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Show Strassburg. 1073 Zahlen ist die Bevölkerung der Kollegien, Seminarien, Klöster, I Kranken-, Waisen- und Zuchthäuser, die der Vororte Ruprechtsau und Neuhof und die Besatzung nicht eingerechnet. ; Die Kalvinisten, die seit 1577 in Strassburg ihren Gottesdienst nicht mehr halten durften, besuchten die Kirche in W o l f ishe im, bis sie endlich in den SO er Jahren des lS.Jhdts. einen Betsaal - äusserlich nicht als Kirche kenntlich und ohne Glocken - in der Schildgasse bauten, der 1789 vollendet und 1880 innerlich restaurirt wurde. Die Kirchenbücher der ref. Kirche gehen bis 1655 zurück. - A m 12. Juli 1790 nahm die Nationalversammlung das Dekret über die bürgerliche Konstitution der Geistlichkeit an, nachdem schon a m 2. November 1789 die Kirchengüter zur Verfügung der Nation gestellt worden waren. Von diesem Beschluss wurden die protestantischen Stiftungen im Elsass, weil sie stiftungsgemäss für opera pia, also auch für Unterricht und Krankenpflege bestimmt waren, durch die Dekrete vom 24. August und vom 10. Dezember 1790 ausgenommen, so dass sie ihren Bestand, wenn auch nicht ungeschmälert, durch die Stürme der Revolution gerettet haben. Als der Gottesdienst, entsprechend dem eben erwähnten Gesetz vom 24. August 1790, neugeordnet wurde, wurde die Zahl der katholischen Pfarrkirchen in Strassburg auf 4 - Münster, Jung-St. Peter, St. M a r x (heute St. Johannes) und St. J o h a n n in undis (bis dahin Kirche des grossen Kapuzinerklosters) - beschränkt; die St. Stephans- und die St. L u d wigskirche wurden verkauft. Gegen die katholischen Stiftungen wurde zunächst schonend verfahren : das D o m k a p i t e l und die andern Stiftskirchen wurden zwar aufgehoben, doch bestanden 1792 in Strassburg noch 4 Nonnenklöster und die J o h a n n i t er k o m t h u r ei. Das bischöfliche Seminar war von Strassburg nach Kloster Allerheiligen bei O p p e n a u verlegt worden. Seit dem Beschluss vom 27. November 1790 wurde strenger gegen die den vorgeschriebenen Eid verweigernden Geistlichen vorgegangen, was zu bedauerlichen Unruhen führte, die durch das Verhalten des in den rechtsrheinischen Theil seines Sprengeis nach E t t e n h e i m m ü n s t e r geflüchteten Kardinals Rohan genährt wurden. Nur wenige Geistliche zeigten sich zur Leistung des Eides bereit, unter ihnen der Abbe Brendel, ein als friedliebend geltender Professor am Priesterseminar, der die bürgerliche Verfassung der Geistlichkeit zwar für unkanonisch, aber nicht für unkatholisch erklärte. Er wurde a m 6. März 1791 durch allgemeine Wahl, an der sich auch die Protestanten betheiligten, an Stelle des seiner Würde entsetzten Rohan zum Bischof erwählt. Der Mangel an eidleistenden Priestern wurde theilweise durch Einwanderer von jenseits des Rheins, die den Eid bereitwillig ablegten, ersetzt; unter ihnen befand sich auch Eulogius Schneider, der im Juli 1791 Professor am Seminar und Münstervikar, im Februar 1792 öffentlicher Ankläger wurde. Die protestantische Geistlichkeit leistete am 1. Mai 1791 bereitwillig den Eid und machte dann einen Versuch, ihre Kirchenverfassung neuzuordnen, der nicht zur Durchführung kam. - Im November 1793 wurde der Gottesdienst in den Kirchen Strassburgs abgeschafft und a m 20. desselben Monats das Fest der Vernunft in dem zum T e m p l e de la Raison umgestalteten Münster gefeiert. Schon vorher war die katholische Universität eingegangen; ihr folgten bald die p r o t e s t a n t i s c h e H o c h s c h u l e , das G y m n a s i u m und der grössere Theil der Primärschul en. A m 17. Mai 1794 erkannte das französische Volk die Existenz des höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele an, und a m S. Juni fand im Münster, wie in allen Gemeinden Frankreichs, das Fest des höchsten Wesens statt. Nachdem infolge des Sturzes Robespierres die verhafteten Geistlichen beider Konfessionen wieder freigelassen waren, begann in den letzten Monaten des Jahres 1794 der öffentliche Gottesdienst wieder, wenn auch noch nicht in den Kirchen, die sich infolge anderweitiger Verwendung zum Theil in abscheulichem Zustande befanden. Allmählich fing auch der Schulunterricht wieder an. Im Juli 1795 wurde in Strassburg die C en t r a 1 sc h u 1 e eröffnet, aus der später das L y c e u m hervorging. A m 15. Juli 1801 schloss B o n a p a r t e mit Papst Fitis VII. das K o n k o r d a t, worin die katholische Religion als die der grossen Mehrheit der Nation bezeichnet war, während die protestantischen Konfessionen und das Judenthum in den organischen Artikeln vom April 1802 auch anerkannt wurden. Bischof von Strassburg wurde am 4.Juni 1802 S a u r i n e , der sofort an die Neuerrichtung des D o m k a p i t e l s und des bischöflichen Seminars ging. Auch die protestantische Kirche im Elsass wurde neugeordnet; ihre Verwaltung gliedert sich seitdem von unten nach oben in aus Laien und Geistlichen zusammengesetzte Lokalkonsistorien und in Inspektionen, über denen das Oberkonsistorium und ein Vollziehungsausschuss des letzteren, das Direktorium, steht. Die Strassburger Protestanten blieben im Besitz ihrer 7 Pfarrkirchen, während die Katholiken nunmehr auch 7 Pfarrkirchen, 4 kantonale - die seit 1811 dem Domkapitel einverleibte und von einem Domherrn versehene L a u r e n t i u s p f a r r e i i m Münster, J u n g - S t . P e t e r , St. J o h a n n und St. M a g d a l e n en - und 3 Hilfspfarreien - A 1 t-St. P e t e r, St. L u d w i g i n d e r S t a d t und St. L u d w i g in der C i t a d e l le - besassen. Seit 1796 bestand auch wieder eine Pfarrei für die französischen Protestanten, und zwar bei St. Nikolaus. Die I s r a e l i t e n , die sich im frühern Mittelalter in Strassburg in bedeutender Anzahl angesiedelt hatten, waren 1349 sämmtlich verbrannt oder vertrieben worden. Zwar wurde bald danach einigen jüdischen Familien wieder die Rückkehr vorübergehend gestattet, aber von 1388 an findet sich bis 1767 kein Jude in der Stadt. In diesem Jahre erhielt ein Armeelieferant, Namens Hirsch-Beer, aus Bischheim, die Er-laubniss, in der Stadt zu wohnen, und Grandidier gibt 1778 die Zahl der Juden in Strassburg auf 40 an. 1786 schaffte Ludwig XVI. den Leibzoll und das doppelte Brückengeld der Juden ab. Die Revolution verschaffte ihnen endlich die volle politische Gleichstellung mit den übrigen Bürgern. Zunächst hatten sie nur 4 Gebetsstätten in Privatwohnungen, dann eine Synagoge im Hinterhause Helenengasse 5, bis schliesslich in dem frühern kleinen Kapuzinerkloster, Helenengasse 14, eine solche eingerichtet wurde, die bis 1898, wo unter Beihilfe der Stadtverwaltung und des Staates die jetzige schöne Synagoge vollendet wurde, benutzt worden ist. - Für die protestantischen Theologen wurde vorläufig ein S e m i n a r errichtet; das protestantische G y m n a s i u m wurde bald darauf wie das katholische kleine S e m i n a r in eine geistliche Sekundärschule umgeformt. Die Volksschulen hatten noch lange unter den Nachwehen der Revolution zu leiden. Unter dem Direktorium wurde eine Medizinalschule in Strassburg errichtet, 1806 eine Rechtsfakultät, 1808 eine pharmazeutische S c h u l e und diese drei in demselben Jahre mit den neugeschaffenen F a k u l t ä t e n für p r o t e s t a n t i s c he T h e o l o g i e , für M a t h e m a t i k und N a t u r w i s s e n s c h a f t e n und für die s c h ö n e n W i s s e n s c h a f t e n zur k a i s e r l i c h e n A k a d e m i e vereinigt. Universität. I. Die ersten Anfänge der alten Strassburger Universität gehen auf die humanistische Bewegung u m die W e n d e des 15. und 16. Jhdts. zurück. Die Anregungen Wimpfeling's und zwei Jahrzehnte später die Bemühungen seines grössten Schülers, des Stettmeisters Jakob Sturm von Sturmeck, führten zunächst zur Verbesserung der alten Schulen und dann zur Begründung eines Gymnasiums, zu dessen Einrichtung und Leitung der berühmte Pädagog Johannes Sturm berufen wurde. A m 22. März 1538 wurde die neue Anstalt eröffnet. Daneben entwickelte sich aus Privatvorlesungen, die Bucer und Capito für die jungen Prediger veranstalteten, die nachmalige «hohe Schule» in enger Verbindung mit dem Thomasstift. - Sehr bald stellte sich der 68f |