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Show Masmünster. 635 abfallwäscherei mit Wasserkraft. Lagerhalle des landwirtschaftlichen Kreisvereins Thann. 2 Buchhandlungen. A m 3. Mittwoch der Monate März, Juli, Sept. u. Nov. Viehmarkt. - Zeitung: Masmünsterer Nachrichten, 1 mal wöchentl. Die Stadt entwickelte sich allmählich um die stattliche Abtei. 1215 wurde sie mit Mauern umgeben und 1217 zur Siadt erhoben. 1368 wurde sie erweitert und mit neuen Mauern und Thürmen versehen. 1375 von den Engländern genommen, 1385 vom Herzog Leopold von Oesterreich an den Grafen Konrad von Freiburg verpfändet. 1126 versuchten die Burgunder vergeblich, die Stadt zu überrumpeln. Einen 1436 zwischen der Stadt und der Abtei ausgebrochenen Streit schlichtete Sehmassmann von Rappoltstein. 1633 wurde M vom Rheingrafen Otto Ludwig erstürmt. - M. gehörte zum Gerichte von Gewenheim, später war es Hauptort eines Amtes der Subdelegation Beifort. In der Stadt der Freihof der Abtei mit Asylrecht, Stadtgericht, Schuhmacher- und Weberzunft. - Die Pfarrei mit den Filialen Huppach, Nieder- und Oherhurbaeh. Sickert und Stöcken gehörte zum Landkapitel Masmünster des Bisthums Basel. Die Pfarrkirche, St. Martini lag ausserhalb der Stadt und wurde später durch die intra muros gelegene Neue Kirche St Lcodegarii ersetzt. Der 1789 begonnene Neubau einer Pfarrkirche, die dem hl. Erhardus geweiht werden sollte, wurde durch die Revolution sistirt. - Aus dem Geschlechte derer von M. werden Hol Nantwig und Burkhard als Lehensleute des Bischofs von Basel erwähnt. Maria von M. war 1309-1345 Aebtissin zu M.; 1330 Rudolf von M. Deutschmeister der Johanniter ; 1390 Burkhard von M. Propst zu St. Amarin, 1402 Johann Ulrich Johanniter-komtur zu Sulz; 1495 Ludwig von M. Statthalter im Breisgau; Georg Abt zu Murbach 1513-41'; 1572 starb das Geschlecht aus. - M. liegt an einem in's Dollerthal nach dem welschen Belchen führenden Keltenwege. Ueber die ehem. Abtei vgl. M., Abtei. Im Städtchen sind einige Häuser aus der Renaissancezeit. Das Rathhaus ist eine Schöpfung des französischen Generals Kleber, der ursprünglich Bauinspektor zu Beifort war. In M. wurden geboren : Der kaiserliche Feldhauptmann und Vogt von Thann Friedrich K a p pte) ler (1435), der 1487 bei Calliano südl. von Trient die verderösterreichischen, elsässischen und tiroler Truppen des Herzogs Sigmund von Oesterreich führte und die Vene-tianer unter San Severino schlug. Ferner besiegte er 1493 bei Dournon nächst Salins eine französische Uebermacht und sicherte dadurch dem Kaiser Maximilian den Besitz der Freigrafschaft Burgund (Vgl. Seb. Brant's Lied «von der erlichen Schlacht der Tütschen bi Salin-.) Seit 1488 war er Besitzer des Schlosses Wasserburg (s. d.) bei Falkweiler (s. d.i. (Vgl. Vulpinus, Theod. [Renaud], Ritter Friedrich Kappler. Strassburg, Heitz 1806.) Konrad Alexander Gerard (1730-1790), französischer Staatsmann und Gesandter. Joh. Matthias G i r a rd (1735-1812), französischer Staatsrath und Verfasser staatsrechtlicher Werke. G e m e i n d e w a l d (Oberförslerei Masmünster) llö2,3ha. 510-1160 m über dem Meere. Grauwackensandstein und Grauwackenschiefer, Diluvium, Alluvium, Porphyr, Syenit. (Buche. Tanne, Eiche, Sahlweide, Espe, Birke, Hasel, Hainbuche, Fichte, Esche, Ahorn, Kirsche.) Der Wald ist alter Besitz der Gemeinde. A m Rossberg und Buchberg linden sich Grenzsteine mit dem Krummstab, welcher andeutet, dass die Waldungen ehedem im Besitze der Abtei Masmünster waren. G e n d r e , A., L e protocole du magistrat de Mass, vaux vers la lin du 17e siecle. (Rev. d'Als., 4e ser. 1, 1900, S. 526- 534.) [Lintzcr, E.], Separation de la paroisse S. Martin de Massevaux de l'eglise collegiale. (Rev. cath. d'Als. 19, 1900, S. 540-551.) |Auch bes.:] Rixheim 1900. M a s m ü n s t e r , ehem. Abtei (Ka. Masmünster, Kr. Thann, O.-E.). 728 von Maso, einem Enkel Etichos, auf den Namen des hl. Leodegar, von dessen Haupte hier ein Theil ' aufbewahrt wurde, gegründet und aus seinem Privatbesitz reich dotirt. Die Klostervogtei war in den Händen des verwandten Hauses der Grafen von Pfirt. Die Abtei bestand im 13. Jhdt. aus is adeligen Chorfrauen, 6 Chorherren und 3 Kaplänen des Benediktinerordens. Die Oberhoheit his.iss der Bischof von Basel, vermuthlich als (.eschenk des Kaisers | Friedrich I , mit dem Rechte, die Aebtissin zu bestätigen, oder, falls innerhalb 4o Tagen nach dem Tode der letzten keine Wahl stattfand, die Aebtissin zu ernennen. Dem Kaiser musste die Aebtissin, wenn er in Basel Hof hielt, 50 Malter Korn, 50 Becher, 50 Schüsseln und 5 Pfund Pfennige darreichen. Der Abtei gehörten alle Almenden vom Hahnenbach bis Kratzen (Le Gresson), der Gerichtsbann von Eg g i n bach bis zur Birs, von Fosse-Morand bis Pierre-Pertuis, 5 Amtleute, 1 Ober- und 1 Unterschaffner, Marschalk, Kilchwart waren ihre Beamten. Den im ersten Drittel des 14. Jhdts. begonnenen Neubau der Kirche und des Chores förderte Papst Johann XXI. 1331 durch Bestätigung einer 1 Schenkung. Das Verhältniss der Abtei zu den Herren von M. wurde durch Verträge von 1338, 1370, 1399, 1410 etc., zuletzt • 1599, geregelt. 1728 wurde die Abtei nach langer Klageführung von der territorialen Gerichtsbarkeit befreit. - In der von den Stiftsdamen geleiteten Schule, als welche die Abtei bis zur französischen Revolution fortbestand, erhielten Adelige und Fürstinnen, u. a. die spätere Kaiserin Katha- | rina von Russland, ihre Erziehung. - Von der Kirche- und den Klostergebäuden steht jetzt noch das Chor aus dem 14. Jhdt und eine Seitenkapelle (gesch. Dkm.) aus dem 15. Jhdt. mit oberem Stockwerk. An die Nordseite stösst ein zweistöckiges, unten gewölbtes Gebäude aus spätgothischer Zeit an. Bardv, H., Masvaus et les derniers annees de l'abbaye. (Club Alpin francais, Section des Hautes-Vosges. Bull, lo, l 1898, S. 39-47.) Gasser, E. L'abbaye de Masevaux. Ses droits, ses Privileges. (Rev. d'Als. 1872, S. 4N6-499.) G e n d r e, Aug., Etüde etymologique sur Massevaux. (Bull, de la Soc. Belfortaine d'Emulation 14 (1895), S. 151-15s. D u Sund-gau, L., Masevaux. (Passe-Temps 9, is98, S. 113-116; 145- 148; 161-163; 193-194; 209-210; 225-227; 257-259; '.'89-292; 305-307; 321-322.) M a s m ü n s t e r , Herrschaft. Umfasste die Gemeinden' M. mit den Weilern Huppach und Stöcken, Aue, Dollern, Gewenheim, Kirchberg, Niederbruck, Niederburbach, Oberbruck, Oberhurbach, Rimbach, Sentheim, Sewen, Sickert und Wegscheid. Dieses im Dollerthale liegende Gebiet war ursprünglich Eigenthum des Frauenklosters M. Den Grafen von Plirt und nach ihrem Aussterben den Oesterreichern | (seit 1324), in deren Händen die Vogtei dieses Klosters war, gelang es. das Schutz- und Schirmrecht allmählich zu einem I territorialherrlichen Besitz umzuwandeln, so dass sich Herzog Rudolf 1356 <herre zu masmünster nannte. Als österreichische Lehnsleute besassen die Stiftsgüter seit 1388 die j Herren von M., nach deren Erlöschen 1572 die Falkenstein, | später die Bollweiler, seit 1616 deren Erben, die Fugger. ' Diese traten ihr Pfandrecht an dem durch den westfälischen Frieden an Frankreich gefallenen Gebiete 1680 an den Feldmarschall Conrad von Rosen ab, der es 16.84 seinem Schwiegersohne, dem Grafen Friedrich Nikolaus von Rotenburg, käuflich überliess. Doch hatte bereits 1680 Ludwig XIV. auf Ansuchen den Pfandbesitz in königliches Lehen umgewandelt. Der Sohn des Grafen von Rotenburg vererbte den Besitz 1735 an seinen Schwager, den Grafen Joseph von Vaudrey, Baron de Saint Remy, dessen Tochter Johanna die Herrschaft an ihren Schwiegersohn, den Marquis von Rosen, übertrug. Dessen Erben waren (in weiblicher Linie) die Herzoge von Broglie, welche die Herrschaft 17S9 erhielten und sich, wie ihre Vorgänger, Barone von M. nannten. M a s m ü n s t e r , Kanton (Kr. Thann, O.-E.). Umfasst die Gden. Aue, Dollern, Kirchberg, Masmünster, Morz- |