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Show Palais. städtischen Abgaben i, Inkorporation der Pfarrkirche zu Widensolen, Zoll- und Zehntbefreiungen, Burgfriedensrecht (asylum immunitatis). Für sich selbst hatten die Klosterleute das Asylrecht in den Schlössern zu Bilstein, Hoheneck und Zellenberg. Allein trotz aller Vergünstigungen und Zuwendungen gcrieth das Kloster durch die kostspieligen Lebensgewohnheiten der meist den höheren Ständen angehörenden Mönche, schlechte Verwaltung seitens der Achte und allerlei Unglücksfälle (z. B. Pest 1349, Brand 1362) nach kurzer Blüthe schon vom Anfang des 13. Jhdts. ab in allmählichen Verfall, den auch die «Restauration durch Papst Alexander IV., sowie die Bemühungen der Päpste Honorius IV. (1286), Nicolaus IV. (1289), Clemens V. (1308 und 1310 , Johann XXII. (1322) und Innocenz VI. (1353, 1354) und endlich der Versuch des General-Ordens-Kapitels, die Schulden des Klosters zu tilgen (1369), nur aufhalten, nicht verhindern konnten. D a das Mutterkloster von Pairis, die Abtei Lützel, die Schulden ihres Tochterklosters nicht zahlen konnte, so übernahm auf Ersuchen des Lützeler Abtes der Cistercicnscr- -abt Berthold von Maulbronn dasselbe als seinem Kloster inkorporirtes Priorat. Die Inkorporation wurde beseitigt durch das Generalkapitel (12. Sept. 1452), durch Pius 11. (11. Nov. 1461) und Pius VI. < 1479). Maulbronn hatte dafür die Schulden (20 000 Gulden) zu bezahlen, um damit die verpfändeten und verschleuderten Güter einzulösen, die verfallenen Gebäuliehkciten wieder in Stand zu setzen und für geregelten Gottesdienst und ordentliche Güterverwaltung zu sorgen. Infolge der Einführung der Reformation in Württemberg durch den Herzog Ulrich siedelte der Maulbronner Abt Johann von Lienzingen 1536 mit einem grossen Theile seiner Mönche nach Pairis über, verliess es jedoch bald wieder und zog nach Einsiedeln. P. wurde auch ferner von kath. Prioren versehen. Herzog Ulrich von Württemberg beanspruchte aber nun wegen der Inkorporation von P. in die von ihm säkularisirte Abtei Maulbronn die Einkünfte von Pairis. Der darüber zwischen ihm und dem Kaiser entstandene Streit vererbte sich auf seinen Sohn, Herzog Christian, und wurde 23. Febr. 1563 zu Augsburg durch Vergleich beigelegt. Herzog Christian trat gegen anderweitigen Ersatz in Württemberg dem Kaiser für sich und seine Erben alle Ansprüche auf P. ah. nur sollten 3000 rhein. Gulden aus der in Colmar bei dem Pai-riser Schaffner ruhenden Baarschaft als «Ergötzlichkeit» dem Kloster Maulbronn zukommen. Bei der Ratifikation, die erst 19. Mai 1588 von Kaiser Rudolf II. und Herzog Ludwig von Württemberg vollzogen wurde, erklärte letzterer ausdrücklich, dass «das Stift und Gotteshaus Peris fürterhin dem Erzherzog Ferdinand [der 1564 die Verwaltung Tirols und der vorderösterreichischen Lande angetreten hatte] und dessen Erben frei, ledig und eigenthümlich unterwürfig und zuständig sei und bleiben solle.» Erzherzog Ferdinand wandte die Einkünfte von Pairis 1570 seinem Sohne, dem späteren Cardinale Andreas d'Austria, zu. Nach dessen Tode •(1600) verlieh Kaiser Rudolf II. P. dem Raimund, Grafen zu Thurn, für dessen Sohn Mathias, und in der Familie deren von Thurn und Valsassina verblieb die Commende P. bis 1633, unter Aufsicht der vorderösterreichischen Regierung zu Ensisheim bezüglich der geistlichen und weltlichen Verwaltung. Trotzdem wurde für die kirchlichen Bedürfnisse wenig gesorgt, z. B. versahen 1629 nur 6 Religiösen aus Lützel den Gottesdienst. Der 30jährige Krieg brachte schwere Zeiten auch für das Kloster, und 1633 verfügte der schwedische Minister Oxenstierna kraft Kriegsrechts über P. und belehnte damit namens der Königin von Schweden den Georg Gustav Wetzel von Marsilien, kgl. schwedischen Oberstleutnant und Staatsrath. Nach dessen Tode (1634) ging das Lehen auf seine Wittwe Margret Helena Wetzelin von Marsilien, geb. Sturmin von Sturmeck (und ihren unmündigen Sohn, Georg Eberhard Wetzel) über. Diese behielt Pairis unter dem Schutze Ludwigs XIII., der bereits seit 1634 zahlreiche elsässische Orte unter seiner Protektion hatte, bis 1643, musste sie aber dann als Nicht-katholikin infolge Brevets desselben Königs vom lo. Mai 1643 an Franz Huge, Profess der Abtei Lützel, abtreten. Letzterer nahm am 7. Nov. 1643 Besitz von P. und schloss am 18. Nov. einen Vergleich mit der Wittwe Wetzel bezüglich Ucberlassung ihrer Ansprüche auf die Abtei gegen Entschädigung. Huge wurde nun Abt von Pairis, ihm folgte 1646-1655 Bernhard Maffre und dann lauter Aebte französischer Nationalität, die der König von Frankreich kraft seines oben erwähnten Patronatsrechtes nach der unter den Augen seiner Commissare vorgenommenen Wahl mit der Abtei, j «beschenkte». Nach dem westfälischen Frieden bestätigte Kaiser Ferdinand III. 4. April 1651 die Privilegien der Abtei, und auch unter franz. Herrschaft wurden dieselben geschont, nur in der Justizpflege eingeschränkt. 1792 wurden alle Güter der Abtei konliszirt, und später vom Staate verkauft. Der letzte Abt, Franc;. Ant. Delort, verliess mit seinen 9 Mönchen das Kloster, von dem jetzt nur noch wenige Trümmer (Reste der Umfassungsmauern und Gebäude aus dem 18. Jhdt., Skulpturreste aus der romanischen, gothischen und Renaissance-Bauzeit) vorhanden sind. - Her\ "i ragendi Aebte waren: Martin, der 1199 den Kreuzzug predigte, an der Eroberung Konstantinopels i 1205 theilnahm und dem Kloster kostbare Reliquien mitbrachte. Sein Biograph wurde Günther von Pairis, der 120(5 ins Kloster trat und nach 1222 starb. Er verfasste ausser anderen Werken das Epos Ligu-rinus (1186, zu Ehren Kaiser Rothbarts, deutsch von Vulpi-nus 1889) und die Historia Constantinopolitana (121s geschrieben, herausgegeben von Riant 1875 und deutsch von Vulpinus [Renaud] im Jb. des Vog.-Clubs 1889). Der Abt Philipp von R a t h s a m h a u s e n war Beichtvater König Alhrechts (1304) und später Bischof von Eichstätt (1306 bis 1322). Der Abt J o h a n n von H a 11 s t ad t wurde 1354 Reichs-hofrath, Cappellan und Hofsekretär des Kaisers und verschaffte der Abtei viele Privilegien. Besondere Verdienste erwarb sich u m sie B e r n h a r d in Buchinger, Abt von Maulbronn und Pairis 1648 1655), der auch schriftstellerisch thätig war. Gleichfalls als Schriftsteller zu erwähnen ist Mathias R i n g m a n n , gen. Philesius, geb. 1482 auf einer Melkerei bei P., gest. 1511. Er schrieb ein Gedicht üler den Wasgau (1506), eine kurze Topographie des Elsass und übersetzte zuerst Cäsars Commentarien ins Deutsche (1507), schrieb ein Passio Domini (1508i, eine Grammatica figurata und einiges Andere. - Ein Yerzeichniss der Aebte und Prioren der Abtei P. ist enthalten in Nouvelles ceuvres in^dites de Grandidier, hrsg. von A. M. P. Ingold u. Alsatia sacra 1899. I, 377-382; wegen früherer Listen vgl. Hugo, Sacrae Anti-quitatis Monumenta, St. Die 1731, II 273-277; Rathgeber, Revue d'Als. 1874, S. 102 und Rathgeber, Die Herrschaft Rappoltstein S. 41-62; Klunzinger, Gesch. der Abtei Maulbronn 1854. S. 120-128. Litt.: Grandidier, Oeuvres in6d. II, 75, 487. III, 143. Janauschek, Orig. Cisterz. Wien 1877. Bd. I, 40. Rappoltsw. Urkb. I, 39-40, 251, 52-53, 40, 63 A. 1. B u c h i n g er Epit. Tan. Luceil. S. 127-2S. Strassb. Urkb. I, 100. W i n k e l - m a n n , Acta ined. I, 155. II, 203. Klunzinger, Urk. Gesch. der Cisterzienser-Abtei Maulbronn 1854, S. 120-128, 131 u. Beil. S. 70. Gallia Christ. Congr. St. M. V, 454-5.5. Rothmüller, L'Alsace pittoresque S. 123 f. K r a u s , Kunst und Alterth. in E.-L. II, S. 504ff. Potthast, Reg. Pontif.I, Nr.922. Reuss, R., Script. Rer. Als. S. 176 f. 175 ff. Ingold, A. M. P„ B. B u-chinger, Abbe de Lucelle 1901. R a t h g e b e r , J., L'Abbaye de P. dans le val d'Orbey. (Rev. d'Als. 1874 S. 102-116). B[enoit, A.|, Notes sur l'abbaye de Pairis ä propos d'un acte devente en 1804. (Rev. cath. d'Als. N. S. 17, 1898, S. 35-47). Hossenlopp, Guntherus von Pairis. iEls.-Lothr. Schulblatt 25. Jg., 1895, Nr. 20-21). Palais, Hf. (Gde. Saulxures, Ka. Saales, Kr. Molsheim, U.-E.). 4 E. I Hs. Soll mit Saulxures gleichen Alters sein. |