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Show Urbis - Urmatt. 1137 Jhdt., die Invasion der Engländer, der Armagnaken und anderer Völker im 15. und Ib. Jhdt., namentlich die schlimmen Zeiten des Bauern- und Schwedenkrieges. Schon im Jahre 1203 hatte das U. und seine Bewohner durch den Landvogt Otto von Ochsenstein zu leiden, der auf König Adolfs Geheiss die rappoltsteinischen Thaldörfer in Brand steckte, die Leute einfing, das Vieh raubte und als Beute mit sich führte. Hervorzuheben ist der Antheil, den die Urbeisthäler an dem Kriege Oesterreichs gegen die Schweizer nahmen. Anfangs 1499 sandte Wilhelm, Herr zu Rappoltstein, 130 Mann Reisige zu Pferde, darunter 30 aus dem U., in das Lager nach Altkirch, die mit den dortigen Truppen gegen Dorneck, Ka. Solothurn, zogen, wo sie am 22. Juli desselben Jahres von den Schweizern geschlagen wurden. Im Bauernkrieg hatten die Bewohner der vier Kirchspiele anfangs 1526 die Abtei Pairis geplündert; sie mussten den Schaden ersetzen und ihrem Herrn, Wilhelm von Rappoltstein, 2000 Gulden zahlen. Im Schwedenkriege hatten (1635) die Einwohner des U. in unerhörter Weise von den lothringischen Soldtruppen zu leiden und erhebliche Kriegskontributionen an die Franzosen zu zahlen. Nach dem westphälischen Friedensschluss kam es zwischen den Thalbewohnern und der Herrschaft zu wiederholten Konflikten, ja zu offener Unbotmässigkeit gegen zwei zu Gunsten der Herrschaft gefällte Urtheile des elsässischen Hohen Raths, die erst durch militärische Einquartierung 1716 vollstreckt werden konnten, was den Thalleuten 4000 M. kostete. - Durch das Thal führte eine Römerstrasse (s. Urbach'. U m 728 galt der Wasgau, namentlich der Theil, den Eberhard, Graf von Egisheim (der Stifter des Klosters Murbach) besass, mithin auch das U., alsWild-niss. Erst 1049 erfahren wir, dass die Egisheimer Grafen einen Dinghof zu Urbeis besassen, später einen solchen zu Schnierlach; die Dinghöfe in Urbach und Zell waren jünger; in Diedolshausen gab es keinen. Mit Gründung dieser Herrenhöfe begann die deutsche Herrschaft in dem Thale, die zugleichdeutsche Ansiedler dorthin zog,deren Nachkommen aber durch Heirathen mit französisch redenden Eingewanderten alsbald mit diesen in sprachlicher Hinsicht verschmolzen. Deutschen Einwanderern begegnen wir noch im 14. und 15. Jhdt. Erst nach dem westphälischen Frieden wanderten hauptsächlich Schweizer und Lothringer, aber sehr wenige Nationalfranzosen ein. Die Sprache der Thalbewohner, die meist Vieh-oder Milchwirtschaft treiben, ist die französische Mundart des Westhanges der Vogesen. Von der früheren deutschen Herrschaft in dem U. und Diedolshausen und von den allmählig erfolgten Einwanderungen geben in buntem Gemisch heute noch die deutschen, romanischen, französierten oder französischen Orts-und Flurnamen reichliche Kunde. Bemerkt sei noch, dass im 18. Jhdt. auch italienische Handwerker im Elsass Arbeit fanden, so 1758 italienische Maurer im U.. die am Bau der Kirche zu Diedolshausen beschäftigt wurden. - Ueber das Graben nach Steinkohlen s. Diedolshausen. Die Anzahl der Einwohner des U. war infolge unglücklicher Zeiten grossem Wechsel unterworfen. U m 1500 hatten die vier Kirchspiele (also ohne Diedolshausen) 214 Bürger». Im Jahre 1632 belief sich die Einwohnerzahl der Bürger, Wittwen, Waisen und Nichtbürger der Thalgemeinden ohne Zell, aber mit Diedolshausen, auf 682. Im Jahre 1732 betrug die gesammte ortsanwesende Bevölkerung der fünf Gden. 3241, im Jahre 1777 nur 1631 Einwohner. Litt er.: Ausser den Urkunden und Akten des Bezirksarchivs des O.-E.: die Werke von Seh oep flin und Grandidier; Albrecht, Rapp. Urkb, Annalen von Colmar. Billing, Kl. Chron., herausg. von Waltz, Glatz, Gesch. des Grafen Hans von Lupfen und Regesten dazu, 1871 und 1874. Weisthümer: B on v alo t, Les coutumes du Val d'Or-bey 1864. Stoffel, WTeisth. 1861. Grimm, Weisth. Bd. V, 1866. Geschichtswerke: Strobel, Vaterl. Gesch. Rath-geber, die Herrschaft Rappoltstein 1874. Die alten Territorien des Elsass, herausg. vom Stat. Bureau, Strassb. 1896. Reuss, l'Alsace, 1897/98 u. a. m. - Ueber die sprachlichen Verhältnisse im U.: Witte, Hans, Gesch. des Dcutschthums im Elsass und Vogesengebiet 1897; über rein Sprachliches: Horning, die ostfranz. Grenzdialekte (Französ. Studien, hrsg. von Körting und Koschwitz, V, 4), 1887. - Antiquitäten, Römerstrasse: s.bei Golbery und Rothmüller; Kraus, Kunst und Alterthum in Els.-Lothr. Bd. II und IV. Ueber alte Bauernhäuser, seit 1562, im Ka. Schnierlach s. die eingehende Arbeit von Walloth in der Strassb. Post vom 4. und 11. März 1900, Nr. 188 und 210. Urbis, Df. (Ka. St. Amarin [1790-95 Ka. Thann], Kr. Thann, O.-E.). 811 E. 118 Hsr. (12 GRe ) - 450 m. - AG. St. Amarin (6,b); Bhf. Wesserling (3,7).- Urbeis 121b; (Stoffel: Ober-Urbeis); Urbes 1869; ma. Urwes, Orwes. - Die Gde. umfasst den HO. U. (780 E. 109 Hsr.), die AO. Brennwald (Gustybergi, Charbinet (Strassenwärterhaus), Charbinet (W.), Fossmatt, Neu wald, Oelberg und den verschw. O. Buchemafoss. Das Dorf bildete bis Ende des 18. Jhdts. mit Hüsseren-Wesserling, Mollau und Storkensauen eine Gemeinde. («Das Kirchspiel von Mollau».) P. F. Gendarmeriestat Nebenzollamt I. StEBez. Felleringen. Fw. (s. 1889, 2 Spritzen). - Kath. Hilfspfarrei des Dekanats St. Amarin (s. 1843, vorher bis 183S Filiale von Mollau, dann residirendes Vikariat bis 1843). Schutzheiliger hl. Wendelin (20. Okt.).- Baumwollweberei D.Weber. Gegründet 18bb mit 70 Webstühlen. Zur Zeit 172 Webstühle, 110 Arbeiter, ca. 50 Dampfpferdekräfte. Sägemühle mit Wasserkraft (15 Pferdekräfte). U. gehörte zum mur bachischen Amte St. A mar in. Der murbachische Dinghof daselbst hatte laut Vertrag von 1216 den Stiftsherren in St. Amarin jährlich 5 Schafe zu liefern. Seine Geldzinsen überliess das Stift 1357 der Abtei. Diese besass in U. auch eine Herberge, welche sie 1515 an einen Insassen veräusserte. Der Name U. deutet auf keltischen Ursprung. 1S30 wurde auch eine keltische Münze in U. gefunden. Die historischen Zeugnisse für U. gehen jedoch nicht vor das 12. Jhdt. zurück. Den thalabwärts gelegenen Urbiser See liess 1475 der Murbacher Abt Bartholomäus von Andlau neu eindämmen. Seit der Regierung des Abtes Johann Rudolf Störi 1542 - 1570) wurden eifrige Nachforschungen nach Metallen betrieben, welche 1670 zur Erschliessung der Kupfermine St. Barbaragrube und 1692 der Danielgrube führten. 17b7 wurden am Steingraben die St. Bernhardmine und eine Giesserei angelegt, welcher die St. Antoniusgrube im Bru-bachthale und die Grube Unterwasen an der Strasse von Urbis nach Bussang folgten. Im Schliff lag die Josephsgrube. 1650 zählte U. 6 Bürger und' 13 Kinder, es besass eine Kapelle des hl. Nikolaus. Kirchlich gehörte es bis 1S38 zu Mollau. Gemeinde wald (Oberförsterei St. Amarin) 6S9.7 ha. (Tannen und Buchen.) Im Besitz der Gemeinde seit 1S13, war seit der Revolution ungetheilt mit Nachbargemeinden. L. du Sundgau, Le val d'Urbes pres Wesserling. (Passe-Temps 9, 1898, S. 433-438.) Urendorf, Schloss im Dorfe Ernolsheim is. d.) b.Molsheim. Urlosenberg, der untere, sanft abfallender Hang des Odilienbergmassivs mit dem Urlosenholz, zwischen Heiligenstein und St. Nabor bei Barr. Urlosenholz, Fsths. (Gde. u. Ka. Oberehnheim, Kr. Erstein, U.-E.). b E. 1 Hs. Das Forsthaus soll schon Ende des 17. Jhdts. bestanden haben. Urlosenholz, Wald. (Gde. Oberehnheim, Ka. gl. X., Kr. Erstein, U.-E.). Der Wald U. ist seit dem 13. Jhdt. im Besitz der Stadt Oberehnheim. Aelteste bekannte Bezeichnung (1443) -Holtz Urlos •, 1468 Urlesberg. Urmatt, Df. I Ka. [s. 1790] u. Kr. Molsheim, U.-E.). 722 E. 145 Hsr. (12 GRe.) - 240 m. - AG. Molsheim (14,5); Bhf. U. (1,2). - Hurmaten 1182; ma. Uermott, Urmatt. 72f |