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Show Münster. 737 von den Franzosen besetzt, die Bürger entwaffnet und die Stadtmauern geschleift. Nach dem Einmärsche der deutschen Truppen ins Ober-Elsass im Jahre 1674 bekam Münster vier Regimenter Brandenburger Dragoner und darauf zügellose lothringische Kriegsvülker zur Einquartierung, bis die Franzosen durch den Sieg des Marschalls Turenne bei Türkheim a m 5. Januar 1675 das Elsass definitiv behaupteten. Wie in den anderen elsässischen Städten, so ging auch in Münster das Bestreben der französischen Regierung dahin, die communalen Vorrechte immer mehr einzuschränken und die katholische Kirche wieder festen Fuss fassen zu lassen. Auch hier wurde a m Ende des 17. Jhdts. als ständiger Vertreter des Königs im Rath und im Magistrat ein sogenannter königlicher Prätor oder Prevöt eingesetzt. Die seit der Reformation ausschliesslich von den Protestanten benutzten Pfarrkirchen von Münster und von Mühlbach wurden durch eine königliche Verordnung des Jahres 1704 in Simultankirchen verwandelt. Durch diese Neuerungen erbittert, widersetzten sich die Thalbauern im Jahre 1717 ihrer Obrigkeit zu Münster und mussten durch die Mare-chaussee zur Ruhe gebracht werden. Eine Reihe Verordnungen, welche in der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. die Wahlrechte und anderen Befugnisse der Bürger in Stadt und Thal beeinträchtigten, stiessen auf den hartnäckigsten Widerstand bei dem grössten Theil der Bevölkerung, und ihre Befolgung konnte nur durch Gewalt erzwungen werden. Die wiederholt nach Paris entsandten Deputationen der Bürgerschaft wurden nie an massgebender Stelle vorgelassen und meistens schon vor dem Ziel ihrer Reise zur Rückkehr genöthigt, w o nicht in das Gefängniss gewTorfen. Auch be-grüssten die Münsterthäler mit Jubel die französische Revolution, welche diesen Bedrückungen des Absolutismus ein Ende machte. Die alte Zusammengehörigkeit der Stadt und der neun Dörfer bestand auch nach der Revolution insofern noch fort, als jeder Ort zwar seinen Rath und seinen eigenen Maire erhielt, die Gemeindegüter aber ungetheilt blieben und durch einen aus den Bürgermeistern und je zwei Räthen aller zehn Gemeinden bestehenden und von dem Maire von Münster geleiteten Ausschuss verwaltet wurden. Erst nachdem die Juli-Regierung die Theilung der Gemeindegüter unter die einzelnen Ortschaften angeordnet und eine Entscheidung des Colmarer Appellationshofes die dabei auftauchenden Schwierigkeiten beseitigt hatte, wurde das alte Verhältniss zwischen der Stadt und den Thaldörfern 1847 aufgelöst. Neuer Wohlstand kam nach Münster durch die 1775 daselbst eingeführte und seither zu hoher Blüthe gelangte Baumwollenindustrie, deren Hauptinhaberin, die Familie Hartmann, sich durch die Gründung zahlreicher gemeinnütziger Anstalten u m die Bevölkerung besonders verdient gemacht hat. Die kath. Pfarrei an St. Leodegar gehörte zum Landkapitel Ultra Colles Ottonis des Bisthums Basel; der Kirchensatz stand dem Abte von Münster zu. Von 1543 bis 1704 diente die Pfarrkirche lediglich dem protestantischen Kultus, von da an war sie Simultankirche, bis sie 1874, nach dem 1869 mit Unterstützung des Hauses Hartmann und Söhne (s. o.) geschehenen Neubau eines protestantischen Gotteshauses, dem katholischen Kultus ganz zurückgegeben wurde. Die kath. Pfarrei umfasste bis 1849 zugleich die Gemeinde Stossweier, bis 1808 auch Breitenbach und Sulzern. Die Gebäude der Abtei, welche von dem Abte Charles Marchand (1657-81) und seinem Nachfolger Louis de la Grange neu errichtet worden waren, iwurden 1793 als Nationalgut verkauft, die Kirche Anfang des 19. Jhdts. abgebrochen. Der Thurm wurde erst 1842 abgetragen. Heute befindet sich an der Stelle des alten Klosters das Stadtviertel der Arbeiterbevölkerung. - M. liegt a m Keltenwege von Colmar nach Metzeral. In M. sind geboren: L a m e y , Andreas (1726-1802), His. toriker. (vgl. Strassburg). Kirschleger, Friedrich (1804 -69), 1835 Professor der medizinischen Botanik zu Strassburg (vgl. Strassburg). Verf. u. A. L a tlore d'Alsace (in einer 2. Ausgabe flore vogeso-rhenane genannt). Ueber Andreas Hart m a n n , den Begründer der Hartmannschen Spinnereien in Münster, vgl. Colmar. H a r t m a n n , Jacques- Frederic-Felix, Bürgermeister von Münster, geb. 1822, gest. 1880 zu Paris, hat sich erhebliche Verdienste u m die Stadt durch ihre Verschönerung und durch Wohlfahrtseinrichtungen erworben. G e m e i n d e w a l d (Oberförsterei Münster) 1711.0 ha. 450-1328 m über dem Meere. Grauwacke, Granit. (Tanne, Kiefer, Buche, Eiche, Kastanie, Akazie. Fichte, Weymouthskiefer.) 824 schenkte Ludwig der F r o m m e der Benediktine-r-abtei Münster den Schwarzenberg. 1339 besass die Abtei die ganzen Waldungen des Münsterthals. Der Schlosswald (jetzt im Besitze der Familie Hartmann) wurde dem Kloster im Jahre 1261 durch den Herrn von Geroldseck, der die Schwarzenburg erbaute, widerrechtlich abgenommen. Bis ins 13. Jhdt. standen die Gden. des Münsterthaies unter der Gerichtsbarkeit des Klosters. Im Jahre 1235 bekam Kaiser Friedrich IL die Hochvogtei und die Gerichtsbarkeit durch einen mit dem Kloster abgeschlossenen Vertrag. 1575 wurden durch den Kienzheimer Vertrag die Waldungen grossen-theils der Abtei ab- und dem bürgerlichen Gemeinwesen zugesprochen ; 1629/30 wurden zur Tilgung einer Kontribu- ! tion von 28208 Gulden im dreissigjährigen Kriege von der ! Stadt M. die Eichenwaldungen des Münsterthaies abgeholzt. 1814 wurden die alten Eichen a m Gipfel des Mönchberges, die aus dem 7. Jhdt. stammten, abgehauen und aus dem Erlös die Kontribution an die Verbündeten, welche das Münsterthal besetzt hielten, bezahlt. 184b wurden die Forsten unter die 10 Thalgemeinden vertheilt. Die in Folge Jahrhunderte langer Misswirthscbaft vollständig devastirten Forstorte Mönchberg, Frauenackerkopf, Kienkopf, Rappenkopf, Mulwenwald, Altenbann und Hörnleskopf wurden in den dreissiger und vierziger Jahren durch die rühmens-werthen Bemühungen des Oberförsters (garde general) Petin wieder aufgeforstet. Bresch, F., Stadt u. Thal M. im Elsass im 30jähr. Kriege. (Zs. f. d. Gesch. d. Oberrh. N. F. 10, 1895, S. 383-423.) [Ders.,] Ein vergilbtes Blatt aus der Geschichte des Münsterthaies. Der Kampf u m den Wald 1755-1780. (Vogesen-Blatt 1897, Nr. 19-22.) C a l m e t , Dom, Histoire de l'abbaye de M. . . . Textes inedits . . . par F. Dinago. Colmar 18S2. Cour-voisie r, Alb. u. B r e s c h , Joh., Kollektanecn zur Gesch. der freien Reichsstadt M. (Als. 9, S. 3b5-384.) [Grandidier,] Munster dans la vallee de St. Gregoire. [Ste. Marie-aux- Mines 1888.] H e c k er, Frdr., Die Stadt und das Thal zu Münster im St. Gregorienthai. Münster 1890. Ingold, A. M. P., Les Benedictins de M. en Alsace et la question de l'auteur du livre de l'imitation de Jesus-Christ. (Revue Bene-dictine 13, 1896, S. 49-65.) [Auch besonders:] Paris 1896 Ders., Supplement aux «Benedictins de M. et la question de l'auteur de l'imitation.' (Vingt lettres inedites.) (Mise. als. 3e ser. S. 145-179.) Ders., L'abbaye de M. au Val Saint- Gregoire (Mitth. d. Ges. f. Erh d. gesch. D k m . im Eis. 2. F., 19, 1898, S. 5*-9*.) [Auch bes.:] Strasb. et Paris 1898.) Ohl, Ludwig, Geschichte der Stadt M. und ihrer Abtei im Gre-t gorienthal. Vorbruck-Schirmeck 1897. Rathgeber, J., Münster im Gregorienthai, bevorw. von Aug. Stöber. Str. 1874. Schöpflin, J. D., Histoire des dix villes, jadis libres et imperiales de la prefecture de Haguenau, savoir: Haguenau . . . Münster . . . Colmar 1825. S p a c h , L., L'abbaye de M. (Bull, de la Soc. p. la cons. des mon. hist. d'Als. 3, 185S-O0, 2, S. 22b-283.) [Ders.,] Die Abtei von Münster im Gregorienthaie. (Strassb. Ztg. 1872, Nr. 169, 173, 175.) Stehle, Bruno, Münster im Gregorienthai. (Globus 59, 1891, S. 264-26b.) Sechs U r k u n d e n aus dem Münsterthäler Rothen 47f |