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Show 176 Colmar. sammlung abgehalten. Beider Thronerledigung im Jahre 1197 gcrieth Colmar vorübergehend in die Gewalt des Bischofs Konrad von Strassburg. Es war dies einer der von den Strassburger Bischölen später noch oft wiederholten Versuche, Colmar ihrem Territorium einzuverleiben und dadurch eine Verbindung zwischen dem obern Mundat und ihren nördlichen Gebietstheilen herzustellen. - Die Entwick-i lung des Ortes zur Reichsstadt erfolgte in dem zweiten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts, zu welcher Zeit die Gerichtsbarkeit ganz an das Reich übergegangen zu sein scheint, und die Befestigung von AVölflin, dem Rcichsschultheissen von Hagenau, angelegt wurde. Im Jahre 1214 gebrauchte die Gemeinde bereits ein eigenes Siegel, und 1222 führte sie den Reichsadler in demselben. Die letzten Reste ihrer Abhängigkeit vom Prior von Peterlingen beseitigte die neue Reichsstadt im Jahre 122b dadurch, dass sie den Marktzoll und verschiedene gemeindeherrliche Nutzungsrechte von ihm in Erbpacht nahm. Schon zehn Jahre später musste Kaiser Friedrich IL mit einem Alachtspruche einschreiten, u m die Rechte Peterlingens vor der Vergewaltigung durch die rasch aufstrebende Stadtgemeinde zu schützen. - In dem Kampfe der Staufer mit dem Papste stand Colmar treu auf Seite der kaiserlichen Partei, wodurch es wiederholt in Konflikt mit den Bischöfen von Strassburg und deren L'nterthanen gerieth. So stritten die Colmarer im Jahre 1248 mit Nachtheil gegen die Bürger von Rufach. Im grossen rheinischen Bunde, welcher im Jahre 1254 von zahlreichen Fürsten, Herren und Städten zur Aufrechterhaltung des Landfriedens und zur Abschaffung der ungerechten Zölle geschlossen wurde, nahm Colmar eine hervorragende Stelle ein. König AVilhelm von Holland nannte es im Jahre 1255 unter den fünf Reichsstädten, deren Schultheisse er mit der Rechtsprechung in Streitigkeiten /wischen den Bundesmitgliedern beauftragte. Der König hatte in demselben Jahre der Stadt alle Rechte und Freiheiten bestätigt, welche sie von seinen A'orfahren erhalten hatte. - Während des Interregnums war Colmar der Schauplatz blutiger Parteikämpfe. Gestützt auf den eingesessenen Adel bemächtigte sich der Strassburger Bischof Walther von Geroldseck der Stadt und vertrieb den volksthümlichen Schultheissen Johannes Rösselmann. Demselben gelang es jedoch im Jahre 1261 mit Hülfe des oberelsässischen Landgrafen Rudolf von Habsburg, zurückzukehren und die Gegenpartei zu verjagen. Durch ein Schutz- und Trutzbündniss mit der Stadt Strassburg suchte dann Colmar weiteren Uebergriffen des Bischofs zu begegnen. Im Jahre 1202 überfielen die Bischöflichen abermals die Stadt, doch wurden sie von der Bürgerschaft zurückgeschlagen, wobei Rösselmann im Kampfe fiel. - Auch nach seiner Thronbesteigung setzte Rudolf von LIabsburg seine guten Beziehungen zur Stadt Colmar fort und weilte mit Aufgliedern seiner Familie häulig in ihren Alauern.' Er verlieh ihr im Jahre 1278 ein ausführliches Stadtrecht, welches hauptsächlich auf demjenigen von Freiburg und von Brei-sach beruhte und selbst wieder zahlreiche Tochterrechte hervorrief. Der Rechtsbrief enthält Privatrecht, Strafrecht und Prozessordnung, entzieht die Colmarer der Gewalt fremder Gerichte, bestimmt, dass der Schultheiss von dem König nur aus der Alitte der Bürger ernannt werden soll, gstattet den Bürgern, Lehen zu empfangen, ermächtigt sie zum Erlassen von Polizeiordnungen und sichert ihnen den königlichen Schutz im ganzen Reiche zu. Als der König aber im Jahre 1284 als ausserordentliche Steuer den dreissigsten Theil des Vermögens der Einzelnen forderte, widersetzten sich ihm die Bürger mit dem Schultheissen Walther, dem Sohne Johannes Rösselmann's, an der Spitze. Im Juni 1285 zog Rudolf deshalb mit Heeresmacht vor Colmar. Nach fünftägiger Belagerung kam ein Vertrag zu Stande, wonach sich die Stadt nur zur Zahlung von 1300 Alark verpflichtete. Diesem AViderstande ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der König sein A'orhaben, die einzelnen Bürger in den Reichsstädten direkt zu besteuern, aufgeben musste. - AVenige Jahre später erhob Colmar abermals die Fahne der Empörung gegen das Reichsoberhaupt. Diesmal war es die habsburgische Partei daselbst, welche dem König Adolf von Nassau den Gehorsam verweigerte, und zwar wiederum auf Anstiften des AValther Rösselmann, obgleich dieser vom neuen König das durch Rudolf ihm entzogene Schultheissenamt zurückerlangt hatte. Mit Hülfe des heimlich in die Stadt eingelassenen Herrn Anselm von Rappoltstein und des Strassburger Dompropstes Friedrich von Lichtenberg übte der Schultheiss eine Gewaltherrschaft über die Bürger aus. Im September 1293 nahte König Adolf mit den Erzbischöfen von Mainz und von Köln und anderen Fürsten und belagerte die Stadt Colmar, der er noch im Februar desselben Jahres den von seinem Vorgänger ertheilten ^ Rechtsbrief erneuert hatte. Schon dauerte die Belagerung sechs AVochen, als der königliche Anhang in der Stadt, zu dem hauptsächlich die ärmere Bürgerschaft gehörte, die Gewalt an sich brachte und dem Könige die Stadtschlüssel auslieferte. AValther Rösselmann entkam, wurde aber bald ergriffen und starb in der Gefangenschaft. - Neue AVirren i entstanden zu Colmar, wie allenthalben im Reich, durch die doppelte Königswahl des Jahres 1314. Zunächst hielt die Stadt zu Friedrich dem Schönen von Oesterreich, welcher sie wiederholt besuchte und ihr mehrere Steuervergünstigungen gewährte. Nach der Besiegung und Gefangennahme Friedrichs in der Schlacht bei Alühldorf im Jahre 1322 musste sie jedoch Ludwig von Bayern anerkennen. Doch bald gewann die habsburgische Partei, unterstützt durch den zu Ensisheim lagernden Herzog Leopold von Oesterreich. wiederum die Oberhand, so dass sich Colmar im Jahre 1324 mit dem Herzog Leopold, dem Bischof Johann von Strassburg und dem Grafen Konrad von Freiburg gegen den Bayern verbündete. Erst durch den a m 13. Januar 1330 eingetretenen Tod König Friedrichs ging die Stadt definitiv Oesterreich verloren. Kaiser Ludwig nahm sie a m 12. Alai dieses Jahres wiederum zu Gnaden an und verzieh ihr die lange Unbot-mässigkeit. In Folge dieses Umschwunges wurden diejenigen Geistlichen, welche das von Papst Johann XXII. über die Anhänger des Kaisers verhängte Interdikt hielten, namentlich die Dominikaner, ausgewiesen. Die Gegner des wittels-bachischen Hauses konnten indessen den Arerlust der wichtigen Reichsstadt nicht verschmerzen, und schon im nächsten Juni legte sich Herzog Otto von Oesterreich im Bunde mit den Bischöfen Berthold von Strassburg und Rudolf von Konstanz vor ihre Mauern. Bevor es aber zu einer Entscheidung kam, versöhnten sich die Belagerer a m 6. August mit dem zu Hagenau weilenden Kaiser. So konnte dieser nebst dem König Johann von Böhmen am 14. August mit dem Herzog Otto zusammen in das befreite Colmar einziehen. - Der Hader zwischen den sogenannten Schwarzen, den Anhängern Baicrns, und den Rothen, ihren Gegnern, dauerte trotzdem in der Stadt noch lange fort, bis der Rath und die Bürgerschaft zur AAriederherstellung der Ruhe die beiderseitigen Rädelsführer, welche meist dem fehdesüchtigen Adel angehörten, verbannten und am 27. Alai 1331 einem Ausschusse von neun Personen, vier Edelleuten und fünf Bürgern, die Diktatur auf fünf Jahre übertrugen. Der Kaiser billigte zwar nachträglich diese Massregel, doch wurde bereits a m 5. Oktober auf seine A^eranlassung eine ewige Sühne zwischen der Gemeinde und den ausgewiesenen Parteien beschworen und denselben die Rückkehr gestattet. Dass sich dennoch die Geister nicht so bald wieder beruhigten, geht aus dem Umstände hervor, dass der Rath die Gewalt des Neunerausschusses nach Ablauf der festgesetzten Frist im Jahre 1336 auf 5 Jahre erneuerte und sogar jede Versammlung von mehr als vier Personen verbot. Im Jahre 133S erschien die wilde Schaar des Judenfeindes Arm- , leder vor den Thoren der Stadt, u m die Auslieferung der hineingeflüchteten Juden zu erzwingen, doch zerstob sie |