Dampfkraft. Getreidemühle mit Wasserkraft. Ferner in der Strafanstalt für Privatrechnung: Alöbelfabrik, Kokosmattenweberei und Schuhwaarenfabrik. - Strbst.: Adolsheimer Alühle und Ensisheim (s. 1885). Ende März und Ende Nov. Viehmarkt, Ende Nov. auch Krammarkt (sogen. Katharinen-markt). E. wird im Urbar von 1303 als Lehen, das die Habsburger von Strassburg hatten, bezeichnet. Stadt ist es wahrscheinlich seit dem Anfang des 13. Jhdts. 141.5 wurde es vom Reichsvogt, Ludwig dem Bärtigen von der Pfalz, nach mehrtägiger Belagerung für das Reich eingenommen; 1444 ging es ohne AViderstand in den Besitz des Dauphins über, der hier seinen Frieden mit den Baslern schloss. Zur Zeit der Burgunderherrschaft wurde es von Karl dem Kühnen und seinem Landvogt Peter von Hagenbach besucht. 1525 widerstand E. den aufrührerischen Bauern; der Bauernkrieg im Sundgau wurde von hier aus unterdrückt. U m 1580 wurde die Stadt von Specklin neu befestigt. Im dreissigjährigen Kriege wurde E. zuerst 1630 durch den Rheingrafen Philipp, 1632 durch den Rheingrafen Otto Ludwig erobert; dann noch fünf mal belagert und eingenommen. Die Königsburg, das ehemals habsburgische Schloss, durch den Grafen Rudolph von Habsburg erbaut, 1444 durch Brand zerstört, aber durch Kaiser Friedrich IV. und die Erzherzoge von Oesterreich, die als Landgrafen nach dem Elsass kamen, neu erbaut und 1580 durch Specklin verschönert und befestigt, war seit dem dreissigjährigen Kriege ganz in A'erfall und ist jetzt völlig verschwunden. Als Hauptstadt der österreichischen A'orlande hat E. glänzende Tage gesehen. Es bildete den Alittelpunkt für den elsässischen Adel. Die meisten habs-burgischen Kaiser seit Rudolf I. und viele Erzherzoge haben die Stadt besucht, so Maximilian I. 1492, 1498 und 1511, Ferdinand I. 1524 und 1562, Matthias 1596. Der letzte österreichische Landtag wurde wohl 1620 durch Erzherzog Leopold hier abgehalten. 1682 erlaubte Ludwig X I V seinem Intendanten im Elsass, de Lagrange, die Burg in E. abzubrechen und aus den Alaterialien eine Kaserne zu bauen. Doch behielt der König die Regence d'E., die einen Theil des zerstörten Palastes bewohnt hatte, bei, bestätigte sie in allen ihren Rechten und als oberste Gerichtsbarkeit des Landes. Nur änderte er ihren Namen in Conseil Provincial. Vergl. Ensisheim, Herrschaft. - Begütert waren in E. die Klöster U ismünster 823(?), Rheinau 1071, Goldbach 1191, Lützel 1.236, von dessen grossem Hofe sich keine Erinnerung erhalten hat, Klingenthal 1282, Alurbach u m 1300, Bisthum Basel 1322, Deutschordenshaus Beuggen, Johanniterkomthurei Colmar. - A n der Spitze der Stadtverwaltung stand in öster. Zeit der Stadtvogt, der stets ein Adliger und zugleich Regimentsoder Kammerrath war, der Schultheiss und 12 Räthe. Die Gemeinde lag in fortwährendem Streite mit den Beamten, den Hofsverwandten, wegen der Gemeindeabgaben, dieselben waren fast gänzlich davon befreit. - 1574 wurden auf Verlangen des Landtages von 1573 alle Juden aus E. ausgetrieben. - Der Stadt E. gehörte das Dorf Rülisheim und ein Drittel von Ungersheim. - An die glänzende Zeit des österreichischen Regiments erinnern heule noch das pracht-volle 1535 erbaute Rathhaus (gesch. Dkm.), ursprünglich Regierungsgebäude ein hervorragendes Bauwerk der deutschen Renaissance, das Gasthaus zur Krone von 1609, jetzt Brauerei Schmidt, und manche andere Privathäuser. - Seit 1571 ungefähr bestand zu E. eine, Seminarium genannte, städtische höhere Schule, welche der Stadtpfarrer Johann Rasser (vergl. u.i mit Unterstützung der Regierung und mit Beihülfe vieler obcrelsässischer Klöster an der Stelle des früheren Spitals begründet hatte. Sie wurde durch Erzherzog Maximilian 1614 den Jesuiten übergeben und mit dem Besitze der Abtei Gottesthal und den Prioraten von AVahl-bach bei Landser, Kaltenbrunn bei Dattenried (Delle) und St. Nikolaus bei Rothenburg (1636) ausgestattet. Nach der Arertreibung der Jesuiten 1704 wurde das Gebäude in ein Arbeitshaus für Landstreicher umgewandelt (Gottesthal und Kaltenbrunn erhielt das Collegium von Colmar); nachdem es dann Gefängniss und Alilitärlazareth gewesen war, ist es seit 1811 Zuchthaus. - 1603 wurde zu E. das erste Kapuzinerkloster im Elsass gegründet, das aber 1791 wieder unterdrückt wurde. - A m 7. Nov. 1492 fiel der berühmte, im Rathhause aufbewahrte Aerolith. - Die Pfarrei E. gehörte vor dem Konkordat (1802) zu dem Landkapitel Citra colles Ottonis des Bisthums Basel; das Patronat hatte die Universität Freiburg. E. liegt an der Römerstrasse von Burnhaupt nach Hirzfelden. In der Nähe grosse Anzahl von Grabhügeln der Hallstatt-La-TOne Zeit. Im Zuchthause Reste des ehemaligen Jesuitencollegiums aus dem 16. Jhdt. Die Pfarrkirche ist ganz modern. Auf dem Kirchhofe die St. Martinskapelle (extra muros) aus dem 15. Jhdt. V o n den Befestigungswerken ist fast nichts mehr vorhanden, jedoch ein Plan davon im Bezirks-Archiv zu Colmar. E. ist die Vaterstadt von Johann Rasser, Stadtpfarrer von E., Probst von Enschingen und Rath des Erzherzogs Ferdinand IL, gest. ca. 1597; A^erfasser von Schuldramen und von Predigtsammlungen. AVichtigcr aber ist er als Gründer des Ensisheimer Seminars (s. o.) und Rathgeber des Ensis-heimer Regimentes bei allen Massregeln zur Wiederherstellung der kath. Kirche im Elsass. Ferner stammte aus E. Jakob Bälde, geb. 4. Jan. 1604. Sohn eines österreichischen Kammersekretärs, besuchte die Schule in Beifort und E., wurde 1624 zu Ingolstadt Jesuit, gest. 1668 zu Neuburg an der Donau; der bedeutendste lateinische Dichter deutscher Nation ; seine wenig zahlreichen deutschen Gedichte bleiben hinter den lateinischen zurück. - Im Thürme von E. lag u m 1300 der berühmte Rabbiner Aleir von Rothenburg mehrere Jahre gefangen. Gerne in de w a l d (Oberförsterei Sulz) 217,1 ha. (Alittel-wald: Eiche, Hainbuche, Linde, Akazie, Esche, Rüster.) Alter Besitz der Gemeinde. Chauffour, J., Aus der Ensisheimer Chronik, 1471- 1527. Als. X, 281-297.) M e r k l e n . [F. J.], E., jadis ville libre imperiale et ancien siege de la Regence archiducale des pays anterieurs d'Autriche ou histoire de la ville d'Ensisheim. I. IL Colmar 1840-1841. Benoit, A., Ensisheim. notes sur la maison centrale 1820-22. (Rev. d'Als. 1897, S. 215- 224.) Lesjuifs, k la maison centrale d'Ensisheim (Haute Alsace) il y a 50 ans. (La Revue nouvelle d'Alsae-Lorraine VII, S. 481 f.) Kurtz, Les droits et les possessions de l'ancien Prieure" des Benedictins de Froidefontaine quand ce Prieure fut reuni au College des jCsuites d'Ensisheim. (Rev. d'Als. 1883, S. 404-425.) S p a c h , Louis, Rapport k AI. le Prefet du Bas-Rhin sur les fonds de la PreTecture de Haguenau et de la Regence d'Ensisheim. Strasbourg 1856. Fiela, E , Einiges aus der Alünzstätte E. im Elsass. (Zschr. f. Numism. 22, 1899, S. 47-65.) B e r n e g g e r , Relatio von dem Treffen bei Ensisheim. Strassb. 1674, fol., auch französisch: Relation verkable du combat d'Ensisheim en 1674. Knoll aine\ Ch., Les fouilles des tumuli d'Ensisheim. (Rev. d'Als. 9, 1858, S. 331-335.) Ring, Max de, Les tombes celtiques de la foret communale d'E. et du Hubelwaeldele. (Bull, de la Soc. p. la cons. des mon. hist. d'Als. II, 1857/8, S. 235-259.) Seck, Die kaiserl. Strafanstalt f. Alänner in E. (Arch. f. öff. Ges.-Pfl. in E.-L. 18, 1899, S. 67-80. 115-134) E n s i s h e i m , Fsths. (Gde. u. Ka. Ensisheim, Kr. Gebweiler, O.-E.). 5 E. 1 Hs. 1S90,1 erbaut. |