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Show 724 Mülhausen. nisse dieses Krieges, der M. auf die Bahn drängte, die oO Tahre später zur Aufnahme der Reichsstadt in den Bund der Kantone führte, sind folgende: A m 2. Nov. 1465 fand man am Baselthor einen Brief des Müllerknechtes Hermann Klee an Bürgermeister und Rath, worin er die Auszahlung eines Lohnrückstandes von 6 Plappert verlangte. Da man die Hintermänner des unruhigen Gesellen kannte, so schickte man das Geld, wie er gewünscht hatte, nach Berghe.m zur Auszahlung. Aber Klee holte es dort nicht ab, sondern schickte der Stadt am 9. April 1466 einen Fehdebrief und übertrug seine Forderungen an Peter von Regisheim. Dieser nun erklärte der Stadt schon a m 16. April den Krieg und alsbald folgten ihm andere Adelige darin nach. M. wandte sich sofort an den Unterlandvogt Daun, welcher gerade mit den anderen Reichsstädten gegen den Grafen von Lupfen zog. Die Abgeordneten der Städte machten Ausflüchte, jedoch «rdang es dem Unterlandvogt, einen Waffenstillstand mit Peter von Regisheim zu vermitteln. D a man dem Verwalter der österreichischen Länder nicht traute und weder vom Kaiser noch von den Verbündeten Städten genügende Hülfe erwarten konnte, so trat m a n mit Kantonen der Schweiz in Verhandlung und schloss am 17. Juni 1466 mit Bern und Solothurn ein Schutz- und Trutzbündnis auf 25 Jahre; zugleich wurden in der Schweiz Soldaten angeworben. Auf Betreiben von Bern und Basel kam es im November mit Peter von Regisheim zu einem Vertrage, aber sofort nahmen andere die Fehde wieder auf. Ein Söldner des Herrn von Masmünster, Konr. Küffer, einer der schlimmsten Raubgesellen, behauptete, von einem Mülhauser Rathsherrn verleumdet worden zu sein und verlangte 100 Gulden Schadenersatz Ein entgegenkommendes Schreiben des Bürgermeisters beantwortete er a m 7. Dez. 1466 mit einem Fehdebriefe. Viele Adelige schlössen sich ihm an und machten von Habsheim aus Plünderungszüge in das Stadtgebiet. D a sich auch österreichische Mannschaft daran betheiligt hatte, so hielt sich Solothurn für berechtigt, an Oesterreich, das ja auch Schaffhausen bedrängte, Vergeltung zu üben und nahm Landskron und Mönchenstein durch Handstreich. Als während der Verhandlungen, die jetzt der Kaiser anordnete, die Feindseligkeiten fortgesetzt wurden, erfolgte die Kriegserklärung an Oesterreich. 200 Mann aus Bern und Solothurn kamen der verbündeten Stadt sofort zu Hülfe. Zu einer grossen Schlacht, zu der man sich auf dem Ochsenfelde einander gegenüber stellte, k a m es nicht; beiDidenheim an der 111 erlitten die Verbündeten eine Niederlage, dafür aber brachen die Schweizer verwüstend in den Sundgau ein und verbrannten ein Dorf nach dem andern, bis sich Oesterreich im August zum Frieden von Waldshut bequemte. Für M. aber k a m der Friede noch nicht. Unter dem Vorgeben, m an wolle sich für die rückständigen Zinsen schadlos halten, traten sogar neue Gegner auf wie Hans von Hirzbach, Diebold von Pfirt, B. von Eptingen, ja Breisach, Freiburg und Neuenburg sagten M. ab. Unterdessen aber hatte Sigmund seine Länder verpfändet und unter der strengen Herrschaft Karls des Kühnen hörten die Fehden auf. Dafür trat eine neue Gefahr an die Stadt heran. Peter von Hagenbach suchte durch Versprechungen und Drohungen die ganz verschuldete Stadt für seinen Herrn zu gewinnen. D e m Kaiser mochte um so weniger daran liegen, als sich ja das Erbe seiner zukünftigen Schwiegertochter durch den Verlust des Reiches noch gemehrt hätte. In der begründeten Furcht, die mittellose Stadt würde dieser Gefahr unterliegen, trat der Pfalz- und Landgra( mit den Reichsstädten und Kantonen zur Beratung zusammen und es wurde beschlossen, M. auf 10 Jahre ein unverzinsliches Darlehn zu gewähren. Erst a m 4. Tan. 1474 kamen die Verhandlungen zum Ab-schluss; Bern und Solothurn bezahlten der freien Reichsstadt die Schulden. D a kurz darauf auch die Herrschaft des mächtigen Burgunders zusammenbrach, so war noch einmal die Reichsfreiheit von M. gerettet. Aber auf wie lange noch? U m ihre drängenden Gläubiger zu befriedigen, bat die Stadt 1486 ihre Schweizer Freunde noch einmal um Unterstützung; diesmal nun machte auch die Tagsatzung von Zürich Abtretung des Schultheissenamtes und Unterordnung unter die Aufsicht der Kantone zur Bedingung. Trotz ihrer Not gingen die Bürger darauf nicht ein, aber nun suchte Oesterreich wiederum die bedrängte Lage auszunützen. Kaiser Maximilian liess von Ensisheim aus der Stadt günstige Eröffnungen machen und eine österreichische Partei in M. arbeitete auf den Anschluss hin. Aber der äusserst geschickte Stadtsyndicus Oswald Gamsharst wusste die Verhandlungen in die Länge zu ziehen, während er zu gleicher Zeit mit den Kantonen wieder anknüpfte. Diese hatten selber allen Grund, das Wachsen der vorderösterreichischen Ländermasse zu fürchten, und sie rieten der Stadt zu einem Schutz- und Trutzbündnis mit dem nahen Basel. Gleiche Verhältnisse zu Oesterreich hatten die beiden Städte schon oft in Berührung miteinander gebracht und so wurde denn 1506 das Bündnis zunächst auf 20 Jahre geschlossen. Eine Mülhauser Compagnie zog 1512 und 1513 mit den Schweizern nach Italien, ihr Hauptmann Martin Brüstlein war bei der Einnahme Pavias zuerst in der Stadt, wie sich sein Fähnlein auch bei Novara auszeichnete. So wurde die Verbindung zwischen M. und den Schweizern immer reger, und als die Stadt sich dann, gestützt auf die ruhmvollen Thaten ihrer Mannschaft in Italien und Burgund, u m die Mitgliedschaft im Bunde der 13 Kantone bewarb, wurde sie a m 19. Januar 1515 aufgenommen. Die nächste Folge war, dass sich M. nach der Schlacht bei Marignano dem ewigen Frieden Berns mit Frankreich anschloss; von der jährlichen Pension, die Frankreich dafür zahlte, fielen 400 Fr. auf Mülhausen, dessen Compagnie von jetzt ab im Dienste Franz I. kämpfte. Mülhausen schloss sich früh der Reformation an. Ueber die inneren Vorgänge während dieser Zeit sind wir schlecht unterrichtet, da das Rathaus, welches 1431 erbaut war, im Jahre 1551 durch «Unvorsichtigkeit mit feuriger Asche in Flammen aufging, und mit vielen Schriften verbrannte». Augustin Gschmus genannt Krämer, Sohn einer angesehenen Bürgerfamilie, seit 1508 Kaplan, war wohl der erste, welcher im Sinne der neuen Lehre predigte. Noch mehr Eifer zeigte der frühere Augustiner-Mönch Nikolaus Prugner, an dessen Stelle 1526 Jakob Augsburger, ein Mönch aus Villingen, und der Franziskaner Otto Binder aus Neuenburg berufen wurden. Die städtische Behörde, namentlich der sie vollständig beherrschende Syndicus Oswald Gamsharst, begünstigte die Reformation von Anfang an; a m 25. Juli 1523 erliess sie das erste Religionsmandat <.dass die Geistlichen die wahre hl. Schrift verkünden sollten-. Bald darauf wurde die lateinische Kirchcnsprache und das Coelibat abgeschafft; 1528 entstand die Confessio Mulhusina und die Bilder wurden aus den Kirchen entfernt. Wie anderswo, so wird auch in M. von jetzt ab die Geschichte von dem Glaubensbekenntniss beeinflusst. M. stand während der Religionskriege in der Schweiz auf Seite der reformirten Kantone, ja sein Fähnlein kämpfte bei Kappeln 1531 im Vordertreffen. Seit dieser Zeit aber blieb M. den kathol. Kantonen verdächtig und ihr Verhalten im Finingerkriege beweist, dass sie nur auf eine Gelegenheit zum völligen Bruche warteten. Die städtische Behörde, deren Mitglieder und Familien einen nicht zahlreichen, bevorrechteten Patrizierstand bildeten, scheint ihre durch die Reformation bedeutend vergrösserte Macht oft einseitig gebraucht zu haben. Nur diesen Schluss kann man aus einzelnen Vorkommnissen, wie der Auswanderung hervorragender Bürger, ziehen, obschon uns die Aufzeichnungen, die im Sinne des Magistrates sehr vorsichtig ab-gefasst sind, nichts von einer Unzufriedenheit verrathen. Nur so ist es zu erklären, dass ungefähr 100 Jahre nach dem Plappertkriege, der M. zum ersten Male in wichtige Berührung mit der Schweiz brachte, aus geringfügigem |