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Show Mülhausen. 731 gebildete Institut des pauvres nicht mehr ausreichte. 1831 entstand die SocieT6 des amis des pauvres. Seit 1848 besteht der Verein St. Vincenz v. Paul und die Anstalt der Schwestern in der Burggasse. Frau Nie. Köchlin gründete 1852 die SocieTe" de patronage und 1863 bildete sich die SocieTe" de maternite". 1879 wurde das Asyl für kleine Kinder in der Papingasse eröffnet. 1883 entstand der Verein für Ferienkolonieen. Etwa 40 Vereine zur gegenseitigen Unterstützung sind in den letzten Jahren entstanden. I) K r a n k e n - und Waisenanstalten. Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts befand sich ein Krankenhaus hei der Katharinenkapelle vor dem Baselthore. Dann wurde es in die Wagnergasse verlegt 1528 richtete m a n das Augustinerkloster und lö24 das Klarissenkloster dazu ein. Bedeutenden Schenkungen namentlich der Herren A. Köchlin, J. Zuber, J. Dollfus etc. verdankt M. seit 1S43 das Bürgerspital am Graben, in dem sich auch eine Waisenanstalt befindet. Seit 1889 ist die Stadt Eigenthümerin des ehemaligen Bcsitzthums A. Köchlin a m Hasenrain, w o sie ein kathol. Krankenhaus nach den neuesten Grundsätzen errichtet hat. Zu gleichem Zwecke wurde ihr 1898 das Besitzthum Marozeau, l'hermi-tage, im Rebberg für protest. Kranke geschenkt. Ein Diaco-nat befindet sich seit 1860 in M., Niederbronner Schwestern seit 1856, ein israel. Spital seit 1862. Engel-Dollfus gründete 1883 ein Dispensaire für kranke Kinder. K) Vor der Reformation umgab der K i r c h h o f die Stephanskirche, seit 1559 die Barfüsserkirche 1808 wurde er vor das Baselthor verlegt, und 1872 wurden neue Kirchhöfe für die verschiedenen Bekenntnisse im Nordfeld ange-legt. L) Vor 179S waren in Mülhausen Theatervorstellungen verboten. Seitdem benutzte man verschiedene Privaträumlichkeiten, bis 1867 eine Gesellschaft das gegenwärtige Gebäude in der Sinnenstrasse errichtete, das 1875 von der Stadt übernommen wurde. M ) Zeitungen: Vom 7. April 1798-99 erschienen die Mülhauser Wochenschrift und das Berichtsblatt, 1812 die Mülhauser Anzeigen und die Affiches de Mulhausen, 1858 das Journal de Mulhouse - Mülhauser Zeitung bis zum 30. April 1880. Der Industriel alsacien erschien von 1835-1877, ihm folgte der Express. Seit dem 7. April 1871 erscheint die Neue Mülhauser Zeitung und seit 1882 das Mülhauser Tagblatt; seit 1S97 die Oberelsässische Landeszeitung. N) Industrie, H a n d e l u. V e r k e h r s. oben. O) K u n s t g e s c h i c h t l i c h e s . Von der alten Stephanskirche a. d. 14. Jhdt. sind nur noch Zeichnungen und Baureste erhalten. Die Glasgemälde derselben stammen a. d. 14.-15. Jhdt. und sind theils im Museum, theils in der evangelischen Kirche aufbewahrt. Die Kapelle St. Johann (gesch.Dkm.) der ehem. Johanniterkomthurei ist ein Bau a. d. 14. u. 15. Jhdt.; jetzt neu restaurirt und zum Lapidarmuseum eingerichtet. Im Fundamente wurden Steine eines viel älteren Baues gefunden. Sie enthält hübsche Wandmalereien a. d. 15. Jhdt. A n Befestigungswerken ist nichts mehr vorhanden als der Bollwerkthurm, der Nesselthurm und der Teufels-thurm, sowie einige unbedeutende Stadtmauerreste.Die Stadttore sind alle verschwunden. A n älteren Profanbauten besitzt Mülhausen vor Allem das Rathhaus mit seiner alten Freitreppe, ein hervorragendes Bauwerk a. d. 16. Jhdt., mit einigen Resten a. d. 15. Jhdt.; die Bemalung der Fagaden, ursprünglich von Vacksterffer aus Colmar, ist noch erhalten, jedoch schon mehrmals aufgefrischt worden ; die Innenarchitektur d. h. die Decken und das Getäfel sind modern; in den Fenstern eine Anzahl guter Glasgemälde a. d. 16. und 17. Jhdt. Hervorragend ist das Museum von Mülhausen, das Gegenstände aus der vorgeschichtlichen bis zu der neuesten Zeit besitzt. In demselben befindet sich auch eine werthvolle Bildergalerie von modernen Meistern. Pi B e r ü h m t e Persönlichkeiten. M. verdankt seine gegenwärtige Bedeutung der Industrie. Aus der grossen Zahl der Industriellen ragen vor allem Mitglieder der Familien Köchlin und Dollfus hervor, deren Namen über die engeren Grenzen der Heimath hinaus bekannt geworden sind. Sam. Köchlin, 1719-1771, gründete 1746 in Verbindung mit Jac. Schmaltzcr und H. Dollfus die erste Fabrik für Buntbaumwollengewebe. Sein Enkel Nie. Köchlin, 1781-1852, ; war der Erbauer der Eisenbahnen von Mülhausen nach | Thann und von St. Ludwig nach Strassburg. Ein Neffe von | Nie. Köchlin war Andreas Köchlin, 1789-1875, Gründer der Maschinenfabrik in M. Joh. Dollfus, 1800-1887. brachte das vom Vater übernommene Geschäft namentlich durch bedruckten Kattun zum Weltrufe. Er ist der Urheber der Arbeitervorstädte. - Die alte Freistadt hat nur einen Mann hervorgebracht, der in der Wissenschaft zum Weltruf. gt langte, J. H. L a m b e r t , der als Sohn eines armen Schneiders am 26. August 1728 zu M. das Licht der Welt erblickte. Ohne höhere Schulbildung genossen zu haben entdeckte er als Buchhalter 1744 bei Berechnung des Kometen das jetzt so-i genannte Lambertsche Theorem. 174b war er Schreiber in Basel, 1748 Hauslehrer in Chur, 1759 wurde er auf Grund seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen als ord. Professor und Mitglied der Akademie nach München berufen, von wo er 1765 als Mitglied der Akademie und des Collc- , giums für Landesbauwesen nach Berlin ging und das Ver- | trauen des grossen Königs bis zu seinem Tode a m 25. Sept. 1777 genoss. Im Jahre 1828 wurde ihm in seiner Vaterstadt j ein bescheidenes Denkmal gesetzt, das jetzt vor der Zeichcn- | schule steht. Lambert war Mathematiker, Physiker, Astronom und Philosoph. In allen diesen Zweigen hat er der Wissenschaft neue Bahnen und neue Gesetze entdeckt. Er ist der Gründer der Photo-, Pyro- und Hygrometrie. er entdeckte die Theorie des Sprachrohres, er ist der Begründer der Ansicht über die Natur des Fixsternhimmcls, der Lam-bertschen Reihen in der Mathematik, er hat die hyperbelischen Funktionen eingeführt, er ist Mitbegründer der Kartographie und darstellenden Geometrie. Als Philosoph ist er vor Kant einer der bedeutendsten Erkenntnisstheoretiker. Vergl. Hüber, J. H. Lamberts Leben und Werke, Basel 1829. Durch ihre lange, segensreiche Thätigkeit in M. ganz eingebürgert sind die beiden Stob er, von denen Aug. St. (geb. 8. Juli 1808 zu Strassburg) von 1841-1871 Lehrer am College war, seit 1S64 war er zugleich Stadtbihliothekar, seit 1874 Gründer und Conservator des histor. Museums. Er j starb in M. am 9. März 18S4. Sein Bruder Adolf (geb. 7. Juli 1S11 zu Strassburg) starb in M. a m 8. Nov. 1892, nachdem er seit 1839 zunächst als Lehrer a m College, dann als Pfarrer überaus segensreich gewirkt hatte. In den Stüber-kreis hinein gehört Georg Zetter (1819-1872), der als Dichter und Schriftsteller (Redakteur des Samstagsblattes von 185b-6b unter dem Namen Fr. Otte in weiteren Kreisen bekannt geworden ist, wie auch Margarethe Spörlein (f 18S2) deren elsässische Lebensbilder, mit natürlicher Anmuth zu erbaulichem Zwecke geschrieben, noch heute ihren Werth haben. In M. lebte und starb auch der elsässische Dialektdichter Aug. Lustig, geb. 4. Nov. 1S40 in Hartmannsweiler, i gest. 2. Nov. 1S95. G e m e i n de wald (Oberförsterei Mülhausen» 30,1 ha. V. Litteratur. M o s s m a n n , X., Cartulaire de M. 1 b Bde. Strassburg 1883-90. Dieses W e r k enthält einen grossen Theil der Urkunden des Stadtarchivs von M.. wird aber i vom 15. Jhdt. ab immer unvollständiger. Ein genaues Ver-zeichniss der Bestände des Archivs ist der Vollendung nahe. - Von zusammenhängenden Darstellungen, für die ältere ] Zeit legendenhaft, seien genannt: Zwinger, Dav., Ware Beschreibung des Tumulds. 1586. Ferner die Chroniken der Stadtschreiber Joh. H. Petri (bis 1617), J. H. R e b e r (Vater und Sohn) (1693-1743), Jos. F ü r st en her ger (bis 1732), Josua Hof er (bis 179S). Diese Chroniken sind nacherzählt und fortgesetzt von Mieg, Matth., Der Stadt M. Geschichte bis 1816, ein Auszug daraus und Fortsetzung bis 1848 von Joh. |