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Show 550 Gorze. nach ihm der berühmte Abt Johann von G. (960-974) die Disziplin wieder her; seine Thätigkeit und seine Gesandtschaft bei dem Kalifen in Cordova hat sein Freund, Abt Johann von St. Arnulf, geschildert. G. war damals der Ausgangspunkt einer klösterlichen Reform, welche sich rasch über ganz Lothringen ausdehnte und hauptsächlich durch Gorzer Alönche befördert worden ist. Erst im Anfang des folgenden Jhdts. ist in G. die Reform von Cluny eingeführt worden durch Abt Wilhelm von St. Benigne, zu Dijon. Es wird von ihm hervorgehoben, dass er die Abtei mit grossen Nebengebäuden versah und das ganze mit einer mächtigen Ringmauer umgab und befestigte, auch Kirche und Sakristei mit zahlreichen Kostbarkeiten bereicherte. Hervorragend war die Thätigkeit des Abts Heinrich des Guten, gest. 1090, welchem, ausser der Restauration vieler Gotteshäuser, die Erbauung von sieben Kirchen, u. a. der Apostel zu G. (1077), zu St. Nicolas de Port und der Stephanskirche zu G. zugeschrieben wird. Im 12. und 13. Jhdt., nachdem die Abtei, welche bis dahin unter bischöflicher Hoheit stand, von dieser eximirt worden war (s.u.), erreichte sie, obwohl 1208 durch Herzog Ferri IL von Lothringen und den Aletzer Bischof Bertram zerstört (danach Schlacht bei G. Ferri geschlagen und gefangen), einen ausserordentlichen Grad von Alacht und Reichthum. Aber seit dem 14. Jhdt. ging G. sichtlich dem Untergang entgegen. Die Stadt, welche sich im Laufe der Zeit in der Nähe der Abtei gebildet hatte, wurde verschiedene Alale (1386 durch den Grafen von St. Pol, 1441 durch eine Bande französischer Abenteurer von der Armee Karl III.) eingenommen und geplündert. Im Jahre 1542 bemächtigte sich ihrer AArilhelm von Fürstenberg, der den Protestantismus hier einführte und Farel hier predigen liess. Zwar nahm der Herzog Claude de Guise auf Bitten des Kardinals Karl von Lothringen zu Ostern (28. März 1643) G. wieder ein, bei welcher Gelegenheit Farel sich nur durch Verkleidung mühsam rettete; aber schon a m 27. April desselben Jahres mussten die Besatzungstruppen wieder abziehen, da die Garnison von Diedenhofen G. eroberte, wobei die Stadt und Abtei geplündert wurden. Als bald darauf die Franzosen unter dem Herzog von Guise wiederkamen, erlitt die Abtei eine abermalige Plünderung und Profanirung. Sie verliessen dieselbe abermals rasch, worauf die Lothringer wieder eindrangen und da sie nichts mehr zu plündern fanden, die Abtei und die Abtswohnung, welche der Abt Varry de Dommartin prächtig erneuert hatte, in Brand steckten. Auch das Schloss wurde von dem Feuer verzehrt, nur die Kirche blieb verschont. A\ras von dem Schloss noch übrig war, wurde 1552 auf Befehl des Conne-table de Alontmorency unter dem Commando des Herzogs von Aumale völlig geschleift. Die Ornamente, Reliquiarien und anderen Kostbarkeiten hatte man 1574 in die Krypta es Metzer D o m s verbracht. Die Lothringer Hessen sie 1584 ''». Alärz) daraus hervorziehen und vermuthlich einschmelzen. Im Jahre 1609 wurden die Reste der Abtei und der Abteikirche trotz des Einspruchs des französischen Statthalters in Metz abgetragen. - Der Besitz der Abtei wurde von den Herzogen von Lothringen, deren Brüder oder Söhne sich dieselbe als Commende geben Hessen, völlig verschleudert: Karl von Lothringen, der Cardinal, erlangte 1572, als er die Universität Pont-ä-Mousson für die Jesuiten gründete, die Säcularisation der Abtei. Aus den Einkünften wurde dann ein Theil zur Unterhaltung von zwölf Canonici ausgeschieden, welche in G. residirten und den Gottesdienst daselbst abhalten sollten. Die betreffenden Bullen wurden nach hartnäckigem AViderstand der Religiösen 1580 publicirt. Im Jahre 1661 zog der König von Frankreich, der durch den Vertrag von ATncennes (28. Febr. 1661) von Lothringen die Hoheit über G. erworben hatte, die Alensa Abbatialis gänzlich an sich, u m sie als Commende frei zu vergeben. - G. war schon vor dem Konkordate Sitz eines Archipres-byterats des Bisthums Metz. Den Kirchensatz hatten die Aebte von G. - In der Nähe von G. werden mehrere angebliche megalithische Denkmäler erwähnt, so: «la Gueule», «la pierre au Jö», «L'autel de St. Clement», «La röche ä Pucelle ou pierre qui tourne>. Die Frage, ob G. bereits in römischer Zeit gegründet war, ist vorläufig noch nicht gelöst, abgesehen von den grossen Werken der AVasser-leitung (s. Jouy-aux-Arches) scheint nichts zu Gunsten einer römischen Besiedclung des Orts zu sprechen. In G. ist die Wasserleitung unter den Häusern der Hauptstrasse noch erhalten, und wie in alter Zeit fliesst ein Theil des Wassers aus den Quellen <les Bouillons» noch hindurch, bei dem Hofe Ste. Catherine und an mehreren Stellen sind noch Reste des Aequäducts erhalten. Die Pfarrkirche ist ein Bau aus dem Ende des 12. Jhdts. 1171 wird sie noch als Kapelle bezeichnet, und dies scheint die durch Abt Heinrich gebaute Kirche gewesen zu sein. Sie steht wohl auf der Stelle der alten, schon in der Urkunde von 745 erwähnten Casa St. Stephani. Der gegenwärtige Bau, der bis zum Konkordat zugleich Collegiats- und Pfarrkirche für G. war, ist eines der hervorragendsten und interessante-i sten Bauwerke Lothringens und gehört überhaupt zu den be- ' merkenswerthesten Bauten des romanischen Uebergangsstils. Er bildet eine dreischiflige Basilika mit Querbau und drei Apsiden, der Thurm mit schön gekoppelten Fenstern steht über der Vierung (Gesch. Denkm.). Ein ehemaliges Spital mit Kapelle stand auf der Stelle des von der Familie de Ladoucette bewohnten Hauses. 1809 wurde der Thurm und das Gewölbe der einschiffigen gothischen Kapelle abgebrochen. Das gegenwärtige Armenhaus stellt den letzten Rest der ehemaligen Abtwohnung dar. welche 1696 erbaut wurde. Darin schöne Renaissancearbeiten. Das Haus diente 1813 als Lazareth, 1816 als Kaserne. Von den Abteigebäuden sind keine Reste mehr übrig. - Im Gebiet der Gde. G. befinden sich die Denkmäler des 2. Sehlesischen Grenadier- Regiments Nr. 11 (Kronprinz Friedrich AVilhelm), des Brandenburgischen Feldartillerie-Regiments 3, General-Feldzeugmeister (1. Brandenburgisches), des Ostfriesischen Infanterie- Regiments 78 Herzog Friedrich AVilhelm von Braunschweig (Sammelstätte) und des Infanterie-Regiments 56 Vogel von Falkenstein (7. Westfälisches;; ausserdem auf dem Kirchhofe und auf freiem Felde zahlreiche Einzel- und 4 Alassengräber. G e m e i n d e w a l d (Oberförsterei Aletz) 198,7 ha. Alittel-wald. Spitalwald 1,4 ha (ebd.), der Bezirksarmenanstalt gehörig. Arbois de Jubainville, H. d\ Quelques pagi de la Premiere Belgique, d'apres les diplomes de l'abbaye de G. (Bull, de la Soc. d'arch. lorr. III.) (Auch bes.) Nancy 1852. B e r g m a n n , Notice sur G. (Bull. Mos. Ar, 164.) Chaussier, L'abbaye de G. Aletz 1894. D o r v a u x , L'abbaye de G. (Rev. eccl. de Metz V, 1894, S. 254-264, 320-325.) D e s Robert F., Deux codex manuscrits de l'abbaye de G. Nancy 1884. D u - priez, R.. Premiere note pouvant servir ä la rectification de la liste des abbes de G. d'apres les archives de ce mo-nastere. Thionville 1879. H e r b o m e z , A. d', Cartulaire de l'Abbaye de G. (Mettensia II et III. Fondation Aug. Prost.) Paris 1898/99. K a r eher, Paul, Abtei und Stadt G. (Erster Jahresbericht des Vereins f. Erdk. zu Aletz. S. 90.) Metz 1879. Kraus, F. X., Kunst u. Alterthum in E.-L. III, S. 162-182. Lager, Die Abtei G. in Lothringen. (Stud. u. Mitth. a. d. Bened.- u. Cisterz.-Orden VIII, S. 32-56, 181-192, 328-347, 540-574.) N i m s g e r n , Hist. de la ville et du pays de G. Paris 1853. Paulus, E., Etüde sur la legende de la venue et du sejour de saint Clement k G. (Jb. der Ges. für lothr. Gesch. VII, 1895, 1, S. 30-48.) Robert, P. Ch., Monnaie de G. sous Charles de Remoncourt. Paris 1870. Simon, V., Notice sur l'Aqueduc romain de G. k Aletz. (Alem. de l'Ac. de Metz 1841-42, le partie, p. 131.) Ders., Note sur une Statuette trouvee pres de G. (Alem. de l'Ac. de Metz 1857-58, le partie, p. 387.) |