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Show Colmar. 187 und Harfenspieler gehörten. Sonst sind von Zunftstuben noch erhalten: die der Gärtner, der Bäcker, der Metzger und Fischer, der Weber, der Schlosser, der Schmiede. 4. Die Gerichtslaube befand sich bereits im 14. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Polizeigebäudes, welches mit dem schönen Renaissanceportal und der prachtvollen Loggia im Jahre 1575 errichtet wurde. Die alte St. Jakobskapelle mit dem Gerner- oder Beinhaus wurde in den Neubau miteinbezogen. 5. Das frühere protestantische Pfarrhaus, ein stattliches Arkadengebäude mit zwei schlanken Eck-thürmchen im Renaissancestil, stammt aus dem Jahre loOo und ist eine Nachahmung der Strassburger Erbslaube. b. Das Corberonhotel, jetzt Sparkasse. 7. Das Bürgerspital ist aller Wahrscheinlichkeit nach zwischen 1220 und 1234 gegründet worden; es fand damals seinen Platz dicht neben dem Johanniterhause, da wo im 17. Jahrhundert das protestantische Gymnasium und später die jetzige Knabenschule der Stadt Colmar errichtet worden sind. ITkundlich erwähnt wird es zuerst im Februar 125.5, w o es einige Güter im Banne von Woffenheim (s. d.) zum Geschenk bekam. Einen Monat später verlieh der päpstliche Legat, Cardinal Petrus, einen Ablass von 10 Tagen an alle AVohlthäter der Anstalt. 1256 wird bereits eine Kapelle im Bürgerspital erwähnt. 1288, 2. April, stellte Rudolf von Habsburg bei seiner Anwesenheit in Colmar eine Schutz- und Schirmurkunde für das Bürgerspital aus und verlieh ihm alle Privilegien, Rechte und Freiheiten, deren das Armenspital von Strassburg theilhaftig war. Das Spital verwaltete sich selbst unter Oberaufsicht des Stadtmagistrats und gelangte unter der Gunst der Bürgerschaft schnell zu einem grossen Grundbesitze im Ober-, und in geringerem Alasse, auch im Unter- Elsass, hatte sogar von Gütern im jetzigen Grossherzogthum Baden Gülten zu beziehen und besass im 17. und is. Jahrhundert Rentenbriefe auf das Hötel-de-Ville zu Paris und den Pfennigthurm zu Strassburg. Auf der Gemarkung Pfaffenheim bezog es Zehntgefälle, die ihm von den Herzögen von AATirttemberg zugewendet wurden. AVegen des 4. Theiles des Pfaffenheimer AVeinzehnten führte es 1608- 1730 einen Prozess mit der Familie AValdner von Freundstein, der durch einen günstigen Vergleich beendet wurde. Waisenpflege war mit der Anstalt schon im 14. Jahrhundert verbunden, und Anfang des 17. Jahrhunderts halten die Waisenkinder desselben eigenes Vermögen und eigen Renten. 1543 wurden die Spitalgebäude in das frühere Franziskanerkloster (s.o.) verlegt, löll wurde das Spital das alleinige Organ der Armen- und Krankenpflege der Stadt Colmar. In den Kriegsjahren 1672 und 1675 diente es als Feldlazareth und wurde arg mitgenommen, 1693 und 1694 war es z. Th. französisches Militärlazareth, 1735 wurde es umgebaut und der jetzige Hauptbau errichtet. Während der Revolution erlitt es grosse A^erluste, doch hat sich die Finanzlage später durch geschickte Arerwaltung und Schenkungen wieder gebessert. Zur Zeit sind abermalige Neu- und Umbauten beschlossen. - 8. Ausserdem hat Colmar heute noch eine grosse Anzahl alter Häuser, von denen einige bis ins 13. Jahrhundert hinaufreichen, die meisten aber der Spät-gothik und der Renaissancczeit angehören. Die hervorragendsten sind : Haus Pfister, Haus Adolph, sog. Haus Schongauer, I Luis AVidmann, Haus Staub, Haus Sandherr, sowie das wegen der zahlreich daran angebrachten wunderlichen Steinfiguren so genannte Kopfhaus in der Kopthausgasse Facade gesch. Dkm.). In der Judengasse Nr. 10 lebte 1753 ein Jahr lang Arol-taire und arbeitete an seinen Reichsannalen. Das heutige B e zirk spr äsidium im Stile Ludwig XIII. wurde lsoo erbaut. - A'on v e r s c h w u n d e n e n öffentlichen Gebäuden wäre noch zu nennen die AVeibelstube in der Augustinergasse, die Kornhalle u.a. - A n D e n k m ä l e r n besitzt Colmar das des Admirals Bruat auf dem Alarsfelde, des Generals Rapp auf dem Rappplatze, des Schultheissen Johannes Rösselmann auf dem Sehwarzenbergplatze, das AATnzerdenkmal an der < remüsehalli , das Schongauers im Hofe di - Klosters Unterlinden, sämmtlich Werke des Colmarer Bildhauers Bartholdy, die Statue des Dichters Pfeffel von Friedrich und neuerdings das Standbild Lazarus Schwendi's.-An .Museen besitzt Colmar, wie bi n its erwähnt, in 1. Linie das Unter-linden- oder S c h o n g a u e r M u s e u m , in welchem sich die hauptsächlich an mittelalterlichen Gemälden reiche Bildergalerie, dann daran anschliessend, eine Sammlung von Alterthumsgegenständen aus der prähistorischen, der römischen, der fränkischen, sowie aus jüngeren Zeiten befindet. Die ebenda untergebrachte Stadtbibliothek enthält werthvolle Bilderhandschriften und Holzschnitte sowie [ncunabeln. Von Privatsammlungen ist hervorzuheben die Fleischhauersche S a m m l u n g , jetzt der Stadt vermacht (im Kaufhaus), enthält hauptsächlich mittelalterliche Waffen. L>as Bezirksarchiv ist ungemein reichhaltig (Alcrovingcrurkundenc - Die erste Befestigung Colmars wurde, wie oben schon erwähnt, 1220 auf Befehl Kaiser Friedrichs IL durch den Hagenauer Reichsschult-ln iss,n AVölflin angelegt. Sie wurde in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts unter der Leitung des Strassburger Baumeisters Daniel Specklin völlig umgebaut und Colmar dadurch einer der stärksten Kriegsplätze am Oberrhein. Zahlreiche Thürme und fünf Kavaliere verstärkten die Mauer, während zehn Ravelins in dein aus dem Logelbach und der Lauch gespeisten Graben davor lagen. 1673 wurden die Werke durch Ludwig XIV. geschleitt, 1681 aber nach Vau-bans Plänen wiederhergestellt und erst 1854 wieder beseitigt. A n vielen Stellen sind die mittelalterlichen, aus Backsteinen hergestellten Stadtmauern heute noch sichtbar, während : alle Stadtthore abgebrochen sind. Aron den Specklin'schen Werken ist nichts mehr vorhanden. B e r ü h m t e Alänner, welche in Colmar geboren sind j oder daselbst gewirkt haben: Kaspar Isenmann (1433- I 1466), Maler. Sein Hauptwerk sind die 1462-1465 gemalten sieben Passionsbilder des Hochaltars in St. Martin. Alartin S c h o n g a u e r tauch Alartin Schön u. Alartin Hipsch genannt i (1450-1491), bedeutender Maler und Gründer einer Malerschule. A'on ihm rührt die bekannte «Madonna im Rosenhag in der Sacristei von St. Alartin her. Sebastian M u r r h o, Humanist (ca. 1450-95 . Laurentius Fries, Arzt und Geograph (1480-1532). Hyronimus Boner igest. 1555 oder 56), Schultheiss, als (Jebersetzer klassischer Autoren bekannt. Johannes Atrocianus gest. um 1560), Botaniker und Dichter. Jörg W i c k r a m (ca. 1500-1562), Meistersänger und Begründer der Colmarer Meistersingerschule 1549; M war auch als Dramatiker und vor allem als Romandichter thätig. Alichael Buchinger gest um 1570), Prediger und eifriger Gegner der Reformation. Johann Daniel S c h u h m a ch er (gest. 1750), Bibliothekar Peters des < .rossen und Mitbegründer der Petersburger Akademie. Christian Friedrich Pfeffel (1726-1807), Historiker und Diplomat. Gottlieh Conrad Pfeffel (1736-1809), Bruder des A'origen, Dichter und Pädagog. Er gründete 1778 in Colmar eine Alilitärschule zur Erziehung junger Protestanten für den Kriegsdienst. Sigismund Billing (1742-96), Direktor des Gymnasiums und Verfasser einer Colmarer Chronik. Silvain Aleinrad Navier de Golbery (1742-1822), Geograph. Andreas H a r t m a n n , geb. 1746, gest. 1837 in Alünster, Begründer der bekannten Hartmann'schen Spinnereien in Münster. Jean Francois Reubell (1746- 1810), Präsident der Nationalversammlung und des Konventes. Mitglied des Direktoriums der Republik. Johann L'lrich Aletzger (1752 1836), Mitglied des Colmarer Magistrats während der Revolutionszeit, w o er sehr wohlthätig wirkte, leitete die Vereinigung der Stadt Alülhausen mit Frankreich (1798). Ausserdem hat er sich u m die Seiden- und Krappzucht im Elsass verdient gemacht. Jean Jacques Karpff (1770-1829), Zeichner und Maler. Jean R a p p (1771-1821). französischer I Generalleutnant, bekannt durch seine Vertheidigung Dan- |