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Show 694 Mörchingen. Herzog Karl und dem franz. General de Grancey. Die von | den Grafen des Oberen-Saargau gegründete Abtei Graufthal besass in M. einen Hof, der 1421 auf unbestimmte Zeit dem Priorate Insmingen verpachtet wurde und im 18. Jhdt. im Besitze der Jesuiten von Bockenheim war. - 1250 wird in M. ein Spital unter dem Namen des hl. Blasius erwähnt, das Besitz des Metzer Domkapitels war. Nachdem Brande von 1501 wurde von den Grafen von Salm ein neues Spital gegründet, das mit den dazu gehörigen Höfen in Harprich, Liedersingen, Reich und Zarbeling gegen Ende des 17. Jhdts. dem Orden von St. Lazarus überwiesen wurde. - M. wurde 1790 Sitz eines Distrikts des Mosel-Departements, j 1796 Sitz eines Kantons, durch Dekret vom 21. Okt. 1801 ist die Stadt dem Ka. Grosstänchen zugetheilt worden. Ein Ministerialen-Geschlecht von M. wird zuerst 1214 und noch im 14. Jhdt. erwähnt. - Das alte M. soll viel grösser als das heutige gewesen sein und, wie aus aufgefundenen Mauerresten hervorzugehen scheint, bis auf die umliegenden Anhöhen sich erstreckt haben. Aus jener Zeit stammen auch die bis heute erhalten gebliebenen Geländebezeichnungcn wie Kirchgessel», ^Hallgasse», etc. Vielleicht ist die Stadt nach einer Zerstörung oder nach einem Brande an einer benachbarten Stelle wieder aufgebaut worden. Im Mittelalter war die Stadt mit Gräben umgeben und besass feste Mauern und, wie berichtet wird, einen so hohen Thurm, dass man von demselben aus den Mütscher Weiher sehen konnte. Nach diesem Thurm erhielt die Stadt später die Bezeichnung «Mörchingen zum hohen Thurm . V on den ehemaligen Befestigungen hat sich nur der alte Wallgraben in erkennbarer Weise erhalten.Ueber die ehemaligen Kapellen St. Anton und St. Katharina (s. u.). - M. war von jeher kath. Pfarrei und Sitz eines A r chi presb y te r ats des Bisthums Metz, welches früher 42 Pfarreien umfasste. (Ueber den gegenwärtigen Umfang s. o.) Den Kirchensatz hatte zuletzt der Herzog von Lothringen. Antheile an dem Zehnten und dem Patronat erhielt 1263 die Deutschordenskomthurei in Metz. - Bei Mörchingen wurde ein Steinbeil aus neolithischer Zeit sowie bearbeitete Feuersteinsplitter gefunden. An die Römerzeit erinnern die Bezeichnungen : Le chemin des Romains; la fontaine des Romains; le Confin des Romains». 1891 wurde eine angeblich römische Wasserltg. entdeckt, sowie andere Reste jener Zeit. Germanisches Grabfeld mit wenigen Waffenresten und Schmuckgegenständen (Goldplatten und Nadeln etc.). Die Kirche (gesch. Dkm.) ist eine dreischiffige spätgothische Basilika, welche gegen 1421 erbaut und zuletzt 1890 - 92 erneuert wurde. Der Thurm ist jünger und ohne Bedeutung ; er wurde bei den Erneuerungsarbeiten kürzlich mit einer gothischen Spitze gekrönt. Eine 1528 «an der welschen Porte» vorhandene Kapelle des hl. Antonius scheint gegen 1835 zerstört worden zu sein ; eine Kapelle der hl. Katharina, a m deutschen Thor stehend, wird 1713 als zerstört bezeichnet. Beide scheinen in die Pfarrkirche verlegt worden zu sein. U e b e r hör st, W., Mörchingen. Gesch. und Schilderung einer lothr. Garnison. Strassb. u. Leipzig [1S95]. Watrinet, Notice sur Morhangc. (M<§m. Soc. arch. lorr. 44, 1894, S. 211-271; 45, 1895, S. 236-294.) M ö r c h i n g e n , Herrschaft. Lehen des Herzogthums Lothringen, bestand aus: 1. Baronweiler (z. Th.). 2. Berme-ringen (z. Th.). 3. Dalheim (z. Th.). 4. Destrich. 5. Ensch-weiler (z. Th.). 6. Eschen. 7. Harprich. 8. Landorf. '».Liedersingen (z. Th.). 10. Linderchen (z. Th.i. 11. Marthil. 12. Mörchingen. 13. Pewingen. 14. Rakringen. 15. Reich iz. Th.). 16. Rodalben. 17. Sotzeling (z. Th.). 18. Sülzen (z. Th.). 19. Weiler. 20. Zarbeling. Von diesen Dörfern w a n n 1, 2 u. 3 theilweise bischöflich (s. Kastellanei Albesdorf); 5, 9, 10 u. 17 gehörten theilweise zu den lothringischen Lehen Falkenberg (5) und Dürkastel; von 18 gehörte Dorf Sülzen zum Rotterbanne (s. d.). Der Besitz in 4, 6 und 17 scheint erst im 14. Jhdt. als Allod erworben worden zu sein. - Die Herrschaft M. gehörte ursprünglich zum Seillegau, im 10. Jhdt. theilweise (?) zur Grafschaft Destrich. Unsicher ist, ob die Grafen von Salm, die Anfang des 13. Jhdts. im Besitze erscheinen, solchen von Bar oder von Lothringen (durch Heirath) erworben haben. Die Lehensauftragung des Grafen Heinrich von Salm an Bar (1222) scheint eine persönliche gewesen zu sein; 1255 ist die Herrschaft dem Herzoge von Lothringen aufgetragen worden. Während der Fehde über die Blieskastel'sche Erbschaft nahm das Bisthum Metz die Oberlehensherrlichkeit in Anspruch,anerkannte aher 1291 die Rechte von Lothringen. Bis 1475 blieb M. bei der älteren Linie von Salm. Die Erbtochter Johanna von Salm brachte M. dem Hause der Wild- und Rheingrafen zu, welche den Namen Salm annahmen; 1520 k a m die Herrschaft durch Erbvergleich an die Linie Kyrburg, 1540 an eine Nebenlinie Salm-M. 1629 wurde die Herrschaft von Lothringen eingezogen, weil die Rheingrafen Otto Ludwig (t 1634) und Johann Philipp (f 1638) in schwedische Dienste getreten waren ; 1643 haben die Rheingrafen M. unter franz. Schutz gestellt; 1659 ist der lothringische Sequester durch Reichsschluss aufgehoben worden. Die Herrschaft, 1680 durch die Reunionskammer eingezogen, ist nach dem Rys-w v ker Friedensschlüsse (1697) wieder an Lothringen zurückgegeben worden. Nach dem Erlöschen der Linie Kyrburg (1688) blieb die Herrschaft bis 1718 im Besitze der Wittwe des Rheingrafen Johann, der Pfalzgräfin Elisabeth von Bayern-Veldenz. 1729 ist der Erbstreit durch den herzoglichen Hof in Nancy dahin entschieden worden, dass neben den Rheingrafen von Grumbach (3 Achtel) auch die weiblichen Agnaten : Bayern-Zweibrücken (2 Achtel) Wurttem-berg- Teck, WTürttemberg-Mömpelgard und Wied-Runkel (je 1 Achtel) als Miterben berufen wurden. Die Erbtheile sind 1733 theilweise von Sir Grenville-Elliot, (zu dessen j Gunsten 1736 die Herrschaft vom Herzoge von Lothringen I als Grafschaft anerkannt wurde) erworben worden; 1743 ging das Ganze durch Kauf an die Wittwe des Grafen Bleikart Maximilian von Helmstatt, Gräfin Eleonore von Poitiers-Velin, über, welche Mörchingen ihrem Sohne Bleikart Maximilian Augustin bei dessen Vermählung mit Henriette Louise von Montmorency-Laval. Schwester des I Bischofs von Metz, überliess; Graf Bleikart, der kinderlos j war, überliess M. seinem Vetter Maria Johann von Nepo-i m u k Freiherrn von Helmstatt, der sich mit der Tochter des | Marschalls Herzog von Broglie vermählte. D a die Familie beim Ausbruche der Revolution das Land verliess, wurden ! deren Güter M., Hingsingen u. s. w. beschlagnahmt. Der 1792 verhängte Sequester ist dann durch kaiserliches De-i kret vom 7. Januar 1S06 aufgehoben worden. Anfang des 18. Jhdts. ist die Meierei Reich, bestehend aus Dorf Reich, Metzing, Linderchen und Sotzeling, an die Familie Le I Roy de Montluc veräussert worden. - Die herrschaftlichen Güter und Waldungen sind 1834 v o m Grafen von Helmstatt, der sich auf seine Güter im Kraichgau zurückzog, veräussert und ser stückt worden. [Kremer, C. J.] Kurzgefasste Geschichte des Wild- und Rheingräflichen Hauses Mannheim 1769. Schneider, C, Gesch. des Wild- und Rheingräll. Hauses, Volkes und Landes auf dem Hundsrücken. Kreuznach 1854. Gründliche A u s f ü h r u n g des Rheingräfl. und Rheingrafenstein'schen Erb- und Lehcn-Folg-Rechtes in die Hälfte deren erledigten Rheingräflich Dhaun'schen Landen. 1750. Watrinet, M. Notice sur Morhange. (Memoircs de la Soc. d'archeol. lor-raine 44, 1894, S. 211-271; 45, 1895, S. 236-294). [dPr.] M ö r c h i n g e n , Distrikt. Der Distr. M., 1790-95, umfasste die Kantone Anserweiler, Bischdorf, | Diedersdorf, Falkenberg, M., Sailly, Thimonville. Wallersberg. Von diesen kamen Bischdorf und M. 1800 in das Arr. Saargemünd, Falkenberg in das Arr. Metz, die übrigen wurden aufgehoben. M ö r c h i n g e n , Kanton. Der Ka. M. (1790-1802), 1790- |