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Show Thann. Uli siederei. Carl Burtscheil, Sägerei, Schreinerwerkstätte und Baugeschäft, 40 Dampf-Pferdekräfte mit ca. 30 Arbeitern. Ist seit 1897 in Betrieb. Weberei Ad. Stuber: 132 Webstühle, 120 Dampfpferdekräfte und ca. 80 Wasserpferdekräfte mit ca. 90 Arbeitern. Früher Legrand, Spinnerei und Weberei, 1871 eingestellt. Von dem jetzigen Inhaber wurde dieselbe wieder neu eingerichtet und ist seit Mai 1898 wieder in Betrieb. Bleicherei, Färberei, Druckerei und Appretur Scheurer, Lauth & Cie. Bis 1*73 hiess die Firma A. Scheurer-Rott & fils, bis 1891 Scheurer-Rott & Cie. 270 Dampfpferdekräfte und bis 40 Wasserpferdekräfte, ca. 800 Arbeiter. (Arbeiterspital in Bitschweiler, seit 1898.) Gesellschaft für Textil-Industrie. vormals Charles Weber & Cie. Färberei für Baumwolle in Strängen und Kops, Aufwindung gefärbter Garne auf Kops oder Spulen, ferner Zwirnerei und Herstellung von Tricotagen auf Rundstühlen; gegründet 1880, 130 Arbeiter, 55 Wasser-, 100 Dampfpferde-kräfte. Weberei A. (jener, 232 Webstühle, 143 Arbeiter, 100 Dampfpferdekräfte. Die Fabrik wurde l*t>4 von Ru- | dolph mit 50-60 Webstühlen gegründet, 1890 von der Firma Juillard & Megnier übernommen, die die Weberei 1892 an die Firma Immer-Klein in Sondernach verkauft hat. 1896 hat der jetzige Inhaber die Fabrik übernommen. Weberei Xav. Flühr, 2b0 Webstühle, 80 Dampfpferdekräfte, HO Arbeiter. Wollspinnerei, -weberei und Walkerei für die Herstellung von Filzen für Fabrikzwecke Jos. Müller Sohn, 120 Spindeln, 5 Webstühle, 13 Arbeiter, gegründet 1811. Fabrik chemischer Produkte von Thann und Mülhausen, gegründet i 1808 durch Kestner, 228 Arbeiter. Maschinenfabrik, Kesselschmiede, Giesserei und Fabrik von Kautschuktüchern für Gewerbezwecke H. Müllcr-Fichter, 114 Arbeiter, 50 Wasser-, bO Dampfpferdekräfte. Mechanische Werkstätte und Fabrik von Kautschuktüchern für ('ewerbezwecke Th. Müller- Beha, 20 Arbeiter, 10 Dampfpferdekräfte. Ausserdem 2 kleine mechanische Werkstätten. - 3 Destillationen und Liciucur-fabriken: Hanhart-Esser (s. 1886), 17 Arbeiter; Nass & Heckmann (jetzt G. Heckmann), s. 1881, 12 Arbeiter; Saas & Müller, seit Anfang der 90er Jahre des 19. Jhdts., 10 Arbeiter. 3 grössere Baugeschäfte, worunter Wolf mit mechan. Bauschreinerei (Gasmotor, 4 Pferdekräfte). 2 Dampfsägereien. Getreidemühle. Oelmühle. Gasfabrik. Bürstenbinderei. Baum-wollabfallputzerei. Buchdruckerei. 2 Buchhandlungen, davon eine nach 1870 entstanden. - Ende Febr., Anfang Juli, Anfang Sept. und Anfang Nov. Krammarkt : im Aug. und Sept. 28 Tage Messe. Die Stadt Th., der Hauptort der gleichnamigen Herrschaft, verdankt nach der Legende ihren Ursprung der Translation des Daumens des hl. Theobald, Bischofs von ' Gubbio, im Jahre 1160. Demgegenüber steht historisch fest, I dass der ältere, links der Thur gelegene Theil der Stadt, Kattenbach genannt, sich a m Fusse der Engelburg aus den j Sitzen der Burgmannen und den Behausungen der Fischer | und Rebleute entwickelte, während der auf dem rechten j Thurufer gelegene Theil, 1304 zum ersten Male als oppidum bezeichnet, durch den Zuzug von Gewerbetreibenden und Handwerkern entstand, die sich seit Ende des 13, Jhdts. um die bald nachher durch das jetzige Münster ersetzte Wallfahrtskapelle mit der wunderthätigen Relieiuic des hl. Theobald ansiedelten. Das Zusammenströmen der aus allen Ländern deutscher Zunge, selbst aus England und Dänemark zahlreich herbeieilenden Pilger, sowie die vielen von den österreichischen Herzögen als Landesherren den Ansiedlern verliehenen Rechte und Freiheiten begünstigten das Aufblühen der Stadt, welche, 13b0 zu solcher erhoben, 13b4 mit Mauern umgeben wurde. Auch die westlich gelegene «minre statt ze Tanne >, auch St. Jacobs-Vorstadt genannt, erhielt bald darauf ihre eigene Umwallung; 1444 wurden dann die Mauern der ganzen Stadt erweitert. Ursprünglich im Besitze der Grafen von Pfirt, k a m die Stadt 1324 an die Habsburger, welche sie 13bb an Johann von Waltpach, 1417 an Graf Johann von Lupfen, 1444 an Markwart von Baldeck, 144'' an die Stadt Basel, 1461 an Heinrich Reich von Reichenstein, 1J<>''- 7 I an Herzog Karl den Kühnen v.Burgund, 1501-29an Sigismund v. Lupfen, 1545-1600 an die Grafen Fugger verpfändeten. Im westfälischen Frieden wurde sie an Frankreich abgetreten und 1659 von König Ludwig dem Cardinal Mazarin gegeben, dessen Erben die Valentinois und die Fürsten Grimaldi von Monaco waren. - Ueber die Stärke der Bevölkerung in den verschiedenen Jahrhunderten liegen einige interessante Daten vor. 1314 zählte Th. 300 Bürger, 1173 500 Herdstätten, 102* 32*ii Seelen ohne die Kinder unter 7Jahren; 1675 waren ausser der Obrigkeit nur noch 140 Bürger vorhanden, und 1765 betrug die Zahl der Bürger und Hintersassen 700. Abgesehen von einer Judenverfolgung im Jahre 1309 blieb die Stadt Th. von inneren Kämpfen und Unruhen verschont; die Reformation fand daselbst keiner. Eingang. Häufig jedi ch wurde sie durch fremde Heere bedroht und zum Schauplatz kriegerischer Ereignisse gemacht. 1376 bei einem Einfalle der Engländer wurde das Franziskanerkloster verbrannt; 1439 plünderten die Armagnaken die Stadt; 1468 wurde sie von den Schweizern belagert und die St. Jacobs-Vorstadt eingeäschert. Ein Angriff der sundgauischen Bauern (1525) wurde abgeschlagen. Besonders hart wurde die Stadt durch den 30jährigen Krieg mitgenommen; von 1632-39 war sie abwechselnd in den Händen der Kaiserlichen und Schweden. Nachdem sie bereits 1645 vorübergehend von den Franzosen besetzt war, wurde sie 1654 nach Vertreibung der deutschen Besatzung von neuem durch dieselben genommen. Im folgenden Jahre wurden die kaiserlichen Wappen an den Thoren durch französische ersetzt, und die Bevölkerung huldigte dem Könige von Frankreich, dem weder die Kaiserlichen (1672) noch die Brandenburger (1674) die Stadt dauernd zu entreissen vermochten. - Wiederholt wurde die Stadt von Seuchen und verderbenbringenden Naturereignissen heimgesucht: 1316, 1319, 1351, 136b wüthete die Pest; 1356 und 1372 fanden Erdbeben statt; 177* veranlasste das Hochwasser der Thur den Einsturz des Rathhauses. Verfassung: Anfänglich unter der unmittelbaren Verwaltung der ständig etwa seit 1270 auf der Engelburg, dem Schlosse von Thann, ansässigen Grafen von Ptirt stehend, wurde die Stadt nach dem Heimfall des Pfirter Besitzes an die Oesterreicher durch die Landvögte, später durch besondere Vögte, meist aus dem vorderösterrcichischen Adel, verwaltet. Das Stadtgericht umfasste ausser der Stadt, welche 1379 durch König Wenzel von jeder fremden Gerichtsbarkeit eximirt wurde,seit 1344 bezw. 1361 die Meiereien: 1. Hohenrodern mit Leimbach, Rammersmatt und dem abgegangenen Otzenweiler. 2. Ober- und Niederaspach, 3. Alt- Thann mit dem eingegangenen Erbenheim. Es war zugleich Appellinstanz für die übrigen Bewohner der Herrschaft Thann. Hier mag erwähnt werden, dass 1572-1620 in Th. 152 Hexen verbrannt wurden. - Die Stadtobrigkeit bestand aus einem von der Herrschaft ernannten Amtmann, welcher den Titel Schaffner führte, dem von der Bürgerschaft gewählten St. Theobaldsbaumeister und Stadtbaumeister, welche keine Techniker, sondern Verwaltungsbcamte waren, dem Stadtschreiber und 8 Räthen welche sich unter die übrigen städtischen Aemter alljährlich theilten, seit 1549 aus 4 Räthen, 6 Gerichtsleuten und 4 Fürsprechern. Seit der Vereinigung mit Frankreich besass Th. 1 Obervogt, 2 von der Bürgerschaft gewählte Bürgermeister, 1 Fiscal-procurator, 1 Stadt- und Amtsschreiber, 6 Rathsherrcn. - Das Münzrecht wurde der Stadt 1387 von Herzog Albrecht verliehen, jedoch erst seit 1498 ergiebiger ausgeübt. 1406 besass Th. bereits einen eigenen Münzmeister. Das Silber wurde aus den herrschaftlichen Gruben von Planchieres, aus Markirch und Masmünster bezogen. Die letzte Münze wurde lb25 geprägt. Ein Stadtsiegel verlieh Herzog Sigismund 1469, aber schon 1304 siegelte Th. mit eigenem Siegel. Ein neues W a p p e n verlieh 180b Kaiser Wilhelm II. 148b wurde |