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Show Diedenhofen. 21 : Okt. 1657 sind Verfassung und Gerichtsbarkeit der Stadt , bestätigt worden. Im pyrenäischen Friedensvertrage (7. Nov. 1659, art. 38-41), bestätigt durch die Friedensschlüsse von Nymwegen (5. Febr. 1679) und Rysswyk (20. Sept. 1697) hat Spanien auf die Stadt D. mit dem Vororte Gentringen, auf die sogen. Probsteidörfer, sowie die zur Probstei gehörigen Landmeiereien und Grundherrschaften zu Gunsten Frankreichs verzichtet. Durch königliches Edikt vom Juli 1661 j sind die Rechte und Freiheiten der Stadt D. erneuert worden, i gleich darauf aber (Nov. 1661) ist das Bailliage D. als Erst- , instanz für das ganze Gouvernement D. und als Berufungs- I instanz für das Probsteigericht in Sierck errichtet worden. Das Bailliage D. ist sodann mit der Provinz der drei Bisthümer vereinigt worden. - 1365 Schlacht bei D., Herzog Johann I, von Lothringen schlug und zerstreute die ins Land gedrungenen bretonischen Banden. 1792 und 1814/15 leistete D. den feindlichen Truppen erfolgreich AViderstand, doch gehörte es zu den 17 Festungen, deren Besetzung im 2. Pariser Frieden (20. Nov. 1815) den Verbündeten zugestanden wurde. Die Besetzung hat vom 3. Dez. 1815 bis zum 24. Nov. 1818 gedauert. Im Feldzug von 1870-71 war D. zuerst Hauptquartier des 4. französischen Korps unter General Ladmi-rault. Nachdem am 14. Aug. 1870 ein Handstreich seitens der 32. Infanterie-Brigade und einer Schwadron Husaren (beide unter General Graf Gneisenau) auf D. misslungen war, wurde die Festung beobachtet bezw. belagert und ergab sich nach kurzer Beschiessung (22. Nov.) a m 24. Nov. 1870 dem General von Kameke. - Die Gerichtsbarkeit in der Stadt, in welcher der herzogliche Dienst durch den Statthalter oder Gouverneur versehen wurde, übte ein Meier (Justicier) mit einem Hofe von sieben Schöffen aus. ' Der Aleier wurde durch die Bürgerschaft auf ein Jahr gewählt; für das zweite Jahr wechselte der Arorsitz unter den vom Statthalter in Luxemburg auf Lebensdauer ernannten Schöffen. Das Schöffengericht übte die hohe, mittlere und niedere Gerichtsbarkeit aus, und handhabte, unter Ausschluss des Gouverneurs, die Stadtpolizei. Der Probst (Prevöt) übte die hohe Gerichtsbarkeit in den Probstei-Dörfern, in den Landmeiereien und Probstei-Herrschaften aus, wobei die sieben Stadtschöffen als Beisitzer zugezogen wurden. - D. war schon 830 Pfarrei und wurde damals der Abtei St. Alaximin geschenkt, die bis zur Revolution das Patronatsrecht besass. Es war ferner vor der Revolution Sitz eines Archipresbyteriats des Erzdiakonats Alarsal (Diözese Aletz) und umfasste als solches die Pfarreien Arsweiler, Berg, .Bertringen, Diedenhofen, Escheringen, Fentsch, Flörchingen, Giningen, Hayingen, Hüssingen, Jeutz, Kanfen, Kattenhofen, Alarspich, Alonhofen, Oetringen, Reiningen, Rodemachern, Suftgen, L'eckingen, LTsselskirch, A'olkringen. Archäologisches und Kunstgeschichtliches. Aus vorgeschichtlicher Zeit wurden ein bronzenes Beil und ein Beinring, in der Nähe von D. gefunden; in der Oberförsterei D. sind zahlreiche (217) Mardellen zu erwähnen. (Im Frühling 1883 wurde bei D. das Skelett eines Alammuth gefunden; es befindet sich jetzt in Berlin.) Unweit westlich von der Stadt zog die Römerstrasse Aletz-Trier a m Fusse der Gentringer AVeinberge hin. Es scheint, dass die Stelle der Stadt, schon in römischer Zeit bewohnt war. Die eigentliche römische Niederlassung ist jedoch auf dem rechten Ufer der Alosel zu suchen, in der Nähe des heutigen Bahnhofes, w o bis 1815 das ehemalige Dorf Ober-Jeutz stand (s. d.). Ausser einigen römischen Alünzen ist besonders ein Fund von 4000 silbernen Alünzen des 10. Jhdts., welche 1886 in der Nähe der Kirche gefunden wurden, zu erwähnen. - Aus karolingischer Zeit hat sich nichts erhalten; die sogenannte «Tour aux Puces», welche zum kaiserlichen Palaste gehört haben soll, ist aus viel späterer Zeit. - Befestigungen. V o m 13.-15. Jhdt. war D. der festeste Punkt des luxemburgischen Landes. Doch bestanden auch damals, als Philipp der Gute von Burgund (1443) es nicht einzunehmen vermochte, seine Befestigungen nur aus einer dicken Alauer, mit Zinnen und Thürmen versehen, das Ganze von einem breiten AVassergraben umgeben. Zur Zeit Karls A'. wurden diese Fortiticationen durch die eben aufkommenden dreieckigen Bastionen erweitert, so dass die Stadt 1558 für uneinnehmbar galt. 1570 zuerst, dann noch 1506 wurde die Festung unter dem damaligen Gouverneur Baron de AViltz weiter ausgebaut. Unter Ludwig XIV. erfolgte der Ausbau, besonders durch Vauban, welcher die älteren AArerke bestehen liess und der Festung ihre heptago-nale Gestall gab. Das jetzige Bahnhofsthor, sowie die Brücke über die Alosel wurden 1680 erbaut. 1705 und 1711 fanden neue Erweiterungen der Festungswerke statt. - Schloss. Die angebliche Wohnung Karls des Grossem:-). Alan tritt durch ein von zwei Thürmen flankirtes Thor (16.-17. Jhdt.) ohne besonderen architektonischen Werth in einen von verschiedenen Gebäuden (im Stile des ausgehenden Alittelalters und der Renaissance) begrenzten Hof. Gegenüber dem Thor ein modernes Herrenhaas, neben welchem Reste eines älteren Schlosses stehen. Es war wohl ursprünglich A\rohnung der kaiserlichen Burggrafen von D., wie sich noch eine Familie im 13. Jhdt. nannte, sowie später der gräflichen Burgmannen von Luxemburg. Im späteren Alittelalter war es, wahrscheinlich nach Zerstörung der Feste Aleilberg, Sitz dieser Herrschaft geworden. Zu diesem Gebäude-komplex gehört der sogen. Flohthurm («La Tour aux puces»). Im Schloss wird 1442 eine Kapelle zu Ehren des hl. Nicolaus erwähnt, die damals als Beneficium durch Elisabeth von Görlitz vergeben wurde. - Rath-h a u s mit Thurm und ansehnlicher Gemeinde-Glocke. Nur in seinem Unterbau ist der Thurm alt und spät-gothisch. Im Erdgeschoss war ehemals eine Kapelle der hl. Katharina. In der Nähe des Rathhauses, in der Thurmgasse, einige spätgothische Häuser mit AVendeltreppenthürmchen. - Augustinerkloster. Heutiges Progymnasium. Die Augustiner Alönche der Kölner Provinz hatten ursprünglich vor dem Orte (s. Briquerie) eine Niederlassung, welche sie 1308 intra muros verlegten, w o ihnen Graf Heinrich von Luxemburg (20. Sept.) einen Platz zur Errichtung von Kloster und Kirche in der Mühlgasse, in der Nähe des Schlosses, angewiesen hatte. Diese Gebäulichkeiten wurden bei. der Belagerung von 1558 zerstört, worauf die Augustiner die Stadt verliessen. 1615 zogen sie wieder in D. ein. Der Erzherzog Albrecht liess ihnen eine Behausung nahe dem Luxemburger Thor herrichten, welche, 1622 vollendet, schon 17. Aug. 1651 durch einen Blitzschlag in Flammen aufging. 1655 berief die französische Regierung französische Augustiner an ihre Stelle und befahl dem damaligen Gouverneur, de Grancei, 1659, ein neues Kloster zu bauen, in welches die Stadt 1790 das 1714 gestiftete College Communal verlegte. Die alte Augustiner-Kloster-Kirche bei dem Luxemburger Thor ist noch z. Th. erhalten. - Kapuzinerkloster. Jetzt Kaserne am Aletzerthor. Die Kapuziner wurden 1624 von Luxemburg durch den Stadtgouverneur von AATltz nach D. berufen. Er baute ihnen eine Kirche, die 1629 durch den Aletzer AAreihbischof Äleurisse eingeweiht wurde. 1643 mussten die deutschen Insassen vor den französischen aus der Champagne weichen. Im Jahre 1736 zerstörte ein Brand Kirche und Convent, doch wurden beide bald wiederhergestellt. - Klarissenkloster, a m Bahnhofsthor, jetzt Rath-haus. Die Klarissen, genannt Damen vom hl. Geist, hatten sich 1629 als Schulschwestern in D. niedergelassen und anfangs in der Rue de la vieille Porte gewohnt. Dieses Kloster wurde bei der Belagerung von 1043 fast vollständig zerstört. - Ein ehemaliges Spital in der nach ihm benannten Gasse wurde 1718 verlassen und in das Klarissenkloster verlegt. Namhafte Persönlichkeiten: D a h l m a n n , Nicolas, franz. Brigade-General, geb. 7. Nov. 1769, gest. 10. Febr. 1807, in folge einer in der Schlacht bei preuss. Eylau erhaltenen Verwundung. Didion, Isidor, geb. 22. Alärz 1798, gest. 4. Juli |