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Show Oberrhein - Oberrheinischer Kreis. 799 Bisthum Oberrhein an das Bisthum Strassburg, während Berdolet Bischof von Aachen wurde. O b e r r h e i n (Departement i. Amtliche von der französischen Verwaltung in den deutschen Uebersetzungen öffentlicher Akte gebrauchte Bezeichnung für das durch Dekret vom 8. Januar 1790 gebildete Departement Haut- Rhin; auch die deutsche Verwaltung hat bei der Besetzung des Gebietes, z. B. schon in der Proklamation des Generalgouverneurs im Elsass vom 30. August 1870, diese Bezeichnung angenommen, für welche durch Gesetz vom 30. Dezember 1871 der N a m e Bezirk Oberelsäss» eingeführt wurde (s. d.i. - Das 1790 gebildete Departement du Haut- Rhin umfasste 1790-95 die Distrikte Colmar, Altkirch ' und Beifort; 1795-1800 mach Aufhebung der Distrikte die Kantone Altkirch, Ammerschweier, Beifort, Colmar, Dammerkirch, Delle, Egisheim, Ensisheim, Fontaine, Giromagny, Habsheim, Hirsingen, Horburg, Hüningen, Landser, Lutterbach, Markirch, Masmünster, Mülhausen (erst seit 179S), Münster, Neubreisach, Pfirt, Rappoltsweiler. Reichenweier, Rufach, St. Amarin, St. Kreuz im Leberthal. Schnierlach, Sennheim, Sulz, Thann, Türkheim; 1800 als das Dept. du Mont Terrible mit ihm vereinigt wurde, wurde es eingetheilt in die Arrondissements Colmar, Altkirch, Beifort, Delemont und Porrentruy. Die beiden letzten wurden 1815 an die Schweiz abgetreten, mit Ausnahme der Kte. Audincourt und Montheliard, welche zum D(5pt. Doubs geschlagen wurden. (Ueber die Kantone der Arrondissements siehe die letzteren, soweit sie deutsch sind). 1857 wurde Mülhausen anstatt Altkirchs Arrondissementshauptort, im Uebrigen, blieb die Eintheilung von 1815 bis zum Präliminarfrieden vom 26. Febr. 1871, durch welchen das Departement bis auf den südlichsten Theil des Kantons Delle an Deutschland kam. Im Friedensvertrag vom 10. Mai 1871 wurden jedoch gegen Ausdehnung des deutschen Gebietes in Lothringen die Kantone Beifort, Delle und Giromagny und der westl. Theil des Kantons Fontaine, sowie 20 Gemeinden der Kantone Dammerkirch und Masmünster bei Frankreich belassen. W e g e n den Einzelheiten vgl. diese Namen. Litter.: V e r on - R e vi I le , Histoire de la revolution fran-caise dansle departement du Haut-Rhin 1789-1795. Colmar 1865. Karten: Departement du Haut-Rhin divise" en 3 Districts et 25 Cantons. Strasb., J. F. Simon et Andre Meyer, Fils [ca. 1790]. Departement du Haut-Rhin, decrete" le 13 Janv. 1790 par l'Assemblee nat., divise en 5 arrondissements et en 39 cantons. [Aus dem Atlas national de la France.]. Paris, Chanlaire, Vre. Dumez [1790]. fol. Dass. Revu . . . en 1818. Paris. Delaval [o. J.]. fol. Ober-Rheinisches Departement. Strassb. Lith. v. M. F. Bcehm [o. J.]. Karte des Oberrheinischen Departements 1844. Strasb., Vve. Levrault [1844]. Haut-Rhin. Wissembourg, Wentzel 1839. Carte topogr. du dep. du Haut-Rhin, ä 1'ech. de 1 : 150000. Strasb., Berger- Levrault [1870]. H e c k , J. G., Carte physique, statistique, administrative et routie-re du Dep. du H.-Rh. (Haute-Alsace). Paris, Engelmann vV Cie. [o. J.]. Oberrheinischer Kreis. Die Gebiete des Oberrheinischen Kreises, welche dem jetzigen Reichslande angehören, und deren Geschicke bis zum Frieden von Luneville (1801) sind im I. Theile (S. 293 bis 297) behandelt worden. Hier sollen nur kurz die allgemeinen Verhältnisse dieses Kreises und dessen Beziehungen erörtert werden. Der Oberrheinische Kreis war schon auf dem Reichstage zu Augsburg 1500 zur besseren Handhabung des Landfriedens, zur Vertheilung der Reichslasten, zur Vollstreckung der Ur-theile des Reichskammergerichtes und zur Ordnung des Münz- und Zollwesens u. s. w. gebildet worden, nachdem der erste Versuch zur Bildung von Kreisen auf dem Reichstag zu Nürnberg (1383) und die darauf folgenden weiteren 1 Ueber die damaligen Kantone der Distrikte Colmar und Altkirch vgl. Kreis"Colmar und Kr. Altkirch. Anträge 11415 und 1438) von den Ständen abgelehnt wordi n | waren. Bei dieser ersten Eintheilung des Reiches in Kreisi waren die Länder des Hauses Habsburg, der Kurfürsten, vueh die Burgundisi hi n Niederlande, nicht einbegriffen. Erst auf dem Reichstage zu Köln 1512 wurden der Oesterreichische, der Burgundische und der Kurrheinische Kreis gebildet und der Sächsische Kreis in den Ober- und den Niedei sächsischen Kreis getheilt, so dass die Zahl der Kreise 10 war, unter Welchem der Oberrheinische Kreis die 7. Stelle einnahm. Diese Eintheilung wurde auf den Reichstagen zu W o r ms 1521 und zu Nürnberg 1522 bestätigt. Der Oberrheinische Kreis umfassti die südwestlichen I Reichsgebiete auf beiden Ufern des Rheins und grenzte im i Norden 1500 an den Niederrheinisch-Westphälischen, seit 1512 theilweise an den Kurrheinischen Kreis, im Osten an den Fränkischen und den Schwäbischen Kreis, im Süden an die Schweiz, im Westen an Frankreich. Links des Rheines wurden zum Oberrheinischen Kreise gerechnet: Ober- und L'nterelsass, wovon 1512 der Besitz des Hauses Habsburg abgetrennt und dem Oesterreichischen Kreise zugetheilt wurde, die Herzogthümer Lothringen und Bar, die 1542 ausschieden und in ein Schutzverhältniss zum Reiche traten, die Städte Metz, Toul und Verdun, die 15,52 unter französischen Schutz genommen wurden, die drei gleichnamigen j Bisthümer, deren weltlichen Besitz Frankreich 1648 erwarb ; 1 auch das Herzogthum Savoyen und Besancon wurden zum i Oberrheinischen Kreise gezählt und in der Matrikel noch zu einer Zeit geführt, da alle Beziehungen zum Reiche langst gelöst waren. Ausserhalb des Kreisverbandes standen die Württembergischen Besitzungen: Mümpelgard, Horburg, Reichenweier und Osth< im. Mit den Herzogthümern Loth-i ringen und Bar wurden 1735 auch jene Reichslehen an I Frankreich abgetreten, welche Lothringen vor dem Nürnberger Abschiede (1542) erworben hatte, wie P o n t - ä - M o u s - I son, Dieuze, S a a r b u r g und Blämont; aber auch die nach 1542 von Lothringen erworbenen bischöflichen oder j sonstigen Gebiete, welche Reichslehen waren, wie Marsal, i Bitsch, Finstingen, Pfalz bürg, Lixheim, Saaralben, H o m b u r g , St. A v o l d u. s.w., und die von Lothringen an Frankreich 1661 und 171s abgetretenen Gebiet- Stücke wurden der Lehenshoheit des Reichs und dem Verbände des Oberrheinischen Kreises entzogen, der für den südlichen Theil seiner linksrheinischen Landschaften auf die Gebiete beschränkt blieb, die zwischen Lothringen und dem Elsass lagen, welche dann durch die Dekrete des National-convents von 1793 und 1795 mit Frankreich vereinigt wurden. Es waren dies die Grafschaften Kriechingen, Saarwerden und Salm (Obersalm i, die Herrschaften Assweiler und Diemeringen, Theile des ehemals lichtenbergischen Amtes Lemberg und die Dörfer Obersteinbach und Büst. Im Frieden von Luneville wurden diese Erwerbungen bestätigt (1801). Das Bisthum Strassburg blieb im Besitze j seiner Reichsstandschaft für den rechtsrheinischen Besitz mit Sitz und Stimme im Reichsfürstenrathe und auf den oberrheinischen Kreistagen bis zur Auflösung des Reichs. ! Ausschreibende Fürsten des Kreises waren der Fürstbischof zu W o r m s und Kurpfalz (wegen des Fürstenthums Simmern -cit 1685 die Linie Neuburg. 1690 übernahm W o r ms das Direktorium; doch behielt die Kurpfalz alle Rechte als ausschreibender Fürst; die Kreistage wurden anfänglich in W o r m s (wo auch die Kreiskanzlei und das Kreisarchiv war), ' seit dem 18. Jhdt. in Frankfurt abgehalten. Kreisoberst war zuletzt Hessen-Darmstadt; zum Reichskammergerichte prä-sentirte der Kreis zwei Beisitzer. B e r g h a u s, H., Deutschland seit hundert Jahren. 1. Abth. I. Leipzig 1859. S. 294-357. Moser. Deutsches Staatsrecht: X X V I , 435-455; X X I X , 142-180; X X X I , 2-9; 506-509. B u e s c h i ng ! Erdbeschreibung S. Aufl. 1797 ff. VII, 1-356. Statist. Mit- | theilungen über Elsass-Lothringen. Hrsggb. v. Stat. Bureau des Minist, f. E.-L. Hft.27 (Die alten Territorien des Elsass;, |