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Show Kaysersberg. 507 Bauwerken einen alterthümlichen Charakter bewahrt. - Kirchlich gehörte K. zum Landkapitel Ultra Colles des Bisthums Basel und hatte bis 1003 einen Pfarrer und b Kapläne. Von da bis 1724 wurde die Pfarrei durch Franziskaner versehen, seitdem wieder durch einen vom Bischof bestellten Pfarrer. Das Patronatsrecht besass die Herrschaft Rappoltstein, seit 1715 der Bischof von Basel, seit 1768 dieser und die Stadtgemeinde abwechselnd. In K. bestand seit 1483 ein von der Jurisdiktion des Bischofs von Basel exemtes Franziskanerkloster, das vorher seinen Sitz im St. Johanner Thal hinter Alspach gehabt hatte. Ferner war hier ein Ordenshaus (Präzeptorat) des Deutschritterordens (s. 1295). 1331 Petrus von Strassburg Komthur, seit 1480 besorgte ein Priesterbruder als Schaffner die Verwaltung. 1525 von den aufständigen Bauern geplündert, eine Zeit lang den Klarissinnen von Alspach als Wohnung überlassen, seit dem 17. Jhdt. dem Komthur zu Andlau und Strassburg unterstellt, 1737 der Komthurei Andlau überwiesen. Das am Ende der grossen und kleinen Deutschgasse gelegene Haus mit der dem hl. Sebastian geweihten Kapelle im Jahre IV (1795/90) verkauft. K. war im 17. Jhdt. die ärmste Kommende der Bailei Elsass-Burgund. Komthure: 1318 Werner Dusen-bolder ; 1799 Friedrich Heinrich Karl Freiherr von Landsperg, Komthur zu Andlau, Kaysersberg und Strassburg. - 1287 war auch die Johanniterkomthurei Colmar in K. begütert. - K. ist bekannt durch den zwar nicht dort geborenen, aber doch dort erzogenen und nach dem Orte benannten Geiler von K. (1445-1510), den berühmten Prediger a m Strassburger Münster (1478-1510); ferner als Heimath des Matth. Zell, des ersten evangelischen Predigers zu Strassburg (1477-1548). - K. liegt an einer_Kelten- und späteren Rümerstrasse von Breisach über Colmar nach Diedolshausen und St. Die5 Die Kirche ist ein ursprünglich romanischer Bau aus dem 12. Jhdt. mit späteren Anbauten aus dem 15. Jhdt. Die Krypta unter dem Chore stammt aus dem 15. Jhdt, der Hochaltar aus dem 15. Jhdt. mit späterer Bemalung, ein hervorragendes Werk (gesch. Dkm.). Das Chorgestühl ist aus dem 15. Jhdt. Mehrere gute Holzstatuen. Im nördlichen Seitenschiffe eine Kreuzabnahme aus dem 15. Jhdt., eine vortreffliche Arbeit. Die Kirche besitzt noch einige alte Glasgemälde. Nordwestlich von der Kirche liegt die alte Michaelskapelle aus dem 15. Jhdt. mit Beinhaus im Erdgeschosse. Hübsches Wegekreuz aus dem 15. Jhdt. bei der Oberförsterei. Als weitere Bauwerke sind hier zu verzeichnen: a) St. Wolfgangskapelle, beim Kirchhofe auf einem Felsen gelegen, enthält uralte Baureste aus dem 10.-11. Jhdt., der Rest meist aus dem 15. Jhdt. b) Kapelle, früher zur Abtei Pairis gehörender Bau aus dem 15. Jhdt. c) Spital, ehemaliges Franziskanerkloster, enthält Reste des Kreuzganges aus dem 14. Jhdt. und aus der Rococozeit; so namentlich die Kirche. d) Pestkreuz vor der Stadt, gute Arbeit aus dem Ende des 15. Jhdts. K. besitzt eine grosse Anzahl alter Stein- und Holzhäuser aus dem 15.-17. Jhdt.; so namenlich das Bürgermeisteramt und ein Haus mit 2 Giebeln; dann mehrere Häuser in der Mitte der Stadt an der befestigten Brücke. Auch zahlreiche Reste der alten Stadtbefestigung sind vorhanden. A n die Stadt sich anschliessend die Reste der alten Burg (gesch. D k m . 1899 in Landesbesitz übergegangen), bestehend in Bautheilen (Donjon etc.) aus dem 13.-14. Jhdt. Südlich von K., auf dem sog. Firtischberge, befinden sich vorgeschichtliche Steinwälle der Bronze-Zeit. G e m e i n d e w a l d (Oberförsterei K.) 1105,9 ha. Bis 820 m über dem Meere. Vogesensandstein, Granit. (Tanne, Eiche, Fichte, Kiefer, Buche, Kastanie, Hainbuche.) C 1 a u s s , J. M. B., Das alte Kaysersberg. K. 1902. E r i c h s o n , A., Le protestantisme ä K. Strasb. 1871. Führer für K. und Umgebung. Mit einer Karte. Bearb. von Mitgliedern u. Freunden der Vogesenclubsektion K. K. [1885]. Kern, G., Bilder aus der Geschichte des Elsass. K. Strassburg 1900. R a t h g e b e r , J., Zwei Gottesmänner aus K. (Geiler u. M. Zell). Mülhausen 1805. Schöpflin, J. D., Histoire des dix villes, jadis libres et imperiales de la pre-fecture de Haguenau, savoir Haguenau, K. Colmar 1825. Eine Markgenossenschaft im Kaysersberger Thale. Bearb. v. Mitgl. u. Freunden der Vog.-Club-Sektion K. O. O. 1888. K a y s e r s b e r g , Kanton (Kr. Rappoltsweiler, O.-E.). Umfasst die Gden. Ammerschweier, Bcbelnheim, Bennweier*, Ingersheim, Katzenthal, Kaysersberg*, Kienzheim*, Mittelweier, Niedermorschweier, Ostheim, Reichenweier, Sigolsheim, Zellenberg und enthält auf 113,5147 qkm, 2993 bewohnte Häuser etc., mit 16081 Einwohnern. - Der Ka. K. gehörte 1790-95 zum Distrikt Colmar, wurde 1796 aufgehoben und erst 1802 als Theil des Arrondissements Colmar von Neuem gebildet. 1790-9b umfasste er ausser den oben mit Sternchen bezeichneten Gden. noch Diedolshausen, Schnierlach, Urbach, Urbeis und Zell, welche 1796 dem neugebildeten Ka. Schnierlach zugewiesen wurden, während Bennweier, Kaysersberg und Kienzheim in den Ka. Ammerschweier übergingen. 1802 wurde K. wieder zum Kantonalhauptort erhoben ; sein Kanton umfasste nun die heutigen Gden., von denen Bebeinheim, Mittelweier, Ostheim, Reichenweiher und Zellenberg vor 1802 dem Ka. Reichenweier, die übrigen dem Ka. Ammerschweier angehört hatten. Flaxland, J. F., La pgehe de la grenouille dans le canton de Kaysersberg. (Rev. d'Als. 1861, S. 36-42.) Straub, A., Statistique monumentale des cantons de Kaysersberg et de Ribeauville'. (Bull, de la Soc. p. la cons. des mon. hist. d'Als. III, 1858-60, 2, S. 99-120.) K a y s e r s b e r g , Reichsvogtei. Die Reichsvogtei K. scheint als solche erst in der ersten Hälfte des 14. Jhdts. eingerichtet worden zu sein. Sie umfasste Burg und Stadt K., die Städte Münster mit dem Gregorienthai und Türkheim und theilte sich mit der Herrschaft Hohenlandsberg in Ammerschweier, Niedermorschweier und Winzenheim. Sie war der Reichslandvogtei Hagenau untergeordnet; der kaiserliche Landvogt ernannte den Vogt, welcher in der Burg zu K. residiren musste. Diesem unterstanden ein Lfnter-vogt zu Münster und je ein Reichsschultheiss in den genannten Orten. A m 8. Aug. 1330 verpfändete Kaiser Ludwig der Bayer zu Hagenau «des Reiches Burg und Stadt zu K., die Burg Blicksberg, die Städte Türkheim und Münster sammt dem Thal» an König Johann von Böhmen um 7900 Mark. Im Jahre 133b aber hat der kaiserliche Reichslandvogt im Bunde mit den elsässischen Reichsstädten die Vogtei aus der böhmischen Pfandschaft gewaltsam befreit. Schon a m 12. Juni 133b hatte Kaiser Ludwig dem Pfalzgrafen bei Rhein Rudolf «des Reiches Burg und Stadt zu Kaisersberg» u m bOOO Pfund Heller versetzt. 1349 befand sich die Vogtei im Pandbesitz des Burkhard Münch von Basel. Bald darauf betrieb Kaiser Karl IV. ernstlich die Auslösung und gliederte die 3 Städte dem Dekapolisbunde 1354 an. Von jetzt ab theilte die Vogtei K. das Schicksal der Reichslandvogtei Hagenau (s. d.). In der Zeit des pfälzischen Pfandbesitzes (1408-1504) begegnen als Untervögte der Pfalzgrafen bei Rhein: u m 1409 Hans von Kungsbach, 1413 Heinrich von Gertrungen, 1442 Siegfried von Oberkirch, 1445 Ritter Stephan von Baiern, 1452 Caspar Beger, 1464 Hans von Landsberg, 1477 Heinrich von Rathsamhausen und dann Lützelmann von Rathsamhausen. Mit der Reichslandvogtei Hagenau entzog Kaiser Maximilian 1504 auch die Reichsvogtei K. gewaltsam den Pfälzern ; 1505 verpfändete er sie an seinen Hofkanzler Dr. Konrad Stürzel; 1520 k a m sie an Hierony-mus Prunner, 1535 an den Hagenauer Unterlandvogt Grafen Georg zu Erpach, 1541 an Wilhelm von Rappoltstein, dann an dessen Sohn Egenolf. 1565 löste der Oberlandvogt von Hagenau, Erzherzog Ferdinand, die Vogtei K. an sich. Oesterreichische Vögte waren : 15bb Wilhelm Wellinger von Fehingen, 1571 der Hofkanzler Johann Wellinger und dessen Untervogt Hans Wellinger. A m 26. Sept. 1573 kam die |