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Show Metz. 655 die bis dahin in Gährung gewesen waren. Die Bürgerschaft, die schon im Jahre 1157 als solche nachweisbar über Besitz verfügte, tritt 1180 zum ersten Male als geschlossene Korporation unter dem Begriffe universitas ci vi u m auf, und im Jahre 1207 erscheinen zum ersten Male als städtische Vertreter die tredecim jurati. Als bedeutsames Zeichen dieser Mündigkeitserklärung haben wir auch die Einrichtung der A m ande lle rien anzusehen (1197), deren Vorbild Bischof Bertram jedenfalls in Köln (Schreinsurkunden) kennen gelernt hatte. An der völligen Selbständigkeit gegenüber dem Bischof fehlte freilich noch viel. Die Wahl des Schöffenmeisters, der an der Spitze des bereits im 11. Jhdt. vorhandenen Schöffencollegiums stand, wurde durch einen Erlass Bertrams vom Jahre 1180 den Benediktineräbten von Gorze, St. Clemens, St. Symphorian, St. Vincenz, St. Arnulf und dem Primicerius der Kathedrale übertragen. Damit hatte sich der Bischof eine massgebende Einwirkung auf die Besetzung des wichtigen Amtes gesichert, und indirekt k a m dieser bischöfliche Einfluss zur Geltung, wenn die W a h l der 20 Schöffen wiederum dem Schöffenmeister übertragen wurde. Die tredecim jurati wurden sogar vom Bischof direkt ernannt. Nur eine etwa 25 Jahre später erscheinende Behörde, die aber sicher auf einer älteren Gerichts- oder Verfassungseinriehtung beruht (wohl Graien-schöffen), hat, nach dem Wahlmodus zu urtheilen, eine selbstständigere Stellung es sind die 25 von den einzelnen Pfarreien entsandten S c h w u r g r a f e n , die dem Dreizehner-collegium in richterlichen Angelegenheiten zur Seite standen. Sie bildeten gleichzeitig das demokratische Element der Verfassung. Es bedurfte dieses Ausgleichs u m so mehr, als die übrigen Behörden durchweg den fünf Paraiges d. i. der städtischen Aristokratieentnommen waren. Unter Paraiges versteht man Genossenschaften, die sich zum Schutze ihrer Mitglieder aus den vornehmen Geschlechtern gebildet hatten. Sie nannten sich nach einzelnen Stadttheilen, Porte Moselle, Jurue, Saint Martin, Port Sailli und Outre Seille. Die ganze übrige Bürgerschaft, C o m m u n genannt, war in den einzelnen Behörden nur durch die doppelte Zahl Mitglieder vertreten als jede einzelne Paraige, und schliesslich traten auch die im C o m m u n vereinigten Familien als sechste Paraige auf (1297), um gemeinsam mit den übrigen fünf aristokratischen Geschlechterverbänden die ererbten und erworbenen Vorrechte gegen den aufstrebenden, in Zünften vereinigten Handwerkerstand zu schützen und dem Bischof gegenüber zu erweitern. So entwickelte sich allmählig ein beständiger Kampf nach zwei Seiten hin und gab der inneren Stadtgeschichte bis zum Jahre 1552 ihr Gepräge. Die Politik der Paraiges in diesem Ringen ist meisterhaft, nicht nur nehmen sie dem Bischöfe eine Gerechtsame nach der anderen, sie verstehen auch - und in dieser Beziehung steht M. fast einzig da unter den deutschen Städten - die Zünfte niederzuhalten und von der Theilnahme am städtischen Regimente völlig auszuschliessen. Seit dem 13. Jhdt. hat der Bischof seine Residenz von M. nach Vic verlegt und damit kommt seine veränderte Stellung der Stadt gegenüber zum deutlichen Ausdruck. Die W a h l des Schöffenmeisters fiel sodann den Paraiges im Jahre 1300, diejenige der Dreizehner im Laufe des 11. Jhdts. zu. Ebenso geschah es mit den übrigen städtischen Nebenämtern. Das wichtige Münzrecht musste der Bischof 1383 auf immer der Stadt überlassen. Die Zünfte hatten sich analog den übrigen deutschen Städten zu einiger Selbständigkeit entwickelt, als 1335 das Amt des Grand maitre des metiers aufgehoben und 1382 die «freries» selbst unterdrückt wurden. Der letzte revolutionäre Versuch der Handwerker vom Jahre 1405, der ihnen auf kurze Zeit das Stadtregiment in die Hand gespielt hatte, war bald vollständig niedergeschlagen und so hat M. bis 1552 eine durchaus aristokratische Verfassung. Gericht, Ver- | waltung und Leitung der äusseren Politik lagen in der Hand der Paraiges. In der äusseren Politik waren es vor allem der König von Frankreich und die Herzöge von Luxemburg und Lothringen-Bar, die der Stadt zu schaffen machten. Die Verschuldung dieser mächtigen Nachbarn bei der reichen Bürgerschaft, andererseits aber auch die von den Familien der Stadt wiederholt begangenen Uebergriffe in lehnsrecht- Iicher Beziehung, führten 1324 zu einer Coalition der genannten Fürsten mit dem Erzbischof von Trier und dem Bischof von Metz gegen die Stadt. Die Bürgerschaft vermochte allerdings dem Angriffe drei Jahre lang zu widerstehen der Pays Messin aber wurde in entsetzlicher Weise ausgeplündert. Im Jahre 1363 und 1.365 brachen die "Engländer- unter Arnold von Cervola in Lothringen ein und erpressten von der Stadt M. ein ziemlich hohes Lösegeld. Aehnliche Schaaren durchzogen unter Ingelram von Coucy 1375 das Land und abermals kaufte sich die Stadt durch eine Abfindungssumme von den Söldnern los. Bis zum Ende des Jhdts. hat M. dann im Wesentlichen Ruhe gehabt. Seit 142o aber begann eine lange Reihe von Kämpfen gegen Frankreich und den Herzog von Lothringen, die schliesslich nichts Geringeres beabsichtigten als die Stadt ihrem Gebiete einzuverleiben. Der Anlass des ersten Krieges mit Lothringen war ein Lehnsstreit über die Abtei St. Martin bei M. i Die Stadt weigerte sich, Hoheitsrechte des Herzogs über I das Kloster anzuerkennen. Der Krieg brachte dem Herzog, trotzdem er Rene von Bar, den Erzbischof von Köln und den Pfalzgrafen bei Rhein zu seinen Verbündeten zählte, keinen Erfolg. Ungleich ernster war der Angriff des Lothringers 1444. , Der Herzog hatte jetzt in König Karl VII. von Frankreich, der sich seiner aus dem englischen Kriege stammenden Söldner entledigen wollte, einen mächtigen Verbündeten gefunden. Abermals wurde das Metzer Gebiet verwüstet, und 1 wenn auch die Stadt selbst sich durch tapferen Widerstand zu halten wusste, so kam ihr doch der Friede theuer zu stehen: dem Lothringer musste sie seine Schulden erlassen , dem König Karl aber nicht weniger als 200000 Goldgulden auszahlen. W a s mit Gewalt misslungen war, das hat Herzog Nikolaus 1473 mit List versucht. Während die lothringische Hauptmacht in gewisser Entfernung von der Stadt verblieben war, wurde eine Streifschaar in die Stadt geschickt, um nach Niedermetzelung der Wachen den Gewalthaufen einzulassen. Bekanntlich ist der Versuch an der Wachsamkeit und dem Muth der Bürgerschaft gescheitert. Kaum K» Jahre waren vergangen, da stand abermals (1484) der Lothringer vor den Thoren. Sechs Jahre währten die Plünderungen auf beiderseitigem Gebiete, ohne dass hier oder dort ein namhafter Erfolg zu verzeichnen war. Nach dem Fehlschlagen dieser kriegerischen Einfälle versuchte Herzog Rene" den Verrath in die Reihen der Bürger zu tragen und so die Stadt zu gewinnen. Ein Italiener, Jean de la Molisse, knüpfte mit einem Mitglied der Dreizehner, Jean de Landremont, im Jahre 1491 im Auftrage Renes Beziehungen an, und der Verräther hatte schon die Verpflichtung übernommen, das Thor bei der Brücke Thieffroy in der Nacht vor Katharinentag zu öffnen, ! als der Plan durch den Chatelain Cauvallet den Dreizehnern mitgetheilt wurde. L'ngleich geschickter wie der Herzog von Lothringen verfolgte der König von Frankreich seine Pläne auf M. Während es der Lothringer dahingebracht hatte, dass er den Bürgern als Erbfeind galt, wusste Frankreich allmählig die Sympathien der Stadt in vollem Masse zu gewinnen. Einmal allerdings, im Jahre 1444, hatte der König von Frankreich, wie oben schon gesagt ist, die Maske fallen lassen und versuchte die Zeit der Werbung durch stür- |