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Show 742 Murbach. Von Friedrich IL wird Abt Hugo von Rothenburg, der den Kaiser auf dem Kreuzzuge begleitete, in einer zu Akkon (1998) ausgestellten Urkunde princeps noster genannt. Der \bt gehörte also dem Reichsfürstenstande an. M. stand mit Fulda, Weissenburg und Kempten allen deutschen Klöstern an Range voran. Nach seiner Rückkehr hatte Abt Hugo Kämpfe mit den Pfirter und Mümpclgarter Grafen zu bestehen, bei denen es sich u m Dattenried (Delle) und das St Amarinthal handelte; ersteres ging dem Kloster verloren letzteres aber wurde behauptet. Abt Theobald v. Faucolgnv 1244-60 wusste das Kloster auch von der Gewalt der" Habsburger zu befreien, die seit dem 12. Jhdt. oder noch länger Vögte M.'s und Luzerns waren. 1259 verzichteten sie darauf, wohl gegen eine Geldablindung und Ueberlassung der zwischen den habsburgischen Besitzungen zerstreut liegenden Güter. Die beiden Thäler der Thur und Lauch bilden die Hauptmasse des Murbacher Fürstentums. Unter Berthold von Steinbrunn gingM. zurück. Er war Bundesgenosse des Strassburger Bischofs im unglücklichen bellum Walteriamum, hatte mit den Mümpelgartern Händel; unter ihm wurde Gebweiler ummauert und eine Anzahl fester Schlösser angelegt; doch gerieth dadurch das Kloster in Schulden. Sein Nachfolger verkaufte die Hoheitsrechte in Luzern an die Habsburger 1291 für 2000 M. und die Dörfer Isenheim, Rädersheim, Merxheim, Ostheim und Hergheim am Ausgang des Gebweiler Thaies. Auch im folgenden Thdt ging M. zurück ; Heimsbrunn und Lutterbach wurden an Kloster Lützel verkauft. 1354 war Karl IV. in M. Seit dem 13. Jhdt. war M. ein adliches Kloster, das religiöse Leben ging zurück, im 15. Jhdt. hörte das gemeinsame Leben auf. - Abt Bartholomäus von Andlau 1447-76 zeichnete sich durch Fürsorge für die geistigen und materiellen Interessen seines Gotteshauses aus. Unter ihm wurde der Bibliotheks-Katalog angelegt, die Beschreibung der Wandteppiche verfasst, der Codex mit den Murbacher Hymnen (s. u.) renoviert. Er hatte auch der Stadt Gebweiler gegenüber grössere Gewalt als seine Vorgänger. Er starb auf Schloss Hugstein 147b. Unter ihm hörte auch die kirchenrechtliche Verbindung mit Luzern gänzlich auf. 145b - 1525 wurde das Kloster durch die aufrührerischen Bauern geplündert. Gegen Luthers Lehre behauptete sich M. durch Anlehnung an das Haus Oesterreich, mit dem 153b ein Vertrag geschlossen wurde, wonach M. sich verpflichtete, an der Landesverteidigung Theil zu nehmen, den 20. Theil der ritterschaftlichen Steuer zu zahlen; auch wurde es gegenüber der Reichskasse durch das Haus Oesterreich vertreten. Doch -.lang es den Habsburgern nicht, Murbach zur österreichischen Landstandschaft zu bringen: es behielt seine Reichsunmittelbarkeit. Seit dem 14. Jhdt. waren die Murbacher Fürsten zugleich Aebte des burgundischen Klosters Luders (Lure), 1560 wurden durch Pius IV. die beiden Klöster für immer vereinigt. Durch Karl V. erhielt M. 1514 das Münzrecht, das es bis 1679 behielt. Es besass Silberbergwerke, die im 15. und Ib. Jhdt. ergiebig waren, auch Eisenwerke im Amarinthal. 1542 beim Tode des Abtes Georg v. Masmünster machte der Kommandaturabt von Hugshofen, Heinrich v. Jestetten, einen vergeblichen Versuch, sich mit Gewalt Murbachs zu bemächtigen. 1587 verzichtete Wolfgang Dietrich von Raitnau, der Erzbischof von Salzburg wurde, zu Gunsten des Kardinals Andreas von Oesterreich, der ein Sohn Erzherzog Ferdinands IL von Tirol und der Phil. Welser war. Er residierte häufig in M. und Gebweiler, stürzte aber das Kloster in Schulden. Er starb 1600. Sein Nachfolger Joh. Georg von Kalkenriedt, legte 1014 zu Gunsten des Erzherzogs Leopold, der auch Administrator des Bisthums Strassburg war, seine Abtswürde nieder. Im folgenden Jahre trat M. der Schweizer Benediktinerkongregation bei, die eine etwas strengere Lebensführung einzurichten suchte. Nach Leopolds Verheirathung folgte dessen Nachfolger im Bisthum Strassburg, Leopold Wilhelm, Kaiser Ferdinand IL Sohn. Im dreissigjährigen Kriege hatte M. wie das ganze Elsass, schwer zu leiden. 1662 wählten die Murbacher den Columban v. Andlau; er wurde aber von dem Fürstenbergischen Bischof v. Strassburg Franz Egon verdrängt und mit Häsingen abgefunden. Ihm folgte FelixEgon v. Lichtenberg bis 168b. Darauf wurde Phil. Eberhard Fürst v. Löwenstein durch den franz. Hof eingesetzt (t 1/20). Cöle-stin Beroldingen, der sein Koadjutor gewesen war. folgte ihm 1736 verzichtete er zu Gunsten des späteren Kardinals Armand v. Rohan, der Koadjutor von Strassburg war, 1749 Bischof wurde und 175b starb. Sein Nachfolger Leodegar von Rathsamhausen war der letzte Abt. Obgleich im westfälischen Frieden Ms. weitere Zugehörigkeit zum deutschen Reiche ausdrücklich festgesetzt war, ging es doch allmählich an Frankreich über. 1664 schloss Columban v. Andlau einen Vertrag mit Ludwig XIV., wonach Frankreich an die Stelle des Hauses Oesterreich in dem Vertrage von 1536 eintrat. 1703 wurde die Appellation von Murbacher Unterthanen nach Murbach verboten. Zwar hat noch im Anfang des 18 Jhdts der Abt sich auf dem Reichstag von Regensburg vertreten lassen. 1729 hat M. noch einen Beitrag für Bauten am Reichskammergericht zu Wetzlar geleistet. Seit den Rohans hört aber der Zusammenhang mit dem Reich auf. 1759 mahnte Kaiser Franz I. vergeblich zur Bezahlung der für 30 Römermonate fälligen Schuld von 4400 Gulden für die Reichsexekution gegen Preussen. - In demselben Jahre begannen die Mönche die Umwandlung des Klosters in ein weltlich-adliges Ritterstift in R o m und Versailles zu betreiben. 17b4 kam die Erlaubniss. Der Sitz des neuen Ordens war in Gebweiler, w o die neuen Pfründenhäuser sammt der Kirche erbaut werden sollten. Insigne collegiale equestrale de Murbach war der neue Name. Der letzte Abt gab wie die Mönche, seinen Klosternamen auf und hiess v o n nun an Kasimir Friedrich Fürstabt von Murbach. In kirchlicher Hinsicht trat das Gebiet von M. damals unter das Bisthum Basel. 1785 wurde die herrliche, von Ritter erbaute, Kirche des hl. Leodegarius geweiht (vgl. Gebweiler). Ein Tahr darauf starb der Fürstabt; ihm folgte Benedikt von Andlau-Homburg. Ein Aufruhr der Bevölkerung infolge des Pariser Bastillesturms machte a m 26. und 2/. Juli 1/S9 der Murbacher Herrlichkeit ein Ende. Fürstabt und Kapitulare verliessen die neuerbauten Sitze in Gebweiler, die erst ge plündert, dann für Staatseigenthum erklärt wurden. Das Archiv retteten die Kapitulare Konrad Reutner v. Weil und Leopold v. Gohr nach Neubreisach, von w o es später ins Bezirksarchiv nach Colmar kam. Der letzte Fürstabt starb als Kononikus von Eichstätt 1837. - Murbachs Besitzungen umfassten im Tahre lb4S die Vogteien Gebweiler, Wattweiler, Si. \marin und eine Menge Lehen; ferner Häsingen im Kanton Hüningen. Von den Klosterbauten (gesch. Dkrn.i in Murbach, die grösstentheils 1789 zerstört wurden, ist der Osttheil (Querhaus, beide Thürme und Chor) der aus dem 12. Ihdi. stammenden grossartigen romanichen Kirche erhalten" (um 1765 als Pfarrkirche eingerichtet); das Langhaus lag schon im 18. Jhdt. in Trümmern. Alte Friese mit Hautreliefs a. d. 8.-9. Jhdt. sind 1S92 von Winkler, als Dohlendeckel verwendet, entdeckt worden und befinden sich im Schongauer Museum zu Colmar. In der Kirche befinden sich alte Grabmale a. d. 10. Jhdt. und aus frühgothischer Zeit (13. - 14. Jhdt.). Vor der Kirche Reste von frühromanischen Säulen und deren Basen. Im Wirthshause Reste eines romanischen Baues. In der Nähe noch die Funda-menti und ein Querpfeiler von einer Kapelle des W, Xvstus, die früher als Pfarrkirche gedient haben soll, aber schon Ende des 17. Jhdts. in Trümmern lag. Zu derselben Zeit sollen auch noch 2 Muttergotteskapellen bestanden haben, von denen heute aber nichts mehr bekannt ist. Lieber die Lorettokapelle und den Corneliberg s.o. und Corneliberg. - Die Wissenschaft verdankt den M"r' bacher Mönchen die Erhaltung der röm. Geschichte de> |