| OCR Text |
Show 112 Heidenmauer. 40er Jahren Jakob Schneider, der zum ersten Alalc die H. von dem auf dem eigentlichen Odilienberg vorhandenen Kastell scharf getrennt hat, versucht, den Nachweis zu führen, dass nicht nur das Kastell als militärischer Posten, sondern auch der Alauereinschluss auf die Römer als Erbauer zurückzuführen ist. Als Zeit nimmt Seh. die Zeit von Julian bis zu den letzten Jahren der Regierung des Kaisers Aralentinianus, 369-375 n. Chr. an, w o die Alamanen über den Rhein in das Elsass eindrangen. Seine Beweisführung stützt sich auf die - recht unsichere - mittelalterliche Ueberlieferung, auf die Funde römischer Alünzen und vor allem auf die A'erbindung der Quadersteine durch die doppelten Schwalbenschwänze, die von A'itruv erwähnt werden. Seh.'s Ansicht hat besonders in den Kreisen der deutschen Gelehrten Anklang gefunden. Im Gegensatz zu dieser Ansicht hat Schweighäuser, dem zum ersten Alale ein genauer Plan zur A'erfügung stand, die Heidenmauer den Galliern (Kelten) zugeschrieben, doch ist er später dieser Ansicht nicht treu geblieben. Neuerdings hat Ptister den gallischen Ursprung aus vorrömischer Zeit mit gewichtigen Gründen nachzuweisen versucht, und dieser Versuch darf als gelungen bezeichnet werden. Nach AVider-legung der Schneider'schen Ansicht, besonders in Bezug auf das Hauptargument, die Schwalbenschwänze, führt er aus, dass die H. als ein gallisches oppidum (befestigte Zufluchtsstätte mit geringer ständiger Bevölkerung) aus vorrömischer Zeit anzusehen ist, wie deren Caesar uns mehrere (Bib-racte, Alesia u. a.) beschreibt, während die Römer auf dem Felsen, auf dem jetzt das Kloster steht, erst in späterer Zeit, als das oppidum bereits vollständig verlassen war, ein Kastell anlegten; (von letzterem ist heut zu Tage fast jede Spur verschwunden). Auf viel unsicherer Grundlage beruhen seine Ausführungen über die Reste aus vorgallischer Zeit auf dem Odilienberg, denen nach seiner Aleinung eine Reihe von eigenthümlichen Felsbildungen zuzurechnen sind, in denen wir wohl eher natürliche Gebilde vor uns haben, wie sie die Vogesen in so grosser Zahl und Mannigfaltigkeit aufweisen. Einige dieser in der H. gelegenen Felsen haben sicherlich in Beziehung zu derselben gestanden. A m sichersten ist dies inbezug auf den W achtstein (s. d.i der Fall, der, obwohl ausserhalb der H. gelegen, doch mit derselben durch eine Alauer derselben Bauart noch heut zu Tage verbunden ist und, wie auch sein N a m e andeutet, einen Beobachtungsposten für die flüchtige Bevölkerung bildete. Aber auch bei einigen andern Felsen dürfen wir auf dieselbe Benutzung schliessen, so für den Schaft st ein. ebenso wie jener auf der Südseite gelegen, ferner für den Männeistein in SO. (s.d.), den Fels, auf dem das Kloster steht, den Fels v o n O b e r k ir ch (s. d.), vielleicht auch für den Felsen des H a g e l seh lo sses u. a. Unsicher auf jeden Fall bleibt, was es für eine Bewandtnis mit den sogen. D r u i d e n h ö h l e n hat, die schon von dem Strassburger Botaniker Alarcus Alappus (1632-1701) erwähnt und die von Schweighäuser wieder entdeckt worden sind. (Plan im Bull, de la Soc. p. la cons. des mon. hist. d'Als. 2e seT. I. Alem. p. 179.) Diese zwei auf dem AVesthang der Bloss (s. d.) ausserhalb der Alauer liegenden Felsengänge sind oben theilweise noch mit mächtigen Felsplatten eingedeckt; bei dem grösseren ist der Gang auf der Nordseite durch Felsen fast ganz geschlossen, der kleinere ist nach beiden Seiten offen. Die meisten Forscher kommen darin überein, dass Alenschcnhand hier der Natur zu Hilfe gekommen ist. Schweighäuser hält sie für druidische (also gallische) Denkmäler (Opferstätte), Jakob Schneider dagegen schreibt ihnen eine ausschliesslich profane Bedeutung zu; er glaubt sie in A'erbindung mit der H. setzen zu sollen und sucht in ihnenge-heime Ausgänge aus derselben. Ptister endlich hat nachzuweisen gesucht, dass sie weder gallisch (keltisch) noch als druidisch, sondern als eine vorgallische Grabstätte (Dolmen) anzusehen sind. - Zwei alte A\Tege, die sich durch ihr bis in den Anfang unseres Jhdts. noch gut erhaltenes, heut zu Tage bis auf geringe Reste verschwundenes Pflaster als R o m er w e g e auswiesen - wenn die Römer vielleicht auch nur schon vor ihrer Anwesenheit vorhandene AVege ausbauten - führten aus der Rheinebene durch den Alauerring in das römische Kastell. Der eine führte von Barr aus auf der Südseite des Gebirgsstockes aufwärts und trat durch einen Hohlweg von S W . her in die H. ein; der andere, beim Volke Heiden- oder Teufelsweg genannt, k a m von Ottrott aus in dem Thale von St.-Gorgon auf das Plateau, trat unterhalb des Felsens von Oberkirch ebenfalls durch einen Hohlweg in den Alauerring und führte mit einer scharfen AVendung nach links mit jenem parallel in das Kastell. Hier, w o das Felsplateau durch einen Graben künstlich von dem dahinterliegenden Bergplateau getrennt war, waren besondere Vorrichtungen zur Aufnahme von Querbalken sichtbar, die einen Abschluss des Kastells ermöglichten. Diese A'orrichtungen sind durch Anlage der neuen, aufgefüllten Strasse im Jahre 1855-56 fast ganz verschwunden, waren aber bis dahin noch gut erhalten. (Vergl Bull, de la Soc. p.la cons. d. mon. hist. dAls. 2e seT. X I V S. 193 f. nebst 2 Croquis.) Auf einem alten Plane von 1603 sieht m a n auf der Bloss Reste von Alauern gezeichnet; vielleicht haben wir darin Reste von altem Gebäuden zu erkennen, die von der - jedenfalls nicht sehr zahlreichen - ständigen gallischen Bevölkerung des oppidum, möglicherweise auch aus gallo-römischer Zeit stammten, w o während der Einfälle der Germanen die Zufluchtsstätte wieder benutzt worden sein mag. Heut zu Tage ist keine Spur mehr von jenen Alauern vorhanden, schon Schweighäuser konnte nichts mehr davon entdecken. Ebenso unsicher sind unsere Nachrichten über die G e b ä u d e innerhalb des römischen Kastells die nach der Ueberlieferung von dem römischen Kaiser Alaximianus erbaut wurden und anderen Stelle später Herzog Eiicho ein Schloss erbaut haben soll, das er dann in ein Kloster verwandelte. (A^ergl. Schneider S. 156 f.; von dem Schloss hat man 1738 angeblich die starken Grundmauern entdeckt. (Pfeffinger S. 33.) - Ob wir in der 1734 abgebrochenen runden Kapelle, wie die Ueberlieferung meldete, einen römischen R u n d t e m p e l oder wenigstens eine an Stelle eines solchen erbaute altchristliche Kapelle zu erblicken haben, ist ebenfalls recht unsicher, vielleicht hat nur der runde Grundriss Anlass zu der verbreiteten Tradition gegeben. (Literatur darüber bei Schneider S. 160.) A7on kleineren F u n d e n sind vor allem die römischen Alünzen zu erwähnen, unter ihnen einige aus den ersten Jahrhunderten, die meisten aus dem 4. Jhdt. Schöpflin erhielt von dort eine goldene Fibel; (Schöpflin S. 534, Albrecht S. 24. Peltre S. 108). Bruchstücke eines römischen Reliefs wurde am Alännelstein gefunden (s. d.). Wichtig sind die G r a b f u n d e aus den Tumuli innerhalb des Mauerringes, die ums Jahr 187o von Voulot und 1879 bei Gelegenheit der anthropologischen \rersammlung in Strassburg aufgedeckt wurden. Es waren Kistengräber, deren Beigaben sie in die fränkisch-allemanische Zeit verweisen. (Ueber die Grabfunde vgl. Voulot, Les A'osges avant l'hist. S. 181 ff., nebst Abbildungen; die Funde sind im Aluseum zu Alülhausen; Levrault p. 90; Bull, de la Soc. p. la cons. des mon. hist. d'Als. 2e ser. T. XI, p. 56 und S6; Pfister S. 240 f.) Die Grabstätten waren aus Steinen zusammengesetzt, die, wie die darin befindlichen Schwalbenschwänze beweisen, der H. entnommen waren. Derselben Fundgrube entstammen die Steine, aus denen der Brunnentrog der St. Johannisquelle (s. d.) gebaut ist. Vor allem aber fanden die Steine der Alauer Verwendung bei dem Bau der benachbarten Schlösser (Dreistein, Hagelschloss u. a.), wie noch nachzuweisen ist, und vermuthlich auch bei den wiederholten Bauten des oft durch Brände heimgesuchten Klosters. So erklärt sich der trümmerhafte Zustand der Alauer gerade in der Nähe dieser Ge-bäulichkeiten. - Ueber die F u n d e aus der Steinzeit |