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Show Schlettstadt. 1003 thal; sie wurden entdeckt, und Ulmann wurde in Basel, Ziegler in Schlettstadt hingerichtet. Grössere Gefahr lief die Stadt 1524; die religiösen Neuerungen wurden von dem Pfarrer Sidensticker und dem Schulmeister Sapidus unterstützt. D a der Stadtmagistrat sich der Bewegung nicht günstig zeigte, suchte ein Schreiber, Hans Jakob Schütz von Traubach, die Bürgermeister, besonders Melchior Ergers-heim, bei dem Volke in den Verdacht zu bringen, die Stadt der österreichischen Regierung zu Ensisheim ausliefern zu wollen. Zu diesem Zwecke fälschte er Briefe. Schütz wurde von dem Gerichte in Strassburg wegen dieser und anderer Verbrechen im Nov. 1524 zum Tode verurtheilt. Als die aufrührerischen Bauern in der Umgegend lagen, stieg auch die Erregung in der Stadt. U m die Klöster zu schützen, musste der Magistrat deren Güter unter Beschlag legen. Nach der Niederlage der Bauern bei Scherweiler, 20. Mai 1525, brachte der Magistrat wieder Ruhe und Ordnung in die Stadt. Sidensticker und Sapidus, sowie diejenigen, welche den Bauern geholfen hatten, mussten die Stadt verlassen. Vier Rädelsführer, darunter Verwandte Wimpfelings, wurden hingerichtet. Damit waren auch die Keime der reformatorischen Bewegung erstickt. Erst in der Neuzeit, 1840, ist eine prot. Pfarrei errichtet worden, die bis 1877 noch Benfeld-Hüttenheim als Filiale hatte. - 1536 kaufte die Stadt den 111 wald, die Banngewässer und einen Theil der Renten der Propstei St. Fides dem Bischof Wilhelm von Honstein für 26000 Goldgulden, 1602 den sogenannten Staffel- oder Mansenzins dem Hieron. von Morsperg ab. - Zu einer Berühmtheit gelangte auch im 16. Jhdt. die Herrengesellschaft zu Schlettstadt, welcher der Magistrat, der Bischof, Geistliche, Adelige und angesehene Männer der Umgegend angehörten. Zusammenkünfte und Feste (so schon Weihnachtsbaum) wurden auf der Herrenstube gefeiert - Der Verfall beginnt mit dem 30jährigen Kriege, zu welcher Zeit auch die Hexenprozesse in Schwung waren. 1629-42 wurden 91 Personen verbrannt. 1632, Dezember 12, ergab sich die Stadt den Schweden unter Gust. Ilorn Die Verschwörung einiger Bürger, welche die Stadt den Kaiserlichen ausliefern wollten, wurde verrathen und 1634 (Juli 131 wurden 8 Bürger hingerichtet. A m 12. Okt. 1634 löste eine franz. Besatzung die Schweden ab. Die Stadt wurde schwer heimgesucht, und die Zahl der Bürger nahm in erschreckender Weise ab, infolge von Hungersnoth, ansteckenden Krankheiten und Grausamkeiten der Sieger (so u. a. Graf Hocquincourt). 1649 (12. Okt.) zogen die Franzosen ab, und die Bürger besetzten die Wachen. 1673, 28. Aug. ritt Louvois an der Spitze einer starken Besatzung in die Stadt ein; zur Strafe für ihre feindliche Gesinnung mussten die Bürger a m 3. Sept. 1673 mit der Schleifung der Stadtmauern beginnen, welche 1675 Vauban wieder errichtete. 1674, Okt. Ibis 1675, Jan. 8 waren die Truppen des Grossen Kurfürsten in der Stadt. - Die drei Thore der Stadt, Ober-, Nieder-und Illthor, werden von da ab Colmarer-, Strassburger- und Breisacherthor genannt. Seit 1747 wurden die Mitglieder des Stadtmagistrats vom Magistrat selbst und dem Schöffelrath ernannt, statt wie früher von allen Bürgern. Der Schultheiss wurde 1747 durch einen königlichen Prätor ersetzt. 1760, Juli 5, wurde durch königliche Verordnung die Zahl der Mitglieder des Stadtraths auf 10 vermindert. 1790, (Jan. 27) wurde die neue Municipalität eingeführt. Im Jan. 1814 wurde die Stadt belagert von den Bayern unter Graf Pappenheim bis zum Friedensschlüsse; ebenso im Sommer 1815. - 1870, Okt. 24, wurde sie den Deutschen übergeben. Vor der Belagerung waren alle Gebäude vor der Stadt niedergebrannt, sowie alle Bäume gefällt worden. Erst im Frühjahr 1871 konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Zu grossem Vor-theil gereichte der Stadt der Vertrag vom 25. April 1874 mit der Militärverwaltung, nach welchem die Stadt dem Staate als Eigenthum das Zeughaus St. Hilaire, die Militär- Waschanstalt,, den Exerzierplatz, den Schiessstand und einen Theil der Entschädigungssumme für die Kasernen überliess, wogegen die Stadt in das volle und freie Eigenthum des Pavillon, des Zeughauses St. Barbara, der Militärbäckerei, der verbrannten Kasernen und sämmtlicher For-tifikationsterrains mit Gebäuden, mit Ausnahme einer Fläche von ungefähr 5 Hektar, trat. - Wichtigere G e b ä u d e. 1. Probstei und Kirche St. Fides blieb abhängig von Conques bis 1424, wurde dann vom Papste als Comme-nde verliehen u. a. dem Kardinal Olivieri Carafa, dann 1501 dem Bisthum Strassburg überlassen. Später heisst sie St. Truwe, St. Getruwen, Getreuen, Getrawen, Trawen, wurde 1540 säkularisirt und war 1599 im Besitze der Abtei Andlau. 1615 gab Leopold von Oesterreich Kirche und Probsteigebäude den Jesuiten, die 1618 ein Kollegium errichteten, das durch Bulle vom 15. Febr. 1624 bestätigt wurde. 1729-1734 wurde die Kirche mit neuem Mobiliar ausgestattet und die Thüi nie ausgebaut. 1742-45 neues Schulgebäude (Landgericht und 1872 Lehrerinnenseminar) und neue Wohnungsgebäude 1752-58 errichtet. 1765 mussten die Jesuiten wegziehen. An ihr Kloster wurde 1768 der südliche Theil gebaut und das Ganze (als Pavillon bekannt) für das Oftiziercorps der Besatzung von der Stadt eingerichtet, welche 1768 dem Bischof von Strassburg 20000 livres, für das Kloster bezahlt hatte. Nach 1*74 wurden die an die Kirche anstossenden Theile niedergelegt und die Gebäude zum Theil dem Lehrerinnenseminar, den Niederbronner Schwestern, den Schwestern vom heiligen Kreuze für ihre Waisenanstalt, überlassen; der westliche Theil ist seit 1893 als Pfarrhaus von St. Fides eingerichtet. Die Kirche selbst, im 12. Jhdt. an Stelle eines älteren Baues (vgl. o.), dessen Spuren unter dem Chore gefunden worden sind, errichtet, diente nach 1765 als Hilfskirche. 1803 wurde die Stadt in zwei Pfarreien getheilt, und eine Hilfspfarrei St. Fides errichtet, Pfarrei 2. Klasse (21. Dezember I 1346). Grossartig restaurirt und stilgerecht ausgebaut 1889-93. Im Transept neuerdings eine Krypta gefunden. Die Ornamentik der Kirche gehört stellenweise nicht der rheinischen, sondern der südfranzösischen Schule an. Als geschichtliches Denkmal erklärt. 2. Pfarrkirche St. G e o r g , auch Münster genannt (ebenfalls gesch. Dkm.), weist verschiedene Bauperioden auf. Aus dem 12.-13. Jhdt. sind die Umfassungsmauern der Seitenschiffe, 13. Jhdt. Mittelschiff, Querhaus und Seitenapsiden, 15 Jhdt. zweites Querhaus, Thurm und Chor. Unter letzterem Krypta; ferner ebenda 1872 Fundamente eines Rundbaues (Apsist gefunden. In der Revolution Grabdenkmäler und zahlreiche Skulpturen zerschlagen. 1847-65 restaurirt. Hübsche Architektur-und Bildhauermotive. Prächtige Renaissancekanzel (um 1600) und alte Glasmalerei in den Querschift'en, aus dem 15. und lö. Jhdt., zum Theil 18c»4 restaurirt. Grabsteine Wimpfelings und von Verwandten des Beatus Rhenanus. Vor 1802einzige Pfarrkirche der Stadt, Landkapitel Schlettstadt, jetzt Kantonalpfarrei 1. Klasse. Pfarrbücher seit lb08. 3. D o m i n i k a nerinnenkloster. Die Dominikanerinnen, die vorher bei Rappoltsweiler ansässig gewesen und vom Grafen von Horburg angefochten worden waren, kamen nach Schi. 1245. | Kloster zu U. L. F. und zum Nikolaus von Silo. Kreuzgang und Kirche aus dem 14. Jhdt. 1791 aufgehoben und als Militärlazareth eingerichtet. Reste des Kreuzgangs erhalten. 25. Jan. 1807 dem Bürgerhospital mit bestimmten Verpflichtungen gegen das Militärlazareth übergeben. Durch Vertrag 1892, Mai 4, diese Verpflichtungen aufgehoben. Neues Militärlazareth gebaut 1893-94 vor dem Strassburgerthor, bezogen 1894 im Okt. 4. J o h a nn iterpr i or ei. Gestiftet 1265 als Ritterhaus; erhielt nach Aufhebung des Tempelordens die Güter des Tempelhofes in Bergheim; ging Ende des 14. Jhdts. so zurück, dass sie 1427 mit der Strassburger Komthurei am Grünen Wörth vereinigt wurde und nur 2 Kapläne in Schi, residirten. 1791 aufgehoben. Gebäude vollständig umgebaut, seit 180b städt. Gymnasium. 5. Franziskaner kl oster. Gestiftet 1280, Kirche gebaut 14. und 15. Jhdt. Die Konventualen übergaben 1535 das Kloster der |