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Show Strassburg. 1065 (730). 21 (801), 22 (816), 41 (961), 50 (1003). Die erste Hand des Codex traditionum Wizenburg. (9. Jhdt.) schreibt A r g e n - t o r a c u m , Argentoracinse, vgl. Str. U. B. I, D. 5 (733), 7 (739), 8 (739). Ermoldus Nigellus (um 830) M G . SS. II, 518, Vers 142 schreibt A r g ente rata. - Als Bedeutung des Namens wird von den meisten neueren Schriftstellern ohne weitere Begründung «Stadt an der Ueberfahrt•> angegeben. Wahrscheinlicher ist, dass in dem ersten Theile des Wortes der uns aus dem Alterthum nicht überlieferte latinisiert keltische N a m e der 111 (etwa A r g e n t u s = der silbern Schimmernde) steckt, während der zweite Theil rate, r a t u m keltisch «Stein», «Steindenkmal» bedeutet. (Vgl. Herrenschneider, Horburg, S. 77; Strassburg u. s. Bauten, S. 64: Deecke, Jahrbuch des Vogesenklubs X, S. 7, der den Namen für ligurisch hält, aber ähnlich deutet.) - 2. A r g e n tina. Die Form A r g e n t i n a findet sich mit Ausnahme einer Urkunde von 910, die gerade deshalb vielleicht kein Original ist (Str. U. B. I, D. 37), erst seit 950 und ist vermuthlich eine Frucht der vorübergehenden Blüthe der Wissenschaften unter denOttonen: sie ist das Femininum eines spätlatcinischen Ad-jektivums A r g e n t i n u s , silberfarbig (franz.: argentin). Abgesehen von jener Urkunde stammt das erste Original (Str. U. B. I, D. 44i mit A r g e n t i n a von 976, das sich von nun an fast immer als lateinische Form für Strassburg findet. Die andern Quellen brauchen diesen Namen erst nach dieser Zeit und zwar seit dem Jahre 1000 durchgängig. Nach Cahn (Münz- und Geldgeschichte der Stadt Str. im Mittelalter, 1895, S. 4 f.) giebt es Strassburger Denare aus der Zeit des Bischofs Uto (950-965) mit der Aufschrift Argentina. - 3. A r g e n t a r i a u. s. w. Neben dissen Formen kommt gelegentlich A r g e n t a r i a vor, so in dem Geographus Ra-vennas (6. Jhdt.), welcher Gallien nach einer Quelle aus dem Ende des 5. Jhdts. schildert, S. 231, 7. Dieselbe Form braucht der zweite Schreiber des Codex traditionumWizenhurgensium (9. Jhdt.), Str. U. B. I, D. 2 (719) und eine allerdings nur in späterer Abschrift erhaltene Urkunde von nach 847 (Str. U. B. I, D. 26), ferner ein Original (Str. U. B. I, D. 33) von 888. Schliesslich findet sich bei Thegan (um 835) M G . SS. II, 598, 36 A r g e n t o r i u m , Variante: Argentaria, bei Nithard (um 840) M G , SS. II, 665, 25 ebenfalls das letztere. II. D e u t s c h : 1. Stratburg u. s. w. Die zweite Redaktion der Notitia Galliarum (6. Jhdt.) VII, 3 giebt Stra-t e b u r g o und S t r a t i s b u r g o , der Geographus Ra-vennas (6. Jhdt.), S. 231, 7 S t r a t i b u r g o , Gregor von Tours (um 600) Hist. Francorum IX. 36, M G . SS. rerum Merov. I, 391, 9: urbs, quam S t r a t e b u r g u m vocant; X, 19, I, 433, 22 Argentoratensis urbs, quam nunc Strade-b u r g u m (Varianten: S t r a d i b u r g u m , Strateburgum, Stratburgumi vocant. Die Urkunden Str. U. B. I, D. 3 (722), 4 (728), 9 (749), 22 (816), die allerdings bis auf eine nicht in Originalen vorliegen, haben Stratburgo, Stratbur-gensis, das Concilium Attin. (765) M G . L L . I, 30, 6 S trad-b u r g o , Hlotharii Sacramentum (865) M G . LL. I, 504, 18 Stratiburgensis, Hincmar (um 880) in seiner Wiedergabe des Vertrages von Meersen (870) M G . SS. I, 488, 9 und II, 194 Strastburg, Stratburg. Die Ableitung von strata ist ohne Zweifel richtig: den aus dem strassenlosen Tnnern Germaniens über den Rhein dringenden Alemannen waren die römischen viae stratae etwas Neues und Auffallendes; daher nannten sie den Ort, w o sie zum ersten Mal mehrere solche Strassen sich kreuzen sahen, danach. Vgl. Ermoldus Nigellus M G . SS. II, 518: Prosperitate nova Strasburg vocitata manet nunc, Quod populis constet publica strata modo. - 2. S t r a s b u r g , S t r a z b u r g , Strassburg. Das älteste Original mit vollzogener Lautverschiebung ist von 831, Str. U. B. I, D. 23, w o sich Strazburgensis mehrfach findet. Von da an herrscht Strasburg u. s. w. und das davon abgeleitete lateinische Adjektivum fortdauernd in Urkunden, seit 900 auch durchgehend in litterarischen Quellen. Mit dem Aufkommen von Argentina und A r gentinensis werden diese Formen aus den lateinischen Urkunden verdrängt, und Strasburg u. s. w. findet sich später nur in deutsch abgefassten Urkunden und ouellen. Das Ergebniss ist demnach,dass die älteste Form Argentorate ist, während sich A r g e n t o r a t u m neben A r g e n - toratus erst später, und /war bis zum Jahre 1000, findet, dass dann A r g e n t ina, A r gen t in ensis seit 950 das erstere verdrängt und in den lateinischen Urkunden und Quellen die Herrschaft behauptet. Stratburg tritt im 6. Jhdt.. vermuthlich gegen Ende desselben, zuerst auf; es ist etwa bis 900 in Geltung, wird aber im Laufe des 9. Jhdts. allmählich durch Strasburg, Strassb urg u. s. w. verdrängt. B. Erweiterungen und Befestigungen (vgl. auch unten: Archäologisches und Kunstgeschichtlichesi. Das allmähliche Anwachsen der Stadt vollzog sich so, dass vor den vorhandenen Mauern sich neue Bewohner ansiedelten. W a r die Niederlassung vor der Mauer so bedeutend geworden, dass sie des Schutzes werth schien, drohte Kriegsgefahr oder hatte eine Belagerung die vor der Stadt angesiedelten Bürger schwer geschädigt, so schritt man zur Ummauerung des besiedelten Gebietes. Als die Stadt einen Umfang erreicht hatte, über den hinaus man sie nicht ver-grössern wollte, zwang man bei drohender Gefahr, z. B. 1392 und 1475, die aussen Wohnenden sich in der Stadt anzusiedeln. - I. Während wir eine bürgerliche römische Niederlassung (einen vicus C a n n a b a r u m ) etwa zwischen der heutigen Aurelienkirche und Königshofen zu suchen haben, bedeckte das C a s t r u m ein Rechteck von 530 m zu 370 m, eingeschlossen von der Hl bei St. Stephan bis ungefähr zur Rabenbrücke, von der Spitalgasse, dem Schneidergraben und der Rückseite der Gewerbslauben bis zur südwestlichen Ecke des Neukirchplatzcs, von der Vorderseite des Protestantischen Gymnasiums und dem Broglieplatz bis zum Statthalterpalast, und von dem Lezay-Marnesiastaden bis St. Stephan. Der Flächeninhalt der Stadt betrug damals fast 20 Hektar. - II. D i e erste Erweiterung, die jedenfalls später, als Königshofen angiebt, vermuthlich in das 10. Jhdt., füllt, zog das Gebiet in die Befestigung, welches in dem sog. ersten Stadtrecht von etwa 1129 als nova oder exterior urbs bezeichnet ist. Der Schutz bestand wahrscheinlich nur aus Wall und Graben, die sich etwa an der jetzigen Broglieplatz- und Münstergassenecke an die römische Mauer im spitzen Winkel anschlössen, die rechte Seile des Studentenplatzes, dann die linke Seite der Meisengasse und des Hohen Steges bis zum Eisernenmannsplatze entlang liefen, um dann nicht, wie Königshofen angiebt, den alten Wein-markt bis Alt St. Peter, sondern den Gerbergraben entlang bis zur 111 zu streichen, die der Wall von dort bis zur Rabenbrücke begleitete. Der Flächeninhalt der Stadt belief sich nunmehr auf e t w a 4.5 Hektar. - III. Die zweite E r w e i t e r u n g wurde wahrscheinlich durch die Belagerung- König Philipps veranlasst und 1220 beendigt; sie begriff die Kirchspiele von Alt- und Jung-St. Peter, so dass nunmehr die ganze Insel zwischen dem Hauptstrom der 111 (im ganzen Miltelalter, so weit sie die Stadt durchfloss, Breusch genannt) und dem heutigen Stadtgrabenkanal von Mauern umschlossen war. Die Stadt bedeckte nunmehr i einen R a u m von 71 Hektar. - IV. Durch die dritte Er- I Weiterung, die, wie es scheint, sehr allmählich vorgenommen und 1344 abgeschlossen wurde, k a m das Kirchspiel von St. Nikolaus jenseits der Breusch (=111) zu der Stadt; die Mauer begann an den heutigen gedeckten Brücken, ging etwas innerhalb des heutigen südlichen Walles bis an den Metzgerplatz, dann den Waisengraben und die Züricherstrasse entlang an die 111. Zusammen 99 Hektar. - V. In den Jahren 1374-1390 wurden die Vorstädte jenseits des Stadtgrabenkanals bis zu dem Ende der heutigen Weiss-thurm-, Kronenburger- und Steinstrasse ummauert, w o sich schon seit längerer Zeit vorgeschobene Wartthürme <Wig- |