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Show Elsass. 553 Deutschland vereinigt. Bei der A\riederherstellung des Königreichs Lothringen unter Zwentibold os95-900) wurde das Herzogthum abermals mit Lothringen verbunden und kam dann mit diesem, von Heinrich I. erobert, wieder an Deutschland, wo es nunmehr blieb. 925 wurde es mit dem Herzogthum Schwaben vereinigt (ducatus Alemanniae et Alsaciae) und blieb es, mit einigen Unterbrechungen, bis zum Untergange der Staufer (1268), behielt jedoch immer eine gewisse gesonderte Stellung. Mit den Staufern hörte auch das Herzogthum Elsass zu existiren auf. Herzog Rudolf von Oesterreich legte sich allerdings den Titel «Herzog von Schwaben und Elsass» bei, musste aber 1360 auf Verlangen des Kaisers Karl IV. auf diese Neuerung verzichten. - Vgl. Theil I, S. 264 u. 268. Litter.: Bloch, H , Die Einheit des Elsasses. (Kor-resp.- Bl. des Gesammtvereins der deutschen Geschichtsund Alterthumsvereine 48, 1900, S. 37-42.) Elsass, Landgrafschaft, s. Ober-Elsass, Landgrafschaft, und Unter-Elsass, Landgrafschaft. Elsass, Name, in Alesacius ca. 642 (Fredegar z. J. 613/14), in pago Alisacinsae 695 (Trad. AA^iz.), in pago Alisazinse 724 (ebd.), in pago Alsaciorum 739 (ebd.). in Alsatia, in Alsatius, in Alsatiam 745 (Annales alem., Ann. Guelferb., Ann. Nazariani), Alsazas 757 (Urk. des Podales f. d. Abt v. St. Gallen bei Grandidier, hist. d'Als. pieces just., titre 41), Alisazgouwe 774 (Cod. Lauresh. dipl. II, p. 44, Nr. 931), in pago Illisaciae 817 (Urk. Ludwigs des Frommen, Als. dipl. I, 66), Helisaz, Helisacci (Vocativ) ca. 830 (Ermoldus Nigellusi, in Alisatiam 833 (Ann. Fuld.), Elisaza 9. Jhdt. (Mirac. St. Othmari), in Eli-satio 870 (Hincmari Rem. Ann.1, in pago Elisazon 877 (Urk. der Aebtissin Bertha v. Zürich, Grand. Ev. Strasb. II, p. j. 262), in Hillisazaas 959 (Urk. Otto's L, Als. dipl. I, 114), in pago Helisaze 997 (Cod. Lauresh), in Elsazo 1040 (Urk. Heinrichs III.. Grand. Hist. d'Als., p. j., tit. 393), in pago Elsazen 1048 (Urk. Heinrichs III., Trouillat, Alon. de l'hist. de l'anc. ev. de Bäle I, S. 179), ab Elsatan 12. Jhdt. (Galb. Brug.), ze Elsäzen, van Elsaessen, van Elsaissen, Elsäzenlant bei mhd. Dichtern, ze Elsaza 1239 (Gütertheilg. zw. Albert u. Rud. v. Habsburg, Trouillat I, S. 550), zu Elseze 1266 (Urk. des Landgr. Sigbert, Als. dipl. Nr. 639), UTrich von Elsazzen 1334 (Investiturbrief des Ldgr. Ulrich für Johann v. Rappoltstein. Als. dipl. II, 149), Eylsas 1354 (Urk. des Ldgr. Ludwig v. U.-E., Als. dipl. Nr. 1060), Elses 16. Jhdt. (Beatus Rhen.), Edelsass (16. Jhdt). - Französisch: en Aisais 1309 (Urk. Otho's v. Grandson, Trouillat III, 144), A u Ixe y 1440 (Friedensinstr. zw. Herz. v. Oesterr. u. Joh. Ludw. v. Thuillers, Herrn v. Froberg, Als. dipl. II, S. 365), Auxois 1469 (Dipl. Karls des Kühnen f. Herrn. AValdner, ebd. S. 404); später allgemein Alsace. - Die Einwohner heissen: Alesaciones (Fredegar z.J. 610), Alsatius (d. i. Alsatios, ebd.-, Alsacii 739 (Trad. AViz.), Elisazon 877 (vgl. oben), mhd. Elsäzen (vgl. obeni; Elsässer ist erst spätere Bildung. Eine etymologische Erklärung des Namens Elsass (ältesteüberlieferte deutsche Form Alisaz, später El(i)saz) ist schon früh versucht worden, denn die Form Illisaciain einer Urkunde Ludwigs des Frommen vom Jahre 817 zeigt deutlich das Bestreben, den Namen mit dem Flusse 111 in A'erbindung zu setzen. L'm diese Verbindung noch deutlicher zu machen, leitete man aus dem lat. Namen Alsatia im Mittelalter für die 111 einen Namen Alsa ab (s. 111). Diese Herleitung von der 111 ist jedoch, obwohl bis in die neueste Zeit vielfach wieder vorgebracht, deshalb zu verwerfen, weil das erste Elementdes Namens Elsass in ältester Zeit immer Al(i) lautet, die 111 aber, abgesehen von der erwähnten gelehrten Neubildung A 1 sa, stets ein i am Anfang ihres Namens gehabt hat. Eine andere Erklärung des Namens E., die im 16. Jhdt. aufkam und E. als Edelsass fasste, sei hier nur nebenbei erwähnt. (Vgl. Bernhard Hertzog, Edelsasser Chronik, Strassburg 1592; der Verfasser verwirft jedoch auf S. 8 im AVider-spruch mit dem Titel seines Buches, die Ableitung von Edel und entscheidet sich für den Zusammenhang mit der 111.) Die richtige Herleitung des Namens hat Zeuss gegeben, der ihn in die Bestandtheile ali und saz zerlegt und als «fremdes Land» deutete. Der Bestandtheil ali- (eli-) lindel sich am Anfange vieler altdeutscher Wörter, z. B. alilanti, eli- ; lendi .Elend' i eigentlich .fremdes Land'), elibenz o, eliporo ,in der Fremde geboren', und bedeutet ,fremd', ,in fremden Landen befindlich/. Die Silbe sass deutet Z. als .Niederlassung, Sitz'. Gegen diese letztere Deutung erhob J. Grimm AViderspruch: er leugnete, dass aus sizan (sitzen) ein sass .Sitz' abgeleitet werden könne. Er sagt (Deutsches Wörterbuch III, S. 417): «Undeutsch scheint dennoch diese lateinisch vermittelte Form, denn aus sizan entspringt kein saz, Sitz, wohl aber säze, incola. Elsäze, ahd. Elisäzo, incola pe-regrinus, hiess, aus irgend welcher Ursache, der Bewohner, Elisa zonOlant das Land, wie sich mhd. Elsäzenlant . . . findet, gekürzt Elsäzen . . . Statt Elsäze sagte man nachher Elsazaere, Elsässer, von jenem (nämlich dem Bewohnernamen Elsäze) Elsass ableitend.» Von den Bewohnern also wollte Grimm den Namen des Landes abgeleitet sehen, und diese Ansicht, die schon lange vor ihm (bereits im Alittelalter: vgl. die Descriptio Teutoniae [14. Jhdt., Alon. Germ Script. XVII, 239 «Dicitur hie locus Alsatia latine . . . teutonice vero illa dicitur Elsase et at incolis no-minatur]) ausgesprochen, wenn auch nicht näher begründet war, die aber nicht die von Zeuss war, ist seitdem herrschend geworden. Trotzdem ist sie irrig. Sie könnte nur dann richtig sein, wenn die Form Elsäzen (Eisassen), die Grimm in seiner Erklärung als der Form Elsass vorausgehend annimmt, thatsächlich die frühere wäre; sie ist aber die spätere (vgl. oben die Namenangaben). Bei allen vom Namen der Bewohner gebildeten deutschen Ländernamen ist derselbe nämlich auf den Dativ Pluralis des Bewohnernamens zurückzuführen, vor welchem zen (= zu den) ausgefallen ist, vgl. Hessen, Sachsen, Bayern u. s. w. Alan sollte demnach als ursprüngliche Form (nach ahd. Elisazon) Eisassen erwarten, wie thatsächlich Waldsassen (Kloster im Fichtelgebirge), Kleinsassen (in der Rhön), auf niederdeutschem Gebiete AVurtsaten (= Wursten). Hol säten (= Holste[i]n) vorhanden ist. Die ursprüngliche Form ist aber, wie schon gesagt, nicht Eisassen (das vielmehr den übrigen deutschen Ländernamen, wie Sachsen, nachgebildet ist), sondern Elsass (Helisaz). Der Name würde also, wenn er auf den Bewohnername zurückginge, in der AVeise gebildet sein, dass einfach die Singularendung o von Alisäzo bezw. die Pluralendung on (un> abgefallen wäre. Diese Bildungsweise würde aber, wie wir \ eben sahen, von der sonst im Deutschen üblichen Bildungsweise dermassen abweichen, dass man sie nur, wenn sich sonst keine andere Erklärungsmöglichkeit der Silbe sass fände, voraussetzen dürfte. Eine solche findet sich aber sehr leicht, wenn auch noch nie darauf hingewiesen worden ist. Die Silbe sass kommt nämlich als sass, säss (Elsäss ist auch Nebenform von Elsass), ses(s) und sees noch in mehreren anderen Ortsnamen vor, bei denen eine Ableitung von den Bewohnern ausgeschlossen ist, z. B. Gossensass (Gocensaz 1218 = Sitz des Gozzo [Gottfried]) in Tirol, Neusass (Df. in AVestpreussen >, Aufsess (Ufsaze 1114' 1128 und 1136), Schloss in Franken, Neuses, verschiedene Dörfer in Bayern, Neuses (Nuseze 1276, Nuwsez 1300) in Württemberg, Obernsees, Df. und Schloss in Ober-franken. Eine gleiche Bildung ist auch Burcses (. . . wir . . . verzihen . . . uf unser Burcses, daz wir hatten ze A'eldenze . . . Töpfer, Urkundenbuch der A^ögte von Hunolstein III, S. 72, Nr. 94). Aus diesen Namen geht klar hervor, dass häufig zur Bildung von Ortsnamen die Silbe sass oder sess verwendet wurde, und eine solche Bildung haben wir auch in dem Namen Elsass zu erblicken. |