| OCR Text |
Show Dieuze. 221 Aledard, Tarquinpol, Vergaville, Weisskirchen, Zarbeling, , Zemmingen. Schlachths. (s. 1893). Wasserltg. (1890 und später j erweitert). Verbands-Fw. (s. 1862, 3 Spritzen). Krgv. (s. I 2. Sept. 1878). - Kath. Pfarrei I. KL, Sitz eines Archipres- ' byteriats des Bisthums Aletz (s. 1802), die Pfarrei D. und die Hilfspfarreien Bessingen, Biedesdorf, Burgaltdorf, D o m m e n - heim, Gebling, Gisselfingen, Güblingen, Kerprich b. Dieuze, j Kuttingen, Liedersingen, Lindre-Basse, Alulcey, St. Aledard, Tarquinpol, Vergaville, Weisskirchen, Zemmingen umfassend. Kirche der hl. Alariä Alagdalena (22. Julie Reform. Pfarrei des Konsistoriums Metz (s. 1875, vorher Filiale von Nancy, später vor. Saarburg), die Ka. Chäteau-Salins, Delme, Dieuze und ATc umfassend. Kirche 1870 erbaut und 1887 erneuert. - Geschättssprache franz. (vgl jedoch die Verordn. vom 9. Juni 1888.) - Niederlassung der relig. Genossenschaft Unsrer lieben Frau (Notre Dame), gegr. 1621 (s. u.) Saline und Fabrik ehem. Produkte (507 Arbeiter). Die Saline ist die älteste des Landes und soll bis vor die Römerzeit zurückreichen. 1775 wurde bereits die Sodafabrikation eingeführt; D. zählt daher zu den ältesten Sodafabriken ' der Erde. 1827 wurde die Schwefelsäurefabrikation von ! Movenvic hierher verlegt, wodurch die Grundlage der auf das Vorkommen von Salz gegründeten ehem. Fabrikation geschaffen wurde. Zur Zeit werden hergestellt: Salz-, Schwefel- und Salpetersäure, Ammoniaksoda, Glaubersalz, Chlorkalk, Alaun, Seife, schwefelsaure Thoncrde, Superphosphate und ehem. Dünger in einer Gesammtproduktion von 60000 t. Die Salzproduktion belicf sich 1899 auf 18807 t bei 60 Arbeitern. Nach dem Frankfurter Friedensschlüsse hatten die damals bestehenden 6 Salinen in Lothringen einen schweren Stand. Während die bei Nancy gelegenen 8 franz. Salinen 1871 42896 Zentner Salz nach Deutschland geliefert hatten, war diese Einfuhr 1875 auf 464 461 Zentner, also u m mehr als 1000 Prozent gestiegen, die 6 lothr. Salinen, die noch im Syndikatsverbande mit den franz. Salinen standen, haben im Zeiträume von 1872-78 nach Frankreich nur 30000 Zentner geliefert. Das franz. Salz hatte grosse A^ortheile durch Vergütungen für Schwund- und Sackgewicht und durch Kreditirung der Steuer; diese Vortheile hatten die Wirkung einer Zollvergütung von 6,54 M. auf die Doppelladung und wurden den deutschen Salinen nicht gewährt. Der «deutsche Salinenverein» hat im Jahre 1879 eine Petition an den Reichstag gerichtet, welche zur Folge hatte, dass neben der Abgabe von 12 M. für ausländisches Salz noch ein Zuschlag von 0,80 M. erhoben wurde. - Ausserdem eine Dampfsgm. (16 Arbeiter), 1 Dampfzgl. (8 Arbeiter), städt. Gasanstalt von Kemmer und Cie. (s. 1879), Wurstfabrik, kleine Buchdruckerei. Handel: Bauholz, Getreide, Wein, Branntwein, Bier, Vieh. 4 Buchhandlungen, davon seit 1871 3. A m 1. und 3. Montag jedes Monats Viehmarkt, Ende Mai drei Tage Kram- und Viehmarkt, ausserdem jeden Montag Getreidemarkt. - Ztg.: Dieuzer Anzeiger (Moniteur de Dieuze), einmal wöchentlich. Deutsch und franz. (Das Dieuzer W o chenblatt wird in Saarburg gedruckt.) D. war Stadt und Hauptort einer gleichnamigen lothringischen Kastellanei, dann Probstei (s. u.). D. ist lange irrthümlich für die römische Station Decempagi (s. Tarquinpol) gehalten worden. Es ist auch nicht das 633 angeblich durch König Dagobert I. von Austrasien geschenkte Königsgut Decima (Detzem bei Trier). Dagegen war D. wohl altes Königsgut, das schon sehr frühe an die Kirche St. Maria Alagdalena von Verdun gekommen war. 1003 soll diese schon im Besitz von D. gewesen sein. 1025 wird der Besitz von «Duosa villa, unde sal» durch eine königliche Bestätigungsurkunde der genannten Stiftskirche gesichert. König Heinrich III. bestätigte ebenfalls derselben den Besitz in D. mit Zubehör. 1041-1042 bemächtigte sich der Herzog Gottfried von Lothringen der Herrschaft, gab sie aber auf Befehl des Kaisers wieder heraus, wofür er später, u m 1063, mit Forbach (s. d.) und mit anderen Gütern entschädigt worden ist. Darauf folgten 1047 und 1056 zwei neue kaiserliche Bestätigungsurkunden, sowie 1049 und 1C66 zwei päpstliche Bcstätigungsbullen. Die Herzöge von Lothringen, welche u m die Alitte des 13. Jhdts. die Vogtei über D. noch nicht besassen, scheinen sich mit Gewalt des Besitzes bemächtigt zu haben und zwangen 1216 das Kapitel der St. Alagdalenenkirche, einen Theil seiner Rechte, sowie ein Drittel des Salzwerks und die Hälfte der Mühle von D. und der Wegezölle abzutreten. Die Vogtei scheint noch 1235 von der Kirche von A^erdun zu Lehen vergeben worden zu sein und wurde damals noch durch die Grafen von Veldenz getragen. Sie wurde wahrscheinlich gleich darauf an Lothringen abgetreten, mit dem früheren Antheil vereinigt und beide als Erbtheil dem Bischof Jakob von Lothringen zugewiesen. 1259 fand zwischen dem Bischof und seinem Neffen, LIerzog Friedrich von Lothringen, eine Einigung statt; nach dieser sollte der Bischof D. auf Lebenszeit behalten, nach seinem Tode aber sollte die Herrschaft als bischöfliches Lehen an die Herzöge von Lothringen zurückfallen. Während des Krieges zwischen dem Bisthum und Lothringen, u m die AVende des 13. Jhdts., wurde D. von erstcrem besetzt und das Lehen eingezogen, nach dem Frieden aber wieder zurückgegeben. L'm diese Zeit, 1296, verpfändete das Magdalenenstift seinen Besitz in D. an Lothringen. 1344 und 1317 wurde noch von Lothringen dem Bisthum gehuldigt. Indessen hatte das Kollegiatstift von St. Alagdalena seinen Besitz in D. behalten. 1358 erklärte die Bürgerschaft von D., dass sie keinen anderen Herrn hätte, als das St. Alagdalenastift. Noch 1681 reversirte das Stift an die Chambre Royale in Aletz für die Herrschaft D., und dies nicht blos u m alte Hoheits-Ansprüche zu erneuern; denn noch 1789 bezog das Kapitel 6000 Francs jährlicher Einkünfte aus D. AVelches indessen die Rechte Lothringens in D. waren, ist leider eine ungelöste Frage. Seit dem 14. Jhdt. scheinen die Herzöge von Lothringen die volle Herrschaft ausgeübt zu haben. - Stadt und Saline, welche 1317 befestigt worden waren, sind 1475 von burgundischen Truppen erobert und etwa ein halbes Jahr besetzt worden. 1525 sammelte sich u m D. der lothringische Adel, u m gegen die aufständigen Bauern vorzurücken. 1628 ist das Ortsgericht zur Prevöte erhoben worden. D. ist 1634 von französischen Truppen erobert, 1635 von den Lothringern entsetzt, aber bald darauf (Sept. 1641) durch General du Hallier mit französischen Truppen eingenommen, dann 12. Juli 1642 abermals von Frankreich belagert und 17. Juli wieder besetzt und gleich darauf wieder verlassen worden. 1657 war D. abermals in Händen der Franzosen. D. ist durch Beschluss der Reunionskammern vom 4. Juli 1680 mit Frankreich vereinigt, im Frieden von Ryswyk 1697 wieder an Lothringen abgetreten worden. 1751 Sitz des Bailliage d'Allemagne. 1772 Presidial (s. D. Kastellanei, Prevöte und Bailliage). Das Hospital St. Charles wurde 1472 durch Pierre-son Baudouin de Rosieres, Gouverneur der Salinen von D. und Marsal, gegründet und den Schwestern des dritten Ordens aus Trier übergeben. Herzog Rene IL bestätigte diese Stiftung 1493, 1. Januar. Das Spital St. J a c q u e s ist 1713 durch Bernard du Fort, Grossprobst von St. Die und Herr. von Nebing, aus seinen dortigen Gütern gestiftet worden. Alinimen Kloster. Die Patres aus dem Orden des hl. Franz von Paula wurden 1620 von Herzog Heinrich von Lothringen nach D. berufen. Diese Niederlassung wurde von Antoinette de la Tour, Wittwe des Herrn de la Forest (s. Bessingen) mit Gütern bereichert. Ein Jahr später, 1621, entstand die Niederlassung der Religiösen der C o n g r e g a tion de N o t r e - D a m e , welche von Alarguerite de Theuilly, Wittwe des Claude de la Ruelle, Herrn von Biedersdorf, u. ihre Tochter Anna de la Ruelle dotirt wurde. Das damit verbundene Mädchenpensionat wurde 1836 nach Molsheim (s. d.) verlegt. 1749 wurde das K a p u z i n e r Kloster von Marsal nach D. verlegt. - D. war vor 1802 Pfarrei des |