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Show 186 Colmar. -. on dort nach ammerschweier transferirt worden, von wo es 1312 mit Zustimmung des Kaisers Heinrich VII. und des Bisihnfs von Basel nach Colmar verlegt wurde Der Chor wurde 1371 geweiht. Nach der Säcularisirung 1792 diente das Klostei als Militärlazareth, jetzt ist es zu Schulräumen verwendet. Kirche und Chor sind stark umgebaut , sie stammen aus ,i, m Ende des 13. Jahrhunderts, dii Klostergebäudi . mit Ausnahme eines kleinen Restes, aus dem 18. Jahrhundert. - Ausser den aufgeführten Kirchen und Klöstern wird noch eine Anzahl ehemaliger Kapellen urkundlich erwähnt, so die Capella S. jacobi juxta eimeterium, welche 157.5 für den Neubau der Gerichtslaube abgebrochen wurde. St. Anna, St. Eligius, St. Mi. hael und eine Kapelle des Petersstiftes wurden nach der Einführung der Reformation aufgehoben und entweder abgerissen oder anderweitig verwandt. Ferner befand sich eine capella Saneti Antonii 1324 auf dem Widenmühlenhofe der Abtei Pairis, 1441 eine capella leprosorum extra muros beim Gutleuthaus St. Laurentiuskapelle). Eine St. Joos-(St. Jost- Cappel in der A w wird 1491, 1512, 1640 genannt; dieselbe lag in der Baseler Vorstadt vor dem Trenckthore. An alten Klosterhöfen besass Colmar: den Pairi-ser oder Maulbronner - Hol in der Fröschenweid, den MUnsterhof Haus Stephan), den Marbacherhof in der Klausgasse, den Arlesheimerhof in der Korngasse, den Als-pacherh'of in der Bauerngasse, in welchem sich ein schön gemaltes Renaissancehaus befindet, und den Thomaserhof in der Krämergasse, jetzt zum Theil umgebaut. - Ueber dii Einführung der Reformation in Colmar ist oben ausführlich gehandelt und erwähnt worden, dass den Protestanten 1575 die Franziskanerkirche tiberlassen wurde, welche noch heute, allerdings nach einigen Unterbrechungen, dem evangelischen Kultus dient. Der Chor wurde 1715 durch eine Mauer von dem Schilfe gelrennt und in die katholische Spitalkirche umgewandelt. Den Kirchensatz hatte der Magistrat. Die Kirchenbüchei der Pfarrei gehen bis 1795 zurück. A r c h ä o l o g i s c h e s . Di« eisten römischen Ansiedelungen -s.o.) auf dem Boden des heutigen C. lagen an einer spätrömischen Strasse, die von Breisach über Horburg und Winzenheim ins Münsterthal führte. In der L'mgegend der Stadt spärliche römische Funde, in der Stadt selbst nur frühmittelalterliche. Der Kern der Stadt entwickelte sich wohl um die alte St Peterskirche s. u i und erstreckte sich wahrscheinlich nach Norden zu bis zur heutigen Schädelgasse. Nach Westen dürfte er vom St. Peters-Wall und der Marsfeldpromenade,nach Osten zu von der langen Strasse begrenzt gewesen sein. Eine erste Vergrösserung der Stadt finden wir in der Schlüsselgasse und in der Krutenau; eine zweite erfolgte dann nach Norden zu bis zur Nordstrasse. Historisch interessante öffentliche und private Gebäude: 1. das K a u f h a u s , der bedeutendste mittelalterliche Profanbau Colmars. Es wurde 1480 in gothischem Stile aufgeführt, u m in seinem Erdgeschosse als Markthalle und iN öffentliches Waarenhaus zu dienen. Der grosse, durch schmale aber zahlreiche Fenster erhellte Saal des ob ren Stockwerks, der im Innern auf verschiedenartig geformten Säulen ruht, angeblichen Meisterstücken Colmarer Steinmetzen, diente dem Magistrat im 15., 16. und dann wieder auch im 18. Jahrhundert als Sitzungssaal. Hier tagte auch der elsässische Städtebund. Der Anbau mit der durch ein Wetterdach gesi hützti n Freitreppe wurde am Schlüsse des 17.Jahrhunderts umgebaut. Kürzlich gänzlich restaurirt, beherbergt las Kauf haus jetzl eine kostbar' Sammlung von Erzeugnissen des elsässischen Kunstgewerbes (Fleischhauersche Sammlung.- In dem Kaufhause allein durften früher die fremden Kau i h ute n dii einheimischi n Grosshändler ihreAA^aaren feil bieten. Für bi stimmte Waaren gab es in der Nähe noch besondere Verkaufshallen, so eine- Tuchlaube, Gerberlaube, Wechsellaube Kornlaube, Brodlaube, ein Eisenhaus, Salz-hatis, ( ine grosse und eine kleine Metzig. Haupthandelsartikel ' Colmars waren Wein und Branntwein, welche hauptsächlich auf dem Wasserwege exporlirt wurden. An dem lllhafen befand sich ein grosses Waarendepot, der Lad hof, der 172s n.u erbaut wurde. 2, Das jetzige Oberlandesgericht Mii Elsass-Lothringen erhielt seine heutige Gestalt im Jahre 1771. Seit 1698 tagte hier das elsässische Parlament, der Conseil Souverain d'Alsace, welcher 1657 an Stelle der österreichischen Regentschaft in Ensisheim als Conseil Provincial errichtet, 1661 dem Parlamente in Aletz unterstellt, 1674 nach Bnisach, losi nach Strohstadt verlegl wurde, nachdem er 1679 wieder mit der höchsten Gerichtsbarkeit ausgestattet worden war, und, schliesslich wieder von dem Parlamente in Metz abgetrennt, im Mai 1698 seinen Sitz in Colmar erhielt. Unter deutscher Verwaltung wurde der Hof zunächst Appellationsgericht; die Sitzungen wurden am 12. Oktober 1871 eröffnet. L'eber den Conseil Souverain vgl. besonders \'i-ron-R eville, Essai sur les an-ciennes jurisdictions dAlsace. Colmar 1857. Pillot et de N e v ri m a n d , Histoire du Conseil Souverain dAlsace. Colmar 1860. - In dem früheren Gebäude befand sich vom Anfange des 15 bis zum Ende des 18, Jahrhunderts die Trinkstube der Gesellschaft zum W a g k e l l e r , welche sich aus den höheren Beamten und den vornehmeren Bürgern der Stadt sowie den Herren und Vögten der Umgegend zusammensetzte und die Pflege der Geselligkeit zum Zweck hatte. Dadurch, dass meist der ganze Alagistrat zu der Gesellschaft gehörte und seine Privilegien, wie das Jagdrecht in den Stadtwäldern, mit den Genossen theilte, auch die Obrigkeit ihre Festlichkeiten in den Gesellschaftsräumen abhielt, entstand daraus eine Art städtischen Instituts, he- : sonders seitdem 1581 ein neues Rathhaus an den Wagkeller angebaut worden war. Hier concertirten im 15. und 16. Jahrhundert wiederholt mit städtischer Subvention die Spiel- L ute, Trompeter, Pfeifer, Lautenschläger und Geiger des Kaisers, di s Markgrafen von Brandenburg, des Königs von Polen und anderer Fürsten und Städte. 1681 und loS3 be- '. herbergte der Wagkeller Ludwig XI\'., bei dessen Anwesenheit die Räume sich den Namen Louvre gefallen lassen mussten. - Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass es in i Colmar noch andere vornehme Trinkstuben gab, wie die zur Krone, zum Dekane, zum Scheppelin, in welchen sich die Adeligen zu Gesellschaften zusammenschlössen, während die Handwerker die Zunftstuben vereinigten. L'm die Mitte des Id. Jahrhunderts bestanden 20 Zünfte in Colmar, nämlich die Kaufleute, Weinleute, Ackerleute. Kornleute, Winzer, Mäher, Bäcker, < Jerbe'r, Schuhmacher, Metzger, Hufschmiede, Gärtner, Müller, Krämer, Kürschner, Küfer, Steinhauer, Grautücher, Fischer, Schneider. 3. Von den Zunftstuben hat die der Schuhmacherzunft (jetzt Schädelgasse Nr. L S Berühmtheit erlangt, weil sie der Versammlungsort der von dem Colmarer Dichter Jörg Wickram 1549 gegründeten Sangesbruderschaft war. Die Colmarer Aleistcrsinger sind in der Literaturgeschichte wohl bekannt, namentlich als i instige Besitzer der nunmehr auf der königlichen Bibliothek in München befindlichen Liederhandschrift, welche über 1000 im 15. und 16. Jahrhundert eingetragene Lieder enthält. Jährlich fanden drei Hauptwettsingen statt, das grösste am Sonntag Trinitatis, die zwei andern zu Weihnachten und Ostern. Auch Wiekrams Fastnachtspiele und ernste Dramen gelangten in der Schuhmacherstube zur Aufführung. In dem alten Vereinshause der Sehneiderzunft zur Treue an der Stelle des heutigen Landgerichts tagte vorübergehend der Magistrat und fanden die Theaterauf-führungen vor der Erbauung des neuen Theaters statt. Die ehemalige, jetzt abgebrochene Zunftstube der Grautücher in der Bäckergasse führte die Jahreszahl 1456, die der Ackerleute in der Vaubanstrasse, ein schönes Renaissancehaus, trägt die Inschrift: E h veracht, als gemacht 1626. Die heutige Kkin-kindersehule in der Pfaffengasse war früher das Vereins-local der Küferzunft zum Riesen, zu der auch die Pfeifer |