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Show Strassburg. 1079 Litter.: Ausser den im Texte bereits erwähnten Schriften sind noch anzuführen : Die amtlichen Jahresberichte. enthalten in den alljährlich erscheinenden Druckschriften: «Der Rektoratswechsel an der Kaiser-Wilhelms-Universität ; darunter besonders: der Rektoratswechsel vom 1. Mai 1882 (Rückblick auf das erste Jahrzehnt der Kaiser-Wilhelms- Universität Strassburg, von Prorektor Professor Dr. Michaelis) und der Rektoratswcchsel vom 1. Mai 1897 (25- jähriges Jubiläum der Universität). Die offiziellen Fest-berichte: «Die Einweihung der Strassburger Universität am 1. Mai 1*72' und die Einweihung der Neubauten der Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg, 1*84.» Die Gründungsfeier der Universität Strassburg a m 1. M ai 1*72. Separatabdruck aus der (Strassburger Zeitung» mit dem revidirten Text der Festreden. Dietzel, Carl, Strassburg als deutsche Reichs-Universität und die Neugestaltung des juristischen und staatswissenschaftlichen Studiums, Frankfurt a. M. 1871. Schricker, A., Zur Geschichte der Universität Strassburg 1872. Wieger, Friedr., Geschichte der Medizin und ihrer Lehranstalten in Strassburg vom Jahre 1497 bis zum Jahre 1872. Strassb. Verl. v. K. Trübner 1885. Jelly, F., Vorgeschichte und gegenwärtige Einrichtung der Psychiatr. Klinik in Strassburg. Strassburg, Verl. von Karl Trübner, 1S87. F r e u n d , W . A., Rede zur Eröffnungsfeier der neuen Univ.-Frauenklinik zu Strassburg i. E., gehalten a m 17. Nov. 1SS7. Strassburg, Verl. v. K. J. Trübner 1888. Verzeichniss der an der K. W . U. Strassburg vom Sommer-Semester 1872 bis Ende 1884 erschienenen Schriften. Str., Uni v.-Bchdr. J. Ed. Heitz 1890. H e r m a n n L u d w i g [von Jan], Strassburg. Von der alten und der jungen Hochschule. (Burschenschaftliche Blätter 4, 1890, S. 149-153, 177-181, 205-209.) Laqueur, Rede zur Einweihungsfeier der Augenklinik zu Strassburg a m 19. Dez. 1891. Berger-Levrault, Annales des Professeurs des Acadömies et Universites alsaciennes 1523-1871, Nancy 1892. M a y e r , Fr., Die Kaiser-Wilhelms-Universität (in «Strassburg und seine Bauten \ Strassbg. 1894). Die alten Matrikeln der Universisät Strassburg 1621 - 1793, bearbeitet von G u stav C. K n o d , I. u. II. Band. (Dritte Abtheilung von «Urkunden und Akten der Stadt Strassburg .) Strassbg. 1897. F. Literaturgeschichte. - Einer der glänzendsten ritterlichen Dichter des Mittelalters ist durch seinen Namen mit Strassburg verknüpft, Gottfried, dessen unvollendetes Epos «Tristan und Isolde» an Formvollendung und echtem dichterischen Gehalt selbst hinter Wolframs «Parzival • nicht zurücksteht. Leider wissen wir über seine Persönlichkeit so gut wie nichts. Manche Forscher leiten seinen Namen sogar nicht von der Stadt, sondern von einer im Oberelsäss gelegenen Burg «Strassburg» ab. - Ende des 13. Jhdts. gab Ellenhard den Anstoss zu einer Anzahl lateinischer Darstellungen reichs- und stadtgeschichtlichen Inhalts, wie über den Krieg der Stadt mit Bischof Walther. Die Geschichtschreibung hat auch in den folgenden Jahrhunderten bedeutende Werke hervorgebracht; so schrieb u m 1362 der Priester Fritsche (= Friedrich) Closener ein allerdings recht unvollkommenes deutsches Geschichtswerk, das die Geschichte der Päpste, der Kaiser und der Bischöfe von Strassburg, dahinter eine Zusammenstellung von Seuchen, Bränden, Kriegszügen, Erdbeben, schliesslich viele Einzelheiten über Stifter und Klöster und aus der Strassburger Geschichtebietet und, soweit zeitgenössisch, eine zuverlässige Quelle ist. Auf ihm fussend, begann 1382 der Stiftsherr von St. Thomas, J a k ob T w inger von Königshofen seine Darstellung und setzte seine Aufzeichnungen bis 1420 fort. Seine deutsche Chronik behandelt in fünf Büchern die alte Geschichte bis zu den römischen Kaisern, die Kaiser und Könige von Julius Cäsar bis Ruprecht von der Pfalz, die Päpste, die Strassburger Bischöfe und die Geschichte der Stadt selbst. Er schreibt populär, belehrend und unterhaltend, durchaus national und patriotisch, hat aber für einen Historiker eine etwas zu lebhafte Phantasie. Sein Werk hat eine ausserordentliche Verbreitung, viele Ueberarbeitungen und Fortsetzungen in allen Theilen Deutschlands gefunden. In Strassburg entstand, u m dies gleich hier vorwegzunehmen, auch das bedeutendste zeitgenössische W e r k über die Reformation: J a k o b Philippson aus Schieiden (einem Städtchen an den nördlichen Ausläufern der EifeK daher Slei-d a n u s genannt, (1506-1556 war durch Jakob Sturms Persönlichkeit und Strassburgs politische Bedeutung 1.542 hie-her gezogen worden, w o er ^ein Hauptwerk: Commentarii de statu religionis et reipublicae Carolo V regnante schrieb. - Eine eigenthümliche Bewegung religiöser Natur, die Mystik, hatte einen ihrer Hauptsitze in Strassburg, und zwar zu meist im Schosse des Dominikanerordens. Meister Eckhart der Leiter dieser Bewegung, geboren um 1260, predigte zwischen 1300 und 1317 in Strassburg. Zu seinen Jüngern gehörte der vielleicht nicht so bedeutende, aber bekanntere Tauler, in Strassburg u m 1300 geboren und 1361 gestorben, und ein Laie, der Strassburger Kaufmann R ul m a n Mers-win (1308-1382), dessen Buch von den «Neun Felsen - in eigenthümlicher Weise das Suchen der Seele nach der gött- ! liehen Wahrheit schildert. Die mystischen Schriften zeigten, dass die deutsche Sprache schon damals auch zur Darstellung der zartesten und innerlichsten Vorgänge des Seelenlebens I geeignet war. - Die geistige Blüthe Strassburgs fällt jedoch erst in die Zeit von 1450 bis 1650. U m 1440 war Gutenberg in Strassburg thätig gewesen und hatte vermuthlich hier die entscheidende Erfindung gemacht. Schon vor 1500 finden wir daher in Strassburg eine grosse Anzahl von Druckereien, die eine sehr ausgedehnte Thätigkeit entfalten und Strassbu--g zu einem litterarischen Mittelpunkt machen. U m die Mitte des 15. Jhdts. sind 3 Männer geboren, die als Vertreter der drei verschiedenen Hauptrichtungen des damaligen geistigen Lebens gelten können, G eiler, W im pf e 1 i n g und B r a n t; ihre Wirksamkeit gehört ganz oder zum grössten Theile Strassburg an. Geiler von K a y s e r s b e r g (1445-1510) war zu Schaffhausen geboren, aber im Elsass erzogen und von 1478 bis zu seinem Tode Münsterprediger. Er predigte packend und derb, liebte wie alle seine Zeitgenossen recht drastische Vergleiche, namentlich aus dem Thierleben und dem Handwerk und suchte mehr zu belustigen als zu erschüttern. J a k o b W i m p f e l i n g (1450-1528) gehörte zu den patriotischen Humanisten, die in gelehrten Büchern die Herrlichkeit der deutschen Nation bewiesen. Sebastian B r a nt endlich! 1458-1521), der Strassburger Stadtschreiber, hat den Geschmack seiner Zeit im • Narrenschiff • auf das genaueste getroffen. Kein Buch jener Zeit hat soviel Auflagen erlebt, soviel Ueberarbeitungen und Uebersetzungen erfahren,soviele andere Schriften hervorgerufen. Dies Dreigestirn empfand aufs lebhafteste die Mangelhaftigkeit der damaligen Zustände in Reich und Kirche, und doch würde, wie Wimpfe- I ling und Brant es wirklich gethan haben, auch Geiler sich gegen die lutherische Reform ablehnend verhalten haben. Sie gehörten eben einer früheren Generation an. Jünger und doch der Reformation feindlich war der Strassburger Franziskaner T h o m a s M u r n e r aus Oberehnheim (1475-1537?), der Brant an schlagendem Witz, aber auch an Bosheit übertraf. - In die Mitte des Jhdts. fällt die Entstehung des schon erwähnten Geschichtswerkes des Sleidanus. Die zweite Hälfte bringt die fruchtbare Thätigkeit des sprach- ! gewaltigen Johann Fischart (etwa 1540-1590), dessen geistsprühende Werke sich theilweise auf Strassburger Angelegenheiten beziehen, und sämmtlich ohne genaue Kennt-niss der Strassburger Mundart und Verhältnisse kaum verständlich sind. Ihm gleich an patriotischer W ä r m e war der zwei Menschenalter jüngere J o h a n n Michael M o s c h e r o s ch (1601 - 1669), der zwar im benachbarten badischen Willstaedt 1 (daher «Sittewald ) geboren, aber in Strassburg aufgewachsen und gebildet war und auch später längere Zeit dort ge-j lebt hat. - Schon vor der Mitte des 16. Jhdts. entwickelte sich |