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Show 858 Rappoltstein, Rappoltstein, Burgen U.Herrschaft (Gde., Ka. u. Kr. Rappoltsweiler. O.-E. , Rapoltstein 1022, Rapoldestein 1084, Rapoldistein 1137, Rapoltistein und Rabolte-stein 121'», R a h o 1 d i s t ein 1220, später gew. Rapoltz-stein oder Rappoltzstein u. ä.; franz. R a b a p i e r re und R e m b a p i e r r e 1219, R a b b a p i e r r e 1274 Rabal-pierre 1361, R a b a u p i ere und Ribautpierre 1396, später gew. Ribaupierre (nur selten Ri b eaupierre); lat. R egnib aldi p e t r a 1038 11326), R a bal d i p e t r a 1288. A.Burgen. 1. G r ossr a p p o ltstein oder St. Ulr i c h. Castrum R. 1084 und 1114; castrum R. in volgari die Nider bürg 1371; Gross R. 1368 und 1420, die grosse bürg R. 1373, Grossen R. 1384, die Grosse R. die vesti 1400, die grosse veste R. 1419; sant Virich 1477. - Die grösste und älteste der drei Burgen, eigentlicher Stammsitz der Herren von R., vermuthlich im 11. Jhdt. auf römischen Fundamenten erbaut, durch Smassmann I. von R. erweitert; Einweihung der Schlosskapelle des hl. Ulrich 1435; hatte noch im dreissigjährigen Kriege eine Besatzung. - Baseler Stiftslehen. König Rudolf I. übernachtete hier am 27, Oktober 12*1. Belagert im Mai 12*7 durch Hartmann von Baldeck auf Geheiss des Königs Rudolf L, sodann im Juni durch den König selbst. Gegen Ende des 15. und zu Anfang des 16. Jhdts. büsste daselbst Kunigunde von Gielsberg, die Mörderin ihres Gatten Wilhelm von Hungerstein (gest. 1487), ihre Unthat mit lebenslänglichem Gefängniss. Burgvogt Juncker Johann Dietrich gest. 1638 Oktober 29. («vogt v. Ober-Castell»); letzter Burgvogt Jacob vff der bruckhen (wann?) - Als gesch. D k m . zur Erhaltung bestimmt. - Dietrich, J., L a chapelle du chäteau de St.-U. (Rev. d'Als. 2 ser., 1, 1860, S. 413-420'. Winkler, C, Bautechnische Beschreibung der Burgruine St. Ulrichsburg* bei Rappoltsweiler. Mitth. a. d. Vog.-Club 28, 1895, S. 29-37.) [Aus der süddtsch. Bauzeitung.] 2. H o h r a p p o l t stein oder Altenkastei. Alten Cas-tele 1262, Altenkasten 1298, auch 1341 u. ö., Altenkastei und Altenkasteln 1341, castrum R. superius in volgari Altenkastei 1371; Hohen R. 1341, die bürg Hohe R. 1373, die veste die Hohe R. 13S6, Hoch R. 1419. Die am höchsten gelegi ne der drei Burgen, vermuthlich im Anfang des 13. Jhdts. erbaut ( vgl. die jungherren von Alten Castele 1262, An-selmus de Rabaldi petra de alto et de basso 1288), im dreissigjährigen Kriege verlassen. Oberlehensherrlichkeit /wischen dem Baseler und dem Bamberger Stift streitig. Bruno I. von der Hohen R. gewährte dem franz. Könige Karl VI. das Oeffnungsrecht daselbst 1386, Ulrich VIII. von R. überliess 1423 das Schirmrecht an den Markgrafen Bernhard I. von Baden, von dem es 1425 an den Herzog Karl IL von Lothringen kam; erst nach 1431 gelangte Smassmann I. von R. wieder in den Besitz. Nach der Burg nannten sich die Edelknechte von Altenkastei, vermuthlich Rappoltsteinische Burgmannen (nachzuweisen 1254 bis etwa 1436). Gefängniss des englischen Ritters John Harleston 1384-13^7, des bei Nancy gefangenen Philipp von Croy, Grafen von Chimay 1477 dl. Januar bis 18. Mai , des Sebastian von R., eines ungerathenen Sohnes von Wilhelm I. (schon vor 1498 eingekerkert). - Als gesch. D k m . zur Erhaltung bestimmt. 3. Stein, später Girsberg. Der Stein 1288, 1316, 1373, 1 :'v der Stein seu Lapis 1304; der Stein die bürg, genant l ,\ rssberg 1401; Giersperg und Gyrsperg 1422; Klein-Rappolt-stein, das man nempt Girsperg 145*. Die kleinste und am niedrigsten gelegene der drei Burgen, vermuthlich im 13. Jhdt. erbaut und im lo. Jhdt. verlassen (Hcrman Banwiler Burgvogt 1513). Sie wurde 1288 durch Blitzschlag beschädigt. Eigenbesitz der Herren von R. bis 1304. Heinrich IV. von R. vertauschte sie 1304 gegen die Burg Girsberg im Münsterthal an die Herren von Girsberg, die sich im Jahr 1316 verpflichteten, die Burg für 150 Mark Silbers an die Herrschaft R zu verkaufen. Dieser Verkauf muss bald darauf erfolgt sein, denn Hol erhielt Dietrich von Girsberg sie in gleicher Weise- wie seine Vorfahren von Smassmann I. von R. zu Lehen: ob später eine Weiterbclehnung erfolgte, ist fraglich. - Als gesch. D k m . zur Erhaltung bestimmt. B. Herrschaft. - Die zum grüssten Theile aus dem Egisheimer Erbe stammende Herrschaft war ursprünglich - vielleicht mit Ausnahme der Burg Gross-R. und einer Hälfte von Rappoltsweiler - freier Eigenbesitz der Herren von R.: ohne irgend einen Lehensherren zu nennen oder auszunehmen, verpflichtete sich Anselm I. von R. 1219 mit seinen Burgen und allen seinen Leuten dem Herzog Theobald I. von Lothringen gegen Jedermann beizustehen, und für den Fall, dass sein Bruder Egenolf II. nach s.einer Rückkehr aus Palästina, diesem Vertrage nicht beitreten würde, versprach er, Land, Leute und Burgen mit jenem zu theilen und für den ihm selbst zufallenden Antheil dem Herzoge zu helfen. - Der ursprüngliche Umfang der Herrschaft lässt sich aus Mangel an urkundlichem Material nicht bestimmen, doch spricht alles dafür, dass die Haupttheile schon um die Mitte des lS.Jhdts. vereinigt waren. Es sind folgende: 1. Burg Rappoltstein und Dorf (später Stadt) Rappoltsweiler. 11o2 gab Kaiser Friedrich I. der Baseler Kirche das ihr durch Heinrich IV. 1084 geschenkte und durch Heinrich V. 1114 wieder entzogene castrum Rapolstein zurück, und zwar cum medietate subiacentis ville Rapolswilre et omnibus aliis pertinentiis suis. Die bisherigen Inhaber der Burg (Lehenmannen oder Burggrafen?), die nach ihr benannten Herren von R. (dominus Reginboldus de R. 1022; Regnibal-dus de Regnibaldi petra 1038), waren kurz vorher im Mannesstamm erloschen (1157). Ihr Erbe war Egenolf von Urslingen, Gemahl der Erbtochter E m m a von R. und durch sie Stammvater einer Jüngern Rappoltsteiner Linie. Seine Nachkommen, die sich wieder Herren von R.» nennen, sollen etwa hundert Jahre nach der erwähnten Uebertra-gung dem Baseler Bisthum vil ihrer eige-nthumhlichcn gütter wie auch Rappolschweiler also vermuthlich die andere Hälfte des Orts) zu einem lehen vffgetragen>> und sich unter den Schirm der Bischöfe gestellt haben (1268'. 2. G e m a r . Allem Anschein nach war bis 1293 das Dorf Gemar (Unter-gemar) nebst den beiden Dinghöfen von Untergemar, dem Ober- und dem Niederhofe. Eigenbesitz der Herren von R.; später wird nur noch der Oberhof Izuletzt im Jahre 1369) als freies Eigen der Rappoltsteiner bezeichnet (s. Gemar, Stadt). 3. Dorf Heiteren. Eigenbesitz der Herren von R. seit alter Zeit iam 7. Juni 1 )14 wird urkundlich bezeugt, dass sie seit mehr denn vierzig Jahren Bannherren des Dorfes sindi, wurde es unter andern Eigengütern im Jahre 1507 der Abtei Murbach zu Lehen aufgetragen (Urkunde vom 6. April 1507). Herzlaude von R., yerwittwete Gräfin von Saarwerden, bezeichnet 1399 (Juli 26) Heiteren irrigerweise als österreichisches Lehen. 4. Burg und Herrschaft H o h e n a c k . Da diese 1241 im unbestrittenen Besitze der Herren von R. waren (Ulrich II. verhängte in Escheimer über einige Ucbelthäter die Todesstrafe, übte also die hohe Gerichtsbarkeit aus,), und da wir deutlich erkennen können. dass ausgedehnte Strecken Landes (Fraize, Plainfaing und Saulcy) in dem an die Herrschaft angrenzenden lothringischen Gebiete im Jahre 1219 den Rappoltsteinern gehörten (Anselm I. überliess dem Herzog Theobald I. von Lothringen die Hut von Saulcy), so liegt die Annahme nahe, dass Hohenack schon zu Ende des 12. Jhdts. in den Händen der nachmaligen Besitzer war, anfangs als freies Eigen (vgl. den oben erwähnten Bündnissvertrag von 1219', später als Plirter bezw. österreichisches Lehen (Urkunde vom 27. Oktober 1317 bezw. vom 2. August 134h). Eine Lehensauftragung seitens der Rappoltsteiner muss zwischen 1219 und 1250 erfolgt sein < 12.51 trug Graf Ulrich von Pfirt die Burg Hohenack dem Bischof von Strassburg zu Lehen auf; 1271 wird Hohenack unter denjenigen Schlössern und Ortschaften genannt, welche derselbe Graf von Plirt dem Bischof von |