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Show Rufach. 927 graf Bernhard von Baden zunächst verblieb und von dieser als Witthum dem zweiten Gatten, Graten Adolt IV. von Nassau-Wiesbaden, zugebracht wurde, dessen Eidam, Graf Joachim von Manderscheid-Blankenheim (t 1582) sich Graf von Roussyo nannte und den Landgrafen Wilhelm von Leuchtenberg zum Erben hatte, dessen Sohn Maximilian A d a m «Graf von Roussy» (f 1646) von seiner Tante Anna Salome Grälin von Manderscheid-Geroldstein beerbt wurde. 1697 ging die Grafschaft Roussy durch Testament an die Grafen von Königsegg-Rothenfels über. Frankreich hat 1680 Besitz von R. ergriffen, und ist trotz des Widerspruchs von Spanien, dann von Oesterreich, im Besitze geblieben, der erst durch den Pariser Vertrag vom 16. Mai 1769 von Oesterreich anerkannt wurde. Inzwischen war die Grafschaft Roussy mehrfach verpfändet und 1703 verkauft worden. Durch Heirath kam die Besitzung 1732 an den Grafen Philipp de Custine de Guermange, dessen Nachkommen sich «seigneurs du comte de Roussy», wie die früheren Besitzvorfahren (Maguin) nannten. - Litter.: Statistische Mittheilungen herausgeg. v. Stat. Bür. d. Ministeriums f. Els.- Lothr. Heft 28. Die alten Territorien d. Bez. Lothringen (S. 65-74). [dPr.) R u f a c h , St. (Ka. gleichen Namens [s. 1790], Kr. Gebweiler, O.-E.). 3057 E. (Sterbf. 23,5. leb. Geb. 21,2 auf 1000). 636 H. (21 GRe.). Serv. Kl. IV. - A m Ohmbach. 205 m. - KrHO. Gebweiler (10,2). Bhf. R. (1,1,. - In pago R u b i a ca 662 ; der westlich der Landstrasse liegende Theil des Ortes heisst ma. d'Belzlaüb. - Die Gde. umfasst den HO. R. (2887 E. 610 Hsr.) und die A O . Bodenmühle, Bollenberg, Holzmacheracker, Hummelinühle, lsenburg, Judenmatt, Niederwald, Ritzenthal, Ruffenäckerle, Sternenmühle, Sund-heimer Mühle (Sundenmühle); der frühere A O . Schliffmühle hängt jetzt mit dem H O . zusammen. Ferner liegt auf dem Banne der Gde. die Kapelle Oelberg. Zwischen R. und Gundolsheim lag der verschw. O. Sundheim; im Banne von R. die verschw. O. Miltelheim und Spiegelburg. - P. III. Kl. T. Oeff. Fernsprechstelle (s. 8. Sept. 1900). Stadtfernsprecheinrichtung (dgl.). Bhf. (s. 1841). AG., umfassend den Ka. R. 2 Notare. Gerichtsvollzieher. Gendarmeriestation. Oberförsterei (Forstaufsichtsbezirk Colmar-Süd). StA. 1. Ortseinn. VerkehrsStA. StEBez. R. I, umfassend die Gden.: Bilzheim, Niederenzen, Niederhergheim, Oberenzen, Oberhergheim, Rüstenhart, Rufach. StEBez. R. II, umfassend die Gden.: Geberschweier, Gundolsheim, Hattstatt, Osenbach, Pfaffenheim, Sulzmatt, Westhalten. Wiesenbaumeisterbez. mit den Ka. Münster, Winzenheim, Ensisheim, Gebweiler, Rufach, Sulz. Gde.-Fass-aichungsamt. Landwirthschaftliehe Schule (eröffnet Ib. Nov. 1874, vgl. auch Theil I, S. 182 f. und Art. Judenmatt). 3 Aerzte, darunter 2 Kantonalärzte. 2 Apotheken. Hospiz (soll Anfang des 14. Jhdts. gegründet worden sein unter dem Namen St. Jakob-Spital, 62 Betten, davon 49 für Kranke und Sieche, 13 für Pensionäre; Grundbesitz 3,87 ha). Waisen- und Ar-menanst. (s. 1855). Höhere Mdchnsch. St. Joseph, geleitet von der Genossenschaft der Schwestern von der göttlichen Vorsehung aus Rappoltsweiler (s. 1850). Armr. (s. 1822. Seit einer Reihe von Jahren versieht der Spitalrath gleichzeitig die Funktion des Armr.) Sparkasse (s. 1867). Schlachths. (s. vor 1810). Wasserltg. Verbds.-Fw. (s. 1872, 7 Spritzen). Krgv. (s. 16. März 1890). Sektion des Vog.-Clubs (s. 1881). - Kath. Pfarrei II. Kl. <s. 1802), zu der auch das Fsths. Laubeck (Gde. Pfaffenheim) gehört. Kirchenfest 15. Aug. (Maria Himmel fahrt I.Dekanat, umfassend die Pfarrei R., die Hilfspfarreien Geberschweier, Gundolsheim, Hattstatt, Osenbach, Pfaffenheim, Sulzmatt, W7esthalten und das Vikariat Winzfelden. Filiale der reformirten Pfarrei Gebweiler (s. 1886). Die Lutheraner gehören zur Pfarrei Colmar. - Kleine Ziegelei. Imprägniranstalt für Rebpfähle. Lagerhalle des Land-wirthsch. Bezirksvereins O.-E. Buchhandlung. Jährlich 6 Jahrmärkte: je a m 2. Dienstag der Monate Februar, April, Juni, Okt. und Dez. und a m Tage nach Maria Himmelfahrt. R. war Hauptort des obern M u n d a t s . Als HOöHein-j rieh V. in villa Ruvach, quae multitudine praevalet et armis, weilte, vertrieben ihn die Einwohner, über das Benehmen , des Gefolges erbittert. Dafür wurde die Stadt später geplündert und verbrannt. 1199 durch Philipp von Schwaben zerstört. Seit dem Anfang des 13. Jhdts. ist R. Stadt; 1238 I wird es zuerst civitas genannt, scultetus universitasque consilii Ruhcacis 1214, Stadtsiegel 1266. 124s siegten die Ruf-acher über die Colmarer, 1256 wurden sie geschlagen. 1260 herrschte ein grosser Brand. Im bellum Walteriarum standen die Rufacher zum Bischof, 1299 belagerte Adolf von Nassau vergebens R., zerstörte aber das Dorf Sundheim (s. d.). 1308-38 wurden die Juden verbrannt und ausgewiesen. Der Bischof wies ihnen Sulzmatt als Wohnsitz an. 1444 wurde R. von den Armagnaken geplündert. 1633 ka-pitulirte R. auf Akkord dem Rheingrafen Otto Ludwig, im November desselben Jahres wurde die Stadt durch den kaiserlichen General Aldringer wieder genommen. A m 15. Juli 1634 wurde sie von den Schweden erstürmt, als in der Kirche 3 Jesuiten und 6 Pfarrer der Umgegend waren, 2 Jesuiten und 3 Pfarrer wurden getödtet, die übrigen schwer verwundet. 1635 wurde R. von den Franzosen besetzt, 1662 französisch. - 1183 gab Bischof Heinrich von Strassburg den Mönchen von St. Maria de campis in suburbio Metensis civitatis einen Theil des bei R. gelegenen Hügels: Ursprung des Priorats St. Valentin oder St. Veiten O. S. B., das unter Che"zy l'abbaye an der Marne stand. Das Kloster wurde 1299 in die Stadt verlegt und zwar in die Nähe der lsenburg (s. d.i, als Entschädigung erhielten die Mönche jährlich lo Viertel Getreide und 4 Pfund Pfennig vom Bischof. Zum Kloster gehörte ein Spital für Epileptiker. 1525 musste die Gemeinde dem Priorat 100 Pfund und 3 Fuder Wein Entschädigung für die Unbilden zahlen, welche die «gemeinen Leut» von R. im Bauernkriege gegen Prior und Konvent begangen hatten. Seit Ende d;s 16. Jhdts. hatte das Priorat keinen Konvent und schlechte, verschwenderische Prioren ; deshalb wurde es vom Bischof Leopold 1616 den Jesuiten in Schlettstadt übergeben, was Papst Paul IV. 161S bestätigte; doch kamen die Benediktiner noch zweimal, 1634 und 1644-51, in den Besitz des Klosters. Gewöhnlich waren 3 Jesuiten in R.; welche seit 1656 eine Lateinschule hielten, ein Drittel der Einkünfte ging nach Schlettstadt. 1765 wurden die Jesuiten vertrieben, 1790 das Kloster als Staatsgut eingezogen und verkauft; es ist jetzt gänzlich verschwunden. Seit 1288 war in R. ein Franziskanerkloster, das 1444 durch Konrad von Busnang reformirt wurde. Seit 1734 hatten auch die Franziskaner eine Lateinschule. Ueber die Franziskanerkirche s. unten. Seit 1441 bestand ein Hospital zum hl. i Geist mit geringen Mitteln. Nach der Zerstörung von Sundheim (s. d.) war seil 1487 die K o m t h u r e i des deutschen Ritterordens in R. 1549-1551 Neubau des Ordenshauses. Letzter residirender Komthur Alex. Joh. Stürzel von Buchheim; letzter Inhaber Friedr. Truchsess von Rheinfelden. 1792 wurde das Ordenshaus geplündert und beschädigt, 1795 als Nationalgut verkauft. Dekan und Kapitel des Bisthums Strassburg hatten einen Dinghof bei der Pfarrkirche. Begütert: Kloster Ettenheimmünster (Baden) 762,1225, Eschau 778, 1180. Rheinau u m 1130, Pairis 1185, Marbach 1201, 1242, Schönenwerth (Ka. Solothurn) 1241, Lützel, Klingenthal und St. Klara in Basel seit dem 13. Jhdt., St. Markus in Strassburg 1270, Johanniterkomthurei Sulz 1301, Unterlinden in Colmar 1338. - Die Pfarrei gehörte bis 1801 zum Landkapitel Citra Colles des Bisthums Basel; den Kirchensatz hatte der Bischof von Strassburg. - Die oberhalb R.'s auf dem Rebberg befindlichen Steinbrüche iz. Th. auf dem Gebiet von Westhalten), wurden schon 1269 ausgebeutet. Sie haben die Steine geliefert zu der Thcobalduskirche in Thann und der Martinskirche in Colmar. Auch zum Schlossbau in Horburg (Ende des 16. Jhdts.), Heiligkreuz (1554), zum Bau I der Kirche in Rüstenhart (1699) und Ensisheim (1560) und zur |