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Show Strassburg. 1081 burger Bauhütte stand, als sie 1459 auf einem Steinmetzentage zu Regensburg zur obersten Bauhütte in ganz Deutschland gewählt wurde, was sie bis in das 18. Jhdt. geblieben ist. Als zum Münster gehörig ist das demselben südlich gegenüberliegende F r a u e n h a u s (16. Jhdt.) zu verzeichnen, in welchem sich ein Museum befindet, dessen Inhalt sich auf das Münster bezieht und aus Originalen und Gipsabgüssen besteht. (Genauere Beschreibung und ausführliche Geschichte des Münsters nebst reichhaltiger Litteratur-angabe s. bei K r a u s , Kunst und Alterthum. in Els.-Lothr. I, S. 341-504. Vgl. ferner: Strassburg und seine Bauten [1894J, S. 141-228.) St. Nikolauskirche. Bau aus dem 14. Jhdt. mit späteren Zuthaten; Thurm unten älter. A l t - S t. Peter. Spätgothischer Bau mit noch erhaltenem Lettner; Reste vom alten Kreuzgange aus dem 14. Jhdt. und einige Glasmalereien. Jung-St. Peterkirche (gesch. Dkm.). Bau aus dem 13. Jhdt. mit noch erhaltenem Lettner; Thurm aus dem 12. Jhdt., daranstossend die Zornkapelle. In der Kirche alte Wandmalereien des 14. Jhdts.; nördlich an die Kirche stösst der alte Kreuzgang, welcher noch aus dem 11. Jhdt. herrührt. Andere Theile des Klosters befinden sich in dem daranstossenden Kuhf'schen Eigenthum. Die Kirche ist 1896-99 restaurirt worden. Im März 1900 fand man bei einer Untersuchung des Bodens der Kirche eine Krypta aus dem 7. Jhdt. St. S t e p h a n s kirche (gesch. Dkm.), Pfcilerbasilika des 12. Jhdts. St. T h o m a s k i r c h e (gesch. Dkm.), Bau aus verschiedenen Zeiten: Westportal unten aus dem 12. Jhdt.; Aufbau und Chor aus dem 13. Jhdt.; Schiff aus dem 14. Jhdt.; Südkapelle aus dem 15. Jhdt. Enthält u. a. den Sieinsarg des Adeloch und das Mausoleum des Marschalls Moritz von Sachsen u. s. w. Die W i l h e l m e r - kirche enthält Bautheile aus dem 14.-15. Jhdt. und besitzt noch ihren Lettner. Im Chore Grabmal der Landgrafen von Werd aus dem 14. Jhdt., v o m Meister Wölfelin von Rufach gefertigt; ferner einige Hochreliefs daselbst und Epitaphien. Hervorragend sind die Glasmalereien der Fenster. Von den bis zur Reformation entstandenen Profanbauten (Pfennigthurm 1321, alte Pfalz 1322, Kanzlei 1462, M ü n z e 1509) steht heute nur noch das K a u f h a u s von 1358; es giebt uns in seiner Schmucklosigkeit wohl einen richtigen Begriff von den damaligen Profanbauten überhaupt. - Nach 1575 beginnt wieder eine rege Bauthätigkeit. 1579)85 entstand das F r a u e n h a u s , 1582/85 der schönste Renaissancebau Strassburgs, die Pfalz (heute Handelskammer), 1586 das Haus K a u f h a u s g a s s e 1/3, 15S7 die grosse Metzig, 15S9 (auf einem Erdgeschoss von 1467) das Haus K a m m e r z e 1 1 a m Münsterplatz, 1598 das B ö c k l i n ' s c he Haus (Stephansplan 17), Bauten von grossem malerischen Reize, der häufig noch durch Fassadenbemalung gehoben war. Von Bauleuten ist in erster Linie zu nennen Joh a n n S c h o c h , der Schöpfer des Heidelberger Friedrichsbaus, der seit 1577 Werkmeister auf dem städtischen Zimmerhof, 1585-1590 Stadtlohnherr, 1590-1597 Stadtbaumeister war und von 1620-1631 diese beiden Aemter vereinigte. Seine Thätigkeit ist hauptsächlich an der Pfalz und an der grossen Metzig zu spüren. Gleichzeitig waren J örgSchmitt, P a u l M a u r e r , Stephan B e r n h a r d und A m b r o s i us Müller in Strassburg thätig; jedoch ist es meist nicht möglich, den Antheil dieser tüchtigen Baumeister an den einzelnen Bauten genau nachzuweisen. Auch durch theoretische Werke und Vorlagensammlungen, die zum Theil einen erstaunlichen Reichthum künstlerischer Phantasie beweisen, wurde die Kunst gefördert. So erschien 1596 eine Sammlung von Vorlagen für Portale, Epitaphien, Kamine und «Schweyffe» von dem Stadtschreiner Veit E c k und J a k o b G u c k eisen, 1598 von dem letztern und H a ns E b e l m a n n ein «Seilend Säulen)buch» (gedruckt zu Köln), bald darauf von demselben ein <Schwcyfbuch», 1598 ferner d as Lehrbuch von der Architektura» von W e n d e l G r a p p gen. Dietterlin, einem ganz hervorragenden Künstler, während die Architektura von Vestungen» des Stadtbau-meisters Daniel Specklin (1536-1589) schon 1539 herausgekommen war. Dies ist aber auch die einzige Leistung, die von der früher so hoch angeschlagenen Thätigkeit dieses Baumeisters übrig bleibt. - Nach langer Pause kam ein neuer Aufschwung in die Bauthätigkeit durch die Wiedereinrichtung des Katholizismus in Strassburg. 1725 erstand die D o m p r o p s t e i (jetzt Gouvernement', 1727 die D o m - dechanei (jetzt Bischofspalast i. 172* -1742 das bischöfliche Schloss, ein prächtiger Rokokobau (jetzt Museum); ferner eine Reihe herrschaftlicher Absteigequartiere, 1730/36 der Klinglin'sche Palast (jetzt Statthalterei), 1731 der Hanauische, später D a r m s t ä d t e r Hof (jetzt Rathaus), 1754/55 der Z w e i b r ü c k e r Hof (jetzt Generalkommando) u. s. w. Der einzige nennenswerthe Architekt der Zeit war Massol, dessen Thätigkeit in Strassburg (am Schloss. am Rathhaus, an der Münstersakristei und einigen Privatbauten) bis etwa 1750 zu verfolgen ist; er arbeitete jedoch theilweise (z.B. beim Schloss; nach fremden Plänen. - Es folgte dann wieder eine stille Zeit auf dem Gebiete des Bauwesens. 1804- 21 entstand das Theater, 1806 das O r a n g e r i e g e b ä u d e, 1856 die B a n q u e de France (jetzt Reichsbank), 1864 die Ecole de m6decine (jetzt Stadtarchiv). Nach dem Jahre 1870 jedoch entfaltete sich eine Bauthätigkeit, welche die aller andern Perioden übertraf. Zunächst handelte es sich nur u m die Wiederherstellung der durch die Beschiessung zerstörten Gebäude; dann aber wurde die Universität mit ihren zahlreichen, sämmtlich monumental gehaltenen Gebäuden 1874 begonnen, der neue B a h n h o f und das G e neraldirektionsgebäude der Eisenbahnen (1884), der Kai s er p alast (1886), das L a n d e s a u sschussge-b ä u d e (1893), die Universitäts- und Landes-Bib- 1 iothek (1895), das Bezirksarchiv (1896), das Gerichtsg e b ä u d e (1898), das O b er po s t direkt i o n sgeb ä u d e (1*99) und das Ministeriumsgebäude (1902) ausgeführt. Dazu kommen einige Kirchen, die N e u e Jung-St. Peterkirche (1893), Garnisonkirchen beider Konfessionen (1897 und 1899) und die neue S y n a g o g e (1898), mehrere S c h u l g e b ä u d e , die Oberrealschule (1890), die K unst-hand w e r k erschule und die D r a c h e n s c h u l e (1893), das L e h r e r s e m i n a r (1897), die Technische Schule (1897) und die H ö h e r e M ä d c h e n s c h u l e (1902), meist in den reichen Formen der spätem Renaissance, und schliesslich eine grosse Anzahl von Privatgebäuden, die als architektonische Kunstwerke betrachtet werden wollen und können. Wie es scheint, ist diese Bauperiode noch nicht abgeschlossen. Die mittelalterliche Plastik hat a m Münster eine grosse Anzahl von Werken geschaffen, unter denen die Darstellungen des J u d e n t h u m s und des Christen t h u m s am Uhrportal die höchste Stelle einnehmen. D e m Namen nach ist uns eine Bildhauerin Savina, durch ein Missverständniss zu einer Tochter Erwins gemacht, bekannt. Die vorzüglichen Grabplatten von zwei Grafen von Werd in der Wilhelmer-kirche rühren von Wölfelin von Ruf ach if 1355) her. Ein ausgezeichnetes Werk ist auch die 1487 nach einem Entwurf des Münsterbaumeisters Hans Hammerer hergestellte Kanzel des Münsters. In derselben Zeit schuf der bedeutendste Bildhauer jener Zeit, Nikolas Gerhaert von Leien zwei Büsten an der alten Pfalz, angeblich Jakob von Lichtenberg und seine schöne Bärbel, die beide nur noch in Gips vorhanden sind. - Durch einen Zufall beherbergt die Thomaskirche das bedeutendste Kunstwerk der französischen Barockplastik, das Grabmal des Marschalls Moritz von Sachsen von Pigalle. - Von den neuen Künstlern m a g Grass (1801 - 1876) genannt werden, der sich um die Wiederherstellung der durch die französische Revolution zerstörten Bildwerke am Münster wohl verdient gemacht und dem seine Vaterstadt für die Standbilder von G u t e n berg (1830/36) und L e z ay -M arnesia (1856) zu Dank ver- |