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Show Colmar. 18 : Beispiel die anderen Städte bald folgten. Die Einsetzung eines hohen Gerichtshofes zu Ensisheim für die französischen Besitzungen im Elsass, namentlich auch für die Landvogtei-städtc, gab diesen im Jahre 1658 Veranlassung zu einem gemeinsamen Proteste. Colmar insbesondere erklärte, dass es sich keiner anderen Jurisdiktion unterwerfe als derjenigen des Reichskammergerichts zu Speier. Doch alle diese Proteste hinderten die französische Regierung nicht, ihre Alachtbefugnisse im Elsass immer mehr zu erweitern. Als im Jahre 1661 der Herzog von Mazarin zum Landvogt ernannt worden war, forderten die mil seiner A'orstellung beauftragten königlichen Kommissare im Dezember dieses Jahres von den zu Hagenau versammelten Bevollmächtigten der zehn Städte, dass sie neber. dem herkömmlichen Landvogteieid noch einen auf den König als souveränen Beschützer direkt gerichteten Treueid leisten sollten. Die Städte weigerten sich anfangs, vornehmlich auf das Betreiben Colmars, diesen mit ihrer Reichsunmittelbarkeit unvereinbaren Akt zu vollziehen, und erst a m 8. Januar 1662 erklärten sich nach langwierigen A'erhandlungen die meisten bereit, den begehrten Treueid in einer abgeschwächten Form zu schwören. L'm sich von ihren Bundesgenossen nicht zu trennen, fügten sich a m folgenden Tage auch die Bevollmächtigten der noch widerspenstigen Städte Colmar und Landau. So konnte a m 10. Januar die feierliche Eidesleistung stattfinden. - Einen neuen A'orstoss gegen die kommunalen Freiheiten im Elsass unternahm Frankreich zwei Jahre später. Auf den Befehl des Königs erschien im Alärz 1664 der Herzog von Mazarin zu Colmar und stellte mehrere Forderungen an den Rath, namentlich, dass er die Jurisdiktion der Landvogteikammer zu Hagenau über sich anerkennen und dem Landvogte das Recht zugestehen sollte, die Zeughäuser,Magazine und Festungswerke zu beaufsichtigen und die kirchlichen Angelegenheiten zu ordnen. Der Rath und die Schöffen, welche kurz zuvor einmüthig den Entschluss gefasst hatten, mit Daransetzung von Gut und Blut ihre Rechte zu vertheidigen, Hessen sich weder durch Drohungen noch durch Versprechungen dazu bewegen diese Propositionspunkte anzunehmen, sondern verwiesen den Herzog an den Reichstag zu Regensburg, w o bereits in Betreff der Landvogtei Unterhandlungen zw ischen dem Reiche und dem französischen Bevollmächtigten Robert Gravel begonnen hatten. Alazarin musste unverrichteter Dinge abziehen, da er nicht in der Lage war, gegen die stark befestigte Stadt mit ihrer zahlreichen waffengeübten Bürgerschaft Gewalt zu gebrauchen. A'on den anderen Aufgliedern des Zehnstädtebundes, an welche der Landvogt dieselben Zumuthungen stellte, folgten Alünster, AVeissenburg und Landau dem ermuthigenden Beispiele Colmars, während die sechs katholischen sich unterwarfen. Trotz aller Beeinträchtigungen durch Frankreich hielten die elsässischen A^ereinsstädte, zu deren Erhaltung beim Reich sich Kaiser Leopold durch seine Wahlkapitulation im Jahre 1658 verpflichtet hatte, an ihrer Eigenschaft als Reichsstädte fest: sie beschickten den Reichstag und den oberrheinischen Kreistag, steuerten zu den Reichsausgaben bei und stellten im Jahre 1664 ein Truppenkontingent für den Türkenkrieg. Noch in den Jahren 1666 und 1670 liess Colmar Thaler mit dem Reichsadler und dem Namen des regierenden Kaisers prägen und bezeichnete sich auf der Rückseite als freie Reichsstadt. - Auf dem im Januar 1663 eröffneten Reichstage zu Regensburg vertraten die Deputirten von Colmar und Schlettstadt die Gesammtheit der elsässischen A'ereinsstädte ausser Hagenau, das seine eigenen AVege ging. Die Colmarer Abgesandten Philipp Schultz und sein Nachfolger Anton Schott setzten zehn Jahre lang in rastloser Thätigkeit und mit der zähesten Ausdauer Alles in Bewegung, damit endlich die Landvogteifragc zwischen dem Reiche und Ludwig XIA'. in einer für die Städte befriedigenden Weise geregelt würde. Doch ihre Bemühungen scheiterten schliesslich an der Unnachgiebigkeit Frankreichs und di i Haltlosigkeit des zerfallenden Reichs. Des hartnäckigen Widerstandes der Städte müdi . I - schloss Frank-reich endlich im Jahre 1075, während des holländischen Krieges, sich mit Gewalt in den Besitz di r bi - anspruchti n Ri chti zu si tzen Zunächst kam es darauf an, das trotzige Colmar zu bezwingen, da diese Stadt nicht nur die stärkste und einflussreichste dos elsässischen Bundes war, sondern auch wegen der Nähe Breistichs, des Stützpunktes der französischen Macht am Rheine, eine besondere strategische Bedeutung hatte. Auf der Reise, welche Ludwig XIV. nach der Einnahme Mastrichts über Lothringen in das Elsass unternahm, sollte der längst entworfene Plan zur Ausführung gelangen. Wenig Gutes versprach es schon den zehn Städten, dass der König ihre Abgesandten, welche ihm zur Aufwartung nach Nancv entgegengeeilt waren, am 17. August nicht empfangen wollte, weil sie sich ohne den j Landvogt, ihr Oberhaupt, eingefunden hätten.- A m 22. A u gust lagerten sich 000 französische Reiter zwischen Colmar und der 111, dieselben, welche schon einige AVochen zuvor durch die Plünderung der vor der Stadt gelegenen AVein-brennereien der Bürgerschaft erheblichen Schaden zugefügt hatten. Ihr Befehlshaber, der Marquis von Coulanges, ersuchte den Alagistrat, das Geschütz für kurze Zeit von den Wällen abzurücken,um den König bei seinem bevorstehenden Durchzug auf der Reise nach Breisach nicht durch den Anblick der aufgepflanzten Stücke zu reizen. Dieser Aufforderung wurde zum L'nwillen eines Theils der Bürger- , schaft Folge geleistet. A m Abend des 28. August, während I eine Rathsdeputation den Kriegsminister Louvois vor den Thoren begrüsste, sprengte Coulanges an der Spitze von sieben Rciterkompagnieen unverhofft in die Stadt hinein und besetzte alle AVachtposten und öffentlichen Gebäude, ' angeblich nur für die Dauer der Anwesenheit des Königs. Tags darauf erfüllten die nachrückenden Truppenmassen die Stadt derart, dass sogar die ärmsten Bürger bis sieben Soldaten zu logieren hatten. Nunmehr war es u m die Selbständigkeit der alten Reichsstadt geschehen. Die Festung wurde ihres Geschützes und die Bürger ihrer Waffen beraubt, und das gesammte Kriegsmaterial, dessen Alenge und Güte das Staunen der Franzosen erregte, nach Breisach abgeführt. Sofort begann man auch mit der Niederwerfung der Wälle, so dass Ludwig XIV., als er a m 30. August an der Stadt vorbeizog, sich selbst von dem guten Erfolg | seiner List überzeugen konnte. - In der folgenden Zeit wurde Colmar durch wechselnde Einquartierungen, durch I mannigfache Contributionen und die ihm auferlegten Kosten für die Schleifung der Festungswerke fast ganz zu Grunde J gerichtet. Die fortwährenden Brandschatzungen und die Misshandlungen durch die Soldaten trieben viele Bürger dazu, mit Preisgabe von Haus und Gut in die Fremde zu flüchten. Noch einmal zeigte sich zwar Aussicht auf Befreiung vom harten Joche, als nach der Kriegserklärung des Reichs der kaiserliche General Bournonville und der Kurfürst Friedrich AVilhelm von Brandenburg das Elsass im Jahre lo74 besetzten, und letzterer sein Hauptquartier in Colmar selbst aufschlug. Nachdem aber Turenne durch die | Schlacht bei Türkheim am 5. Januar 1675 die deutschen Truppen zur Räumung des Landes gezwungen, da hatte das stolze Colmar mitsammt seinen Schwesterstädten die altererbte Freiheit für immer verloren. Diese Thatsache blieb unverändert bestehen, wenn auch die Stadt noch lange an der Fiction ihrer Zugehörigkeit zum römischen Reiche festhielt, und der Friedensvertrag von Nvmwegen im Jahre 1679 die Erhaltung des durch den westphälischen Frieden begründeten Besitzstandes stipulirte. - Ihre zähe A\Tider-standskraft gegen die veränderten politischen Verhältnisse ' bekundeten der Alagistrat und der Rath noch im September 1679, als sie dem in Begleitung des elsässischen Intendanten zu Colmar erschienenen neuen 'Landvogte, dem General |