| OCR Text |
Show 328 Gebweiler. und Kantonalarzt. 3 Apotheken. Hospital (gegr. vor 1580, 1839 in das alte Dominikanerkloster verlegt, in den letzten Jahren vergrössert und restaurirt. 100 Betten, für Kranke und Sieche ; Grdbes. 3,13 ha, darunter 0,04 ha Wald). Prot. Spital (Privatanstalt, s. 1856, s. 1891 Neubau. 20 Betten). Waisenhaus (gegr. 1853 als Orphelinat des petites soeurs des pauvres; der heutige N a m e s. 1S71; ISO Betten). Armr. is 1832, jedoch Privatuntern.). St. Vincenzverein (Wohlthä-tigkeitsverein). Sparkasse (s. 1838). Schlachths. (s. 1859). Wasserltg. (s. 1890). Kanalisation (s. 1890). Raiffeisen'sche Darlehnskasse (s. 1882). Landw. Kreisverein (1232 Mitgl.). Sitz des Kr.-Fw.-Verbds. G. (gegr. 23. Juni 1895), umfassend die Vcrbds.-Fwn. Berrweiler, Bühl, Ensisheim, Gebweiler, Isenheim, Oberhergheim, Niederhergheim, Orschweier.Rufach und Sulz. Verbds.-Fw. (s. 1824, 6 Spritzen). Sektionen Gebweiler (s. 1872) und Grosser Belchen (s. 1896) des Vogesen-klubs. Krgv. (s. 15. Jan. 1887). Turnv. (s. 1863). 2 Pfarreien: 1. Liebfrauenkirche, Pfarrei I. Kl. (s. 1857, vorher, seit 1802, Pfarrei IL KL). Kirchenfest 15 Aug. 2. St. Leodegar, Pfarrei IL Kl. (s. 1884, vorher, seit 1867, Hilfspfarrei, früher Filiale der Liebfrauenkirche). Kirchenfest 7. Okt. Sitz des D e k a n a t s für die Pfarreien G. und Bühl, die Hilfspfarreien Bergholz, Bergholz-Zell, Lautenbach, Lautenbach-Zell. Linthal, Alurbach, Orschweier, Rimbach, Rimbach-Zell und das Vikariat Sengern. Ref. Pfarrei des Konsistoriums Mülhauser. es. 1806), zu welcher die Reformirten der Ka. Rufach und Sulz gehören. Filiale: Rufach (s. 1886 , Kirche 1830 erbaut. Die Kirchenbücher gehen bis 1806 zurück. Die Lutheraner gehören zur Pfarrei Colmar. Ausserdem besteht eine Darbv stengemeinde mit eigenem Prediger. Seidenbandweherei und Färberei de Barv-AIerian und Söhne, seit Anfang des Jahrhunderts. In der AVeberei 300 AV< hstühle, 87 Dampf pferdekräfte, 650 Arbeiter; in der Färberei 30 Arbeiter. Weberei für AVolle und Baumwolle Bour-cart Söhne & Cie.. 320 Webstühle, 120 Dampfpferdekräfte. 267 Arbeiter, Maschinenfabrik mit Eisengiesserei, Baumwollspinnerei und Baumwollzwirnerei N. Schlumberger & Cie., seit 1808, ca. 1000 Pferdekräfte, davon bis z u 200 Wasserpferdekräfte. Die Firma besitzt 58916 Spindeln und beschäftigt in der Alaschinenfabrik 644 Arbeiter, in der Spinnerei 54s Arbeiter und in der Zwirnerei 77 Arbeiter. Spinnerei und AVeberei F. und Th. Fre>5 seil 1860, 17.5.50 Spindeln, 340 AA'ebstühle, 500 Pferdekräfte, davon bis zu 200 A\rasser-pferdekräfte, in der Spinnerei 136 Arbeiter, in der Weberei 337 Arbeiter. Baumwollspinnerei und -Weberei Frey, AVitz & Cie., im Familienbesitz der Firma seit den 30er Jahren, vorher der Familie Ziegel, Grcuter & Cie. gehörig. In der Spinnerei 15672 Spindeln, 200 Pferdekräfte, davon bis zu 35 Wasserpferdekräfte, 127 Arbeiter; in der AVeberei 40(1 AVebstühle, 12.5 Dampfpferdekräfte, 307 Arbeiter; ferner die Baumwollspinnerei der Firma Spinnerei Gebweiler mit 215 Arbeitern, 470 Pferdekräften und 22292 Spindeln ; und die Spinnerei Freihof Akt.-Ges. als Nachfolger der Firma Camille AVebcr, 115 Arbeiter, 300 Dampfpferdekräfte; die Akt.-Ges. besteht s. 1897. AVoIlspinnerci und -weberci, Fabrik von Filztüchern und technischen Geweben von Karl Althoffer (Fa-briklirma J. Althoffer), 300 Spindeln, 11 A\Tebstühle, 15 AVasser-und 25 Dampfpferdekräftc, 2.5 Arbeiter. Schnellgerberei H. Kuch, Produktion ca. 100 Häute in der Woche. Alaschinenfabrik und Schleiferei vorm. F. J. Grün, s. 1832; 239 Arbeiter. Fabrik zur Herstellung von K ä m m e n für Spinnereien. Holz-bearbeitungswerkstätte. 2 Buchdruckereien. 3 Buchhandlungen, davon 2 seit 1871. Seifenfabrik. Brauerei Hugstein, 1S9Serrichtet, 1 Arb., jährl Produktion 070 hl. 4 mech. Werkstätten. Möbelfabrik. Ofenfabrik. 2 Seilereien. 2 Steinbrüche. Gasfabrik, s. 1898 im Besitze der Stadt. Alontag nach Alittfasten, Alontag nach Auffahrt Chrisii, Alontag nach Kaiser Heinrich 115.Juli) und Alontag nach St. Andreas (Andreasmarkt »Kram-und Schweinemarkt. Fällt St. Andreas auf einen Alontag, so wird der Jahrmarkt am St. Andreas-Tage selbst gehalten. - Zeitungen: B e Ich ens t im m e, Anzeigehlalt für G., Sulz, Bühl und LTmgebung; dreimal wöchentlich. Gebweiler Kreisblatt, mit «Der Landwirth», Organ des landw. Kreisvereins, zweimal wöchentlich. G. war 774 schon M u r b a c h e r Besitz, später Hauptort der murbachischen Vogtei G. - Unter Abt Berthold von Steinbrunn ca. 1270 wurde G. ummauert, bald darauf das in der Nähe gelegene Schloss Angreth zerstört. Die Stadt war jährlich zu einer Abgabe von 40 Mark an den Abt verpflichtet. 1285 überfiel Abt Berthold von Falkenstein die Stadt, und vertrieb im nächsten Jahre den Adel daraus. 1314 erhielt dieselbe v o m Abt den AVald in ihrer Nähe, 1328 wurde die Schenkung noch erweitert; die Erträge sollten für die Stadtbefestigung verwendet werden. 1444 wurde der Dinghof G. aufgehoben. Die Huber und Alentager behielten ihre Güter erblich gegen einen Grundzins. 1445 a m Valentinsabend (13. Febr.) versuchten die Armagnaken im Fin- I stern mit Strickleitern die Stadtmauern zu übersteigen. G. wurde durch die Geistesgegenwart der Brith Schick gerettet. Seitdem wird der Tag des hl. A'alentin, dem man die Rettung zuschrieb, als Fest gefeiert. Die vom Feinde zurückgelassenen Strickleitern werden in der obern Kirche aufbewahrt. 1447 versuchte die Stadt beim Regierungsantritt des Abtes Bartholomäus von Andlau sich den von seinem A'or-gänger Dietrich von Hausen eingeführten neuen Abgaben, dem bösen Pfennig, dem Pfundgelt u. s. w. zu entziehen; sie wollte nur die von altersher üblichen 40 Alark bezahlen; sie liess den Abt nicht in die Stadt ein, wurde aber vom Abt in der Nacht vom 10. zum 11. Nov. überfallen und unterworfen, musste einen Theil der Schulden übernehmen und später die verweigerten Abgaben zahlen. - 1525 Hessen die Bürger vonG. die aufrührerischen Bauern ein, welche die beiden Dominikanerklöster, auch das Kloster Alurbach, plünderten. Dafür wurden die Zünfte aufgelöst. Es gab damals deren 7: 3 Rebzünfte, die Bäcker-, Aletzger-, Schneider- und Schmiedezunft. - A'on 1639 an wurde G. durch Schweden, Kaiserliche und Franzosen gleichmässig verheert; nach 1633 hatte es 321 Bürger, 1657 nur noch 164. 23 Häuser standen damals leer, 147 waren noch nicht wiederhergestellt. 1740 brach die von Vauban erbaute Stauung am Belehen-see, welcher den Kanal für Neubreisach speiste. Das G.-Thal wurde überschwemmt, die Stadt selbst durch ihre Alauern geschützt. Seit 1759 war die Stadt Residenz des Fürstabts von Alurbach und seiner Konventualcn (s. Alurbach). A n der Spitze der Stadt stand bis zur franz. Revolution ein Rath von 12 Alitgliedern, unter denen sich die Vorsteher der Zünfte befanden; 1785 gab es noch 5, die mittlere Rebzunft und die Schmiedezunft waren eingegangen. Dazu kamen noch 2 adelige Rathsmitglieder. Das Schultheissenamt war lange erblich in der Familie der Schultheissen von G. Ein Stadtrecht gab es nicht; 1556 bat der Rath um Einführung eines solchen, wie etwa in Freiburg, Neuenbürg oder Breisach. Die Rathsmitglieder nannten sich damals selber arme Rebleute; G. war bis Ende des 18. Jhdts. ein Acker-bürgerstädtchen; seitdem hat es sich in eine Industriestadt umgewandelt. - Die Pf arrei G. wird im 13. Jhdt. erwähnt. 1441 hatte sie ausser dem Pfarrer und dem Frühmesser 15 Kaplänc, von denen einer die Spitalskapelle St. Erhardi, ein anderer die von der Frau von Hungerstein vor der Stadt gegründete Kapelle versah, ein dritter wird Capellanus hos-pitalis molitorum genannt. Schutzheiliger Leodegar; Patron der Fürstabt von Alurbach. 1785 wurde die der Alutter Gottes, den hl. Leodegar und Ludwig geweihte untere Kirche vollendet (s. Alurbach). Seit 1294 gab es D o m i n i k a n er in G.; 1296 wurde ihr Bereich gegen die Baseler Dominikaner abgegrenzt durch eine Linie von Sennheim über Thann nach St. Amarin. Die schöne Kirche wurde 1312 begonnen ; 1525 von den Bauern geplündert; bei der franz. Revolution aufgehoben; sie dient, ebenso wie die Klosterbauten, jetzt profanen |