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Show 728 Mülhausen. Hohcnfürst und seit 1613 den Landenberg. Es ist bis auf geringe Spuren verschwunden. Der Antheil dieser Dörfer an der Hart ging im 15. und lo. Jhdt. an Oesterreich verloren, erst 1682 wurde der 100jährige Streit dahin entschieden, dass die Bannsteine ein wenig in die Hart vorgerückt wurden. Ein aus dem Kleinen Rath ernannter Obervogt verwaltete Modenheim und Illzach. III. Kirchen, Ordenshäuser. Bis ins 13. Jhdt. war der Bischof von Strassburg Patronatsherr in M. Wohl mit Beziehung auf die Abtei St. Stephan zu Strassburg war die Kirche von M. dem hl. Stephan geweiht. Infolge der Empörung von 1261 gingen die Patronatsrechte auf den Kaiser und die Stadt selber über. M. gehörte zum Sprengel des Bisthums Basel, Landkapitel Inter Colles. 1353 übertrug Kaiser Karl seine Patronatsrechte (mit Wein- und Fruchtzehnten) den Deutschherrn, die sie 1527 für 600 Gulden an die Stadt verkauften. Die älteste Kapelle war die Liebfrauenkirche, an der Ecke der'Klara- und Synagogengasse. Sic war vielleicht die älteste Kirche der Oberstadt; ihre letzten Trümmer sind erst in den 40er Jahren des 19. Jhdts. verschwunden. Die Nikolai-Kapelle stand bis zu den Ar-magnakenkriegen vor dem Oberthor und wurde dann in die Dreikönigsstrasse verlegt. In dieser Strasse der Oberstadt befand sich seit 1572 auch die Lützelkapelle. Beim Gutleuthaus vor dem Baselthor lag die Katharinenkapelle und hinter der Kirche die Michaelskapelle. Von den Klöstern und Ordenshäusern wird 1224 der Hof der Abtei Lützel erwähnt. Er lag a m Baselthor, wurde 1572 in die Dreikönigsstrasse verlegt und dient jetzt dem luth. Bekenntnisse als Betsaal. Die Deutschherrn hatten 1232 eine Mühle a m St.Geb-hardsthor, seit 1236 ihren Hof a m Ei.de der Wilhelm-Tell-gasse. Zu ihm gehörte "der Dinghof in Rixheim. wo die Deutschherrn 1349 auch das Patronat erwarben, auch die Güter in Habsheim und Riedisheim wurden von hier verwaltet. Das a m Ende der Schulgasse zwischen Stadtmauer und Deutschhofgasse gelegene Ordenshaus mit der dem hl. Maximilian geweihten Kapelle (1318 durch Neubau ver-grössert), wurde 1528 durch die Glaubensneuerer erstürmt und ausgebrannt. Der Komthursitz wurde 1013 nach Rixheim (siehe daselbst) verlegt. Die Ordenskirche diente seitdem als Magazin und ging 1770 durch Kauf mit einem Theile des Hofes in Privatbesitz über. Den Rest des Ordensgutes zog 1798 die Stadt an sich und änderte den Namen Deutschhofgasse in Teilsgasse. Eine Komthurei der Johanniter wurde im 1. Drittel des 13. Jhdts. gegründet. Sie wohnten im Jahre 1249 am Eintrachtsplatz, traten aber 1268 ihre Besitzung an die Augustiner ab und bauten sich in dem Burggebiete der Oberstadt einen grossen Hof, der von der Theatergasse bis zum Gymnasium reichte. Ihre Kapelle, 1249 und 12t>9 (durch Albertus Magnus) mit Ablass begnadet, 1351 erweitert, ist noch vorhanden (s. u.). Infolge der Reformation verlegte der Orden seinen Sitz nach Sulz. Seine Güter wurden durch einen Schaffner, der Mülhauser Bürger sein musste, verwaltet. 1798 wurden die Gebäude für 9101 fr. veräussert. Komthure; 1249 Konrad v. Oltingen, letzter residirender: Markus Oeler 1492-1521; letzter Inhaber: Freiherr v. Hom-pesch 179'_\ - Während des Interdiktes versahen 1268 die Augustiner den Gottesdienst. Ein Theil von ihnen trat zur Reformation über, die Besitzungen wurden als Spital verwendet. U m 1291 sind auch die Dominikaner hier ansässig. Die Franziskaner wohnten in der Barfüsserstrasse, Ihr Guardian Habermann floh in Folge der Reformation nach Thann, wohin er auch das Ordensarchiv mitnahm. Das Chor der Kirche wurde 1661 dem französ. reformierten, 1803 dun kathol. Gottesdienste eingeräumt, während das Schiff bis 1812 als Kornspeicher diente. Die Ciarissen wohnten in der Dreikönigsstrasse, am Spiegelthor. Gegen Ende des 1.5. Jhdt. brannten die Räumlichkeiten ab. Während der Reformation wurden die Besitzungen theils verkauft, theils als Pfrundhaus verwendet. IV. M ü l h a u s e n v o n 1798-1898. A) Geschichtlich e r U e be r b 1 i c k. Nachdem man beim Reunionsfeste die Zeichen der stadtzünftlichenSelbstherrlichkeitin den Brunnen vor dem Rathhause geworfen, oben darauf einen Freiheits-baum gepflanzt und die Stadtfarben gegen die Nationalfarben eingewechselt hatte, theilte M. in jeder Beziehung Frankreichs Geschick. Mit der Einführung franz. Zeitrechnung, franz. Gesetze, franz. Feste, franz. Strassenbenennung und franz. Steuern wurde der Anfang gemacht. Im Jahre 1800 trat an Stelle des Municipalitätspräsidenten (P. Thierry) ein Maire (J. M. Hofer). Im Jahre 1803 hörten die im Unionstractate gewährten Vergünstigungen auf und fanden deshalb die ersten Conscriptionen statt. Nach der Niederlage Napoleons wurde M. im Dezember 1813 von Truppen der Verbündelen besetzt und erhielt nach dem Friedensschlüsse vom 20. November 1815 eine österr. Garnison, welche bis 1817 blieb Dazu kamen andere Kriegsleistungen im Werthe von 2i/2 Mill. Fr., sodass die Noth in den Hungerjahren 1816 und 1817 sehr gross war. Erst 1818 trat eine Wendung zum besseren ein. Die gute Ernte von 1817, der Aufschwung von Handel und Industrie hatten alsbald eine erhebliche Zunahme der Bevölkerung zur Folge. Im November 1818 besuchte der j Herzog von Angouleme die Stadt, im Sept. 1828 Karl X, der ihr wieder das Recht verlieh, das alte W a p p e n zu führen. I Dieser König wie sein Nachfolger Louis Philipp, der 1831 I hier erschien, wurden höchst feierlich und begeistert empfangen, recht kühl dagegen der Präsident Napoleon 1850, wie denn auch die Abstimmung beim Plebiscit 1S70 in M. nur eine Mehrheit von 33 Stimmen ergab. Die letzten Zeugen früherer Selbständigkeit waren seit 1840 zu Grabe getragen; ] seit etwa 1820 fing das Französische an, in Bürgerkreisen ! Umgangssprache zu werden. Nur ein kleiner Kreis von Ge- 1 bildeten - der Stöberkreis - fand noch Lust und Müsse, mit den Werken deutscher Dichter und Denker in Berührung zu bleiben, wie sie denn auch 1S59 eine sinnige Schillerfeier ' zu veranstalten wussten. Sonst beherrschten allein Handel. I Fabrikation und Fragen, die mit der Industrie in Zusammenhang stehen, die leitenden Kreise, die sich zur Societe industrielle vereinigten. Nach der Erklärung der Republik legte der Souspräfekt am 5. Sept. 1870 sein A m t nieder, und der Stadtrath, dessen , Neuwahl a m 4. August begonnen hatte, aber a m 5. auf die Nachricht von der Niederlage bei Weissenburg wieder ein- [ gestellt worden war, wählte unter dem Adjunkten H. Bock, gebürtig aus Sachsen, eine 13gliedrige Commission, zur Erledigung der laufenden Geschäfte Im September erschienen die ersten badischen Truppen, nachdem die Mobilgarde Anfang August die Stadt mit den Waffenvorräthen in der Richtung nach Beifort verlassen hatte. Gelegentlich eines Truppendurchzugs kam es zu Thätlichkeiten, wofür der Stadt eine Busse von 60000 Franken auferlegt wurde. Herr Aug. Dollfus war President de la commission de defense des int6r£ts al-saciens und machte als solcher Reisen nach Paris, Tours und Berlin. Die Soci6t£ de secours schickte fliegende Ambulanzen zur franz. Armee, und sie verstand es, das Mül- ! hauser Contingent in der grossen Verwirrung überall zu begleiten und zu unterstützen. Auch eine Gesellschaft zur Unterstützung gefangener Franzosen war erfolgreich thätig bis nach Schlesien hin. In der nun folgenden Zeit der deutschen Herrschaft nahm die Stadt, nach Stockungen und Auswanderungen im Anfang der 70er Jahre, eine gedeihliche Entwickelung, namentlich seitdem sie 1887 in K. Hack einen Berufsbürgermeister hatte, der 1896 in Anerkennung | seiner Thätigkeit vom Gemeinderathe zum Bürgermeister gewählt wurde. B) B e v ö l k e r u n g , Ortsbeschreibung. Mit den Zollschranken fielen all die anderen wirthschaftlichen und confessionellen Einschränkungen, die sich die kleine Republik zum Schutze ihres patriarchalischen Regiments selber ge- I setzt hatte, und was so lange künstlich zurückgedämmt |