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Show Rappoltsweilei. 863 geplündert: ein hervorragend kostbarer Pokal gelangte durch Beschluss des National-Convents an die Centralschule zu Colmar, derselbe wurde aber auf Reclamation des Kurfürsten Maximilian von Bayern (1805) zurückgegeben und wird jetzt in München aufbewahrt. Tanzlaube o.: Alte - 1420 = Obere - 1453 -- Trinkstube; Alte - u. 1102. - Wächterstuben (drei) 14.57. - Wasserthurm 1522. - Watlaube 1302; Obere Watlaube bis* - Wighaus (bei der Judenschule) u. 1311. - Wirthshaus zum Elephanten 147*. - Zic-gelhof unterhalb der Stadt 1509 = Ziegelsdieuer 1507. Räuberische Angriffe 1287 (Sept.); belagert durch den römischen König Adolf 1293 (Sept.). Der römische König Albrecht I. übernachtete in Rappoltsweiler 1300 März 25.|26.); seine Gemahlin Elisabeth kam mit ihrer Schwiegertochter Bianca und mit der ungarischen Prinzessin Elisabeth nach Rappoltsweiler 1302 (Mai 1). Judenunruhen in der Unterstadt 133*. Katharina von Burgund, Wittwe des Herzogs Leopold IV. von Oesterreich. kam nach Rappoltsweiler 1411 (October 16). Die Einwohner von Rappoltsweiler halfen den Bergheimern bei der Besetzung des von den Armagnaken eroberten Städtleins St. Pilt 1445 (Januar 1). 1525 (April und Mai) hatte die Stadt durch die aufrührerischen Bauernhaufen sehr zu leiden (eigenhändige Aufzeichnung Ulrichs IX. von Rappoltstein): in der Schlacht bei Scherweiler a m 22. Mai 1525 sollen 110 Leute aus Rappoltsweiler umgekommen sein. Grosse Sterblichkeit in der Stadt: 1500 Personen sollen 1540 gestorben sein. Erster öffentlicher evangelischer Gottesdienst in der Schlosskapelle a m 18. April 1563. A m 8. Januar 1576 kam die französische Königin-Wittwe Marie Elisabeth, Tochter des Kaisers Maximilian II., als sie zu ihren Eltern reiste, durch Rappoltsweiler und wurde durch Egenolf IV. von Rappoltstein ehrenvoll empfangen. Grosse Sterblichkeit in der Stadt etwa 1600 Personen) 1630. Als die Schweden unter Gustav Hörn ins Elsass eindrangen, wurde Rappoltsweiler zwar nicht besetzt, aber St. Morand und Dusenbach wurden verwüstet 1632. Drückende Einquartierungen 1635 und folgende Jahre : es lagen daselbst der Herzog von Rohan 14 Tage lang mit --"'ii Mann, la Force o Tage lang mit 3000 Mann, Cardinal la Valette mit der Armee 11 Tage lang, Manicamps Dragoner 3 Monate lang u. s. w., ferner der Marquis von Mon-tausier v o m Mai 1633 bis Ende October lö39, der Hofstaat des Herzogs Bernhard von Weimar, 70 Mann stark, mit 200 Pferden 2 Monate hindurch. Desgleichen werden aus den Jahren 1659-lo61 schwere Contributionen (1800 Gulden jährlich) berichtet. Pest in der Stadt 1667 und 1668: jährliche Wallfahrt nach Dambach gelobt. Ankunft des französischen Königs Ludwig XIV. in Rappoltsweiler 1673 September 1; Weiterreise Tags darauf. Grosse Hungersnoth 1709. Friedrich Michael, Sohn des Pfalzgrafen Christian III. von Birkenfeld, im Stadtschlosse geboren am 27. Februar 1724. Der Polenkönig Stanislaus Lescinsky sowie seine zweite Gemahlin und seine Tochter aus erster Ehe verweilten vom 23. bis 25. September 1725 in Rappoltsweiler als Gäste des Pfalzgrafen Christian III. Prinz Maximilian Joseph, der letzte Graf von Rappoltstein und nachmalige Bayernkönig -Maximilian I.) hielt am 31. Juli 1773 seinen Einzug. (Ueber den Pfeifertag in R. vgl. Rappoltstein, Herrschaft.). A r c h ä o l o g i s c h - K u n sthistorisches. R. liegt an einem Keltenwege von Markolsheim über Gemar in's Strengbachthal nach Markirch. Neolithische, Hallstatt-, römische und fränkische Funde. In der Nähe, auf dem W e g e nach Bergheim, scheint ein fränkisches Grabfeld gelegen zu haben. Die dreisehiffige Pfarrkirche stammt aus dem 14. Jhdt. Chor und Transept sind neu, ersteres nach altem Bestände wieder hergestellt; der untere Theil des Thurmes ist alt, aus dem 14. Jhdt., der obere neu und schlecht. Das Hauptportal ist genau demjenigen der Spitalkirche zu Schlettstadt nachgebildet. Alte Grabsteine hinter der Kirche, | aus dem 13.-15. Jhdt. Hübsche Thürenbeschläge aus dein II. Jhdt. Die Augustinerkirche aus dem 14. Jhdt. isl stark umgebaut, daranstossend: Reste eines Kreuzganges. In der Kirche alte Grabsteine der Herren von Rappoltstein. - Die ehemalige Spitalkapelle (gesch. Dkm.-, in der Mitte der Stadt, aus dem 15. Jhdt., jetzt wieder für Kirchenzwecke restaurirt. ist wohl eine Begräbnisskapelle derer «von Rappoltstein gewesen. Mehrere Skelette fanden sich hier unter dem Boden vor. und der Schlussstein im Chore j trägt das Rappoltsteiner Wappen. Daneben das ehemalige Pfarrhaus und das ehemalige Spital, aus dem 15. Jhdt.. j stark umgebaut. Rappoltsweiler hat noch viele Reste der alten Befestigung: so den Metzgerthurm, dessen unterer Theil aus dem 13. Jhdt., der obere aus dem 1.5. Jhdt. herrühren und mehrere Ringmauerthürme. (vgl. o. unter «Oertlichkeiten»). An Häusern linden sich sehr viele aus der spätgothischen und der Renaissancezeit und im Rath-hause eine werthvolle Sammlung von Trinkgefässen (Raths-i bedien und andern Alterthümern (vgl. auch o. <Oertlich-keiten •) Zu Rappoltsweiler geborene b e r ü h m t e M a n n e r. Pf alzgra f Fried r i c h M i c h ae I, Vater von Max Josef I., dem eisten König v. Bayern, im Schlosse geboren. Philipp Jakob Spener. Begründer des Pietismus und Heraldiker. geb. 1635, t 1705 zu Berlin. 1654-1656 Hofmeister der Prinzen Christian und Johann Karl von Birkenleid, dann längere I Zeit in Strassburg thätig. 1666 Senior der Geistlichkeit in Frankfurt a. Main. 1686 Oberhofprediger in Dresden. 1691 Consistorialrath und Propst der Nicolaikirche in Berlin vgl. Allgemeine Deutsche Biographie Bd 35 ; Gedenktafel in der prot. Kirche zu Rappoltsweiler). Joseph A d a m Lo-rentz, geb. 1731, f 1801 zu Salzburg. Militärarzt im siebenjährigen Kriege, später Professor, zeitweilig auch Rector der Strassburger Universität. Johann Michel Beysser geb. 1753, f 1794 zu Paris; 1788 Major, spater Brigadegeneral • dann Kommandant von Nantes, zeichnete sich in den Kämpfen der königstreuen Truppen der Vendee aus und starb auf der Guillotine. Karl Joseph Corti, geb. 1757, j 1836 zu Schlettstadt (?). Angesehener Kirchenmaler. Zeichenlehrer am College zu Schlettstadt. Friedrich Sigmund von Bergheim, geb. 1775, f 1819 zu Paris. 1793 Reiteroffizier, 1807 Oberst des l. Kürassier-Regiment-, 1810 Brigadegeneral, zeichnete sich in zahlreichen Schlachten aus und machte auch den Krieg gegen Russland mit. Andreas Friedrich, geb. 1798, t 1877 zu Strassburg. Angesehener Bildhauer. Alexander Richard, geb. 1804, t 1853. Schriftsteller und j Musiker. Marie Bernhard Bernhard, geb. 1809, f 1**4. 1 Historiker; 1S50 archiviste-bibliothecaire de la Nievre, nahm jedoch aus Gesundheitsrücksichten bald wieder J seinen Abschied und lebte später wieder in Rappoltsweiler. G e m e i n d e w a 1 d (Oberförsterei Rappoltsweiler) 1031,6 ha. 418-880 m über dem Meere. Vogesensandstein, I Granit, Gneiss. (Tanne, Kiefer, Fichte, Eiche. Buche, Birke. Espe. Eisbeere. Erle, Kastanie.) Der Hof Clausmatt hat die Berechtigung zum Eintrieb von 10 Süek Rindvieh. Der Forstort Walburg fiel der Gde. Rappoltsweiler im Jahre 1*22 durch Theilung zwischen den Gden. Behlenheim, Benn-weier, Hunaweier, Mittel weier, Rappoltsweiler, Reichenweier und Zellenberg zu. Der übrige Wald gehörte ehemals zur Grafschaft Rappoltstein und wurde von dem Hei zog von Zweibrücken im Jahre 1793 gerichtlich eingezogen. Die : Gde. Rappoltsweiler ist durch Ablösung von Holzrechten in den herzoglich zweibrückischen Forsten Eigenthümerin geworden. Vgl. R a p p o l t s w e i l e r w a l d , Staats- | wald. Litter.: B er n h a r d , B., Recherches hist. sur la ville de R. Publ.par Mossmann. Colmar 1888. D e r s., Compte-rendu du classement et de l'inventaire des anciennes archives de R. Col- | mar 1863. Faller.L., Rappoltsweiler und Umgebung. (Strassb. |