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Show Strassburg. 1067 Elsass herauszuschcuchen, auf das er sich damals Hoffnung gemacht hatte, und unterstützte Karl V. wirksam auf seinem allerdings erfolglosen Zuge gegen Metz. - Die durch den protestantisch gewordenen abgesetzten Erzbischof und Kurfürsten von Köln und Domdechanten von Strassburg, G e b h a r d T r u c h s e s s von W a l d bürg, veranlasste Spaltung im Domkapitel hatte im Jahre 1592 die Wahl eines protestantischen und eines katholischen Bischofs zur Folge, und dies rief einen zwölfjährigen blutigen Krieg, den sog. bischöflichen, hervor, der sich bei der Bedeutung des Strassburger Bischofsitzes und bei dem leidenschaftlichen Interesse, das seine Besetzung überall erregte, leicht zu einem europäischen hätte auswachsen können, wenn nicht Heinrich IV. v o n Frankreich einen Frieden vermittelt hätte, wonach der K a r d i n a l von Lothringen das Bisthum, der protestantische Administrator, ein brandenburgischer Prinz, eine Geldentschädigung erhielt. Die Stadt, die für den Letzteren Partei ergriffen, hatte ungeheuere Verluste erlitten, die ihr nur zum kleinsten Theil ersetzt wurden. Zweimal hintereinander wurde das Strassburger Bisthum mit österreichischen Prinzen besetzt (1607- 1(>63), denen zwei Mitglieder des Hauses Fürstenberg (1663- 1704), dann vier Mitglieder des Hauses Rohan (1704-1789[1803]) folgten.- Im ersten Theile des dre issig jährigen Krieges zog sich Strassburg, wie so viele protestantische Reichsstände, scheinbar äusserst klug und diplomatisch, auf den Boden einer schwächlichen, aber verhängnisvollen Neutralität zurück und gewann auf diese Weise sogar vom Kaiser F e r d i n a n d II. die Erweiterung seiner Akademie zu einer vollständigen Universität (1621). Erst das Restitutionsedikt (1629) schreckte die Stadt aus ihrer Ruheseligkeit auf; sie verband sich 1631 mit G u s t a v Adolf, dieser aber fiel 1632, die Schlacht bei Nördlingen (1634) machte den Kaiser übermächtig; unter französischen Fahnen brachte Bernhard von W e i m a r noch einmal die Rettung, aber der Friede von 1648 machte Strassburg und die andern kleinen Reichsstände links des Rheines zu verlorenen Posten. Der holländische Krieg (1672-1679) zeigt uns Strassburgs krampfhafte Anstrengungen, eine Neutralität zu beobachten, die bald von kaiserlicher, bald von französischer Seite ungestraft verletzt wurde. Der Friede von N y m w e g en liess Strassburg noch beim Reiche. Aber 16S0 erklärte die zu Breisach von Ludwig XIV. eingesetzte Reunions-k a m m e r die Stadt Strassburg auf Grund des Westfälischen und des Nymweger Friedens für verpflichtet, dem französischen Könige den Huldigungseid zu leisten. Die Stadt versuchte das Reich noch einmal für sich zu interessiren, aber vergeblich. A m 28. September IbSl stand Louvois mit 30000 Mann in Illkirch und zwang die Stadt, L u d w i g XIV. als ihren Herrn anzuerkennen. A m 30. zog er in die Stadt ein. A m 15. August 1684 erkannte das Reich im R e g e n s hurger Stillstand die Annexion Strassburgs vorläufig an, im R y s w y k e r Frieden vom 30. Oktober 1697 wurde die Stadt endgiltig an Frankreich abgetreten. Dies Ereignis war die Folge des tiefen Misstrauens der protestantischen Reichsstände gegen den Kaiser und der finanziellen Zerrüttung der Stadt, die ihr die Fortführung einer eigenen auswärtigen Politik und die Entfaltung militärischer Kräfte unmöglich machte. - Es folgte für die Stadt eine ruhige Zeit: der Verlust der Selbständigkeit wurde dadurch ausgeglichen, dass sich die Bürger unter dem Schutz eines starken Staates den Beschäftigungen des Friedens in aller Ruhe hingeben konnten. 1725 fand in Strassburg die Vermählung der Prinzessin Maria L e s c z y n s k a mit L u d wig X V . statt, der bei dieser Feier durch den ersten Prinzen von Geblüt, L u d w i g von Orleans, vertreten war; 1744 wurde L u d w i g XV. mit gewaltigem Gepränge in Strassburg empfangen, als er sich aufgemacht hatte, die vorher schon abgezogenen Oesterreicher aus dem Lande zu vertreiben. 1770 betrat Marie Antoinette als vierzehnjährige Dauphinc den französischen Boden bei Strassburg. - Die französische Revolution brachte auch in Strassburg die grössten Veränderungen hervor. Während das Elsass bis 1789 zu dem sog. Etranger effectif gehört hatte, also von der französischen Zolllirie ausgeschlossen war und auch noch andere Sonderrechte genossen hatte, während Strassburg die Formen seiner Verfassung bis dahin bewahrt hatte, so erfolgte jetzt eine vollständige Umwälzung. A m 21. Juli wurde das Rath haus (die jetzige Handelskammer am Gu-tenbergplatz) vom Pöbel gestürmt, die Archive bedeutend geschädigt, auch sonst grosser Unfug angerichtet. Durch die Beschlüsse vom 4. August wurde die alte Stadtver- I fassung gestürzt und vorläufig durch eine demokratische ersetzt. Durch das Gesetz vom 14. Dezember 1789 wurde Strassburg Hauptstadt des D e p a r t e m e n t s Niederrhein und erhielt die neue für alle Gemeinden Frankreichs gleiche Gemeindeverfassung, die a m 18. März 1790 ins Leben trat. Der erste Maire war Friedrich von Dietrich, ein feuriger Patriot und edeldenkender Mensch. Doch die radikalen Elemente kamen immer mehr in die Höhe, und ihnen musste Dietrich schliesslich weichen: er wurde in Anklagezustand versetzt und starb am 29. Dezember 1793 auf dem Schaffot. In Strassburg lag 1793/4 die ganze Gewalt in der Hand der Jakobiner, des Deutschen Eulogius Schneider und des 25jährigen Savoyarden Monet, die sich aus Nationalitätsgründen wieder untereinander befehdeten. Ihre blutige Thätigkeit wurde, nachdem Schneider schon Ende 1703 beseitigt war, durch den Sturz Robespierres (Juli 1794) beendet, und allmählich traten wieder geordnete Zustände ein. Unter den N a p o l e o n ischen Kriegen hatte Strassburg im ganzen wenig zu leiden; der Kaiser hielt sich Ende September 1805 einige Tage, die Kaiserin Josephine den ganzen Winter 1S05/6 in Strassburg auf, was Veranlassung zu einer Reihe glänzender Festlichkeiten gab. Die Befreiungskriege führten die Verbündeten vor die Mauern Strassburgs. V o m 7. Januar bis zum Ib. April 1814 und vom Ende Juni bis zum 15. September 1815 war Strassburg blockirt. - Die Zeit von 1815 bis 1870 brachte der Stadt Strassburg nicht viel Neues. 1836 machte der 28jährige Prinz Karl L u d w i g Bonaparte, der spätere Kaiser Napoleon III., in Strassburg den vergeblichen Versuch, einen Militäraufstand anzuzetteln, u m sich auf den Thron zu schwingen; war ihm auch ein Theil der Truppen geneigt, so wurde er von dem andern doch sofort gefangen genommen, u m ins Innere Frankreichs abgeführt zu werden. Der Krieg von 1870/1 führte gleich nach der Schlacht bei W ö r t h die deutschen Truppen, B a d e n e r und Preussen, vor die nicht entsprechend gerüstete Stadt. 6 Wochen dauerte die Belagerung (unter General v. Werder), welche am 28. September 1870 zur Uebergabe führte (Kapitulation in Königshofen). Der Einzug des Generals v. Werder erfolgte a m 30. September. Die grossen Verluste, welche die Stadt erlitten, wurden durch reichliche Entschädigungen wieder ausgeglichen; unersetzlich waren allerdings die | künstlerischen und handschriftlichen Schätze der Stadtbibliothek, deren Vernichtung dadurch herbeigeführt wurde, dass die «Neue Kirche», in deren Chor sie untergebracht waren, auf dem den Belagerern vorliegenden Stadtplane irr-thümlicher Weise als «Rathhaus» bezeichnet war (vgl. dazu v. Borries, Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elass-Lothringens, 16 (1900), S. 305-345). Von dem Tage der Einnahme an war Strassburg der Sitz des Gene-ralgouverneurs imElsass, G r a f e n von Bismarck- Bohlen. A m 10. Mai 1871 vereinigte der Frankfurter Friede das Elsass endgiltig mit Deutschland; Hauptstadt des neuerworbenen Reichslandes Elsass-Lothrin gen wurde Strassburg. A m 1. Oktober 1871 trat der Oberprä- I sident von Möller seine Stellung in Strassburg an. Am 1. Oktober 1879 ist an die Stelle des Oberpräsidenten ein I kaiserlicher Statthai ter getreten. Im Mai 1877 machte |