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Show Odilienberg. Schwaben schwer beschädigt - Oberehnheim und Rosheim wurden dem Kloster von Friedrich entrissen und die Stiftsgebäude selbst fast zerstört - trat das Kloster unmittelbar darauf durch die Fürsorge Kaiser Friedrichs 1., der (wie alle Herzöge im EKiss die Vogtei über Hohenburg inne hatte, in die Zeit seiner höchsten Blüthe. Friedrich liess die zerstörten Gebäude wieder herstellen und berief zur Reorganisation des Klosters seine Verwandte Relind aus Kloster Berg Bisthum Eichstädt zur Aebtissin von Hohenburg. Das von Relind begonnene Erneuerungswerk setzte ihre Nachfolgerin, die berühmte Herrad von Landsberg 11167 - ca 1195 , aufs glücklichste fort. Herrads Zeit war die materielle und geistige Blüthezeit des Stiftes. Bedeutende Schenkungen flössen ihm zu; die Aebtissin gründete ganz in der Nähe von Hohenburg zwei neue klösterliche Niederlassungen, die Priorate St. Gorgon (s. d.) 1178, und Truttenhausen s, d. , 1180 und verpflichtete deren Insassen zu gottesdienstlichen Handlungen im Stift. A m bekanntesten ist aber Herrad geworden durch den von ihr verfassten sogenannten Hortus deliciarum, einen Folioband von 648 Blättern mit sehr vielen Miniaturen, welchen die Aebtissin zum Unterricht für die Novizen bestimmt hatte und welcher fast alles berührte, was das geistige Leben ihrer Zeitgenossen erfüllte. Bekanntlich ist dieses Werk, zuletzt auf der städtischen Bibliothek- zu Strassburg aufbewahrt, beim Brande derselben infolge der Belagerung und Beschiessung der Stadt in der Xacht des 24. Aug. 1870 zu Grunde gegangen. Doch existiren Nach-und Durchzeichnungen, die neuerdings veröffentlicht worden sind. - Das Ansehen des Klosters um diese Zeit war so gross, da-s Kaiser Heinrich VI. keine geeignetere Stätte wusste als Aufenthalt der Wittwe und der Töchter des von ihm besiegten Königs Tankred von Apulien während ihrer Gefangenschaft. - Nach dem Untergang der Hohenstaufen war das Kloster eine Zeitlang Reichsabtei: 121'1 wurde die Aebtissin von König Wilhelm von Holland Reichsfürstin genannt. - In den folgenden Jhdtn. verfiel das Stift allmählich. Aus dieser Zeit mag noch der Besuch Kaiser Karls IV. auf dem O. erwähnt werden (1354), der das Grab der hl. Odilia öffnen liess und einen Theil des rechten Armes der Heiligen wegnahm und nach Prag bringen liess. Die Reformationszeit brachte dann den Untergang des Stiftes. Manche der Schwestern wurden protestantisch, wie die Aebtissin Anna von Oberkirch. Schon im Bauernkriege (1525) stark beschädigt, wurde das Kloster 1546 durch Brand fast ganz zerstört und darauf von den wenigen noch übrig gebliebenen Stiftsdamen verlassen. (Schon früher war es häufig abgebrannt: 1199, 124s, 1301 und 1473.) W a s an Gebäuden und Gütern vorhanden war, wurde vom Bisthum Strassburg eingezogen. Erst im 17. Jhdt. erstand das Kloster neu, indem der Bischof alles ehemals Eingezogene den Prämonstratensern von Etival überliess, die zwar schon 1605 davon Besitz nahmen, aber, durch wiederholte Zerstörungen im 30 jährigen Kriege (1621 wurde das Kloster vom Grafen von Mansfeld verbrannt' gestört, erst 1661 eine selbständige Niederlassung dort gründeten. 1687-1692 wurde eine neue Kirche erbaut; seitdem ist O. ein stark besuchter Wallfahrtsort, da die hl. Odilia allmählich als eine Art von schutz-patronin für das Elsass angesehen wurde. - In der Revolution 1791 als Nationalgut verkauft, wurde O. nach mehrfachem Besitzwechsel (1849 sollte es sogar öffentlich versteigert werden) 1853 v o m Bisthum Strassburg erworben und Terzianer-innen von O. des hl. Franziskus übergeben Im Jahrgang 1839 des Gothaischen Hofkalenders wird der Prinz Leopold Alexander von Hohcnlohc-Schillingsfürst als Herr von St. Odilia im Elsass» bezeichnet. Doch lassen sich irgendwelche Beziehungen desselben zum O. nicht nachweisen. - Von den älteren Bauten ist heute nur noch die Kapelle der hl. Odilia (mit deren Reliquien) und die Kreuzkapelle, beide aus dem 12. Jhdt., erhalten. Die Zährenkapelle, gleichfalls älteren Ursprungs, mit romanischen Theilen, ist nach gänzlichem Verfall 1856 erneuert worden, Gegenüber die Engelskapelle. Die ehemalige sogenannte Rotunde, eine Kapelle, 17':J abgebrochen. Ueberreste 1 iner St Peterskapelle entdeckte man 1663 heim Neubau des Klosters. Das heutige Kl gebäude ist neueren Ursprungs, 1684 nach dem Brand-- \ "n 1681 und 1702 erbaut; jedoch sind darin mittelalterliche Skulpturen eingemauert. - 1464 hatte O. 4 Kaplaneien. Albrecht, P. Denis Ord. Prem.), Historj von Hohenburg oder St. Odilien-Berg. Schlettstadt 1751. 4°. Forrer, R., Der O.; seine vorgeschichtlichen Denkmäler und mittelalterlichen Baureste, s.ine Geschichte und seine Legenden. Mit 30 Abb. und einer Karte. Strassburg 1899. [Mit reichhaltiger Litteraturangabe.] Forrer, R., Die angebliche Zerstörung des Sarges der hl. odilia während der Revolutionszeit. (Der Elsässer, Jg. 15, 1899, Nr. 31.1 Forrer, R., Neues zur Baugeschichte des romanischen Odilienklosters. (Der Elsässer 17. Jahrg., 1901, Nr. 37. Gebwiler, Hier., S. Odilien Fürstlichen Herkommen-- heiligen lebens vnnd wandeis histori . . . von neuem in truck verfertigt. Durch [ Johan Schuttenheimer. Freiburg i. Br. 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