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Show Strassburg. 10*0 Die Archipresbyterate, Dekanate oder Landkapitel haben sich dagegen erhalten und sind Zwischenstellen zwischen dem Bischof und den Pfarrern geblieben, auch nachdem die Archidiakonate eingegangen waren. Die Erzpriester hatten ein Aufsichts- und Visitationsrecht und eine Gerichtsbarkeit für leichtere Fälle. - Die bürgerliche Verfassung der katholischen Kirche in Frankreich vom 12. Juli und 24. August 1790 knüpfte genau an die Verwaltungseintheilung das Landes an; jedes Departement sollte ein Bisthum bilden. Während aus dem Departement Haut-Rhin ein Bisthum Oberrhein ('s. d.) gebildet wurde, deckte sich der Sprengel des neuen Bisthums Strassburg mit dem Departement Bas-Rhin und zerfiel abgesehen von der Stadt Strassburg in die Distrikte St r a ssburg mit den Kantonen Geispolsheim, Molsheim, Wasselnheim und Oberhausbergen, H a g e n a u mit den Kantonen Fort-Louis, Hagenau, Bischweiler, Brumath, Truchtersheim. Maursmünster, Zabern, Buchsweilcr und Hochfelden, W e i s s e n b u r g mit den Kantonen Weissenburg, Lauterburg, Kandel, Sulz u. W., Niederbronn. Ingweiler, Lützelstein, Landau und Dahn, Benfeld mit den Kantonen Markolsheim, Benfeld, Erstein, Schlettstadt, Barr, Oberehnheim, Rosheim und Weiler. Aus diesen Angaben ersieht man, dass das Bisthum für den Verlust seines rechtsrheinischen Gebietes durch eine Vergrösserung nördlich des Selzbachs bis an die Queich entschädigt wurde. - Nach dem Sturz des Direktoriums versuchte der Kardinal Rohan von Ettenheim aus die Reorganisation seines Sprengeis im Departement Bas-Rhin auf Grund der alten Eintheilung in Landkapitel. Aber ehe sie beendet war, trat der Kardinal auf eine Aufforderung des Papstes hin a m 15. Dezember 1802 von seinem bischöflichen Amte endgiltig zurück, während schon a m 6. Juni 1802 Jean Pierre Saurine, bis dahin Bischof der Basses- Pyr6nees, von dem bischöflichen Stuhle zu Strassburg Besitz ergriffen hatte. Dieser richtete nun auf Grund des Konkordats v o m 10. September 1801 und der organischen Artikel v om 8. April 1802 die Diözese Strassburg ein, die nunmehr das Departement Bas-Rhin und das Departement Haut-Rhin, dem a m 16. Februar 1800 auch das Departement Mont-Terrible einverleibt worden war, umfasste, sich also von Landau im Norden bis zum Südende des Bieler Sees erstreckte. Sie begriff nach Frayhier, Histoire duclerge" catholique d'Alsace, 1353 Gden. mit 580000 katholischen Einwohnern auf einem Gebiet von 116.58 qkm. Nach den organischen Artikeln sollte auf jeden Kanton ein Hauptpfarrer kommen; doch wurde das nicht ganz durchgeführt, da einige Kantone des neugebildeten Bisthums fast ganz protestantisch waren. Hauptpfarrer erster Klasse waren in den Gden. deren Bürgermeister der erste Konsul ernannte, 4 in Strassburg, je einer in Hagenau, Schlettstadt, Colmar, Markirch, Mülhausen und Landau, die übrigen Hauptpfarrer waren zweiter Klasse, 64 an der Zahl; dazu kamen 601 Hilfspfarrer. - Die Diözese umfasste demnach das ganze heutige Elsass ausser den Kantonen Schirmeck und Saales, dazu aber folgende, jetzt nicht zum Reichslande gehörigen Gebiete: die Kantone Bergzabern, Kandel, Dahn, Landau in der Pfalz, Delsberg (Dele"- mont), Biel (Bienne), Court, Courtelary, Laufen, Pruntrut (Porrentruy), Saigneiegier, St. Ursanne, jetzt zur Schweiz gehörig, schliesslich die Kantone Audincourt, Montbediard, Beifort, Delle, Fontaine und Giromagny, jetzt zu Frankreich gehörig, das heisst, sie hatte sich ausser durch den schon 1790 gewonnenen Theil des Bisthums Speyer durch Theile der Diözesen Metz (die Kantone Drulingen und Saarunion), Basel und Besancon vergrössert. Nach dem zweiten Pariser Frieden wurden die Gebiete, die Frankreich verlor, also die Kantone Bergzabern, Kandel, Dahn, Landau, Delsberg, Biel, Court, Courtelary, Laufen und Pruntrut, sowie ferner die Kantone Audincourt und Montbeiiard vom Bisthum Strassburg abgetrennt. Die letzteren beiden kamen zum Erzbis-thum Besancon. Durch päpstliche Bulle vom 10.und königliche Ordonnanz vom 31. Oktober 1822 wurde das Bisthum Strassburg diesem Erzbisthum untergeordnet, dem es bis zum deutsch-französischen Kriege unterworfen war. Nachdem durch den Frankfurter Frieden vom 10. Mai 1871 das heutige Reichsland an Deutschland abgetreten worden war, stellte sich die Nothwendigkeit heraus, die Diözesangrenze dementsprechend abzuändern und das Verhältnis zur Erzdiözese Besancon zu lösen. Dies geschah durch die päpstlichen Dekrete vom 10. und 14. Juli 1*74 und durch den Pariser Vertrag vom 7. Oktober desselben Jahres, der der Diözese Strassburg die beiden Kantone Saales und Schirm eck hinzufügte, ihr aber die Kantone Beifort, Delle (Dattenried) und Giromagny ganz, von dem Kanton Fontaine einen grossen Theil, vom Kanton Dammerkirch zwei und /vom Kanton Masmünster eine Gde. nahm, so dass sich der Sprengel genau mit den Bezirken Ober- und Unterelsass deckte. Gleichzeitig wurde das Bisthum Strassburg für exemt d. h. für keiner erzbischöflichen Gewalt, sonderndem päpstlichen Stuhle direkt unterworfen erklärt. Es umfasst zur Zeit (1903) 89 Pfarreien und 616 Hilfspfarreien. - Die wichtigsten Schriften über diesen Gegenstand sind: [Neunheuser], Delineatio Status ecclesiastici Argentinensis anni 1661. Grandidier, Histoire de l'Eglise de Strasbourg I, 1776. II, 1778. [Grandidier], Registrum Episcopatus Argentinensis 1778. Grandidier, Essais sur la Cathedrale de Strasbourg. 1782. G r a n d id ier, Etat ecciesiastique du diocese de Strasbourg en 1454. Hrsg. A. M. P. Ingold. (Mittheilungen der Gesellschaft für die Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler des Elsass. II. Folge, Band 1*. 1897, S. 363-432). Vgl. auch den III.-V. Band der ebenfalls von Ingold hrsg. Nouv. Oeuvres ined. von Grandidier. W ü r d t - wein, Nova subsidia diplomatica. Band VIII. C. A. Ffrayhier], Histoire du Clerge" catholique d'Alsace avant, pendant et apres la grande Revolution. Colmar 1876. M. Schickeie, Etat de l'Eglise de Strasbourg et de l'Alsace avant la Revolution. I, 1S77. II, 1897. A. Schricker, Ael-teste Grenzen und Gaue im Elsass. (Strassburger Studien. hrsg. von E. Martin und W . Wiegand, 11, 1884, S. 305-4D2'. D a c h e u x , Eine Steuerrolle der Diözese Strassburg für das Jahr 1464. (Mittheilungen der Gesellschaft für die Erhaltung der geschichtlichen Denkmäler des Elsass. IL Folge, Band 18, 1897, S. 433-522). Geigel, Das französische und reichs-ländische Staatskirchenrecht. 1884 u. 1898. Carte du Diocese de Strasbourg. 1854, 8°. Benoit, A., Essai sur les limites du diocese de Strasbourg dans le departement de la Meurthe. (Mem. de la Soc. d'arch. lorr. 2me ser., 11, 1869, S. 539-591). [von Borries]. Strassburg, Bisthum, (Weltlicher Besitz). Der weltliche Besitz des B i s t h u m s Strassburg, nach dem des Hauses Oesterreich der bedeutendste im Elsass, umfasste im Unterelsass die A e m t e r Benfeld, Markolsheim, Schirmeck, Dachstein, Kochersberg, W a n zenau und Z a b e r n (s. diese), im Oberelsäss das M u n d at Rufach (Obermundat, s. Rufach), im heutigen Baden die Aemter Oberkirch und Ettenheim. Die Anfänge dieses umfangreichen Territorialbesitzes reichen bis in die Mero-wingerzeit; den Grundstock mögen Schenkungen der Könige gebildet haben (Rufach, Theile des Breuschthals). Dazu kamen Privatbesitzungen, die von Bischöfen aus vornehmen Häusern dem Bisthum geschenkt wurden (so von Bischof Heddo im 8. Jhdt.). Den grössten Zuwachs aber erhielt das bischöfliche Territorium durch altes Abteigut. Mit den Abteien Ebersmünster, St. Stephan, Honau, Schwarzach und Haslach fiel u m die W e n d e des 10. und 11. Jhdts. auch der reiche Besitz derselben an das Bisthum. Desgleichen finden wir später auch ehemalige Theile des Territoriums der Abtei M a u r s m ü n s t e r in der Hand des Bisthums, z. B. Zabern und Umgebung. Die letzte bedeutende Erwerbung durchweg aus Reichsgui bestehend, machte das Bisthum im 13. Jhdt. im Kampf mit den Hohenstaufen (Molsheim, Mutzig, die Dörfer der «Grafschaft» u. a.). Dagegen 69f |