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Show lo72 Strassburg. kl oster aufgehoben, dessen Einkünfte und Gebäulichkeiten dem 1538 errichteten protestantischen G y m n a s i u m zu gute kamen. Die 1540 durch die Strassburger vertriebenen Karthäuser konnten durch Vermittlung des Königs Franzi. von Frankreich noch einmal zurückkehren, mussten jedoch 1585 die Stadt endgiltig verlassen und zogen sich, nachdem sie von der Stadt entschädigt worden waren, 1600 nach .Molsheim zurück. Die Stiftsherren von St. T h o m a s traten last sämmtlich über, sodass es nach Absterben der letzten katholischen Mitglieder als protestantisches Stift fortbestand: mit den Stiftsstellen wurden späterhin meist die Professoren der 15o7 begründeten protestantischen A k a d e m i e versorgt. - Das Ergebnis der Veränderungen j lässt sich dahin zusammenfassen, dass 1540 in Strassburg nur katholisch geblieben waren das D o m k a p i t e l und die j Kapitel von Alt- und Jung- St. Peter, welche beide jedoch auswanderten, das 1371 gegründete J ohanneskloster im grünen Wörth, das Margarethen- und das M a g d a l e n e n - kloster, 6 Pfründen in Allerheiligen und die Häuser des Johanniter- und des deutschen Ordens. Die Protestanten verfügten bis 1681 mit einer gleich zu erwähnenden Unterbrechung über sä m m t liehe noch vorhandenen 7 Pfarrkirchen der Stadt, das Münster, Alt- und Jung- St. Peter, St. T h o m a s , St. Aurelien, St. N i k o l a u s und St. W i l h e l m . St A n d r e a s war geschlossen und St. Martin 1527 abgerissen worden, St. Stephan nur noch Stiftskirche. Das Interim von 1548 zwang den Rath 1550 den katholischen Gottesdienst im Münster, in Alt-und Jung- St. Peter und in Allerheiligen wiederherzustellen, während es ihm überlassen blieb, in den übrigen Kirchen den Kultus so zu regeln, wie er es vor dem Kaiser verantworten könne. 1551 siedelte die protestantische Münstergemeinde in die alte Dominikanerkirche - damals N e u e Kirche genannt - über. Der A u g s b u r g er Religionsfriede gab den Reichs-ständen. also auch den Reichsstädten, das jus reformandi; der Rath hielt jedoch den von ihm 1550 der katholischen Geistlichkeit auf 10 Jahre ausgestellten Schirmbrief aufrecht. 1559 erzwang ein Aufruhr das Aufhören des katholischen Gottesdienstes im Münster, seit 1561 wurde in ihm, in Alt-und Jung-St. Peter wieder protestantisch gepredigt, auch Allerheiligen wieder paritätisch verwaltet. 1567 wurde, wie erwähnt, eine protestantische A k a d e m i e begründet, die 1621 von Kaiser Ferdinand II. zu einer mit allen Vorrechten ausgestatteten Universität erweitert wurde. - Der bischöfliche Krieg (1592-1604) führte zu einer Theilung der Kapiteleinkünfte zwischen den katholischen und den protestantischen Domherren und vermehrte noch die Rechte des Raths, der beispielsweise jetzt das Patronat des Stephansklosters und des kleinen Phynenspitals zugewiesen erhielt. Dieser Besitzstand der protestantischen Kirche war im Normaljahr lo24 in Geltung, und wenn auch j zur Zeit des Restitutionsedikts (1629) unter andern die Domherren und die Dominikaner mit verschiedenen Forderungen hervortraten, so wurde derselbe durch den Westfälischen | Frieden nicht verändert. - In dem inneren kirchlichen Leben des Strassburger Protestantismus trat u m die Mitte des lo. Jhdts. eine Wendung ein. Herrschte zur Zeit der Begründer der Reformation in der Stadt, der Hedio, Ca-pito, Bucer, Jakob Sturm, eine weitgehende Duldung gegen Andersgläubige, so trat in der Person des Lindauers M a r b a c h , der seit 1552 Vorsitzender des Conventus eccle-siasticus war, und seines Landsmannes P a p p u s die unduldsame lutherische Orthodoxie auf den Plan, der es 1581 gelang, die Absetzung des greisen Leiters der Akademie und des Gymnasiums, J o h a n n Sturm, durchzusetzen. Seitdem gab es für die herrschende Partei keine Opposition mehr, ihre Herrschaft war für das kommende Jahrhundert gesichert. - Eine wesentliche Veränderung der konfessionellen Verhältnisse trat erst 1681 ein. Die Kapitulation gewährleistete in Art. 3 die freie Religionsübung in allen Kirchen und Schulen der Stadt und den Besitz aller geistlichen Güter und setzte nur das ausschliessliche Benutzungsrecht des Münsters, dessen Laurcntiuskapelle wieder katholische Pfarrkirche wurde, für die Katholiken fest (le corps de l'Eglise de Notre D a m e sera rendu aux catholiques), während die protestantische Münstergemeinde wieder in die «Neue Kirche übersiedelte; aber Ludwigs XIV. Kirchenpolitik, die gerade damals die Aufhebung des Edikts von Nantes im Auge hatte, musste auch in Strassburg darauf gerichtet sein, dem Katholizismus womöglich wieder die herrschende Stellung zu verschaffen. Die 8 bisher von Protestanten genossenen Stellen im D o m k a p i t e l dessen katholische Mitglieder 1605-1681 ihren Sitz in Molsheim gehabt hatten, wurden nun sämmtlich wieder mit Katholiken und zwar aus dem französischen hohen Adel besetzt, während die übrigen 16 dem deutschen hohen Adel verblieben. 1632 wurden Jesuiten zur Leitung des wieder errichteten Seminars nach Strassburg berufen, 1685 ein Kollegium von ihnen begründet und mit Gütern der Probstei Selz zum Zweck der Errichtung von Professuren für kanonisches Recht, Mathematik, deutsche und französische Sprache ausgestattet. 1682 mussten den ausgewanderten Kapiteln von Alt- und Jung- St. Peter die durch eine Mauer von dem Schiff zu trennenden Chöre ihrer Kirchen zurückgegeben werden; in der neugebauten Citadelle Hessen sich Franziskaner zur Seelsorge für die französische Besatzung nieder; sie siedelten 1746 in die Regenbogengasse über. 1682 'kehrten auch die Antoniter zurück und erhielten 1702 die Seelsorge des Stephansklosters, in welchem die protestantischen Stiftsdamen (deren letzte, E va v. Fürdenheim, 1694 gestorben war' 1700 durch die schon seit 1683 in Strassburg wohnenden Schwestern der H e i m s u c h u n g , die eine adlige Mädchenschule errichtet hatten, ersetzt worden waren. 1684 wurde ein grosses K a p u z i n e r kl oster bei dem Militär-lazaret, 1686 eine katholische Kirche - die heutige Joh a n n e s k i r c h e - im früheren Kloster St. M a r x begründet und 12 Priestern vom Orden des hl. Johannes von Malta, ferner 1687 die alte Kirche des Frauenbrüderklosters als L u d w i g s k i r c h e 6 Augustinerchorherren übergeben. Im gleichen Jahre wurde die «Alternative» eingeführt, die, wie oben erwähnt, den Charakter des Stadtregiments vollständig veränderte. 1702 trat als o. katholische Pfarrkirche neben die nunmehr vorhandenen - St. L o r e n z im Münster, Alt- St. Peter, Jung-St. Peter, St. M a r x (= St. Johann), St. L u d w i g - die St. Stephanskirche, und schliesslich wurde durch lettres patentes vom November 1701 und vom Februar 1702 die lol7 zu Molsheim begründete katholische A k a d e m i e nach Strassburg verlegt und mit dem Jesuitenkollegium vereinigt. Zu diesen Kirchen und Anstalten sind im Laufe des 18. Jhdts. noch einige wenige getreten, wie z. B. 1725 die Johanniterkomthurei und 1738 ein kleines Kapuzinerkloster; im ganzen war aber die Einrichtung des Katholizismus in Strassburg schon im Beginn des 18. Jhdts. vollendet. Auch durch die Persönlichkeit der Bischöfe wurde dafür gesorgt, dass der Katholizismus mit der geziemenden Pracht auftreten konnte; von 1704-1792 sassen 4 Prinzen aus dem glänzenden Hause R o h a n auf dem Bischofstuhl. Der erste derselben baute das prächtige Schloss, und seinem Beispiele folgten die Würdenträger des Kapitels und die elsässischen Klöster, die sich stattliche Absteigequartiere in der Stadt errichteten. - Die alteingesessene Bürgerschaft hielt im ganzen an ihrem lutherischen Glauben fest, während die Zahl der Katholiken allmählich so zunahm, dass sie die der Protestanten überholte, wie aus folgenden Zahlen, die natürlich nur annähernd richtig sind, hervorgeht. Nach Abbe Grandidier befanden sich 1681 nur 2 katholische Familien in Strassburg, 1697 dagegen zählte man 5119 Katholiken gegen 21362 Protestanten, 1726 10480 gegen 24341, 1770 etwa 21880 gegen 21200, 1778 23690 gegen 20150 Lutheraner und 1500 Kalvinisten; in die letzteren |