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Show Mülhausen. 723 Dampf-Pferdekräfte. Müller & Vogel, Bürsten- und Pinsel-fabrik, ca. 20 Arbeiter, 4 Pferdekräfte. J. Labiche, Gummiraffinerie, ca. 25 Arbeiter, 16 Dampf-Pferdekräfte. K. De-germann, Bierbrauerei und Eisfabrik, ca. 2.5 Arbeiter, 32 Dampf-Pferdekräfte. E. Cusenier fils aine" & Cie., Grande Distillerie (Hauptgeschäft in Paris), ca. 30 Arbeiter. Dampfwaschanstalt J. Kopinsky, 10 Pferdekräftc, ca. 30 Arbeiter. E. Gysperger, Baugeschäft, ca.200 Arbeiter. Gebr. Burtschell, Baugeschäft, ca. 100 Arbeiter. Jess-Tscheiller, Baugeschäft, ca. 100 Arbeiter. Jos. Wunnenburger, Gipserei, ca. 50 Arbeiter. Hausschatz-Druckerei, ca. 15 Arbeiter, 15 Pferdekräfte. Joh. Schott, Walzenstecherei, 10 Dampf-Pferdekräfte, 56 Arbeiter. Alf. Favre, Blumenzeichner, ca. 30 Arbeiter. Ferd. Schaub, Blumenzeichner, ca. 60 Arbeiter. - Elektrische Strassenbeleuchtung (z. Th.). - H a n d e l : Steinkohlen, Brenn- und Sägeholz, Metall, Salz, Getreide, Oel. Taback, Mehl, Wein, Branntwein, Bier, Senf, Bettfedern, Häute, Gewebe, Papier, Kramwaaren. 13 Buchhandlungen, davon seit 1871 4. Strassenbahn der Aktien-Gesellschaft Tram-way Mülhausen : Strecke Mülhausen (Bhf.) - Dornach - Dollerbrücke - Schloss Pfastatt (12,427 km), eröffnet 1882 (doch ist der Personenverkehr auf der Strecke Dornach - Dollerbrücke erst 1893 eröffnet worden). Durch Verordnung vom 23. Febr. 1899 ist die Gesellschaft zum Bau und Betriebe einer Strassenbahn von Mülhausen (Basler T h o n nach Brunstatt ermächtigt worden. Gas (s. 1884). Ein 2. Hafenbassin 1878 eröffnet. Lagerhalle des land wirthschaft-liehen Kreisvereins Mülhausen. A m 1. Dienstag jeden Monats Viehmarkt, im Aug. 22 Tage Messe. - Zeitungen: Mülhauser und Elsässer Anzeiger (kleine Ausgabe vom Express), o mal wöchentlich. Express, 0 mal wöchentlich. Obereis. Lchrerzeitung, 2 mal monatlich. Els.-Lothr. Hausschatz, 1 mal wöchentlich. Oberelsässische Landes-Zeitung, 6 mal wöchentlich. Amtl. Nachrichten für den Kreis Mülhausen, erscheinen nach Bedürfniss. Mülhauser Tagblatt, 6 mal wöchentlich. Wegweiser für Weinkäufer, 1 mal wöchentlich. Mülhauser Wohnungs- und Geschäftsanzeiger, 1 mal wöchentlich. Neue Mülhauser Zeitung, o mal wöchentlich. Zeitschriften: Bethsai'da (Bethsai'de), 1 mal monatlich. Bulletin de la Soc. industr. de M., dgl. E. T. M. Mittheilunge üs'm Elsasser Theater Milhüse, dgl. Geschichte. I. A e u s s e r e Geschichte. Mülhausen wird zum ersten Male erwähnt in einer Urkunde Ludwigs des Frommen, der 823 die Besitzungen und Rechte bestätigt, welche die Abtei Masmünster seit ihrem Gründer Mason 720 auch in Mülhausen gehabt habe. Später hat dann M. zur Frauenabtei von St. Stephan in Strassburg gehört und k a m mit den anderen Besitzungen dieses Klosters an den Bischof daselbst. Aber im 13. Jhdt. entstand zwischen Kaiser und Bischof ein heftiger Streit u m die Besitzrechte in M. Die Anwesenheit Kaiser Barbarossas, 1153 und 1186, sowie die ausdrückliche Erwähnung eines Allods, beweist, dass die Staufer in M. nicht unbedeutende Rechte und Besitzungen hatten, über deren Herkunft und Ausdehnung jedoch nichts überliefert ist. Der Besitzstreit nun, über den die Urkunden von 1221 ab berichten, wurde 123b durch Vertrag dahin entschieden. dass der Bischof den Kaiser Friedrich IL mit M. belehnte. Bald darauf aber, sei es infolge des Bannes des Kaisers Friedrich IL 1245 oder des Todes des Kaisers Konrad IV. 1254, machte der Bischof seine alten Rechte wieder geltend. Von einer festen Burg aus übte sein Vogt eine strenge Herrschaft. Jedoch nur ungern ertrug die Stadt, die wegen ihrer Befestigung durch Zuzug von auswärts täglich an Bedeutung gewann, den für sie nachtheiligen Wechsel. Sie rief den Landgrafen Rudolf von Habsburg herbei, der ja zu solchen Unternehmungen stets bereit war, dann aber auch im Jahre 1253 von Kaiser Konrad mit dem Zehnten in M. belehnt worden war. Mit seiner Hülfe eroberten und zerstörten die Bürger 1261 nach 3monatlicher Belagerung die bischöfliche Vogteiburg und erkannten Rudolf als ihren Herrn an. Vergeblich waren nun die Anstrengungen des kriegerischen Bischofs Heinrich von Geroldseck; nicht der Kirchenbann, I der 1265 unter Vermittelung des Bischofs von Basel, zu , dessen Sprengel M. gehörte, über die Stadt verhängt wurde, i noch der Angriff mit Waffen 1271 hatte Erfolg: die Stadt, I die schon 1268 oppidum imperiale genannt wird, behauptete ( ihre Unabhängigkeit. Der Gunst ihres zum Kaiser erwählten Befreiers verdankte sie 1275 die eigene Gerichtsbarkeit und ! das Recht Lehen zu empfangen; als ihr dann 1293 Kaiser Adolf von Nassau ein Stadtrecht verlieh, wurde das wohl schon seit Kaiser Rudolfs Zeiten nicht mehr wirksame Verhältnis zum strassburger Bischof auch rechtlich gelöst. Treu steht von jetzt ab M. als freie Reichsstadt zum Kaiser und deutlich spiegelt sich in dem kleinen Gemeinwesen das Schicksal des jeweiligen Reichsoberhauptes ab. Geräth der Herrscher in Geldnoth, so verpfändet er das einträgliche Schultheissenamt, zum Schaden der Stadt, an einen benachbarten Adeligen; erschallt der alte Ruf: <Hie Weif, hie Waiblingen!' so finden wir M. stets auf Seiten der Kaiserlichen, wofür die Stadt unter König Ludwig dem Baiern zum zweiten Male mit dem Banne belegt wurde. Zwar verdiente sie sich durch ihre Reichstreue die kaiserliche Huld und 1347 das Recht, einen Bürgermeister zu wählen, aber es ist andererseits nicht zu verkennen, dass dies Verhältnis der Stadt viele Verwickelungen und Nachtheile mit sich brachte. Seitdem die Habsburger nicht mehr die Krone trugen, also seit 1308, fehlte für sie ein hinreichender Grund für die unabhängige Reichsstadt einzutreten; im Gegentheil, es zeigt sich überall das Bestreben, M. zum Anschluss an die vorderösterreichischen Länder zu veranlassen ; waren doch die adeligen Bürger, wie die von Illzach, von Dornach, zum Thor und andere, zugleich habsburgische Lehnsträger. Je mehr nun das zunftmässige Bürgerthum erstarkte, desto heftiger wurden die Kämpfe mit dem Adel in der Stadt und Nachbarschaft; der Adel hatte dabei einen Rückhalt an Habsburg. Mochten die tapferen Bürger noch so glänzend die Angriffe von ihren Mauern zurückschlagen, wie 1389 den nächtlichen Ueberfall Martin Malterers, der Feind zog sich auf das nahe österreichische Gebiet zurück und die Mülhauser durften nicht folgen. Auch die anderen elsässischen Reichsstädte, mit denen M. seit 1333 gemeinsam handelte und 1354 den Bund der zehn Städte einging, gewährten der weit abgelegenen Genossin nur schwache Unterstützung ; als dann auch 1385 der Anschluss an den schwäbischen Städtebund unfruchtbar blieb, da sah sich M. 1398 doch gezwungen, den Schutz des ländergierigen Nachbarn nachzusuchen. Damit war die Gefahr, die Reichsfreiheit zu verlieren, bedenklich nahe gerückt, aber sie wuchs noch bedeutend, als 143S die Krone dauernd an Oesterreich kam: verlor das Reich die Stadt, so gewann Habsburg. Auch für M. wäre es ein Gewinn gewesen, wenn sich die stolzen Bürger hätten ent-schliessen können, auf den ehrenvollen aber theuren Namen einer freien [Reichsstadt zu verzichten, aber «den Kaiser wollten sie, u m keinen Herrn zu haben» und so standen sie allein, als gegen die Stadt, deren Wohlstand durch die Vertreibung des Adels 1449 bedeutend zurückgegangen war, ein äusserst gefährlicher Krieg ausbrach, an dem nicht nur die cchon lange feindselig gesinnten Adeligen, wie die Hat-mannsdörfer, zu Rhein, Berwart, Helfenstein u. a. theilnah-men, in den auch die ganze österreichische Nachbarschaft | bis Breisach und Freiburg hineingezogen wurde. Der Opfer-muth der Bürgerschaft während dieses 4 jährigen <Sechs- Plappert-Krieges» zeigt uns, wie hoch sie ihreReichsunmittel-barkeit schätzte; denn sowohl der österreichische Landvogt Thüring von Hallwyl, wie später Peter von Hagenbach, waren gerne bereit, die Stadt aus ihrer fürchterlichen Lage und Noth zu befreien aber lieber wandten sich die Bürger an ferne Kantone der Schweiz, die zwar nicht so schnell j und wirksam eingreifen konnten, deren Herrschaftsgelüste I man aber nicht zn fürchten hatte. Anlass und Hauptereig- |