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Show 592 Lothringen. führten schliesslich dazu, dass diese Grossen des Landes von Zwentibold abfielen und Ludwig das Kind, der nach dem Tode seines Vaters, Kaiser Arnulf (j 8. Dez. 899). die Regierung in Deutschland übernommen hatte, in's Land riefen und ihm zu Diedenhofen (900) huldigten. Zwentibold zog gegen die aufständischen Grafen, wurde aber in einer Schlacht an der Maas, 13. August 900, geschlagen und ge-tödtet. Lothringen war nunmehr in Personalunion mil Deutschland, doch ist keine Krönung für Lothringen nachzuweisen, auch nicht die Führung eines zweiten Königstitels. Lothringen behielt aber a m kaiserlichen Hofe seine eigene Kanzlei und hielt eigene Landtage ab; der König ernannte aber Herzoge für das Land, und da nach 003 zwei duces oder duces regni erscheinen, wird vermuthet, dass damals schon eine Theilung des Landes erfolgte, ähnlich der späteren Theilung in Ober- und Niederlothringen, und dass in ersterem der Herzog Gebhard, in letzterem der Graf Reginald regierte. Gebhard und sein Bruder Konrad, Söhne eines Grafen Konrad im Lahngau und in der Wetterau, gehörten dem älteren Salischen Hause an. Die schon erwähnten Brüder Gerhard und Matfried, damals im Blies- und im Speiergau, vielleicht auch im Moselgau und noch anderwärts begütert, erneuten die Kämpfe gegen Konrad und Gebhard, wahrscheinlich wegen der denselben von König Ludwig verliehenen Abteien tSt. Maximin und Oehren) oder wegen anderer Lehen ; auf dem Landtage zuMetzi90n) wurden die Güter von Gerhard (z. B. Herbitzheim) und Matfried (z. B. Deidesheim) eingezogen, sie selbst verbannt. Gerhard fiel 910 gegen die l'ngarn ; sein Enkel Konrad wurde Herzog von Schwaben und Konrads Enkelin Gisela war die Gattin Kaiser Konrads IL .f 1039). Der Bruder Gebhards, Konrad (f 906), hinterliess einen Sohn Konrad, der Herzog im rheinischen Franken war. Nach dem Tode des Königs Ludwig (24.Sept. 911), der kinderlos als der letzte Nachkomme Ludwigs des Deutschen starb, wählten die deutschen Grossen den vorerwähnten Herzog Konrad zu ihrem Könige, ohne sich auf die Erbrechte des Karolingers Karl des Einfältigen von Westfranken einzulassen. Die Lothringer dagegen, unter deren (.rossen viele Verwandte des Karolingischen Hauses waren, boten die Herrschalt Karl dem Einfältigen an, der ^ll und OL.' Lothringen und Elsass in Besitz nahm und die Abteien und Lehen einzog, welche König Konrad und sein Bruder Eberhard, Herzog im rheinischen Franken, noch in Lothringen besassen. König Konrad, um sich wieder in Besitz der Güter in Lothringen zu setzen, unternahm es, das ganze Reich Lothringen zu erobern, aber ohne dauernden Erfolg. Lothringen blieb auch unter Karl dem Einfältigen ein gesondertes Reich mit eigener Kanzlei, die dem Frzbischofe von Trier unterstand, wie unter König Zwentibold, eigenen Landtagen u. s. w\, eigene Herzöge aber hatte das Land nicht. Graf Reginald vom Hennegau scheint zwar eine führende Stellung gehabt zu haben und wird marchio oder demarcus genannt, welchen Titel auch Herzog Hugo der Grosse in Frankreich führte. Reginald führte aber nicht, wie Hugo, gleichzeitig den Titel Dux, Reginalds Sohn Giselbert wurde 019 anlässlich eines Streites über die Besetzung des Bisthums Lüttich von den Lothringischen Grossen, die sich von König Karl trennten, zum prineeps . König oder Herzog: gewählt; König Karl stellte aber bald darauf seine königliche Macht wieder her und versöhnte sich mit Giselbert (s. Lothringen, Herzogthum). Der von Karl 920 unternommene Versuch, Elsass und das rechtsrheinische Franken bis Mainz zu erobern, misslang ; der König kehrte, ohne eine Schlacht zu wagen, unrühmlich zurück. 925 schlössen Karl von Frankreich und König Heinrich von Deutschland zu Bonn ein Bündniss. wobei Deutschland weder Lothringen erhielt, noch darauf verzichtete ; es dürfte sich u m die Anerkennung des Königs Heinrich gehandelt haben, Lothringen blieb unter der Herrschaft des Königs Karl. Noch im gleichen Jahre fielen aber viele des Lothringischen Adels unter Führung von Giselbert und Otto, dem Sohne des ! Grafen Richwin von Verdun, von König Karl ab und verbündeten sich mit Herzog Hugo in Frankreich, dem Sohne des Gegenkönigs Robert. König Karl, 923 bei Soissons geschlagen, wurde auch von den bisdahin treu gebliebenen Lothringern verlassen und blieb bis zu seinem Tode (929; in Gefangenschaft. In Lothringen wurde Rudolf vonBurgund, Schwager des bei Soissons gefallenen Gegenkönigs Robert und dessen Nachfolger in Frankreich, durch Giselbert und Bischof Wigerich von Metz zur Herrschaft berufen; König Heinrich, dem, wie es scheint, König Karl kurz vor seiner Niederlage bei Soissons Lothringen als Preis der Unterstützung versprochen hatte, bemächtigte sich Lothringens, eroberte Metz und hatte 925 seine Herrschaft zur Geltung gebracht; wiederholte L'nruhen entstanden aber bald darauf; König Heinrich vermählte seine Tochter Gerberge mit | Giselbert, den er zum Herzoge über ganz Lothringen ernannte (928). Als nach dem im Jahre 93o erfolgten Ableben König Heinrichs und König Rudolfs die Lothringer Heinrichs Sohn Otto, Frankreich dagegen dem Sohne Karls des Einfältigen, Ludwig, gehuldigt hatten, schien die Ruhe wieder hergestellt zu sein; aber schon 938 verband sich Giselbert mit Hugo dem Grossen, des Gegenkönigs Robert Sohn, gegen König Ludwig, welcher aber rasch Lothringen überfiel und Giselbert zu einem Waffenstillstände zwang, worauf Giselbert, Graf Otto von Verdun und ihr Anhang Ludwig als König von Lothringen anerkannten (939), während die Bischöfe des Landes, von welchen König Otto (.eissein sich hatte stellen lassen, sich ruhig verhielten. König Heinrich verband sich mit Hugo dem Grossen, der Heinrichs Tochter Hedwig zur Frau hatte. Nach anfänglichen Misserfolgen und dann behindert durch den Abfall des Erzbischofs von Mainz und des eigenen Bruders des Königs, Heinrich des Zänkers, die sich des Elsasses bemächtigten, gelang es, Giselbert zu schlagen, der auf der Flucht im Rhein ertrank, und die Führer des Aufstandes gefangen zu nehmen. König Ludwig, der sich mit Giselberts Wittwe Gerberge vermählt hatte, zog 940 neuerdings gegen Lothringen, in welchem Otto seinen versöhnten Bruder Heinrich als Herzog bestellt hatte ; doch musste König Ludwig sich zum Frieden bequemen (940). A n Stelle des Herzogs Heinrich, ' der von den Lothringern bald verjagt worden war, erhielt der oben genannte Graf Otto von Verdun, Sohn des Richwin, als Vormund von Giselberts unmündigem Sohne Heinrich, die herzogliche Würde, die nach dem Tode des unmündigen Heinrich 944 auf König Otto's Schwiegersohn, Konrad den W'-isen oder den Rothen, Herzog von Franken, überging i 944-953). nach dessen Empörung gegen Otto, auf des Königs Otto Bruder, Erzbischof Bruno von Köln (953-965). König Ludwig von Frankreich verzichtete 946 endgiltig auf Lothringen. 959 wurde das Herzogthum getheilt in Ober- und Niederlothringen, wobei der weltliche Besitz der Bisthümer Metz, Toul, Verdun u. s. w. ausgeschieden wurde, der fortan wie die beiden Herzogthümer unmittelbar vom Deutschen Reiche abhing, nachdem die anfänglich für den Erzbischof Bruno von Köln (f 965) vorbehaltene Oberhoheit als Ober- oder Erzherzog nach dessen Tode oder doch nach Vergebung von Niederlothringcn an den Karolinger Karl, den Bruder des Königs Lothar von Frankreich, durch König Otto von Deutschland (977) bedeutungslos geworden war. Die Nachricht, dass damals Herzog Karl auch Oberlothringen erhalten habe, ist falsch. Die letzten Karolinger haben zwar wiederholt Versuche gemacht, auch Oberlothringen ihrem Hause zu erwerben, jedoch ohne Erfolg. Es lässt sich kein Zeitpunkt festsetzen, wann das Königreich Lothringen als solches aufgehört hat zu bestehen, da das Land wiederholt getheilt, dann wieder vereinigt wurde. Auch nach dem Tode des Königs Zwentibold blieb Lothringen Nebenland und scheint nicht als Provinz behandelt , worden zu sein. Jedenfalls aber ist mit der Theilung von |