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Show Maursmünster. münster, Westhausen, Zeinheim. Kirchenfest 3. Aug. (Erf. - des hl. Stephanus). - Die Protestanten gehören zur Pfarrei Allenweiler. Rabbinat (s. 1826'. Sprengel' M. und Romansweiler. Synagoge (s. 1821). Jüdischer Friedhof (s. 1795). - 5 Steinbrüche ; Ziegelei; Kalkofen; Oelmühle; Sägemühle. Hausindustrie: Strumpfweberei, für Firmen. Handel: Vieh i und Gewebe. Anfang Sept. 3 Tage Messe. Die Stadt M. führt ihren Namen von der Abtei M. (s. d.), der sie auch ihre Entstehung verdankt und gehörte zur Mark M. (s. d.), die in ältester Zeit im Besitz der Abtei, nach mannigfachen Schicksalen 1705 an dieselbe zurückkehrte. I Schon im 12. Jhdt. war M. befestigt, doch wurde es 1471, da Banden von Freibeutern darin hausten, von den Loth- ] ringern erobert und geschleift. Die Abtei hatte grosse Besitzungen in der Stadt. - 1674 Anfang Nov. fand bei M. ein Gefecht zwischen Brandenburgern unter Oberstleutnant Henning und Franzosen statt; letztere wurden zersprengt. - Kirchlich gehörte M. zum Landkapitel Zabern. Die ehemalige Pfarrkirche, die mit der Pfarrei, 1252 der Abtei inkorporirt wurde iOberkirchei, befindet sich auf dem Kirchhole s. u. i Seit 1802 dient die ehemalige Abteikirche als Pfarrkirche. Die Pfarrei, ursprünglich durch einen Weltgeistlichen versehen, später schon Ende des 17. Jhdts.) durch einen Religiösen der Abtei, hatte als Filialen Dimbsthal und Salenthal (beide bis 1808, ferner 1808-6.5 Singrist). 1763 Kapelle St. Dionysius erwähnt, sowie St. Blasiuskapelle zu Sindeisberg. - M. liegt a m Keltenwege von Wasselnheim nach Zabern. - Die Pfarrkirche, früher Klosterkirche i (vgl. M. Abteil stammt aus verschiedenen Zeiten. (Geschichtl. | Denkmal). Westportal (romanisch) mit Thurm aus dem iL'. Jhdt.; ebenso die Seitenschiffsmauern, das Mittelschiff aus dem 14. Jhdt.. das Transept aus dem 12. Jhdt., der Chor ' aus dem IM. Jhdt.; Spuren einer Crypta unter dem Chore. In der Kirche Grabdenkmäler der Geroldseck, der Wangen u. a. Auf dem Kirchhofe belindet sich die alte Pfarrkirche, deren ältester Theil, das Schiff, aus dem 10.-11. Jhdt. stammt. Verlängert wurde dasselbe im 11.-IL'. Jhdt. Das Chor stammt aus dem 12.-13. Jhdt.; Fenster hier aus dem 15. Jhdt. Alte Inschrift über der Schiffsthüre. - I n M. sind geboren: Der elsässische Lokalhistoriker Dagob. Fischer, der sich besonders um die Geschichte von Zabern und Umgebung verdient gemacht hat, gest. 1879 als Bürgermeister von Zabern; Jakob H u g (Hugoni), Rektor (1477) der Universität Basel, der Seb. Brant als Famulus hatte; Joh. Spiegel (gest. 1536 . Nette von Wimpheling, Rath Kaiser Karls V. G c m e i n d e w a l d (Oberförsterei Zabern; 18,5 ha. H a l m , P. M., Die Abteikirche von M. (Centralbl. der Bauverwaltung 18, 1808, S. 541-542.' Wolff, Fei., Die Abteikirche von M. im LT.-E. Berlin 1898. M a u r s m ü n s t e r , ehemalige Benediktiner-Abtei, gilt als ältestes Kloster im Elsass. Ihre Gründungsgeschichte ist. wie bei so vielen elsässischen Abteien, in Dunkel gehüllt. I'er schon im 12. Jhdt. vorhandenen Ueberlieferung nach soll sie u m 590 von Leobardus, einem Schüler Columbans, gegründet und zunächst Leobardi cella genannt worden sein. Diese erste Niederlassung soll nicht im heutigen M.. sondern in Leobradi villa (Lochweiler:') errichtet, und erst im Anfang des 7. Jhdts. soll das Kloster an den jetzigen Ort verlegt worden sein. Als eigentlicher Gründer der Abtei soll aber der Abt Maurus anzusehen sein, der 724 die durch Brand zerstörten Klostergebäude wiederaufgebaut und statt der bisher geltenden Regel Columbans die Benediktinerregel eingeführt haben soll. Nach diesem Neugründer wurde die Abtei fortan Maurimonasterium (so schon s7o; Morszmünster 187 genannt. Die Ueberlieferung berichtet weiter, dass j König Childebert dem Kloster das umfangreiche Gebiet zwischen Zorn, Mossel und Zinsel, die sogen. Marca Aquile-iensis, später Mark M. 's. d.i, geschenkt habe; eine Bestätigung dieses Besitzes sei der Abtei 724 von Theoderich IV. zu Theil geworden. Inwieweit diese ganze Tradition auf Wahrheit beruht, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Die L'rkunde Theodorichs IV., auf die sie im wesentlichen zurückgeht, ist zweifellos eine Fälschung. Trotzdem wird man wohl annehmen dürfen: 1) dass die Gründung der Abtei auf den Kreis der Schüler Columbans zurückgeht, und dass das Kloster schon im 7. Jhdt. vorhanden gewesen ist, und 2) dass der grosse Besitz der Abtei auf königlicher Schenkung beruht. Sichere Nachrichten über M. bringt uns erst das 9. Jhdt. Damals erfolgte nämlich eine zweite Zerstörung des Klosters, und auf Bitte des Abtes Celstis Hess Kaiser Ludwig der Fromme die Ablei durch seinen Bruder, den Bischof Drogo von Metz, wiederherstellen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bei dieser Gelegenheit die Oberherrschaft des Bisthums Metz über M.. die wir später vorlinden. begründet worden ist. Auf Grund derselben übertrugen die Bischöfe von Metz die Sehirmvogtei über die Abtei und deren Besitzungen den Dynasten von Geroldseck, und wie allenthalben so entwickelten sich auch hier aus den Amtsbefugnissen der Vögte Herrschaftsrechte derselben über den bevogteten Besitz, so dass wir schliesslich die ursprünglich dem Kloster gehörige Mark M. (s. d.) unter dem Namen der Herrschaft G e r o l d s e c k als Metzer Bisthumslehen im Besitze der Herren von Geroldseck linden. - Die Blüthe-zeit der Abtei war von ca. 1080-1180. Von ihrem damaligen Reichthum zeugt ein ca. 1120 abgefasstes Güterverzeichniss, wonach die Abtei an ca. 80 Orten im Elsass und in Lothringen Besitzungen, Renten und nutzbringende Rechte gehabt hat. Ein Zeichen dieser Blüthe war auch die von Abt Richwin von M. ausgehende Gründung des Nonnenklosters Sindeisberg (1115), das jedoch 1488 wieder mit dem Mutter-kloster vereinigt wurde. 1133 nahm die Abtei die Hirsauer Regel an. In diese Zeit der Blüthe fällt auch die Gründung der schönen Abteikirche, von derem ursprünglichem Bau heute noch die Facade mit den Thürmen vorhanden ist. Gegen Ende des 11'. Jhdts. begann bereits der Verfall der Abtei. Die Klagen über die Vögte nehmen überhand, und schon 1220 heisst es, das Kloster sei so zurückgegangen, dass die wenigen noch vorhandenen Brüder kaum ihren Lebensunterhalt mit den Einkünften bestreiten könnten. U m diesem Zustande einigermassen abzuhelfen, inkorporirte der Bischof von Strassburg damals der Abtei die reiche Pfarrkirche von M. Wenn sich das Kloster nun auch nach diesem Tiefstand wieder erholte (der Bau des prächtigen frühgothischen Langhauses der Abteikirche zeugt davon), so erlangte es doch die alte Bedeutung nicht wieder. Eine gründliche Plünderung erlitt die Abtei 1525 am 24. April durch die aufständischen Bauern, und auch der Aufschwung, den sie unter Abt Gisbert Agricola (1572-86) genommen hatte, war nur vorübergehend, da der 30jährige Krieg auch bei ihr seine Spuren hinterliess Plünderung durch Mansfelds s> haaren 1621). Eine neue Blüthezeit für M. begann erst, als es dem Abte Anselm Moser 1705 gelungen war, die ganze Mark M. von ihren damaligen Inhabern, den Grafen von Fürstenberg, käuflich zu erwerben, und so der Abtei ihren uralten, langentfremdeten Besitz zurückzugewinnen. - In der Revolution wurde auch M. für Nationalgut erklärt und eingezogen, doch gelang es, einen Theil des Schatzes und der Kostbarkeiten zu retten. Kloster und Kirche von Marienthal bei Hagenau wurden damit angekauft. 1793 verliessen die Mönche die Abtei, kehrten jedoch 1799 theilweise zurück. - Der Abtei M. waren Kloster Reinacker und das 966 vom Grafen Ludwig von Dagsburg gegründete Priorat St. Quirin in Lothringen (s. d.) unterstellt. - Die ehemalige Abteikirche dient heute als Pfarrkirche von M. (vergl. M.,Stadt). A. Hertzog, Rechts- und Wirthschaftsverfassung des Abteigebietes M.. Strassb. 1888. Wolff. Die Abtei von M. im U.-E. Berlin 1898. Benoit, A„ Marmoutier & Saint-Quirin d'apres un ms. de la Bibliothequc de Metz. (Mem. de l'Ac. de Metz 1891/2, S. 157-192.) D [ a c h e u x ] , L., Notes pour servir ä l'Histoire de l'Abbaye de Marmoutier |