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Show h-,4 Metz. hinaus zu wahren. Insbesondere war es die Regierung der Königin Brunhilde, die der Stadt hohen Glanz verlieh: an ihrem Hofe, den sie in der stattlichen Königsburg zwischen der jetzigen Trinitarier- und Geisbergstrasse zu halten pflegte, begegnen wir dem Dichter Venantius Fortun atus; auch der Geschichtsschreiber G r e g o r von Tours stand ihr nahe. Das Christenthum hat seine eisten Kirchen ausserhalb des Mauerrings gebaut, in den Ruinen des Amphitheaters vor dem Theobaldsthore wurde a m frühesten die christliche Lehre verkündet; im 5. Jhdt. bestand aber bereits innerhalb der Stadt das O r a t o r i u m S t. S t ep ha n i und a m Ende des 6. wurde an Stelle dieses Gotteshauses ein prunkvoller Bau errichtet, der bis zum 10. Jhdt. als Bischofskirche gedient hat. Auch klösterliche Niederlassungen haben sich bald hinter dem schützenden Mauerring angesiedelt: St. Glossinde und St. Peter, die seit Anfang des 7. Jhdts. genannt werden, dürfen wohl als die- ältesten innerhalb der Stadt liegenden Klöster angesehen werden. Das Karolingische Königshaus hat in der Gegend von M. seinen Stammsitz gehabt und mit seinen Gütern erbte das Geschlecht auch die Vorliebe für die austrasische Hauptstadt. Als Arnulf, der Stammvater des neuen Königshauses, die politischen Geschicke des Frankenreichs lenkte, war er gleichzeitig Bischof von M., (611-627), und Pippin, der Vater der Begga, die Arnulfs Sohn Ansegisel die Hand gereicht hat, war in derselben Stadt Hausmeier der austrasischen Kö- ; nige. Neben politischen Rücksichten war es sonach auch stark wirkende Eamilienüberlieferung, die der Merowinger-stadt die Gunst des neuen Königshauses erhielt. Karl der Grosse hat sich allerdings, soweit sich das nachweisen ' lässt, nur zweimal in M. aufgehalten. Hierfür müssen aber aussen Gründe - vielleicht der Verfall der alten Pfalz - massgebend gewesen sein; denn wie sehr er der Stadt zu-gethan war, dafür spricht, dass seine Gemahlin Hildegard und mehrere in jugendlichem Alter verstorbene Kinder im Arnulfskloster zu M. beerdigt worden sind. Auch Ludw ig der F r o m m e ebenso wie sein ausserehelicher Bruder, Bischof Drogo, fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Oefter haben Karls Nachfolger M. aufgesucht und während des neunten Jhdts. hat die Geschichte der Mosel- \ Stadt wichtige politische Ereignisse in ihren Annalen zu verzeichnen: in ihrer Basilika wurden Könige gekrönt ' Ludwig der Fromme 835, Karl der Kahle 869), und der Bischofspalast wie das Arnulfskloster sahen nicht selten politische Versammlungen der weltlichen Grossen (so 842, 867, s73) und Concilien der geistlichen Würdenträger (821, 835 859, 865). Der hohen politischen Stellung entsprechend, hat M. auch an der geistigen Bewegung der Zeit, der karolin-gischen Renaissance, lebhaften Antheil genommen. Aus der Metzer Schreib- und Malerschule gingen ausser zahlreichen Evangeliaren die Trierer Adahandschrift und das bewunderungswerthe heute in der Nationalbibliothek zu Paris befindliche Sakramentar Bischof D r o g o s hervor. Die Musik fand gleichfalls sorgliche Pflege: nach dem Vorbilde des Hofes wurde hier unter Bischof Drogo eine Sängerschule gegründet, die eines weitverbreiteten Rufes genoss, i und dass die Baukunst hervorragende Vertreter hatte, das beweist der N a m e des Aachener Münsterbaumeisters O do von M. Die Entwickelung und Förderung all dieser Künste dankte M. in erster Linie den zum königlichen Hofe in naher Beziehung stehenden Bischöfen C h r o d e g a n g (742 -764), A n g i l r a m (768-791) und D r o g o (823-855). Nachdem die Stadt seit 843 als Hauptstadt des Lotharingischen Mittel-Reiches gegolten hatte, fiel sie bei der Theilung von 870 mit dem Mosel- und Seillegau dem ostfränkischen Reiche zu. Aber bei der Schwäche der deutschen Könige Karl des Dicken iNormanenschlacht bei Remich 882, in welcher i Bischof Wala von M. fiel) und Ludwigs des Kindes ordneten sich die Lothringer 911 dem Westfranken Karl dem Einfältigen unter. Damit ist M. französisch geworden, bis Heinrich 1. durch den Bonner Vertrag von 921 und die darauf folgenden Kämpfe (Belagerung von M. 923, Unterwerfung Lothringens 925) die Durchführung der Meerssener Abmachungen wieder erzwang. W e n n schon zu karolingischer Zeit der Bischof wesentlich die Geschichte der Stadt beeinflusst hatte, so wurde diese Stellung des geistlichen Oberhaupts durch die Ueber-tragung eines Theiles der Grafenrechte auf Bischof Adel-bero I. ungleich bedeutender, so zwar, dass sich die Geschichte der Stadt mit derjenigen der Bischöfe bis zum Ende des 12. Jhdts. fast identifizieren lässt Andererseits freilich sicherte sich der Kaiser durch seinen massgebenden Einfluss bei der bischöflichen Ernennung die treue Ergebenheit der wichtigen Grenzfeste. Nach dem unzuverlässigen Lothringer Wigerich (917-927) wurde der Schwabe Benno von Heinrich I. ernannt und wenn auch bei der W a h l von dessen Nachfolger Adalbero I. (929-962) noch einmal der lothringische Partikularismus hervortrat, so gelang es dem Königthum doch bald, der Macht des Reiches Anerkennung zu verschaffen und in dem bischöflichen Herrn von M. den treuesten Verbündeten zu gewinnen. Adalberos Nachfolger war auf kurze Zeit Bruno, Ottos I. Bruder, und sodann der Sachse Theoderich I. (964 -984), ein Vetter Kaiser Ottos I. Ebenso standen Adalbero U 984-1005) und III. (1006) sowie Theoderich IL (1006- 1047) in engem Verwandtschaftsverhältniss zum Königliehen Hause Wenn Theederich mit König Heinrich IL in Streit gcrieth, und Heinrich zur Belagerung der Stadt M. (1009) schreiten musste, so halte das seinen Grund lediglich in privaten Zwistigkeiten zwischen dem Kaiser und dem Luxemburgischen Geschlecht, dem der Bischof angehörte. So sehr nun auch bei der Ernennung dieser Bischöfe weltliche Gesichtspunkte mit ausschlaggebend gewesen sind, so wird man doch sagen müssen, dass auch in geistiger und geistlicher Beziehung die Auswahl der Oberhirten eine vortreffliche gewesen ist. Auf Adalbero und Bruno geht die erste kirchliche Reformbewegung zurück; in Gorze, St. Clemens, St. Arnulf und St. Glossinde begann unter ihrem Einfluss ein neues kirchliches Leben; unter Theoderich wurde St. V i n c e n z jenseits der Mosel 968 gegründet und St. S y m p h o r i a n 992 wiederhergestellt. Ein neuer dreischiffiger Prachtbau erhob sich an der Stelle der mero-wingischen Basilika St. S t e p h a n und konnte 1039 geweiht werden. Das geistige Leben entsprach dem kirchlichen Aufschwung. Der Mittelpunkt dieser von den Bischöfen eifrig geförderten Bewegung waren die Klöster Gorze und St. Arnulf. Abt Johannes von St. Arnulf beschrieb das Leben seines gleichnamigen Gorzer Amtsgenossen, und ebenso verdanken wir die Miracula St. Glodesindis seiner Feder; die Wunder des heiligen Gorgonius wurden um 965 von einem Gorzer Mönch geschrieben, die Vita Adalberos IL fand im Abt Constantin von St. Symphorian einen gewandten Darsteller und endlich ist auch Alpert von St. Symphorian zu erwähnen, der es unternahm, die Geschichte der Bischöfe von Metz zu schreiben. Im 11. Jhdt. hat der Investiturstreit den Bischof oft auf die Seite der kaiserlichen Gegner geführt. Jetzt aber keimten im Schosse der Bürgerschaft schon jene selbständigen Ideen, die im Laufe des folgenden Jhdts. dem Kaiser die städtefreundliche Politik lohnten, die er seit dem Zwiespalt mit dem Clerus eingeschlagen hatte. So wurden Thcoger (1118-1120) und Stephan von Bar (1120-1163) von der Bürgerschaft vertrieben, während Adalbero, der kaiserliche Bischof, Aufnahme und Anerkennung gefunden hatte. LTnter Bischof Bertram (1179 - 1212), einem Sachsen von Geburt, den Friedrich I. hatte wählen lassen, klärten sich die verfassungsrechtlichen Verhältnisse der Stadt, |