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Show 466 Hüningen. und in der Alitte fliegende Fähre. 1S72 wurde sie durch-gehends als feststehende Schiffsbrücke hergestellt. - Kath. Pfarrei IL Klasse (s. 1802). Schutzheiliger hl. Ludwig (25. August). D e k a n a t , umfassend die Pfarrei H. und die Hilfspfarreien Attenschweiler, Blotzheim, Burgfelden, Buschweiler, Häsingen, Hegenheim, Knöringen, Leimen, Liebenzweiler, Neudorf, Neuweiler, Niederhagenthal, Niedermichelbach, Niederranspach, Obe-rmichelbach.Oberranspach, Rosenau, St. Ludwig, A'olkensberg, AVenzweiler. Filiale der ref. Pfarrei St. Ludwig. Die Lutheraner gehören zur Pfarrei Colmar. - Cigarrenfabrik \Teit u. Cie., 58 Arbeiter. Uhrenfabrik, früher A. Buser u. Cie., jetzt Theod. Bour u. Cie seit 1S97, 20 Arbeiter. Uhrenfabrik J. B. Bouguet, ca. 60 Arbeiter. Seidenstoffweberei der Firma Robt. Schwarzenbach u. Cie. in Thalweil bei Zürich, 1898 eröffnet, 500 mechanische Webstühle, 656 Arbeiter. Seidenstoffweberei E. Frey u. Cie., seit 1898, 78 AVebstühle, ca. 80 Arbeiter. Gaswerk der Gas-und Elektrizitäts-Gesellschaft Brema (liefert Gas auch nach St. Ludwig und der badischen SchusterinseL. Kohlenmühle Gemuseusu. Cie (22 Arbeiter). Chem. Fabrik Durand ,'vgl. Baslerstrasse). Theer-Destillation Weyl u. Cie. (vgl. Lindenhof). Habsburgisches Stammgut: war Lehen der österreichischen Herrschaft L a n d s e r . Den Dinghof und das Dinggericht zu H. besass jedoch die Dompropstei zu Basel. Begütert war 1296 die Johanniterkomthurei Alülhausen. Lehnsinhaber des Dorfes waren von 1398-1430 die Zur Sonnen von Basel, von 1430-1544 die von Gachnang. Unterlehner der letzteren war seit 1516 der Baseler Bürger Holzach, der das Dorf jedoch schon 1521 der Stadt Basel überliess. Nach dem Aussterben der Gachnang (1544) wurde der österreichische Rath Peter Neser mit H. belehnt, und dessen Erben traten die Ausübung ihrer Rechte an die Stadt Basel ab, nachdem sie v o m Kaiser 1562 die Erlaubnis erhalten hatten, die Stadt auf fernere 30 Jahre mit H. zu belehnen. Basel betrachtete nun das Dorf ganz als sein Eigenthum und führte auch die Reformation dort ein. Aber die Stadt sollte nicht lange mehr im Besitz bleiben. 1600 bewog Oesterreich die Familie Neser zum Aberzieht auf die Lehenschaft über H., und 1623 wurde Basel gezwungen, das Dorf gegen Erstattung der Pfandsumme an Oesterreich zurückzugeben Die Reformation wurde sofort abgeschafft, und H. dem Konrad von Flachslanden zu Lehen gegeben. Dieser verlor es jedoch schon 16.32 an Bernhard von AA'ei-mar, und von diesem wurde es 1636 dem Joh. Heinr. Herwart verliehen. Ludwig XIA'. bestätigte 1642 und 1646 diese Verleihung, und so blieben die Herwart im Besitz des Dorfes. Das AVeichbild desselben umfasste damals auch die heutigen Banne von Neudorf und St. Ludwig. Als dann Ludwig XIA'. 1680 durch A'auban eine starke Festung bei H. anlegen liess, wurde auf seinen Befehl das Dorf selbst zerstört, und die Bewohner gezwungen, sich in Neudorf und St. Ludwig anzusiedeln. So verschwand das alte H. Die neue Festung H., etwas abseits vom alten Dorfe gelegen, 1679 mit Privilegien versehen, u m Ansiedler herbeizuziehen, blühte rasch auf. Als stärkstes Bollwerk Frankreichs am Oberrhein wurde H. vom Nov. 1796 bis Febr. 1797 von den Oesterreichern beschossen. (Tod des Generals Abatucci. Denkmal.) Doch gelang es ihnen nur, den rechtsrheinischen Brückenkopf der Festung zu erobern. Eine regelrechte Belagerung erlitt H. vom Dez. 1813-1814 durch die A'erbün-deten, und eine zweite vom Juni bis Aug. 1815, die am 28. Aug. mit der Kapitulation endigte. Bald darauf wurden, auf Grund des 2. Pariser Friedens die Festungswerke geschleift und auf besondern AATunsch der benachbarten Stadt Basel bestimmt, dass Frankreich im Umkreis von 3 Aleilen u m Basel nie eine Festung errichten dürfe. - Nach H. nannte sich das Geschlecht der Meyer von H., 1265 zuerst erwähnt. 1 145 aus Basel verwiesen, dann in österreichische Dienste getreten, ca. 1550 erloschen. - Kirchlich gehörte H. ursprünglich zu den ecclesiae vagantes extra Basileam, i später wurde es dem Landkapitel Inter Colles des Bisthums Basel einverleibt. Kirche St. Martin im 14. Jhdt. erwähnt. Pfarrkirche St. Agathe, 1362 v o m Bischof von Basel dem Kloster Alban daselbst gegeben, das auch das Patronatsrecht derselben besass. Letzteres ging im 16. Jhdt. an die Stadt Basel über. Reformation im 16. Jhdt. eingeführt, 1623 abgeschafft (s. oben). In dem neuen franz. H. Pfarrkirche St. Ludwig; das Patronatsrecht besass der König von Frankreich. Im Hospital Kapelle St. Ludwig. - H. liegt an einem Keltenwege von Pruntrut in's badische AA'icsenthal. - Neolithische Funde. - In H. geb. 1. April 1787 Alichael Graf von O r d e n e r, Sohn des gleichnamigen franz. Generals (s. St. Avold), Senator, Generalinspektor der Kavallerie, t Paris 22. November 1862. [Lutz, AI.,] Die Festung Hüningen von ihrer Anlage bis zu ihrer Schleifung. 2. Ausg. Basel 1816. Sabourin de Nanton, Les fortitications de Huningue. (Bull, de la Soc. p. la cons. des Alon. hist. d'Als. 2e ser. II, Al6m. p. 44 etc.) Tsch a m b e r , Karl, Geschichte der Stadt und ehemaligen Festung Hüningen von ihrer Entstehung bis in die neueste Zeit. St. Ludwig 1894. H u b e r , August, Geschichte Hüningens von 1679-1698. Diss. Basel 1894. L e n o i r, Ch., Les trois sieges de H., 1796-1814-1815. [Extr. de la «Revue du G6nie militaire.»] Paris et Nancy 1896. Mechel, Chr. de, Tableaux historiques ou relaiions exaetes de trois £v6nements qui terminerent la campagne de 1796 sur le Rhin, savoir: la retraite de Moreau, le siege de Kehl et de la tfite-de-pont de Huningue, Basel 1798. Ingold et Rosse', Sieges de Huningue en 1813 et 1815. Ex-traits des registres de la mairie de H. (Rev. d'Als. 1876, S. 526-553.) B u r c k h a rdt-Fi nsler, A., Der Durchmarsch der Alliirten durch Basel [1814]. (Jahrb. f. Schweizer Gesch. 23, 1898, S. 33-88.) [S.81-85 betr. Hüningen.] Chuquet, A., H. en 1814. Lfourn. des sciences mil. 1899, oct.) Heyden-reich, Th., Die Belagerung von H. vom 22. Dez. 1813 bis 16. Apr. 1814. Aliinchen 1901. L e siege de Huningue. Par un ofticier de la garnison qui defendait cette place en 1813 et en 1814. Alulh. 1873. A u s dem T a g e b u c h eines franzö- | sischen Offiziers während der Belagerung von Hüningen [ vom 22. Dezember 1813 bis 16. April 1814. (A'om Jura zum I Schwarzwald, Geschichte, Sage, Land und Leute, hg. von | H. A. Stocker IV, S. 245-263.) Benoit, A „ Nouveaux ren-seignements sur le blocus d'H. [en 1815]. (Rev. d'Als. 1867, S. 479 f. Vgl. auch Annuaire hist. et stat. du d6p. de la Moselle 1838. S. 54 f.) Casteig, L a defense d'H. en 1815 et I le gdneral Barbanegre. Pau 1897. Courvoisier, Notes I sur le siege d'H. [1815.].Strasb. 1863. Sabourin de Nanton, i Le g£n£ral Barbanegre au blocus d'Huningue. 1815. (Rev. d'Als. 1863, S. 233-238.) [Vgl. dazu A. Ingold, ebd. S. 276- 1 279.] Latruffe, F., H. et Bäle devant les traitös de 1815. Paris 1863. C o u m e s, Notice historique sur l'£tablissement 1 de pisciculture de Huningue. Strasbourg 1862. H ü n i n g e n , Kanton (Kr. Mülhausen, O.-E.). Umfasst die Gden. Attenschweiler, Blotzheim, Burgfelden, Busch- | weiler, Häsingen, Hegenheim, Hüningen, Knöringen, Leimen, ! Liebenzweiler, Neudorf, Neuweiler, Niederhagenthal, Nieder- ; michelbach, Niederranspach, Oberhagenthal, Obermichel- | bach, Oberranspach, Rosenau, St. Ludwig, Volkensberg, | Wenzweiler und enthält auf 138,6838 q k m 3191 bewohnte ! Häuser etc., mit 20913 Einwohnern. - Der Ka. H., 1790-95 | zum Distrikt Altkirch, 1800-1857 zum Arrondissement Alt- I kirch, dann bis 1870 zum Arrondissement Alülhausen ge-i hörig, umfasste seit 1790 dieselben Gden. wie heute, doch war Burgfelden vor 1797 A O . von Hegenheim. Ausser den heutigen Gden. gehörten seit 1790 noch dazu Bartenheim, Brinkheim, Helfrantskirch, Kappeln und Stetten, die 1795 in ' den Ka. Landser übergingen. Ferner besass er 1795-1830 j noch eine Gde. Neuweg, aus 7 AATrn. bestehend, welche dann AO. von Bartenheim, Kembs (beide Ka. Landser) und Blotzheim wurden. |