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Show 1080 Strassburg. in Strassburg das deutsche Drama, das in W o l f hart S p a n g e n b e r g (f 1607) seinen Hauptvertreter fand, der die seit 1450 in Strassburg bestehende Meistersingerschule, zu neuem Aufblühen brachte und allgemeine moralische Wahrheiten nach Art des Hans Sachs dramatisch bewies. Von grösserer Bedeutung war das lateinische Schauspiel, das mit W i m p f e l i n g s Stylpho (1494) beginnend, im Laufe des 16. Jhdts. mehrere namhafte Strassburger Dichter wie Jakob Micyllus (1503-1558) und J o h a n n W i t z = Sapidus (1490-1561), die sich die römische Komödie zum Vorbild nahmen, aufzuweisen hat. U m 1590 trat eine Wendung in dem Sinne ein, dass nun die Tragödie nach griechischem Vorbild in den Vordergrund trat. Der Dichter, dem das Strassburger Theater auf dem Grasboden desprotestantischen Gymnasiums seine Blüthe verdankt, ist der talentvolle, bisweilen an Shakespeare erinnernde K a s p a r B r ü 1 o w (1585- 1627), ein Pommer, der von 1617 bis 1627 in Strassburg thätig, rasch hintereinander die Dramen ?Andromeda», «Elias», «Chariklea», «Nebukadnezar», «Julius Cäsar und «Moses» hervorbrachte. - Die Zeit nach dem 30jährigen Kriege war für ganz Deutschland und so auch für Strassburg litterarisch unfruchtbar. Nach der französischen Invasion hatte man sich mit dem auf das geistige Leben eindringenden Fran-zosenthum abzufinden, dem man sich anzuähnlichen suchte, ohne den geistigen Zwiespalt überwinden zu können. Die ganz deutsch gebliebene Universität erlebte im 18. Jhdt. eine Blülhezeit, in der hervorragende Juristen, Philologen, Historiker und Mediziner wie Schilter, Scherz, Jeremias Oberlin, Joh. S c h w e i g h ä u s e r , Schöpflin, Joh. Fr. Lobstein, Joh. Fr. und Joh. Chr. E h r m a n n u. a. an ihr lehrten. So wurde ein Kreis von Jünglingen herbeigezogen, der für die Entwicklung der deutschen Litteratur von grösster Wichtigkeit geworden ist. Die anderthalb Jahre, die Goethe hier zubrachte, sind für seine ganze Thätigkeit, wenn nicht von ausschlaggebender, so doch von hervorragender Bedeutung geworden: in der französischen Stadt Strassburg machte er sich von der ausschliesslichen Bewunderung des französischen Geistes los und empfing in dem Kreise, dem Herder, Jung- Stilling, L e n z und der Strassburger H . L . W a g n e r angehörten, die wirksamsten Anregungen. - Im 19. Jhdt. ist die Thätigkeit Strassburgs auf dem Gebiet der schönen Litteratur unbedeutend gewesen: der Versuch, die Sprachen und damit die Gedankenwelten zweier Völker sich ganz zu eigen zu machen, verschlang fast alle geistige Kraft und musste doch misslingen. Unter den wenigen Dichtern, die die deutsche Poesie im Geiste Unlands pflegten, ragt bedeutend hervor Adolf Stöber, geboren 1810 zu Strassburg, gestorben 1892 zu Mülhausen. Als Dialektdichter m ag der Strassburger Professor Arnold (1780-18291 genannt sein, der in dem von Goethe hochbelobten «Pfingstmondaa» das behagliche Leben der noch in den alten reichsstädtischen Formen sich bewegenden Bürgerschaft poetisch verklärt hat. G. Archäologisches. (Vgl. auch den Anfang von Abschnitte [Aeussere Geschichte], i In Strassburg fanden sich bis jetzt Zeugen der Neolithischcn-, Bronze-, Hallstatt-,LaTene-, römischen und fränkischen Zeit. Auch Pfahlbauspuren, bestehend in Pfählen, Gefässresten und Gebrauchsgegenständen der Bronze-Hallstattzeit, haben sich vorgefunden. Nicht nur diese vorgeschichtlichen Funde, sondern auch die günstige Lage am Zusammenflüsse zweier Flüsse, der Breusch und der 111, in nächster Nähe des Rheines, ferner die verschiedenen alten Strassen, welche aus den Vogesenthälern nach dieser Stelle ziehen, weisen auf eine keltische Siedelung hin, die hier schon lange vor der römischen Zeit bestanden haben muss. Auch findet sich in der nachweisbar römischen Stadtmauer viel Kleinmaterial aus dem Kaiserstuhle verwendet, das aus keltischen Bauten entnommen ist und fast überall in den linksrheinischen keltischen Bauwerken, namentlich in den Grabhügeln der Hallstatt-La Tenezeit gefunden wird, während es in den römischen Bauwerken, wenn solche nicht auf keltischen Siedelungen errichtet sind, fehlt. - Der keltischen La Tenezeit folgt, jedoch anscheinend nicht unmittelbar darauf, die R ö m e r h e r r s c h a f t . Massenhaft sind die Funde, an Dachziegeln, Gräbern, Wasserleitungsröhrcn, Schmucksachen, Bauresten, Münzen u. s. w. römischen Ursprungs. Auch die Stadtmauer des römischen Argentoratums ist zum grössten Theile festgestellt. Die Castralform dieses Bauwerkes mit ihren über die Mauer nach aussen vorstehenden halbrunden Thürmen, weist aber auf spätrömische Befestigungsgepflogenheit des 3. und 4. Jhdts. hin, so dass es den Anschein hat, als ob das römische Castrum überhaupt erst zu Probus Zeit, vielleicht erst nach dessen Tod und nachdem das römische rechtsrheinische Zehntland für R o m durch den Verlust des Limes verloren gegangen war, d. h. zu einer Zeit w o die Römer den Rhein als Grenze gegen die Germanen zu vertheidigen suchen mussten, erbaut wurde. Aus jener Zeit und aus gleichen Ursachen dürfte auch die Konsularstrasse und die daran liegenden Militärstationen Ari-albinnum, Cambete, Argentovaria, Hclellum, Argentoratum, Saletio, etc. herstammen. Ein frührömisches Argentoratum, wenn überhaupt ein solches bestanden hatte, dürfte eher bei der sog. Karthause zu suchen sein. H. Kunstgeschichte. Vier Epochen sind es, in denen sich in Strassburg eine künstlerische Bauthätigkeit entfaltet hat: 1. die Zeit, in der der heutige Münsterbau entstand, und zwar vorzugsweise das 14. Jhdt., 2. das Ende des 16. Jhdts., 3. die Zeit von 1725 bis 1750 und schliesslich 4. die Jahre von 1870 bis zur Gegenwart. - Die geschichtlich hervorragendsten kirchlichen Bauwerke der ersten Epoche sind : St. A n d r e a s , frühere Recollectenkirche mit Theilen aus dem 13. Jhdt.; S t. A u r e 1 i e n, ev. Kirche mit Thurm aus dem 12.- 13. Jhdt.; St. J o h a n n , Bau aus dem 15. Jhdt.; St. Katha-rinenklostcr, aus dem 13. Jhdt.; Nichts mehr erhalten als ein hübsches Portal aus jener Zeit an der Kaserne, Ecke der Waisen- und Ballhausgasse. St. M agd alenenkirche. (Gesch. Dkm.). Spätgothische Kirche des XV. Jhdts. mit Resten der an die Kirche stossenden ehemaligen Klostergebäude. Werthvolle Glasmalereien. Das Münster. (Gesch. Denkm.). Dasselbe enthält Bautheile aus dem frühen Mittelalter bis zum 18. Jhdt. Der Vierungsthurm ist erst 1879 vollendet worden. Zahlreich sind römische und fränkische Klein-alterthümer die sich im Boden vorgefunden haben und aus denen man schliessen kann, dass an dieser Stelle schon römische oder mindestens fränkische Bauwerke bestanden hatten. In der Crypta finden sich Theile aus dem 11.-12. Jhdt. Im Aufbau solche aus dem 12. Jhdt. auf der Ostseite; aus dem Ende des 12. bis Anfang des 13. Jhdts. im Transepte und am westlichen Schiffsanschlusse; aus der Mitte des 13. Jhdts. im Schiffe, und aus dem Ende des 13. bis Anfang des 14. Jhdts. an den Westportalen und Thürmen; das 15. und 16. Jhdt. ist an den Seitenkapellen, sowie a m oberen Theile des nördlichen Portalthurmes vertreten. Ausser dem dekorativen und bildlichen Schmuck sind die alten Glasmalereien, die theilweise bis ins 13.Jhdt. hinaufreichen, als hervorragende Kunstwerke zu bezeichnen. A n altem Mobiliar ist zu verzeichnen: Der Taufstein, die Kanzel, ein Prozessionskreuz, Flügelaltäre, die astronomische Uhr, die Orgel; an Grabdenkmälern: dasjenige des Bischofs Konrad von Lichtenberg aus dem 13. Jhdt. u. a. m., so auch im Leichenhöfel, der Grabstein Erwin's. Die Westfassade des Münsters wurde 1277 begonnen, der Thurm 1439 vollendet. Der älteste bekannte Münsterbaumeister ist E r w i n (ohne Grund «von Steinbach» genannt), der von 1284-1318 nachzuweisen ist. Ausser ihm verdienen noch genannt zu werden Ulrich von En singen (Münsterbaumeister 1399-1419, vielleicht mit Unterbrechung! und J o h a n n Hült z (1419-1449) der den Thurm zum Abschluss brachte. Sein Nachfolger war I J o d o k u s Dotzinger, unter dessen Leitung die Strass- |